Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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28.09.2014, Rechtsanwalt Dr. Patrick Schweisthal:

AC statt DC

Paradigmenwechsel bei der Ermittlung der „Installierten Leistung“ von Photovoltaikanlagen nach dem EEG 2014?

Die Bundesnetzagentur und die Clearingstelle EEG betrachten derzeit noch die DC-Modulnennleistung unter Standardtestbedingungen als „Installierte Leistung“ einer Photovoltaikanlage. Dieses Verständnis lässt sich allerdings mit der aktuellen Rechtslage nach dem EEG 2014 nicht in Einklang bringen. Nach der Revision des Anlagenbegriffs durch BGH VIII ZR 262/12 vom 23.10.2013 steht hier wohl der nächste Paradigmenwechsel an.

Inhaltsverzeichnis


Legaldefinitionen

Die „Installierte Leistung“ einer Photovoltaikanlage richtet sich nach den in § 5 EEG 2014 enthaltenen Legaldefinitionen:

 

Auszug aus EEG 2014
§ 5 Begriffsbestimmungen

Im Sinne dieses Gesetzes ist oder sind

1. „Anlage“ jede Einrichtung zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Grubengas; als Anlage gelten auch Einrichtungen, die zwischengespeicherte Energie, die ausschließlich aus erneuerbaren Energien oder Grubengas stammt, aufnehmen und in elektrische Energie umwandeln, [ … ]

21. „Inbetriebnahme“ die erstmalige Inbetriebsetzung der Anlage nach Herstellung ihrer technischen Betriebsbereitschaft ausschließlich mit erneuerbaren Energien oder Grubengas; die technische Betriebsbereitschaft setzt voraus, dass die Anlage fest an dem für den dauerhaften Betrieb vorgesehenen Ort und dauerhaft mit dem für die Erzeugung von Wechselstrom erforderlichen Zubehör installiert wurde; der Austausch des Generators oder sonstiger technischer oder baulicher Teile nach der erstmaligen Inbetriebnahme führt nicht zu einer Änderung des Zeitpunkts der Inbetriebnahme,

22. „Installierte Leistung“ einer Anlage die elektrische Wirkleistung, die die Anlage bei bestimmungsgemäßem Betrieb ohne zeitliche Einschränkungen unbeschadet kurzfristiger geringfügiger Abweichungen technisch erbringen kann,


Die Definition der „Installierten Leistung“ in § 5 Nr. 22 EEG 2014 bedient sich also folgender Tatbestandsmerkmale:

I. „Anlage“

Anlage ist nach § 5 Nr. 1 EEG 2014 „jede Einrichtung zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Grubengas“.

Diese Vorschrift ist wortgleich mit § 3 Nr. 1 Satz 1 EEG 2009, mit dem sich der Bundesgerichtshof in BGH VIII ZR 262/12 am 23.10.2013 eingehend befasst hat. Der BGH vertritt am Fall einer Biogasanlage einen sehr weiten Anlagenbegriff: In RN 38 führt er insbesondere aus, „dass der neu eingeführte weite Anlagenbegriff des § 3 Nr. 1 Satz 1 EEG 2009 entsprechend dem allgemeinen Sprachgebrauch auf eine Gesamtbetrachtung aller funktional zusammenwirkenden, technisch und baulich notwendigen Einzelanlagen ausgerichtet ist.“ Jedem unvoreingenommenen Betrachter ist hiernach zunächst klar, dass bei einer Photovoltaikanlage damit fast alles gemeint ist, was der Anlagenbetreiber nach Lieferung seiner Anlage auf der Rechnung stehen hat, nämlich die Module, die Aufständerung nebst Befestigungsmaterialien, die DC-Verkabelung und natürlich den Wechselrichter. Dies sind notwendige Anlagenkomponenten für die Stromerzeugung.

Die Gesetzesbegründung des Regierungsentwurfs zu § 3 Nr. 1 EEG 2009 vom 18.02.2008, sieht das hinsichtlich des Wechselrichters überraschender Weise anders:

„Infrastruktureinrichtungen wie Wechselrichter, Netzanschluss, Anschlussleitungen, eine Stromabführung in gemeinsamer Leitung, Transformatoren, Verbindungswege und Verwaltungseinrichtungen sind jedoch vom Anlagenbegriff nicht erfasst, da diese Einrichtungen nicht der Stromerzeugung dienen.“

Für Wechselrichter zur Leistungsübertragung aus einer Höchstspannungs-Gleichstrom-Trasse in ein Wechselstromnetz oder für die Versorgung eines Wechselstromgerätes aus dem Zigarettenanzünder eines Autos ist diese Auffassung noch nachvollziehbar, denn solche Wechselrichter dienen ausschließlich der Stromübertragung.

