Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 17.03.2007, aktualisiert am 26.03.2007, Wolf von Fabeck:

Durchwursteln ist kein Strategieersatz -
Die Umweltbewegung steckt ihre Ziele
nicht weit genug

Nur ein kompromissloser, schneller Umstieg auf Erneuerbare Energien kann noch das Weltklima retten.

Die Erneuerbaren Energien Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sind zwar in aller Munde, doch nur wenige Experten wissen, dass man die Energieversorgung vollständig auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen kann. In der Umweltbewegung wird es schon als riesiger Fortschritt angesehen, wenn die Europäische Union 20 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2020 fordert. Dabei zeigt eine einfache Kopfrechnung sofort den Pferdefuß: 20 Prozent Erneuerbare Energien bedeuten 80 Prozent Nichterneuerbare Energien. Damit lassen sich weitere Forschungsanstrengungen und Staatsausgaben für Atom- und Kohlekraftwerke rechtfertigen, die dann bei den Erneuerbaren Energien fehlen. Ein wirksamer Klimaschutz kommt auf diese Weise nicht zustande.

Unsere Kritik an dem EU-Beschluss richtet sich nicht primär gegen die 20 Prozent, sondern gegen die Tatsache, dass das eigentliche Ziel der Energiepolitik nicht genannt wird. Ein Reisebüro, welches in seinen Prospekten das Reiseziel verschweigt, und stattdessen nur die erste Zwischenstation nennt - z.B. „Hauptbahnhof Münster“ - würde rasch alle Kunden verlieren. Aber im EU-Beschluss fehlt eine Aussage über das Ziel. Eigentlich müsste sie so lauten:

„Die Gemeinschaft erklärt den festen Willen, die Energieversorgung vollständig und so rasch wie möglich auf Erneuerbare Energien umzustellen.“

Besonders peinlich ist es, wenn Umweltschützer irgendwelche Prozentzahlen an Erneuerbaren Energien fordern, ohne das Endziel zu nennen. Sie bedenken dabei nicht, wie ihre Forderung in der Öffentlichkeit aufgefasst wird. Jedes an 100 Prozent fehlende Prozent wird wie ein stillschweigend, verschämtes Eingeständnis angesehen, dass langfristig auf Atom- oder fossile Energien eben doch nicht verzichtet werden kann. Hier verspielt die Umweltbewegung durch fahrlässige Formulierungen eine wichtige Chance. Dies liegt allerdings nicht an fehlender Formulierungskunst, sondern an einer nicht mehr länger entschuldbaren Unklarheit über ihre eigenen Ziele und Möglichkeiten.

Es fällt vielen Umweltschützern offenbar sehr schwer, sich die vollkommene Energiewende - nämlich 100 Prozent Erneuerbare Energien - überhaupt vorzustellen. Allzuoft haben sie von den Fachleuten der Energiewirtschaft gehört, dass nur die konventionellen Energien eine sichere Versorgung bereitstellen können. Allzulange haben sie geglaubt, die Atomenergie durch hocheffiziente Kohlekraftwerke in Kraftwärmekopplung (KWK) ersetzen zu können. Dass jetzt die Gefahr nicht nur von der Atomenergie, sondern auch von den fossilen Energien ausgeht, dass auch die KWK-Anlagen trotz aller technischen Fortschritte zu viel CO2 ausstoßen und damit das Klima zerstören, ist für sie eine noch nicht richtig verarbeitete neue Erkenntnis.

Derzeit hat die Umweltbewegung keine überzeugende Strategie. Atomenergie wird von ihr abgelehnt. Fossile Energien hat sie nun auch als gefährlich erkannt und den Erneuerbaren Energien traut sie das Potential für eine vollständige Energieversorgung nicht zu. So verliert sie Meinungsführerschaft und Kompetenz. „20 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2020“ und sonst keine weitere Zielangabe, ist eine lächerliche Forderung.

Wer ein Ziel vorgeben will, muss die technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten kennen.

Die Frage, ob ein vollkommener Ersatz der konventionellen durch die Erneuerbaren Energien möglich ist, wurde zwar in mehreren Studien positiv beantwortet, doch Allgemeingut der Umweltbewegung sind die Ergebnisse dieser Studien nie geworden. Dazu waren sie zu umfangreich. Glücklicherweise lässt sich die Frage nach den 100 Prozent heute leichter und anschaulicher beantworten, als zu der Zeit, aus der diese Studien stammen. Immerhin können wir inzwischen in Deutschland auf 17 Jahre Erfahrung mit Erneuerbaren Energien zurückgreifen und die Ergebnisse in die Zukunft projizieren. Eine solche Zukunftsprojektion (http://www.sfv.de/artikel/2007/powerpo.htm) zeigt, dass sich noch Manches ändern muss, dass dann aber sogar in unserem dichtbesiedelten und hoch industrialisierten Land eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ohne Energieimporte möglich ist.

Die Forderung nach 100 Prozent Erneuerbaren Energien darf nicht mehr verstummen.


Französische Übersetzung:
100 % énergies renouvelables! Le mouvement écologiste ne fait pas, sur le long terme, de projets assez ambitieux



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