Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

vom 23.08.2007, aktualisiert am 26.09.2007, Wolf von Fabeck:

Die Ohnmacht des Einzelnen

Wir brauchen einen starken Staat

Diejenigen, die bewusst auf Flugreisen verzichten, das Auto nur in dringenden Fällen benutzen, die Wäsche an der Leine trocknen, Produkte aus dem eigenen Land kaufen, eine eigene Solarstromanlage betreiben usw., erkennen irgendwann, dass sie am weltweiten Fortschreiten der Klimakatastrophe nichts Wesentliches ändern. Der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die Häufigkeit der Unwetterkatastrophen nehmen zu, es rollen weiterhin energiefressende Autos vom Band, die Billigstangebote nach Teneriffa werden nicht weniger, und ausgerechnet der Umweltminister fordert den Bau neuer Kohlekraftwerke.

Irgendwann beschleicht uns das Gefühl der Ohnmacht. Wir erleben eine uralte Menschheitserfahrung wieder völlig neu: Es gibt Gefahren und Herausforderungen, die nur in der Gemeinschaft bestanden oder gelöst werden können. Ein wesentlicher Teil der Menschheitsgeschichte besteht ja darin, dass Menschen sich zur gemeinsamen Lösung großer Aufgaben zusammengefunden haben - kurz, dass sie gelernt haben, sich zu den verschiedensten Zwecken zu organisieren.

Auch heute organisieren sich Menschen zur Lösung gemeinsamer Aufgaben. Doch was sind das für Aufgaben? Die Gründung von Aktiengesellschaften und GmbHs hat Hochkonjunktur. Ein ganzer Studiengang, die Betriebswirtschaftslehre, beschäftigt sich mit der Frage, wie man möglichst rasch einen Unternehmensgewinn - und als Vorstand oder Anteilseigner einen persönlichen Gewinn - erzielen kann.
Die Betonung liegt immer mehr auf dem Ich, auf dem Jetzt, auf dem Heute und auf dem Geld. Eine solche Organisationsform ist schon durch ihre Denkweise völlig ungeeignet zur Abwehr der heraufziehenden Klimakatastrophe. Denn ein Gewinn, den man jetzt erzielen kann, ist in ihrer Ideologie tausendmal mehr wert als der Schaden, der erst viele Jahre später offenbar wird. Alle zukünftigen Verluste werden in Geldbeträgen bemessen und diese auf den gegenwärtigen Wert „abgezinst“.

Ähnliches gilt für die Volkswirtschaftslehre, die sich mit dem Wohlstand ganzer Völker befasst. Verluste und Unglück, aber auch zukünftiges Glück, das Glück der kommenden Generationen, werden „abgezinst“ und dadurch als wertlos eingestuft. So kommt den in diesen Gedankengängen verwurzelten Menschen - wenn man es mit einem Begriff der Biologie ausdrücken will - der notwendige Brutpflegeinstinkt abhanden.

Zur Abwehr der heraufziehenden Klimakatastrophe brauchen wir eine andere Denkweise und eine andere Organisationsform. Beide gibt es schon seit Jahrhunderten, aber beide wurden sträflich vernachlässigt. Für die Zukunft vorsorgen, die Infrastruktur verbessern, die Bürger gegen Kriminalität von Innen und Bedrohungen von Außen verteidigen, Kindern und Jugendlichen eine gute Schulausbildung bieten, das war und ist Aufgabe des Staates. Doch der Staat ist eine Organisation, die nicht mehr Ernst genommen, die verlacht und betrogen wird. Man erzählt lieber Beamtenwitze und schlägt dem Finanzamt ein Schnippchen! Ein „schlanker“ Staat - gemeint ist ein machtloser Staat, in dem sogar die Zukunftsvorsorge bis hin zum Schienennetz und zur Trinkwasserversorgung privatisiert ist - ist heute das Idealbild der tonangebenden Neoliberalen.

Völlig in den Hintergrund getreten ist dagegen ein anderes Staatsverständis. Es manifestierte sich in dem Bekenntnis: „Der Staat, das sind wir“. Diese Äußerung erregt heute allenfalls noch Verwunderung. Und die Zeiten sind fast vergessen, in denen es eine Ehre war, dem Staat zu dienen.
Die Berufe des Staatsdieners und des Politikers gehören heute zu den verachtetesten Berufen überhaupt. Die Folgen sind verhängnisvoll: „Ein anständiger Mensch geht nicht in die Politik.“ Wohin die konsequente Befolgung dieses weitverbreiteten Spruchs führt, ist leicht auszudenken.
Wir, die wir uns Sorgen um den Klimawandel machen, müssen hier gegensteuern. Andernfalls überlassen wir den neoliberalen Geld- und Geschäftemachern die Schalthebel der Macht. Es geht um eine Rückbesinnung auf die Ideale einer wehrhaften Demokratie: Sich informieren, sich einmischen, gute Politiker und gute Politik unterstützen. Wir alle sind gefordert! Der Staat ist keine Melk-Kuh, sondern ist die einzige Organisation, die unser Überleben garantieren kann.

Wir brauchen deshalb einen starken Staat, der sich gegen die Wirtschaft und ihre Zumutungen durchsetzen kann und für den Zukunftsvorsorge die oberste Priorität darstellt.



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....