Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 23.09.2009, aktualisiert am 16.10.2009, Wolf von Fabeck:

Medienfeldzug gegen die Solarenergie - Doch Bund der Energieverbraucher warnt vor Absenkung der Einspeisevergütung

Der folgende Beitrag verfolgt drei Zielsetzungen: Erstens erläutert er die Hintergründe zu den harschen Angriffen aus den Medien gegen die Photovoltaik, zweitens schildert er die Rezepte, mit denen das weitere Aufwachsen der Photovoltaik gebremst werden soll. Drittens zeigt er auf, wie die Photovoltaik möglichst wirksam in den Markt eingeführt werden kann.

Der Medienfeldzug

Rufmordkampagne gegen die Solarenergie

Wie auch immer die nächste Bundesregierung aussehen wird - Ihre wichtigsten Entscheidungen werden die Entscheidungen zur Energiepolitik oder ihre Versäumnisse auf diesem Politikfeld sein. Aber inwiefern sollen denn die wichtigsten Entscheidungen ausgerechnet in der Energiepolitik fallen?
Nun ja, die Erklärung klingt zynisch: Energiepolitik ist das Politikfeld mit dem größten Schadenspotential. Fehler in der Energiepolitik können die schlimmsten denkbaren Katastrophen zur Folge haben:

  • Atomenergie erzeugt laufend weiteren Sprengstoff für den Bau weiterer Atombomben.
  • Fortführung der fossilen Energiegewinnung lässt die Vorkommen an Erdgas und Erdöl endgültig dahinschmelzen und liefert den Kriegsgrund für den finalen Atomkrieg um die schwindenden Ressourcen.
  • Fossile Energiegewinnung treibt die Menschheit und die Mitweld in die Klimakatastrophe. Der Klimawandel, vor kurzem noch völlig negiert, macht sich schon jetzt immer stärker bemerkbar.
  • Beschleunigte Umstellung der Energieversorgung auf die Erneuerbaren Energien ist nach menschlichem Ermessen die letzte Möglichkeit, den Fortgang des Klimawandels zu bremsen.

Würden Menschen nur von der nüchternen Vernunft gesteuert, so würde sicherlich die Entscheidung für die vierte Möglichkeit - die beschleunigte Einführung der Erneuerbaren Energien - fallen. Doch nicht vernünftige Abwägung, sondern Machttrieb und Geldgier entscheiden zumeist. Die Bewertungsmaßstäbe kommen gefährlich ins Rutschen, wenn die Betreiber von Atomkraftwerken oder von Braunkohlegruben daran denken, dass jeder Tag des Weiterbetriebs ihnen Millionen bringt. Sie glauben dann gerne der von ihnen selbst ausgestreuten Propaganda, dass Kernkraftwerke sicher seien, die Endlagerung kein Problem und dass am Klimawandel nach Meinung der (von ihnen selbst bezahlten) Klimaskeptiker ja erhebliche Zweifel bestünden. So lassen sich diejenigen, die von sich aus eigentlich eine Wende in der Energiepolitik einleiten könnten, nicht einmal von dem Gedanken an ihre eigenen Kinder von der Fortführung ihres zerstörerischen Geschäftes abhalten, denn sie haben ein reines Gewissen.

Ihre größte Sorge ist vielmehr, dass die Politik die Rahmenbedingungen ernsthaft zu Gunsten der Erneuerbaren Energien - der ungeliebten Konkurrenz - verändert. Und das wissen sie wirksam zu verhindern.

Hier kommt ihnen zu Gute, dass auch bei den meisten Politikern die Maßstäbe gefährlich ins Rutschen kommen, wenn sie den Eindruck haben, ihre Wähler würden sie nicht mehr wählen. Und wie sollten sie diesen Eindruck bekommen? Nun, sie lesen die Zeitungen und sehen sich das Fernsehen an. Und was erfahren sie da?
"Man" regt sich auf über die unerträgliche Kostenbelastung durch die Subventionierung der Solarenergie, über die horrenden Gewinne der Solarhersteller und über die Sinnlosigkeit einer Technik, die gerade einmal ein Prozent des deutschen Strombedarfs deckt.