Ein PV-Wechselrichter hat aber andere Aufgaben. Anders als der Netzanschluss, Anschlussleitungen, Stromabführungen und Transformatoren dient er der Stromerzeugung der Photovoltaikanlage und nicht bloß der Übertragung des Stroms. Insofern ist für einen PV-Wechselrichter die inzwischen eingebürgerte Bezeichnung "Wechselrichter" irreführend. Wichtiges Kernstück eines PV-Wechselrichters ist ein sogenannter MPP-Tracker. Dieser steuert die Leistungsabgabe der Solarmodule. Solarmodule und MPP-Tracker stellen gemeinsam(!) einen Regelkreis dar. Dieser Regelkreis steuert sie so, dass immer die für das Gesamtsystem maximal mögliche Leistung aus den Solarmodulen entnommen wird; daher auch die Bezeichnung "Maximum Power Point (MPP)". Die maximale Leistung ist bekanntlich abhängig von der verfügbaren Lichteinstrahlung und der Modultemperatur, darf aber niemals zu einer Überlastung des Systems führen. Diese maximal mögliche Leistung kann gerätetechnisch nur durch den MPP-Tracker aus den Solarmodulen herausgeholt werden.

Würde man einen nicht für PV-Anlagen vorgesehenen Wechselrichter (also einen gewöhnlichen Wechselrichter ohne MPP-Tracker) auf der einen Seite mit den Solarmodulen, auf der anderen Seite mit dem Wechselstromnetz verbinden, so würden die Sicherheitseinrichtungen ansprechen oder es käme zur Gerätezerstörung. Jedenfalls käme es NICHT zu einer Einspeisung von Solarstrom ins Wechselstromnetz. Der PV-Wechselrichter ist also unentbehrlich für die Erzeugung von Wechselstrom und zwar genau in der für die Netz- und Marktintegration benötigten Form des netzsynchronen Wechselstroms. Der PV-Wechselrichter ist sogar das Herzstück der PV-Anlage. Hier wird die Produktion gesteuert, die Schnittstelle für die Kommunikation der Anlage mit dem Anlagenbetreiber und mit dem Netz bereitgestellt, gegebenenfalls die Beladung einer gleichstromseitigen Batterie gesteuert und die Anlage ein- und ausgeschaltet. Ein engeres technisch-funktionales Zusammenwirken im Sinne des BGH ist kaum vorstellbar.

Außerdem enthalten viele PV-Wechselrichter Kondensatoren zur Zwischenspeicherung von Energie aus den Solarmodulen. Dieser Speichervorgang dient dazu, dass der Wechselrichter über getaktete Schaltvorgänge Wechselstrom generieren kann. Somit könnte sogar der PV-Wechselrichter selbst nach § 5 Nr. 1 Halbsatz 2 EEG 2014 als Anlage angesehen werden, denn dort heißt es: „als Anlage gelten auch Einrichtungen, die zwischengespeicherte Energie, die ausschließlich aus erneuerbaren Energien oder Grubengas stammt, aufnehmen und in elektrische Energie umwandeln“.

Das gilt erst recht, wenn über den PV-Wechselrichter gleichstromseitig ein Akkumulator in die PV-Anlage integriert ist. Hier dauert die elektrochemische Zwischenspeicherung sogar Stunden oder Tage und dient zur Verstetigung der Stromversorgung durch die PV- Anlage unabhängig von Tageszeit und Witterungsänderungen.

Die insofern verfehlte Gesetzesbegründung zum EEG 2009 ging von einem unzutreffenden technischen Verständnis bezüglich der Funktion von PV-Wechselrichtern aus. Eine Gesetzesbegründung, die nicht zum Wortlaut des Gesetzestextes passt und die von unzutreffenden Annahmen über den tatsächlichen Sachverhalt ausgeht, kann PV-Wechselrichter aus dem Anlagenbegriff nicht ausschließen. Anlage im Sinne des § 5 Nr. 1 EEG 2014 ist somit die Photovoltaikanlage mit sämtlichen Modulen, Aufständerung, Befestigung, DC-Verkabelung, DC-seitig integrierten Speichern und Wechselrichtern.

