Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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08.12.2007, Wolf von Fabeck:

Dezentrale Einspeisung benötigt ein Einspeisegesetz

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist auch bei sogenannter Netzparität unverzichtbar

Bei weiterer Preissteigerung für die fossilen Brennstoffe und Verbilligung der Kosten für Strom aus Erneuerbaren Energien werden in nicht allzuferner Zeit die Kosten für die Herstellung von PV-Strom mit den Kosten für die Herstellung von Kohlestrom gleichziehen. Man spricht hier von Netzparität.
Können wir dann auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verzichten und den freien Strommarkt für Erneuerbare Energien einführen?
Diese Frage ist mit einem glatten Nein zu beantworten - aus folgenden Gründen:
Das EEG legt den Netzbetreibern nicht nur die Pflicht zu einer bestimmten Zahlung auf, sondern noch verschiedene weitere sehr wichtige Pflichten:

  • EE-Anlagen an ihr Netz anschließen,
  • allen Strom aus EE-Anlagen abnehmen
  • Strom aus EE-Anlagen vergüten,
  • einen staatlich festgesetzten Mindestpreis zahlen,
  • den EE-Strom an die Stromverbraucher weiter zu verkaufen.

Auf keine dieser Pflichten können die Betreiber dezentraler Anlagen verzichten. Besonders die Betreiber kleiner PV-Anlagen hätten sonst keine Chance.
Man muss sich einmal praktisch vorstellen, was passiert, wenn das EEG wegfallen würde. 10 Millionen PV-Kleinst-Anlagen-Betreiber müssten sich dann ständig darum kümmern, Kunden für ihren zeitlich unstetigen Strom zu finden.
Nachbar Meyer möchte zwar morgen vormittags seine Waschmaschine mit Solarstrom betreiben, aber übermorgen fahren die Meyers zu ihren Großeltern und brauchen deshalb erst am Montag morgen wieder Strom. Ob dann die Sonne scheinen wird, ist noch nicht feststellbar...
Welchen Organisations- und Werbeaufwand müssten die PV-Betreiber erledigen. Sie müssen dabei auch versuchen, ihre PV-Konkurrenten preislich zu unterbieten usw. usw. Und haben die Betreiber überhaupt Zeit, alle diese Aufgaben zu erledigen, müssen sie nicht auch noch etwas anderes tun, z.B. einen privaten Beruf ausüben?
Der Netzbetreiber nimmt ihnen all diese Arbeit aufgrund seiner gesetzlichen Verpflichtung ab.
Die Aufgaben des Netzbetreibers lassen sich vielleicht mit einem Beispiel aus einem anderen Wirtschaftsbereich vergleichen - mit dem Kreditgewerbe.
Die Banken und Sparkassen nehmen die vielen Einzahlungen der Bürger entgegen, zahlen für alle (beinahe) die gleichen Zinsen und kümmern sich darum, dass die vielen kleinen Einzahlungen zu nutzbaren Krediten für die Wirtschaft gebündelt werden. So ähnlich sollen es die Netzbetreiber mit den vielen Einspeisungen der EE machen.
Also noch einmal zusammengefasst: Wer auf die Dezentralisierung der Stromerzeugung Wert legt, der kann nicht auf das EEG verzichten.



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