Wir wissen zwar, dass das Unfug ist, aber wie kommt es denn, dass in den Medien fast nur Diffamierungen zum Thema Sonnen- und Windenergie zu lesen sind und dass richtigstellende Beiträge und Leserbriefe häufig nicht veröffentlicht werden? Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass die Energieversorger die größten Anzeigenkunden sind. Und es gibt noch manche weiteren Gründe, über die wir hier nicht spekulieren sollten.

Wie dem auch sei - der Energiewirtschaft ist es jedenfalls gelungen, die Medien für sich einzuspannen.

Ein paar Schlagzeilen zur Kostprobe:

  • Zugeschüttet mit Geld (Die ZEIT 12.06.08)
  • Viele Milliarden für wenig Strom - Die großzügige Förderung der Solarbranche schadet den Verbrauchern – und der Umwelt (DIE ZEIT 13.08.09)
  • Die Schattenseite der Sonne (Süddeutsche Zeitung 18.08.09)
  • Teure Ökoenergie - Solarboom lässt Subventionen explodieren (DER SPIEGEL 24.08.2009)
  • Elf Milliarden für Solarstrom (Märkische Oderzeitung 25. 08. 2009)
  • Solarboom kommt Stromkunden teurer zu stehen (Hannoversche Allgemeine Zeitung 25.08.09)
  • Weniger Geld für Sonnenstrom (Frankfurter Rundschau, 14.09.09)
  • Teurer Ökostrom - Gabriels Solarpolitik hinterlässt Milliarden-Schuldenberg (SPIEGEL-Online 9.10.09)
  • Verbraucherschützer Krawinkel - "Weniger Geld für Sonnenstrom" (Fr-Online.de 12.10.09)

Angefangen hatte schon vor drei Jahren das RWI mit einer Studie, in der die Kosten der Solarenergie aufgelistet sind, der Nutzen jedoch weitgehend "vergessen" oder kleingerechnet wurde. Da diese Studie von einem dem RWE nahestehenden Institut stammte - die Interessenlage also leicht erkennbar war - fand sie in der Öffentlichkeit zunächst keine große Beachtung. Sensationell dagegen war dann die reißerische Aufarbeitung der Studie durch eine Photovoltaikzeitung. Da wurde die Solarindustrie direkt mit den Bankräubern bei Donald Duck verglichen: "Das 150-Milliarden-Euro-Ding" mit der erklärenden Unterüberschrift "Die Förderung der Photovoltaik nimmt gewaltige Dimensionen an, zeigen Berechnungen des RWI" (Photon Mai 07). Und so etwas - noch dazu aus der Feder von "Insidern" - kommt bei der Presse gut an. Seitdem schreibt einer vom anderen ab, mit mehr oder weniger phantasievollen Ausschmückungen, Halbwahrheiten und Ergänzungen.
Kernaussage: die PV-Hersteller sahnen ab und verdienen sich dumm und dämlich. Die Verbraucher müssen bluten. Schuld sei das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG), das den Häuslebesitzern unsinnige Gewinne beschert, wenn sie eine PV-Anlage auf ihr Dach setzen. Die Photovoltaik würde (trotz der erheblichen Absenkung der Einspeisevergütung zum 1.1.2009) mehr als je zuvor boomen. Und die Einspeisevergütungen müssten deshalb noch viel mehr abgesenkt werden, als sie bereits abgesenkt wurden, am besten gleich um 30 Prozent. Oder noch besser, das EEG werde ganz abgeschafft, da es der Umwelt schade.