 

II. „Elektrische Wirkleistung“

Die Gesetzesbegründung zu § 3 Nr. 6 EEG 2012 im Regierungsentwurf vom 6.6.2011 zitierte damals den Transmission Code 2007: „Wirkleistung ist die elektrische Leistung, die für die Umsetzung in eine andere Leistung, z.B. in mechanische, thermische, chemische, optische oder akustische Leistung verfügbar ist (Transmission Code 2007). Sie ist abzugrenzen von der Blindleistung, die für diese Umwandlung nicht verwendbar ist.“

Verfügbar ist die Leistung nur dann, wenn sie in einer Form bereitgestellt gestellt wird, die vom Erzeuger oder dem Bezugskunden ohne weiteres verwendet werden kann. Die Definition bezieht sich also nach unvoreingenommenen Verständnis bei einer netzgekoppelten Photovoltaikanlage auf die Bereitstellung von Netzstrom. Bei der Photovoltaikanlage kann es also nur um die Wirkleistung gehen, die der PV-Wechselrichter ans Netz abgeben kann. Die technische Aufgabe einer PV-Anlage ist erst dann erfüllt, wenn sie elektrische Wirkleistung an das Wechselstromnetz abgibt.</i>

Aber auch hier überrascht die Gesetzesbegründung zu § 3 Nr. 6 EEG 2012. „Für Fotovoltaikanlagen ist die „Installierte Leistung“ die gleichstromseitig ermittelte Wirkleistung. Die Wirkleistung nach dem Wechselrichter oder am Netzverknüpfungspunkt ist hingegen nicht relevant. Hintergrund dessen ist, dass bei Fotovoltaikanlagen bereits das Modul als Anlage im Sinne des § 3 Nummer 1 angesehen wird."

Dies ist eine "Basta-Begründung". Hier wird kein Grund angegeben, weshalb die gesetzliche Definition der installierten Leistung gerade nicht für die Photovoltaik gelten soll - sondern nur ein „Hintergrund“ angedeutet. Vermutlich geht es hier um die fehlerhafte Gesetzesbegründung von 2009. Diese Gesetzesbegründung hat allerdings keine Gesetzeskraft und darf hier auch nicht zur Auslegung herangezogen werden, weil sie das Gesetz nicht begründet, sondern ignoriert. Der Begründer erweitert jetzt eigenmächtig das Tatbestandsmerkmal der „Wirkleistung“ zu <i>„gleichstromseitig ermittelte Wirkleistung“. Ein Nichttechniker versteht die Sinnlosigkeit dieser Wortneuschöpfung vielleicht besser durch ein erdachtes, ebenso sinnloses Beispiel aus der Landwirtschaft:

„Die futtertrogseitig ermittelte Milchleistung einer Milchkuh. Die Milchproduktion aus dem Euter ist hingegen nicht relevant.“

Die Wortwahl des Gesetzestextes zielt aber auf eine einheitliche wechselstromseitige Bestimmung der installierten Leistung ab: Nur die Wirkung, die die Einspeisung auf das Wechselstromnetz ausüben kann, ist maßgeblich. Hätte der Gesetzgeber für die Photovoltaik einen Sonderweg einschlagen wollen, hätte dies auch seinen Niederschlag im Gesetzestext finden müssen.

Das Gesetz bietet mit § 5 Nr. 22 EEG 2014 bereits eine einheitliche Formulierung, die alle Fälle ausreichend berücksichtigt. Der von der Gesetzesbegründung eingeführte Begriff der "gleichstromseitig ermittelten Wirkleistung" bringt keinen zusätzlichen Erkenntniswert.

Der PV-Wechselrichter begrenzt mit Hilfe der MPP-Regelung schon die DC-Leistung in der Weise, dass er AC-seitig dauerhaft nicht mehr als seine Nennleistung abgibt. Diese Begrenzung wirkt sogar in den Fällen, in denen außergewöhnliche Wetterlagen zu einer höheren Einstrahlung als unter Standard-Testbedingungen führen.

