Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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10.12.2009, Bernhard Bennertz:

Erste Berührung mit dem Energiewenderechner des SFV

Mal wieder ist Urlaubszeit - Zeit, die Arbeit hinter sich zu lassen und anderes kennenzulernen. Und da treffe ich doch eine Gruppe von Mitgliedern des Solarenergie-Fördervereins, die sich mit einer fast präsentierfertigen Version ihres Energiewenderechners beschäftigt und mich einlädt, diesen Rechner auszuprobieren und zu kommentieren.

Die Aussage, die mit diesem Rechner verbreitet werden soll und belegt werden kann, ist, dass auch in Deutschland genügend erneuerbare Energie zur Verfügung steht, um den gesamten Energiebedarf zu decken. Eigentlich sogar viel mehr. Und mit dem Energiewenderechner kann ich in seiner einfachsten Bedienart die verschiedenen Arten erneuerbarer Energie mit verschiedenen Anteilen so kombinieren, dass ein Teil des Energiebedarfs oder auch der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Energien gedeckt wird.

Erste Erkenntnis: Wenn die hinterlegten Zahlen realistisch sind, dann ist es gar kein Problem, den gesamten Energiebedarf der Republik aus erneuerbaren Energien zu decken.

Über die Kosten dieser Energie mache ich mir erst einmal keine Gedanken, das kommt später.

Jetzt will ich aber schon auch wissen, ob die zu Grunde liegenden Ausgangsdaten sinnvoll sind. In einer anderen Ansicht zeigt mir der Energiewenderechner, wie der Energiebedarf ermittelt wurde und gibt mir Möglichkeiten, diese Zahlen nach meinem Geschmack zu ändern, wenn sie mir nicht plausibel erscheinen. Hier kann ich sehen, wie viel Energie zur Zeit in Form von Treibstoffen für Land-, Luft- und Wasserfahrzeuge verbraucht wird und kann einstellen, wieviel mehr oder weniger elektrische Energie ich schätze, dass diese Fahrzeuge nach einer Umstellung auf elektrischen Antrieb benötigen werden. Es ist sicher mit einiger Arbeit verbunden, hier zu einer eigenen qualifizierten Meinung zu kommen, aber ich kann hier eigene Ergebnisse verwenden, wenn ich sie habe.

Auch für die Heizenergie finde ich Zahlen zum derzeitigen Bedarf und kann den geschätzten zukünftigen Bedarf selber einstellen. Da kann ich z.B. erwartete Entwicklungen wie bessere Gebäudeisolierung berücksichtigen. Und Zahlen zum aktuellen Strombedarf finde ich auch.

Auf dieser Ebene der Benutzung des Energiewenderechners sehe ich eine große Menge Zahlen, die vom Solarenergie-Förderverein zusammengetragen wurden. Muss ich diese Zahlen einfach glauben? Nein, eine kontextbezogene Hilfe gibt mir Informationen zu den voreingestellten Zahlen und zu bekannten Technologien, die eingesetzt werden können. Ich kann die Zahlen also auch überprüfen. Das schafft Vertrauen. Jetzt habe ich verstanden, wie der Energiebedarf ermittelt wird.

Und zum Thema Bereitstellung der benötigten Energie aus erneuerbaren Quellen? Es ist für mich keine Überraschung mehr, dass ich auch hier recht detaillierte Angaben zum Potential der verschiedenen Energiequellen finden kann. Und auch diese Zahlen sind durch mich änderbar, wenn ich eigene Erkenntnisse habe, die von den vorgeschlagenen Zahlen abweichen.

Zweite Erkenntnis: Die hinterlegten Zahlen sind überprüfbar und ich kann sie ändern, wenn sie nach meiner Meinung und eigener Recherche zu optimistisch oder zu pessimistisch sind.
Jetzt will ich aber doch wissen, zu welchen Kosten die Umstellung möglich ist. In allen Betriebsarten werden mir im oberen Teil des Rechners zusammen mit dem Anteil der Bedarfsdeckung aus erneuerbaren Energiequellen auch die für den von mir gewählten Mix berechneten Kosten pro elektrischer kWh angezeigt. Und wenn ich wissen will, wie die ermittelt werden? Dann lasse ich mir das anzeigen und ändere die Zahlen, die mir nicht plausibel sind. Und wenn mich die Lust überkommt, dann kann ich auch verschiedene Szenarien ausprobieren und immer gleich sehen, wie sich die jeweiligen Annahmen auf das Ergebnis auswirken.

Die Möglichkeit, Szenarien durchzuspielen, habe ich nicht nur beim Strompreis, sondern in allen Bereichen dieses Rechners.

Der Energiewenderechner erschließt sich erst nach und nach dem Benutzer. Die dafür nötige Zeit kommt mir aber gut investiert vor, denn nach der Beschäftigung damit habe ich den deutlichen Eindruck gewonnen, dass eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien möglich ist.
Das gilt zunächst für die pauschale Betrachtung des Gesamtenergiebedarfs. Da die Ergebnisse aber nachvollziehbar und so die zu Grunde liegenden Annahmen gut erkennbar sind, können die Technikbereiche gut identifiziert werden, in denen noch viel Innovation nötig ist, um eine Wende zu erneuerbaren Energien hin zu ermöglichen. Der Weg zum elektrischen Straßenverkehr wird zur Zeit ja schon durch den „nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität“ der Bundesregierung skizziert. Die nötigen Forschungen und Entwicklungen werden gezielt gefördert.

Eine Umstellung des Luftverkehrs weg vom Verbrauch fossiler Treibstoffe liegt für mich noch in weiterer Ferne, aber wer weiß, welche Innovationen morgen stattfinden. Aus den im Energiewenderechner hinterlegten Zahlen kann ich sehen, wieviel Energie der Luftverkehr benötigt und beschließe für mich, dass es erst einmal lohnendere Ziele für die Investition in eine Umstellung gibt.

Ich empfinde den Energiewenderechner als sehr gute Arbeits- und Diskussionsgrundlage für eine Wende in der Energieversorgung und wünsche ihm eine weite Verbreitung.

Zum Autor:
Dr. rer. nat. Bernhard Bennertz, Physiker, derzeitiger Hauptarbeitsschwerpunkt: Softwareentwicklung



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