Wir möchten nun nicht auf jedes Detail dieser vielen Medienbeiträge eingehen, sondern den Blick auf das Grundsätzliche lenken. Deshalb zunächst einmal der "Fakten-Check":

Der Fakten-Check

Wieviel Solaranlagen wurden 2009 bisher gebaut?

Leider boomt die Photovoltaik keineswegs. Von Januar bis Juli 2009 wurden nach einer ersten vorläufigen Übersicht der Bundesnetzagentur dort Solarstromanlagen mit einer Leistung von 518 (erstes Halbjahr) + 308 (Monat Juli) = 826 Megawatt angemeldet. Wir können sicher sein, dass diese Zahl schon sehr genau ist, denn Solaranlagenbetreiber, die vergessen, ihre neue Anlage anzumelden, erhalten auch keine Einspeisevergütung.
Es sieht so aus, als könnten die Installationsmengen des vorangegangenen Jahres 2008 (Größenordnung 1500 MW) leicht übertroffen werden. Von einem Boom, der zum baldigen Ersatz von Kohle- und Atomkraftwerken beitragen könnte, kann man da allerdings nun wirklich nicht sprechen.

Kann das EEG überhaupt eine "Stromlücke" verhindern?

Was folgt daraus? Hat die Atomwirtschaft Recht? Kann das EEG nun also doch nicht die Menge an Solar- und Windanlagen initiieren, die wir brauchen, um die Abschaltung der Atomenergie auszugleichen und darüber hinaus auch den Neubau von Kohlekraftwerken überflüssig zu machen?

Doch es kann, lautet unsere Antwort. Das EEG funktioniert prima. Aber die Einspeisevergütung für Solarstrom wurde zum 1.1.2009 erheblich stärker zurückgenommen als in den Jahren zuvor.
Die Einspeisevergütung ist sozusagen das "Gaspedal" vom EEG. Entscheidend ist ihre jeweilige Höhe. Hohe Vergütung ergibt vermehrten Zubau an Solar- und Windanlagen. Senkung der Vergütung ergibt weniger Zubau als im Vorjahr. Deshalb hatte der Solarenergie-Förderverein Deutschland bereits vor zwei Jahren eine Erhöhung (statt einer Absenkung) der Einspeisevergütung für PV-Anlagen gefordert, als über die Neufassung des EEG beraten wurde.
Entgegen unserem Vorschlag wurde jedoch eine extreme Absenkung der Vergütung zum 1.1.2009 beschlossen. So wurde die hoffnungsvolle Entwicklung der Photovoltaik ausgebremst. Deutschland verpasste die Chance, all die Solarmodule im eigenen Land zu installieren, die durch die kurz vorher erfolgte Rücknahme der spanischen PV-Förderung verfügbar wurden. Dies führte nach den Marktgesetzen zwar zur Verbilligung der Solarmodule, aber auch zu massiven Absatzproblemen bei den Solaranlagenherstellern, von denen einige sogar Kurzarbeit einführen, Entlassungen vornehmen und sogar Betriebe schließen mussten. Genau das ist also eingetreten, wovor wir gewarnt hatten. Es ist nicht erfreulich, auf diese Weise Recht zu behalten. Aber wenigstens sollte man sich das Ergebnis merken. Wir kommen gleich noch einmal darauf zurück.

Wie hat sich das EEG in der Finanzkrise bewährt?

Das EEG hat sich sogar in der Finanzkrise gut bewährt: In Deutschland haben (völlig ohne Abwrackprämie und andere zusätzliche staatliche Anreize) Privatpersonen und private Unternehmen - motiviert allein durch die staatlich festgesetzte Mindestvergütung im EEG - den Bau von Solarstromanlagen im Wert von mehreren Mrd. Euro voll vorfinanziert. Dies geschah, obwohl die Banken die Kreditvergabe fast völlig eingestellt hatten.
Und nicht zu vergessen: Die Stromverbraucher müssen die Investitionen nicht sofort, sondern erst im Lauf der folgenden 20 Jahre an die privaten Investoren zurückzahlen. Das EEG ein fantastisch gut funktionierendes Investitionsanreizprogramm wie aus dem Lehrbuch!