Die Wirkleistung, die der Wechselrichter ans Netz abgibt zuzüglich der Umwandlungsverluste des Wechselrichters (etwa 1% bis 5%) entspricht somit wohl der „gleichstromseitig ermittelten Wirkleistung" der Gesetzesbegründung. Wenn man dem Begründer entgegen den Erkenntnissen des BGH darin folgt, dass bereits das einzelne Solarmodul als Anlage anzusehen sei, bleibt der Wechselrichter aber wenigstens eine Übertragungsvorrichtung des Anlagenbetreibers vor dem Verknüpfungspunkt, deren Verluste entsprechend dem technischen Verständnis des Transmission Code bei der Ermittlung der installierten Leistung in Abzug gebracht werden.

Im Gesetzestext und in der Begründung findet sich aber auch hier kein Beleg, der eine Sonderbehandlung der Photovoltaik bezüglich der Übertragungsverluste rechtfertigt. Wie für alle anderen EE-Anlagen ist somit auch bei einer Photovoltaikanlage die Wirkleistung maßgeblich, die diese am Verknüpfungspunkt „erbringen“ kann.

 

III. „bei bestimmungsgemäßem Betrieb…technisch erbringen“

Hiermit sind nicht die Standardtestbedingungen gemeint, die zur Ermittlung der DC-Nennleistung von Solarmodulen im Labor bereitgestellt werden. Nicht der isolierte Laborbetrieb ist der bestimmungsgemäße Betrieb der Photovoltaikanlage, sondern deren realer Einsatz zur Stromversorgung.

Unabdingbare Voraussetzung für die Aufnahme des bestimmungsgemäßen Betriebes ist die „technische Betriebsbereitschaft“ der Anlage nach § 5 Nr. 21   2. Halbsatz EEG 2014:

„die technische Betriebsbereitschaft setzt voraus, dass die Anlage fest an dem für den dauerhaften Betrieb vorgesehenen Ort und dauerhaft mit dem für die Erzeugung von Wechselstrom erforderlichen Zubehör installiert wurde;“

Damit sind bei der Ermittlung der installierten Leistung konsequent alle Restriktionen zu berücksichtigen, die sich aus der festen Ausrichtung des Moduls, dem Montageort und den vom Wechselrichter vorgegebenen Betriebsparametern ergeben.
Wenn z.B. ortsfest installierte Solarmodule mit einem Neigungswinkel von 30° nach Norden ausgerichtet sind, steht in Süddeutschland bei dem höchsten Sonnenstand im Jahr nur eine effektive Solarmodulfläche von 50 % zur Verfügung, so dass gleichstromseitig im bestimmungsgemäßen Betrieb gerade die Hälfte der Nennleistung der Module abgegeben werden kann. In keinem Fall kann im bestimmungsgemäßen Betrieb von der PV-Anlage mehr als die Nennleistung des Wechselrichters abgegeben werden. Somit ist die AC-Nennleistung des Wechselrichters für die Ermittlung der installierten Leistung der Anlage heranzuziehen, soweit sich nicht aus den oben genannten Restriktionen ein niedrigerer Wert ergibt.

Die Definition der technischen Betriebsbereitschaft steht seit der PV-Novelle 2012 im Gesetz. Der Gesetzgeber war nicht mehr bereit, sich mit den kuriosen Folgen des Fehlers in der Gesetzesbegründung zum EEG 2009 abzufinden. Unter Berufung auf die Anlageneigenschaft des Moduls waren jeweils kurz vor Jahresende Module ohne Wechselrichter mit Glühlampen in Betrieb genommen worden, um sich die Vergütungssätze des alten Jahres zu sichern. Die Festschreibung des untrennbaren Funktionszusammenhanges von Solarmodul, Montage, Installationsort und Wechselrichter im Gesetz bei der „technischen Betriebsbereitschaft“ strahlt bei konsequenter Fortschreibung der Rechtsprechung des BGH zum weiten Anlagenbegriff auch auf die Anlageneigenschaft bei Photovoltaik aus. Sie korrigiert somit den Irrweg der Gesetzesbegründungen zum EEG 2009 und 2012 und ist geeignet, den öffentlichen Glauben zu beseitigen, der sich in der noch herrschenden Ansicht der Bundesnetzagentur und der Clearingstelle EEG manifestiert.

Die AC-Nennleistung des Wechselrichters ist somit im Regelfall maßgeblich. Wenn die Anlage beim bestimmungsgemäßen Betrieb die Wechselrichternennleistung wegen der übrigen Anlagenkomponenten nicht erreicht, ist das gesondert nachzuweisen.

