Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 21.06.2013, aktualisiert am 24.06.2013, Wolf von Fabeck:

Grußwort von Wolf von Fabeck zum 20. Jahrestag der kostendeckenden Vergütung in Freising

Liebe Solarfreunde in Freising,

Zum Gedenktag an die Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung in Freising ganz herzliche Glückwünsche auch von mir! In Gedanken bin ich bei Ihnen.

Ich sehe es als ein ermutigendes Zeichen, dass auch heute noch die Einführung der kostendeckenden Einspeisevergütung als Beginn einer neuen Ära gefeiert wird, und dass diejenigen, die damals die neue Idee entwickeln und durchsetzen konnten, darauf stolz sein dürfen.

Freising, Hammelburg, Aachen, Bonn, Lemgo, Lübeck, Nürnberg, Würzburg und so weiter ... Insgesamt vierzig deutsche Städte, dann ein Bundesgesetz und schließlich ein Zubau von mehr als 7 Gigawatt (GW) im Jahr... Aus lokaler Perspektive ein schwindelerregender Erfolg!

Doch es geht nicht nur um die Lösung eines lokalen Problems. Wir brauchen 100 Prozent Erneuerbare Energien weltweit.

Allzu leicht vergessen wir, dass eine solche Revolution nur möglich ist, wenn die notwendige "Hardware" auf dem Markt verfügbar ist, wenn genügend Solarmodule, Wechselrichter, Gestelle und sonstiges Zubehör angefertigt werden. Dazu brauchen wir Solarsilizium-Fabriken, Solarzellen-Fabriken, Wafer-Fabriken, Solarmodul-Fabriken, Wechselrichter-Fabriken, Zubehör-Fabriken.

Eine wichtige Frage: Wie viele dieser Fabriken werden wir brauchen?

Beim Klimaschutz geht es um globale Dimensionen. Der Primärenergieverbrauch in Deutschland liegt bei 3.900 TWh/a. Weltweit ist er 35 mal so hoch und er steigt weiter.

Derzeit können die global vorhandenen Produktionsstätten weltweit jährlich die Bauelemente für etwa 30 oder 40 GigaWatt neue Solaranlagen produzieren. 40 GigaWatt Solaranlagen liefern ca. 40 TeraWattstunden (TWh) im Jahr. 40 TWh kommen also jährlich hinzu.

Um aber auch nur die Hälfte des weltweiten Primärenergiebedarfs von 140.000 TeraWattstunden pro Jahr zu ersetzen, würden diese Fabriken 1750 Jahre brauchen. In Worten: Eintausend-Siebenhundert-Fünfzig Jahre!
Nein, ich habe mich nicht verrechnet!

Dieser grobe Überschlag zeigt deutlich, dass wir hundertmal MEHR Fabriken bzw. Produktionsstätten für Solaranlagen brauchen, als wir jetzt haben. Hundertmal mehr! Noch auf lange Zeit brauchen wir einen schnellen Zuwachs an Solarfabriken, etwa so wie das in den Jahren zwischen 2000 und 2009 auch möglich war. Bei aller berechtigten Wachstumskritik ist in diesem Fall Wachstum lebenswichtig und unverzichtbar, sozusagen grünes Wachstum!

Die Intersolar zeigt jedoch deutlich, dass die Zahl der vorhandenen Fabriken nicht zunimmt, sondern abnimmt. Einige Beobachter sprechen beruhigend von einer Bereinigung des Marktes und davon, dass sich jetzt die Spreu vom Weizen sondere. Doch das sehe ich anders. Viele der insolventen Produktionsstätten sind Opfer einer grob fahrlässigen Vergütungspolitik geworden.

Nehmen wir doch einmal ein Beispiel, eine solare Fabrik, die 2004 in der Gewissheit errichtet wurde, dass die Nachfrage weiter steigt und dass Solaranlagen in den kommenden 10 Jahren mit einer auskömmlichen Einspeisevergütung rechnen könnten. Jedes Jahr würde die Einspeisevergütung für Neuanlagen um 5 Prozent sinken. Ist es leichtfertig, unter solchen Umständen eine neue Fabrik zu planen? ich denke nicht!

Unsere Beispiels-Fabrik wurde also im Jahr 2006 fertiggestellt. Nach einem Probebetrieb von einem halben Jahr warf sie im Jahr 2007 den ersten Gewinn ab, im Jahr 2008 den zweiten, im Jahr 2009 den dritten Gewinn. Und dann kam der "atmende Deckel". Nicht um 5 Prozent, sondern (je nach Anlagengröße) um bis zu 20 Prozent wurde die Vergütung abgesenkt und im nächsten Jahr um einen ähnlichen Betrag. Die Nachfrage ging zwar kaum zurück, aber der Stückpreis musste erheblich reduziert werden. Gewinne konnten seitdem nicht mehr erzielt werden.

Nun ist der Gewinn ja nicht zum Verjubeln gedacht, sondern war der Anreiz für die getätigte Investition in unsere Beispielsfabrik. Der Gewinn sollte der Refinanzierung der getätigten Investitionen dienen. Doch insgesamt gab es überhaupt nur drei Jahre lang eine Refinanzierung. Wenn eine Produktionsstätte unter diesen Umständen Insolvenz anmelden muss, ist das kein Wunder.

Solche Enttäuschungen zerstören das Vertrauen der Investoren in den guten Willen der Solarförderung. Ohne dieses Vertrauen ist ein Wachstum bei den Produktionsanlagen weltweit unmöglich. Durch achtlosen und respektlosen Umgang mit den Kapitalgebern der Solarwende hat die Bundesregierung nicht nur ein Drittel der deutschen Solarinstallationsbetriebe in die Insolvenz getrieben, sondern sogar weltweit bei den Herstellern der solaren Komponenten großen Schaden angerichtet.


So wird aus meinem Grußwort ein flammender Appell. Als einer der Vordenker für die Energiewende fordere ich - Wolf von Fabeck - eine Rückkehr zu dem bewährten System einer langfristig festgelegten, zuverlässig planbaren, gewinnbringenden Einspeisevergütung.

Wenn wir das schaffen, dann braucht uns um die Solarwende nicht mehr bange zu sein.




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