Wie hoch ist die Belastung der Stromkunden?

Unsere Forderung, die Einspeisevergütung müsse erhöht werden, damit mehr Solaranlagen gebaut werden, wird von den Gegnern des EEG regelmäßig mit der Behauptung kommentiert, höhere Vergütungen würden nur den Herstellern zu Milliardengewinnen verhelfen, und die Belastung der Verbraucher werde unerträglich. Das ist Unsinn.

Die in den Medien genannten Milliarden ergeben sich aus der Summierung sämtlicher Zahlungen über 20 oder 30 Jahre. Ein bekannter Trick! Monatlich macht die Belastung weniger als 2 Euro pro Einwohner aus.
Sind monatlich 2 Euro viel oder wenig? Das hängt davon ab, was man dafür als Gegenleistung erhält. So erhalten wir nicht nur etwa 1 Prozent unseres Stroms aus Solaranlagen. Von diesen 2 Euro werden auch die Löhne der deutschen Solarinstallateure und der Wechselrichterhersteller und der sonstigen Zulieferer bezahlt und es werden Arbeitsplätze geschaffen und die Importabhängigkeit von ausländischen Energielieferungen verringert sich.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Strom aus Kohle und Atomenergie immer teurer wird und der Zeitpunkt abzusehen ist, an dem selbst die "Mehrkosten" für Solarstrom geringer sein werden als die Preise für Kohle- oder Atomstrom, so dass also die Verbraucher bald den finanziellen Vorteil einer immer billiger werdenden Technik erleben werden.

Bei Windstrom ist es ja schon so weit. Die Einspeisung von Windstrom senkt bereits seit 2006 den Strompreis an der Strombörse.

Bund der Energieverbraucher warnt vor Absenkung der Einspeisevergütung


Diejenigen, deren Aufgabe der Schutz von Strom- und Gaskunden vor überhöhten Preisen ist, nämlich die Experten im Bund der Energieverbraucher, haben sich eine nüchterne Sicht der Dinge bewahrt. Sie warnen vor stärkerer Absenkung der Einspeisevergütung und fordern für kleine Solarstromanlagen sogar eine Aussetzung der jährlichen Degression. Originalton BdE: "Wird die Vergütung schneller abgesenkt, als die Kosten sinken, dann erreicht man statt der beabsichtigten Marktausweitung das Gegenteil: Der Markt bricht zusammen. Eine zu schnelle Absenkung der Vergütung gefährdet also das Ziel der gesamten bisherigen Vergütungszahlungen. (...) Verbraucher sind langfristig die finanziellen Nutznießer einer regenerativen Stromerzeugung. Denn während die Kosten der fossilen und nuklearen Stromerzeugung ständig und vorhersehbar steigen, sinken die Herstellungskosten von regenerativ erzeugtem Strom Jahr für Jahr. In wenigen Jahren schneiden sich die Kostenkurven, und die regenerative Stromerzeugung ist dann kostengünstiger: Zum Vorteil der Verbraucher."
Energieverbraucher warnen vor Absenkung der PV-Vergütungen. Der Bund der Energieverbraucher folgt damit einer 20-jährigen Tradition. Bereits bei der öffentlichen Anhörung zur Einführung des Stromeinspeisungsgesetzes, das erstmals den Preis für die Lieferung von Solarstrom auf die Stromverbraucher umlegte, äußerte sich der Bund der Energieverbraucher entgegen den Erwartungen der Ministerialbürokratie nicht gegen sondern für diese zusätzliche Ausgabe: "Wir können sehr wohl zwischen sinnvollen und unsinnigen Ausgaben unterscheiden!"

