Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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04.09.2007, Wolf von Fabeck:

CO2-Kopfpauschale - ein Vorschlag jenseits aller Realisierbarkeit

Ablenkung von der notwendigen Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien

Liebe Mitstreiter im Kampf gegen den Klimawandel,

bitte veröffentlichen Sie diese Antwort auf den Vorschlag einer CO2-Kopfpauschale, wie er z.B. in der taz vom 1.9.07 zu lesen war (siehe Anhang).

Aubrey Meyer schlägt eine weltweite - für alle gleiche - CO2-Kopfpauschale vor, die so bemessen sein soll, dass das Klima sich nicht um mehr als 2 Grad erwärmt. Dazu folgende Überlegungen:

Eine weitere Erwärmung der Erde bis auf 2 Grad hinzunehmen, ist Wahnsinn. Schon jetzt - nach einer Erwärmung um noch nicht einmal 1 Grad - gerät das System aus der Kontrolle. Schon jetzt werden Vorgänge angestoßen, die in menschlichen Zeiträumen gedacht, irreversibel sind und die zur Erhöhung des CO2-Ausstoßes führen. Das Abtauen der Permafrostböden gehört dazu, das Abschmelzen des Eises im Norden und inzwischen auch noch in der Antarktis, die Ausbreitung der Wüsten, das Abbrennen der südlichen Wälder, die Verminderung der CO2-Aufnahmefähigkeit der Meere usw. usw. Und eine weitere Steigerung der Orkane, der Überschwemmungen, der Trockenheiten - hinnehmbar? Nein!!!

Und wer macht sich anheischig, genau auszurechnen, wieviel fossile Brennstoffe wir noch verbrennen dürfen, bis die zwei Grad erreicht sind. Und was soll dann geschehen? Wie wollen wir das bis dahin emittierte CO2 wieder zurückholen?

Die CO2-Kopfpauschale ist so unrealistisch wie die gleichmäßige Verteilung der Geldvermögen. Diejenigen, die die Macht und das Geld und die Energie haben, werden sich nicht daran halten.
Eine Rationierung des fossilen Brennstoffverbrauchs - was wollen Sie tun wenn der Energiebedarf weiter steigt? Er tut es bereits - weltweit!

Die Lösung muss an der Wurzel ansetzen. Wir brauchen Energie, aber wir brauchen kein CO2. Deshalb brauchen wir eine CO2-freie Bereitstellung von Energie.

Eine Umstellung ist mit heutiger Technik möglich, aber die Inhaber der fossilen Energiequellen verzögern diese Umstellung mit allen Mitteln - auch mit dem Mittel der Desinformation und Irreführung, soweit es um die Erneuerbaren Energien geht.

Wichtig ist deshalb, dass die Forderung nach einer Umstellung der Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien nicht mehr aus der öffentlichen Diskussion kommt.

Unter http://www.sfv.de/sachgeb/100_aus_.htm finden Sie zu diesem Thema eine Fülle von Informationen.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf von Fabeck



taz-Interview: Aubrey Meyer - CO2-Kopfpauschale ist Schlüssel für den Klimakompromiss


"Wir müssen Klima-Apartheid beenden - Jeder Mensch hat das gleiche Recht an der Atmosphäre", meint Aubrey Meyer. Er ist der Erfinder der Kopfpauschale für den Klimaschutz, die Angela Merkel jetzt propagiert. Das Modell sei der Schlüssel zum Klimakompromiss zwischen Nord und Süd

INTERVIEW NIKOLAI FICHTNER

taz: Herr Meyer, seit 15 Jahren kämpfen Sie sozusagen für eine Kopfpauschale im Klimaschutz: Für jeden Menschen auf der Erde soll es das gleiche CO2-Limit geben. Jetzt hat Kanzlerin Angela Merkel die Idee, die Sie als Erster entwickelt haben, in die internationale Debatte eingebracht. Freuen Sie sich?