 

IV. „ohne zeitliche Einschränkungen unbeschadet kurzfristiger geringfügiger Abweichungen“

Durch dieses Tatbestandsmerkmal wird klargestellt, dass es auf die AC-Nennleistung des Wechselrichters ankommt, die dieser im regulären Dauerbetrieb erbringen kann.

 

V. Gesetzeskontext

Die Heranziehung der AC-Nennleistung des Wechselrichters als „Installierte Leistung“ beseitigt die Ungereimtheiten, die mit der noch herrschenden Meinung einhergehen.

Das EEG 2014 bedient sich konsequent eines einheitlichen Leistungsbegriffs im Sinne der gebräuchlichen technischen Fachbegriffe: „Installierte Leistung“ ist die Wirkleistung, die eine Anlage nach ihrer technischen Auslegung ins Netz einspeisen kann. „Einspeiseleistung“ beschreibt die jeweils konkret nach Netzmanagement zulässige Einspeisungsleistung und „Wirkleistungseinspeisung“ ist der Gegenbegriff zur Einspeisung von Blindleistung.

Die bisherige Sonderbehandlung für die Photovoltaik bei der installierten Leistung wirkt als Fremdkörper in der Gesetzessystematik, weil sie im Gesetztext nirgendwo ihren Niederschlag findet, sondern sich lediglich wegen der verfehlten Gesetzesbegründungen zum EEG 2009 und EEG 2012 bei der Clearingstelle EEG und bei der Bundesnetzagentur etablieren konnte.

Der eigentliche Paradigmenwechsel im Gesetzestext des EEG 2009 liegt nicht allein in der Revision des Anlagenbegriffs, sondern vor allem in der von netztechnischen Aspekten geprägten Definition des Leistungsbegriffs bei gleichzeitiger Einführung der verpflichtenden Teilnahme von EE-Anlagen am Netzmanagement.

Hier kommt es ausschließlich auf die AC-Einspeisungsleistung an, für die die Anlage technisch ausgelegt ist. Herstellerangaben über die gleichstromseitige Nennleistung von Solarmodulen sind hier vollkommen wertlos. Die Gegenüberstellung der Gleichstromleistung der Solarmodule und der zu begrenzenden Einspeiseleistung vergleicht Äpfel mit Birnen und führt zu Brüchen in der Logik, die nur die konsequente Ermittlung der installierten Leistung nach der AC-Nennleistung des Wechselrichters ausräumen kann: Eine PV-Anlage mit einer installierten Leistung von 30 kW darf bei der 70%-Regelung höchstens 21 kW am Verknüpfungspunkt ins Netz einspeisen. 9 kW müssen vor dem Verknüpfungspunkt von regelbaren Verbrauchern oder Stromspeichern aufgenommen, oder vom Wechselrichter durch Einspeisung eines höheren Blindleistungsanteils oder durch Verschiebung des Leistungspunkts heruntergeregelt werden. Diese Vorschriften zur Begrenzung der Einspeiseleistung von Photovoltaikanlagen gibt es nur wegen der mit der Einspeisung verbundenen Wirkungen auf das Stromnetz. Auch deswegen kann hier mit der installierten Leistung nur die Leistung gemeint sein, die der Wechselrichter tatsächlich ins Netz übertragen kann.

Auflagen zur Gestaltung der Messung und Bilanzierung der Einspeisung können ebenfalls nur dann sinnvoll und diskriminierungsfrei an die „Installierte Leistung“ anknüpfen, wenn diese einheitlich bei allen EE-Anlagen erhoben wird.

Auch die gesetzliche Vermutung der Eignung eines Hausanschlusses für die Aufnahme einer Einspeisungsanlage von bis zu 30 kW verbietet eine Sonderbehandlung für die Photovoltaik bei der Ermittlung der „Installierten Leistung“.

Die Anknüpfung an die „Installierte Leistung“ bei den Vergütungsschwellen kann nur durch die Erfassung der AC-Nennleistung des Wechselrichters dem Gesetzeszweck des EEG 2014 genügen. Der Gesetzgeber hat in der Gesetzesbegründung die Photovoltaik neben der Windkraft als die kostengünstigste Möglichkeit der künftigen regenerativen Stromversorgung ausgemacht. Der atmende Deckel muss also strikt nach den Vorgaben des Gesetzes gesteuert werden, damit die Photovoltaik ihre Kostenvorteile auch tatsächlich ausspielen kann.

