Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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12.03.2016, Wolf von Fabeck:

Biomasse stofflich nutzen oder verbrennen?

Zwei nachvollziehbare Gedankenexperimente schaffen Gewissheit

"Bioenergie zu Unrecht im Abseits?" lautete vor kurzem ein Beitrag von Adi Golbach.Dieser Beitrag ist kein Einzelfall. Immer wieder einmal hört man die Behauptung, Bioenergie sei "klimaneutral" und deshalb dürfe man zur Energiegewinnung Pflanzen ohne Schaden für das Klima verheizen. Eine solche Aussage ist irreführend und gefährlich, weil sie dem Kampf gegen den Klimawandel eine falsche Stoßrichtung gibt.

Adi Golbach beruft sich in seinem Beitrag auf "offizielle Zahlen der Bundesregierung", wonach im Jahr 2014 die CO2-Emissionen in Deutschland durch Nutzung der Bioenergie statt fossiler Energie um 60,2 Mio. Tonnen gesenkt worden seien. Ferner beruft er sich auf dänische Berechnungen, bei denen mit Hilfe eines hohen Bioenergieanteils eine vollständige Dekarbonisierung Dänemarks erreicht werden können. (unter "Dekarbonisierung" wird üblicherweise Energiebereitstellung ohne CO2-Ausstoß verstanden).
Beide Berechnung gehen offenbar davon aus, dass das bei der Verbrennung von Biomasse erzeugte CO2 nicht berücksichtigt zu werden braucht, weil es ja vorher durch die Photosynthese aus der Atmosphäre herausgeholt worden sei. Doch das ist offensichtlich Unfug.

 

Zwei einfache Gedankenexperimente zeigen, dass die Verbrennung von Biomasse den CO2-Gehalt der Atmosphäre erhöht

 

1. Wir vergleichen eine Windanlage mit einer Bioenergieanlage.

Wir erzeugen jeweils 1 GWh Strom

  • erstens mit der Windanlage
  • zweitens mit der Bioenergieanlage

Im ersten Fall wird kein CO2 in die Atmosphäre abgegeben.

Im zweiten Fall wird CO2 in die Atmosphäre abgegeben.

Das Ergebnis:

Eine Windanlage ist erheblich klimafreundlicher als eine Bioenergieanlage.

Man könnte noch ergänzen, dass unter einer Windanlage sogar zusätzlich Biomasse angepflanzt und gewonnen werden kann.

 

2. Wir vergleichen ein Braunkohlekraftwerk mit einer Bioenergieanlage

Wir erzeugen Strom in beiden Anlagen, bis wir jeweils einen CO2 Ausstoß von 10 Tonnen CO2 erreicht haben

  • Erstens mit einem Braunkohlekraftwerk
  • zweitens mit einer Bioenergieanlage

Dann beobachten wir, wie lange es dauert, bis die globale Pflanzenwelt mit Ihrem Chlorophyll durch Photosynthese das ausgestoßene CO2 in Biomasse zurückverwandelt hat.

Das Ergebnis: Das CO2 aus einer Bioenergie-Anlage wird nicht schneller zu Biomasse zurückverwandelt als das CO2 aus einem Braunkohlekraftwerk.

Natürlich sind uns die anderen Nachteile der Braunkohle sehr wohl bewusst: Zerstörung von Dörfern, Wäldern, Feldern und Belastung der Umgebung z.B. mit Emissionen von Quecksilber.

 

Schlussfolgerung - Energetische Nutzung von Biomasse schadet dem Klima

Biomasse sollte stofflich statt energetisch genutzt werden.

Es gibt z.B. die direkte Nutzung von Holz für Baumaßnahmen, Bahnschwellen, Fertighäusern. Es gibt die Nutzung als Verpackungsmaterial, als Rohstoff für Spanplatten.
Es gibt auch die Nutzung nach chemischer Umformung bis hin zur Herstellung von Textilien oder Kohlenstofffaser-Verbundwerkstoffen. Für diese chemischen Verwendungen sind derzeit noch fast 20 Prozent der Öleinfuhren bestimmt.

 

Energetische Nutzung von rasch verderblichen Biomasseabfällen - eine Ausnahme

Hier ist abzuwägen, ob nicht die energetische Verwendung letztlich eine geringere Umweltbelastung ergibt. Die energetische Verwertung von Gülle z.B. ist dem Ausbringen der Gülle auf dem Acker vorzuziehen.



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