Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 27.02.2007, aktualisiert am 02.03.2007, Dipl. Agr.-Ing. Susanne Jung:

Intensive Landwirtschaft verstärkt Treibhaus-Effekt

Ökologische Landwirtschaft schützt Klima

Neben der Verbrennung fossiler Rohstoffe führt auch die weltweite Zunahme des Fleischkonsums und die intensiv betriebene Landwirtschaft zu einem beunruhigenden Anstieg klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre. Die Landwirtschaft trägt weltweit mit rund 15 Prozent der Treibhausgas-Emissionen zur globalen Klimaveränderung bei. Dabei werden durch die landwirtschaftliche Erzeugung neben Kohlendioxid (CO2) auch die Spurengase Methan (CH4) und Lachgas (N2O) emittiert. Methan ist 20-30mal klimawirksamer als CO2, Lachgas sogar 300 mal. Diese Klimagase kommen bisher glücklicherweise nur in geringeren Konzentrationen in der Atmosphäre vor als CO2, dürfen deshalb aber nicht vernachlässigt werden.

Emissionen durch intensive "Tierproduktion"

Man geht davon aus, dass ca. 70% der Konzentration des Klimagases Methan in der Atmosphäre vom Menschen verursacht sei. Die Tierproduktion und die intensive Reisproduktion haben zur Verdreifachung der Methankonzentration in der Atmosphäre geführt. Tendenz weiterhin steigend.

Zum einen emittieren Wiederkäuer wie Rind, Schaf und Ziege während des Verdauungsprozesses große Mengen an Methan. Zum anderen kann durch die Haltung von vielen Tieren derselben Art auf sehr begrenztem Raum (auch Schweine) enorme Gülle-Mengen entstehen. Aus Gülle, aber auch aus Stallmist und Jauche, entweicht ebenfalls Methan. Oft bringen die Landwirte die tierischen Exkremente unaufbereitet auf die Äcker aus. In Biogasanlagen könnte jedoch vorweg das Methan von Gülle, Stallmist und Jauche zur Stromproduktion genutzt werden.

Ziel kann es sicher nicht sein, weltweit auf die Produktion von Fleisch und Reis zu verzichten. Trotzdem können wir durch eine ökologisch sinnvolle Tierproduktion einen wesentlicher Beitrag zur Reduzierung der Methan-Emissionen leisten.

Emissionen durch Düngung

Große Viehbestände machen große Futtermengen erforderlich. Um die Erträge der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen zu erhöhen, werden in Deutschland jedes Jahr große Mengen Kunstdünger und Pestizide eingesetzt. Diese werden in Chemiefabriken in energieaufwändigen Herstellungsverfahren erzeugt.

Düngemittelversorgung 2005/2006

Stickstoff ca. 1,8 Mill. t N
Phosphor ca. 0,28 Mill. t K2O5
Kalium ca. 0,43 Mill. t K2O
Calzium ca. 1,90 Mill. t CaO

Angaben aus Statistischen Bundesamt, Fachserie 4, Reihe 8.2.

Stickstoffdünger - der am meisten eingesetzte Kunstdünger - wird zum Beispiel mit Hilfe von Erdgas im Haber-Bosch-Verfahren katalytisch hergestellt. Temperaturen von 500 °C sind notwendig, um den Luftstickstoff an Wasserstoff zu binden und somit in eine pflanzenverfügbare Form zu bringen. Experten schätzen, dass ca 250 Millionen Tonnen CO2-Emissionen weltweit allein auf die Produktion von Stickstoff-Dünger zurückzuführen sind.

Intensive Landwirtschaft macht Agrartechnik erforderlich, die schnell und effizient arbeitet. Leider wird dabei der Boden zunehmend verdichtet. Anaerobe Bodenbedingungen bieten die beste Grundlage für das Entstehen von klimarelevantem Lachgas (N2O): Wenn der Nitratgehalt des Bodens durch übermäßige Düngung zunimmt, steigt unter anaeroben Bedingungen die mikrobielle Stickstoffumsetzung im Boden. Auf diese Weise entweichen ca. 1-3 Prozent des Stickstoffes aus mineralischen Stickstoffdüngern als N2O in die Atmosphäre.

Ökologie im Landbau gefordert

Ökologischer Landbau ist der Königsweg für eine klimafreundliche Nahrungs- und Energiepflanzenproduktion.

Im Ökolandbau wird auf Kunstdünger- und Pestizidgaben gänzlich verzichtet. Zur Düngung werden betriebseigene pflanzliche und tierische Abfallstoffe verwertet, Stickstoff sammelnde Leguminosen angebaut und organische oder in natürlicher Form vorliegende mineralische Dünger eingesetzt. Durch intelligente, humusmehrende Fruchtfolgen werden höhere Gehalte an organischer Bodensubstanz und damit gesundes und ertragssicheres Pflanzenwachstum initiiert. In Kombination mit schonender Bodenbearbeitung kann auf leicht lösliche Stickstoffdünger verzichtet und somit die Emission von Lachgas deutlich gesenkt werden.

Nährstoffkreisläufe werden geschlossen, indem Ackerbau und Viehhaltung miteinander gekoppelt wird. Auf der Ackerfläche werden neben Verkaufsfrüchten auch Futterpflanzen für die Tierhaltung erzeugt. Die pflanzlichen Abfälle und der tierische Dung werden den Ackerflächen (möglichst behandelt) wieder zugeführt. Die Tierzahl wird flächenabhängig bestimmt.

Nicht allen konventionellen Landwirten sollte aber die "rote Karte" gezeigt werden. Viele Ansätze des Ökolandbaus werden auch hier praktiziert. Der Hauptunterschied zum Ökolandbau liegt in einigen Fällen sogar nur darin, ob auf Kunstdünger- oder Pestizidgaben gänzlich verzichtet wird oder nicht.

Potential der Biomasseproduktion

Wir würden dem Klimaschutz einen schlechten Dienst erweisen, wenn wir Biomasse zur Energieerzeugung nutzen, die in intensiv betriebener Landwirtschaft gewonnen wird. Ziel einer künftigen Bioenergie-Produktion muss es sein, ökologisch nachhaltige Strukturen zu nutzen.

Die Bedeutung der Bioenergien in einem Erneuerbaren-Energiemix muss davon abhängig gemacht werden, welche Biomasse-Erträge durch ökologisch nachhaltige Erzeugerstrukturen erwirtschaftet werden können. Extensiv betriebene Landwirtschaft mit geringeren Flächenerträgen und verminderter Produktion von biologischen Abbauprodukten zur energetischen Nutzung wird letztendlich dazu führen, dass das Potential der Bioenergie geringer ausfällt. Dies sollte uns nicht beunruhigen, da im Gegenzug Solarenergie, Windkraft, Geothermie und Energieeffizienz (z. B. Wärmedämmung) stärker genutzt werden können.




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