Der absolute Deckel von 52 GW für die Förderung der Photovoltaik wurde bei seiner Einführung vom Gesetzgeber ausdrücklich mit der durch die Einspeisung verursachten Netzbelastung begründet. Da erscheint es unvertretbar, der Photovoltaik eine fiktive Modulleistung anzukreiden, die gar nicht im Netz ankommen kann.

Die Photovoltaik ist nach dem Gesetzeszweck besonders förderungswürdig, wenn sie bei gleichbleibender Einspeisungsleistung die Nutzungsdauer des Wechselrichters erhöht und den Solarstrom verlässlich und marktgerecht ins Stromnetz integriert, ohne es zusätzlich zu belasten. Der Gesetzgeber hat schließlich in § 2 Absatz 1 EEG 2014 die Netz- und Marktintegration nun auch ausdrücklich zum eigenständigen Gesetzeszweck erhoben:

„(1) Strom aus erneuerbaren Energien und aus Grubengas soll in das Elektrizitätsversorgungssystem integriert werden. Die verbesserte Markt- und Netzintegration der erneuerbaren Energien soll zu einer Transformation des gesamten Energieversorgungssystems beitragen.“

Die Photovoltaik muss an dem Beitrag gemessen und gefördert werden, den sie tatsächlich für die Energieversorgung erbringen kann. Photovoltaik kann insbesondere durch die Ausrichtung der Solarmodule nach Osten, Westen und Norden und durch die Integration von Speicherlösungen die Einspeisung verstetigen. Dabei ist auch der Ausbau der vorhandenen PV-Standorte ohne Erhöhung der installierten Leistung zu begrüßen. Die fortgesetzte Erfassung der installierten Modulleistung nach der DC-Nennleistung der Solarmodule würde dieses Potential ungenutzt lassen und die Photovoltaik gegenüber den anderen erneuerbaren Energien wie Biogas und Windkraft unangemessen benachteiligen, die ihre „Installierte Leistung“ weitgehend unabhängig vom lokalen Energieinput gestalten können.

Die Heranziehung der AC-seitigen Wechselrichternennleistung als „Installierte Leistung“ stimmt auch weitgehend mit dem Leistungsbegriff in sachnahen Regelwerken wie dem Stromsteuergesetz und mit dem netztechnischen Begriffsverständnis überein.

Die fehlerhaften Gesetzesbegründungen zum EEG 2009 und 2012 waren offensichtlich noch von der Annahme geprägt, dass eine Photovoltaikanlage regelmäßig mit optimaler Südausrichtung installiert wird. Der Unterschied zwischen der DC-Modulnennleistung und der AC-Wechselrichternennleistung wird aber mit dem zunehmenden Preisverfall von Solarmodulen, der Verknappung von Süddächern und der beginnenden Speicherintegration immer erheblicher, so dass hier schnell gehandelt werden muss.

 

VI. Fazit

Die „Installierte Leistung“ einer Photovoltaikanlage entspricht somit der AC-Nennleistung des Wechselrichters. Die derzeitige amtliche Erhebung der installierten PV-Leistung durch die Bundesnetzagentur ergibt deutlich zu hohe Werte. Die zentrale Stellschraube für die finanzielle Förderung wird ohne Rechtsgrundlage zu fest angezogen. Die „installierte Leistung“ vieler PV Anlagen wird unter Berufung auf Bundesnetzagentur und Clearingstelle zu hoch angesetzt. Wegen der unzutreffenden Anwendung der EEG-Schwellenwerte fällt die Förderung für manche Anlagen etwas zu niedrig aus, und die Auflagen für manche Anlagen zum Netzschutz und zur Gestaltung der Messung werden zu streng festgesetzt und verursachen unnötige Kosten. Vereinzelt werden Anlagen gar nicht oder kleiner als möglich gebaut, weil ihre installierte Leistung zu hoch angesetzt wird.

Es ist daher an der Zeit, dass die Bundesnetzagentur ihr Anlagengenregister nicht nur für Wind-, Biomasse-, Geothermie und Wasserkraftanlagen, sondern auch für PV-Anlagen konsequent nach den Vorgaben des EEG 2014 führt und statt der DC-Modulnennleistung die AC-Wechselrichternennleistung als installierte PV-Leistung erfasst.



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