Umsatzeinbrüche bei der Solarenergie

Was es mit den angeblichen goldenen Nasen der Solaranlagenhersteller auf sich hat, relativiert sich rasch beim Lesen der folgenden Informationen.

Nach einem Bericht der taz vom 05.08.09 "Umsatzeinbrüche bei Sonnenenergie" und nach eigenen Recherchen ergibt sich folgendes Bild:

  • Im ersten Quartal 2009 fuhr Solon AG unter dem Strich einen Verlust von 18,5 Millionen Euro ein. In seinem Werk in Greifswald wurde die Produktion zurückgefahren.
  • Bei Q-Cells z.B. wird ein massiver Preisverfall und eine deutlich verringerte Nachfrage verzeichnet. Das zweite Quartal brachte einen Verlust von 62 Millionen Euro. 500 Arbeitsplätze wurden gestrichen
  • Q-Cells' chinesischer Partner LDK Solar, der Wafer fertigt, Silizium-Scheiben aus denen Solarzellen hergestellt werden, fuhr im ersten Quartal einen Verlust von 22,5 Millionen Dollar ein.
  • Das US-amerikanische Unternehmen Evergreen Solar schloss bereits das Geschäftsjahr 2008 mit einem Nettoverlust von 84,9 Millionen Dollar ab.
  • Der Modulhersteller CSG Solar, Thalheim (Sachsen-Anhalt), musste kurz vor Weihnachten 2008 die Produktion einstellen und den Großteil seiner 164 Beschäftigten entlassen.
  • City Solar aus Bad Kreuznach (Rheinland-Pfalz) ging Ende Januar 2009 in die Insolvenz. Die Firma, die 2007 den Deutschen Solarpreis erhielt, gilt als einer der führenden Hersteller von solaren Großkraftwerken.
  • Der Solarzellenhersteller Solland Solar aus Heerlen entließ im ersten Halbjahr 2009 wegen stockender Nachfrage 89 seiner 362 Mitarbeiter.
  • Das Gemeinschaftsunternehmen Wacker - Schott-Solar stellt Folienziehverfahren EFG ein und sucht nach "sozialverträglichen Lösungen" für 100 Mitarbeiter.

So sehen keine Firmen aus, die sich goldene Nasen verdienen.

Der gehässige Spruch "Auf Kosten der Allgemeinheit verdienen Hersteller und Investoren Extrarenditen" (DIE ZEIT vom 13.08.09) appelliert zwar psychologisch geschickt an den Neidkomplex, zeigt aber erstaunlich wenig Kenntnis von volks-und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen. Warum denn überhaupt nehmen Unternehmer die Herkulesaufgabe in Angriff, eine völlig neue Konkurrenztechnik zu Kohle- und Atomenergie ins Leben zu rufen, wenn sie für ihre Mühe und Risikobereitschaft noch nicht einmal eine "Extrarendite" erwarten dürfen?

Alarmierender Rückgang bei den kleinen Gebäudeanlagen

Eine geradezu unverschämte Falschbehauptung ist die Aussage, die kleinen Gebäudeanlagen würden wegen der ihnen zugestandenen riesigen Gewinne den großen Reibach machen und so schnell zunehmen, dass bald keine Dächer mehr verfügbar sein würden. Unter kleinen Gebäudeanlagen verstehen wir PV-Anlagen bis 5 kW, die z.B. das Dach eines Reihenhauses ausfüllen, also etwa 40 Quadratmeter. Im Jahr 2000 machten die kleinen Gebäudeanlagen mit einem Anteil von 53 Prozent noch etwas mehr als die Hälfte der gesamten installierten Leistung aus. Inzwischen stellen die Anlagen bis 5 kW im ersten Halbjahr 2009 + Monat Juli nur noch 3,1 Prozent der gesamten dazugebauten PV-Leistung - ganze 18 (Jan. bis Juni) + 7 MW (Juli) = 25 Megawatt!. Ein dramatisches Zurückbleiben gegenüber den großen Anlagen!