Aubrey Meyer: Ja, sehr. Aber irgendwann musste es so weit sein. Es gibt keinen anderen Weg, das Klimadilemma zu lösen. Was Frau Merkel jetzt in Japan vorgeschlagen hat, ist logisch und einfach. Jeder kann anhand der Bevölkerungszahl abzählen, wie viel CO2 ein Land ausstoßen darf. Zu dieser Logik kommt das moralische Argument. Afrikaner und Asiaten emittieren nur einen kleinen Bruchteil von dem, was in Europa oder den USA ausgestoßen wird. Um zu einem Kompromiss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern zu kommen, muss man erst einmal anerkennen, dass jeder Mensch das gleiche Recht an der Atmosphäre hat. Man muss sozusagen die Klima-Apartheid beenden. Dann ist es möglich, alle in einem gemeinsamen Kompromiss zu vereinen.

taz: Bisher müssen gemäß Kioto-Protokoll nur die Industriestaaten ihre CO2-Emissionen senken. Ihre Minderungsverpflichtungen sind berechnet nach dem bisherigen Ausstoß. Die Bevölkerungszahl spielt keine Rolle. Was stört sie daran?

Aubrey Meyer: Der Kioto-Ansatz ist wie ein Pokerspiel. Die bisherigen Reduktionsverpflichtungen sind nicht rational begründet. Welches Land wie viel CO2 ausstoßen darf, hängt zu sehr von Zufällen und Verhandlungsgeschick ab. Außerdem ist Kioto nur eine Teilantwort auf das Klimaproblem, weil es nicht jedes Land einbezieht. Der Pro-Kopf-Ansatz dagegen ist per Definition global.

taz: Wie kann man das Konzept in der Praxis umsetzen?

Aubrey Meyer: Die Basis ist das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Dafür dürfen wir eine bestimmte Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nicht überschreiten. Von da aus kann man ausrechnen, wie viel die Erdbevölkerung zu einem bestimmten Zieldatum noch ausstoßen darf und diese Menge durch die Anzahl der Erdbewohner teilen. Wenn jedes Land je nach Einwohnerzahl einen festgelegten Anteil an der Atmosphäre besitzt, wird ein globaler Emissionshandel nicht nur möglich, sondern auch sehr hilfreich.

taz: Bei voraussichtlich neun Milliarden Einwohnern bleiben 2050 pro Kopf noch 1,5 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person. Ein US-Amerikaner stößt heute noch durchschnittlich 20 Tonnen aus. Wie soll das gehen?

Aubrey Meyer: Auch eine solche Reduktion um mehr als 90 Prozent ist möglich, es kommt nur darauf an, wie schnell sich die US-Wirtschaft auf Alternativen zum Kohlenstoff umstellt. Wenn die mal ihre Erfindungsgabe anschalten würden, könnten sie bald vielleicht sogar Emissionsrechte verkaufen.

taz: Was bedeutet Merkels Vorstoß für die anstehenden Klimaverhandlungen?

Aubrey Meyer: Frau Merkel reagiert mit ihrem Vorschlag auf einen Vorstoß der indischen Delegation beim G-8-Gipfel in Heiligendamm. Die haben dort gesagt: Wenn ihr Industrieländer euch anstrengt, versprechen wir euch, pro Kopf nie mehr zu emittieren als ihr. Die Entwicklungsländer fordern den Pro-Kopf-Ansatz schon lange. Merkel gibt jetzt die perfekte Antwort. Das ist näher am Ideal der globalen Klimagerechtigkeit als alle bisherigen Vorschläge.

taz Nr. 8367 vom 1.9.2007, Interview NIKOLAI FICHTNER

AUBREY MEYER, 60, ist Gründer des britischen Global Commons Institute. Seit 1991 kämpft er für den Pro-Kopf-Ansatz im Klimaschutz.


TREIBHAUSGASE PRO KOPF
CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel hat auf ihrer Reise nach Japan diese Woche eine neue Klima-Initiative gestartet: Der Treibhausgasausstoß pro Kopf soll demnach maßgeblich für künftige Richtwerte im Kampf gegen den Klimawandel sein. Derzeit stößt Deutschland pro Einwohner rund 11 Tonnen Kohlendioxid im Jahr aus. Die Emissionen der Vereinigten Staaten liegen bei knapp 20 Tonnen pro Kopf und Jahr. Jeder Einwohner im Emirat Katar kommt im Schnitt auf 44,5 Tonnen jährlich. Ein Chinese stößt derzeit hingegen nur 3,5 Tonnen pro Jahr aus, ein Inder sogar nur 1,1. Weltweit werden pro Kopf 4,2 Tonnen CO2 ausgestoßen. (taz Nr. 8367 vom 1.9.2007, TAZ-Bericht)




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