Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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04.12.2014, Wolf von Fabeck:

Belastet Verbrennen von Biomasse das Klima?

Immer wieder brechen erbitterte Diskussionen zu der Frage aus, ob das Verbrennen von Biomasse dem Klima schadet. Die Erbitterung, mit der diese Diskussionen geführt werden, ist verständlich, denn immerhin werden in Deutschland fast 8 Prozent der Endenergie aus Biomasse gewonnen und viele tausende Menschen haben persönliche Mühen und finanzielles Engagement in diese Technik gesteckt, mit dem Ziel etwas für den Klimaschutz zu tun. Sie genießen das gute Gewissen, doch sie täuschen sich leider. Ich selber gehöre auch dazu. So habe ich meinen VW Golf II im Jahr 2002 umrüsten lassen, um ihn mit reinem Pflanzenöl fahren zu können.

Es hat lange gedauert, bis ich meinen Denkfehler 1 erkannt habe. Das vorab.

Folgende Überlegungen haben mich überzeugt.

Wenn man Energie aus dem Wind oder der Sonne erzeugt, entsteht kein CO2. Wenn man Energie aus der Biomasse erzeugt, entsteht dagegen CO2.

Die Verfechter der energetischen Biomassenutzung entgegnen darauf: "Das CO2 entsteht ohnehin, auch wenn man keine Energie aus der Biomasse erzeugt, weil Biomasse im ewigen Kreislauf verrottet und dabei wieder CO2 ergibt.“

Ich habe den zweiten (fett gedruckten) Halbsatz überprüft und festgestellt, dass er die Verhältnisse viel zu ungenau beschreibt. Dazu habe ich folgendes gemacht: Ich habe vor etwa 10 Jahren einen Kanister mit Pflanzenöl befüllt und seinen Deckel fest verschlossen. Meine Frau hat mich schon mehrfach aufgefordert, das "Zeug" endlich wegzutun, doch dann könnte ich mein Experiment nicht fortführen.

Und worin besteht mein Experiment?

Von Zeit zu Zeit öffne ich den Kanister und überzeuge mich, dass das Pflanzenöl noch darinnen ist. Und tatsächlich: es ist noch darinnen und hat sich NICHT zu CO2 verwandelt.

Das kommt Ihnen vielleicht albern vor, weil Sie das auch ohne dieses Experiment glauben würden. Nur.. der Unterschied zwischen Ihnen und mir ist folgender: MEIN Pflanzenöl in dem verschlossenen Kanister verwandelt sich NICHT in CO2 und belastet schon seit 10 Jahren das Klima nicht!

Mit meinem verschlossenen Kanister tue ich also praktisch etwas gegen den Klimawandel.

Nun können Sie mich zu Recht fragen, womit ich denn nun Auto fahre. Auf diese Frage habe ich schon gewartet. Ich fahre zumeist Fahrrad oder Straßenbahn und stürze mich jede Woche in das spannende Abenteuer einer Fahrt mit der Deutschen Bahn. Und in der nächsten Woche kaufe ich mir ein Elektroauto. Die PV-Anlage auf dem Dach ist bereits in Betrieb.
Aber ich wollte ja über Biomasse schreiben. Meine ganze Familie hilft inzwischen mit, Biomasse vor dem Verrotten zu bewahren. Wir haben uns ein Holzhaus gekauft, und rechnen damit, dass die hier eingebauten Baumstämme hundert Jahre lang nicht verrotten.

Schlussfolgerung:

Es kommt also nicht darauf an Biomasse zu verbrennen, sondern es kommt im Gegenteil darauf an, Biomasse so lange wie möglich daran zu hindern, dass sie verbrennt, oder verbrannt wird oder verrottet. Jedes Jahr, das die Biomasse unverbrannt und unverrottet am Erdboden verbringt, ist ein Gewinn für das Klima, denn Biomasse, die irgendwie im unverrotteten Zustand am Erdboden gehalten wird, kann nicht als CO2 den Treibhauseffekt verschlimmern. Genau genommen muss nicht die Biomasse am Verbrennen gehindert werden, sondern es genügt, wenn der in der Biomasse enthaltene Kohlenstoff nicht zu CO2 oder Methan verwandelt wird. Chemische Umwandlungen sind also erlaubt. Es kommt einzig darauf an, die Verweilzeit des Kohlenstoffs am Erdboden zu verlängern.

Erfolgreiche Verfahren:

  • Direkte Verwendung von Pflanzen als Baumaterial, z.B. Schilfdächer, Holzhäuser, Eisenbahnschwellen, Brücken und Türme aus Holz,
  • Kohlenstoff aus Biomasse als Pflanzenkohle (terra preta) fest im Boden einbauen,
  • Herstellung von Kunststoffen und Textilien aus Biomasse,
  • Herstellung von Kohlefaser-Verbundwerkstoffen

Und glücklicher Weise kennen wir andere Verfahren zur CO2- und strahlungsfreien Energiegewinnung.

Keine Nutzung fossiler Brennmaterialien

Nur sicherheitshalber zum Ausschluss von Missverständnissen: Das Verbrennen von Erdöl, Kohle und Erdgas sehen wir als einen noch schlimmeren Fehler an.



[1] Fußnote

Auch der Gesetzgeber war hier in einem Irrtum befangen. Zum Beispiel findet sich in der Verordnung: „Anforderungen an eine nachhaltige Herstellung von flüssiger Biomasse zur Stromerzeugung“ in Anlage 1 zu § 8 Absatz 3 „Methode zur Berechnung des Treibhausgas-Minderungspotenzials anhand tatsächlicher Werte“ der Satz „Die Emissionen bei der Nutzung des flüssigen Brennstoffs (eu) werden für flüssige Biomasse auf null gesetzt“ . Der Gesetzgeber ging also offenbar auch davon aus, dass die Biomasse genauso schnell verrottet wäre, wenn man sie nicht energetisch genutzt hätte.

Die Treibhausgasemissionen bei der Herstellung, Lieferung und Verwendung von flüssigen Brennstoffen (flüssige Biomasse und Fossilbrennstoffe) werden wie folgt berechnet:

E = eec + el + ep + etd + eu – esca – eccs – eccr – eee

Dabei sind:
E = Gesamtemissionen bei der Verwendung des flüssigen Brennstoffs,
eec = Emissionen bei der Gewinnung der Rohstoffe, insbesondere bei Anbau und Ernte der Biomasse, aus der die flüssige Biomasse hergestellt wird,
el = auf das Jahr umgerechnete Emissionen auf Grund von Kohlenstoffbestandsänderungen infolge von Landnutzungsänderungen,
ep = Emissionen bei der Verarbeitung,
etd = Emissionen bei der Lieferung,
eu = Emissionen bei der Nutzung des flüssigen Brennstoffs,
esca = Emissionseinsparungen durch Anreicherung von Kohlenstoff im Boden infolge besserer landwirtschaftlicher Bewirtschaftungspraktiken,
eccs = Emissionseinsparungen durch Abscheidung und geologische Speicherung von Kohlendioxid,
eccr = Emissionseinsparungen durch Abscheidung und Ersetzung von Kohlendioxid,
eee = Emissionseinsparungen durch überschüssigen Strom aus Kraft-Wärme-Kopplung.

Die mit der Herstellung der Anlagen und Ausrüstungen verbundenen Emissionen werden nicht berücksichtigt.

In den dann folgenden Erläuterungen heißt es ausdrücklich: "Die Emissionen bei der Nutzung des flüssigen Brennstoffs (eu) werden für flüssige Biomasse auf null gesetzt"



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