Die wirkungsvollste Gegenmaßnahme gegen die Klimakatastrophe ist die totale Umstellung der Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien Sonne und Wind. Doch gerade diese Maßnahme entspricht nicht den Interessen der Energiewirtschaft, denn der Ausbau dieser Erneuerbaren Energien geschieht im wesentlichen dezentral unter Beteiligung der Bevölkerung und in einem Tempo, auf das die Energiewirtschaft wenig Einfluss hat. Die Energiewirtschaft sucht vielmehr nach zentralisierbaren Techniken, die sie in eigener Regie betreiben (und ggf. verzögern) kann.

  • Fusionskraftwerke
  • CO2-Abscheidung und Endlagerung bei Kohlekraftwerken
  • Solaranlagen in der Wüste
  • Off-shore Windparks an den Küsten Europas

All diese Techniken setzen gut ausgebaute Ferntransportleitungen voraus, mit denen der zentral gewonnene Strom zu den dezentral verteilten Verbrauchern weitergeleitet werden kann. Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit extremen Wetterereignissen oder Terrorakte werden dabei häufig vernachlässigt.

  • Ausbau der Ferntransportleitungen wird von Seiten der Großkonzerne gefordert

Die Energiewirtschaft bekämpft andererseits die dezentralen Techniken, weil die von Privatleuten finanziert und betrieben werden können.

  • Solarstromgewinnung auf und an Gebäuden
  • Solarstromgewinnung an hoch aufgeständerten Solaranlagen über landwirtschaftlich genutzten Flächen
  • Ausbau der Windenergie im Binnenland
  • Reaktivierung von Kleinwasserkraftwerken

Den eigentlichen Grund für die Ablehnung der Erneuerbaren Energien nennt die Energiewirtschaft natürlich nicht. Stattdessen argumentiert sie mit einem angeblichen preislichen Vorteil: Solarenergie solle man dort ernten, wo die Sonne scheint und Windstrom dort, wo der Wind weht. Durch solche Überlegungen erhalten Politiker Oberwasser, die die Einspeisevergütungen für Windstrom im Binnenland und Solarstrom für zu hoch halten.

Eine zentralisiert durchgeführte Dekarbonisierung der Weltenergieversorgung nach dem Geleitzugprinzip (alle richten ihr Tempo nach dem langsamsten Schiff) würde unerträglich lange dauern. Eine entkoppelte Durchführung im nationalen Rahmen, besser sogar im regionalen Rahmen, ist deshalb vorzuziehen. Hinzu kommt eine bessere Beherrschbarkeit von Fehlentwicklungen, wenn sie nicht überall gleichzeitig auftreten. Selbst ein Total-Blackout könnte dann regional eingegrenzt werden.

Wichtig ist auch die Tatsache, dass bei einer dezentralen Energiewende Akteure gewonnen werden, die sich an kleineren Projekten in eigener Initiative beteiligen. Hingegen würden sich bei einer zentralen Energiewende die bisherigen Großunternehmen als Bremser betätigen, weil sie nicht ihren eigenen Anlagen auf fossiler oder atomarer Basis Konkurrenz machen wollen.

Verbrauchernähe ist die Stärke von Wind- und Solaranlagen und der dazugehörigen Strom- und Energiespeicher. Eine VDE-Studie „Der Zellulare Ansatz“ aus dem Jahr 2015 bestätigt die Vorteile und die Machbarkeit dieses Konzepts. Dessen Vorteile machen sich im Wettbewerb noch mehr bezahlt, wenn der wirtschaftliche Aufwand, Strom über weitere Entfernungen zu transportieren, in entfernungsabhängigen Netzentgelten berücksichtigt wird. Volkswirtschaftlich wird damit der Aufwand des Netzausbaus minimiert, die Fehlinvestition in neue Fernübertragungstrassen wird verhindert.

Regionale Endkundenversorger - z.B. Stadtwerke - werden dann wegen der entfernungsabhängigen Netzgebühren steigendes Interesse am Bezug von preiswerten Solar- und Windstrom aus der Region haben. Das Ergebnis wird sein, dass es zu mehreren Preiszonen in Deutschland kommen wird. Die Politiker, die in Süddeutschland den Windkraftausbau verhindert haben, müssen dann der Bevölkerung erklären, warum in Regionen mit wenig Windrädern der Strom teurer ist.