Prozentualer Anteil der verschiedenen Anlagengrößen beim monatlichen Zubau 2009

So toll können die angeblich riesigen Gewinne der kleinen Solaranlagenbetreiber also nun wirklich nicht sein. Der große Vorteil der Photovoltaik, dass sie auch auf klein gestückelten bereits versiegelten Flächen Sonnenstrom ernten kann, wird somit kaum noch genutzt.
Den Stromversorgern kann das nur recht sein, die Vorstellung, Millionen von Stromkunden würden ihren Strom selbst erzeugen, war ihnen sicherlich nicht angenehm.

Aber aus energiepolitischer Hinsicht ist die Entwicklung außerordentlich zu bedauern,

  • Das große heimische Potential der PV kann so niemals voll genutzt werden
  • Jeder Betreiber einer Kleinanlage wäre ein potentieller Vorkämpfer für die Energiewende.

Worum geht es eigentlich?

Die Klimaforschung geht davon aus, dass bei weiterem Anstieg des atmosphärischen CO2 aus der Nutzung fossiler Energieträger extrem ungünstige, für Millionen von Menschen tödliche Klimaeffekte auftreten. Anstieg des Meeresspiegels, Überflutung der am stärksten bevölkerten Regionen der Erde, Überschwemmungen durch bisher kaum gekannte Starkregenfälle im Landesinneren, unerträgliche Hitze mit Zehntausenden von Toten, Dürre, Waldbrände, tropische Wirbelstürme bzw. Hurricans auch in Europa und Zunahme von Tornados. Wasserknappheit, Nahrungsmangel und Migration von Millionen von Menschen sowie die Konflikte und Kriege! Der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern, übersetzte die Prognosen der Klimawissenschaft anschaulich in die Aussage, dass Schäden zu erwarten seien, die die Schäden beider Weltkriege übertreffen. Und wir erlauben uns die Anmerkung, dass dieser Vergleich falsche Hoffnungen weckt, denn die Weltkriege waren nach einigen furchtbaren Jahren wenigstens beendet, die Klimaveränderungen jedoch werden nach menschlichem Ermessen innerhalb der nächsten paar tausend Jahre überhaupt nicht mehr aufhören.
Manche Leser mögen das für übertriebene Sorge halten und glauben, dass die Klimaforscher sich irren. Wir haben volles Verständnis für ihre Skepsis, generell für jede Art von Skepsis, aber wir erlauben uns trotzdem noch eine Frage: "Würden sie mit Ihrer ganzen Familie eine Wohnung im Hochhaus beziehen, das von Fachleuten als einsturzgefährdet bezeichnet wurde (und das schon jetzt bei Sturm erheblich knistert, kracht und schwankt), bloß weil dort die Miete etwas geringer ist?"

Und weil wir lieber auf Nummer Sicher gehen, steht für uns die Beendigung der fossilen Energiegewinnung (bei planmäßigem Ausstieg aus der risikobehafteten Atomenergie) weitaus an erster Stelle.

Warten auf die Fusionsenergie? Warten auf den Erfolg von Kohlendioxid-Abscheidung und sicherer Endlagerung? Warten auf Erfolge der internationalen Verhandlungen zum Emissionshandel? Warten auf Desertec? Da gefällt uns das Greenpeace-Motto besser: "Taten statt Warten".

Wir brauchen keine Experimente mit ungewissem Ausgang mehr, denn wir wissen aus praktischer Erfahrung, wie man die Solarenergie in Deutschland zum Aufblühen bringen kann. Die Erfahrungen mit dem Stromeinspeisungsgesetz und seiner Fortentwicklung, dem EEG, haben gezeigt, dass das EEG ein gut funktionierendes Instrument ist, mit dem wir den Zubau an Solar- und Windanlagen zuverlässig steigern können, wenn die Politik mitmacht.

Derzeit verengt sich die öffentliche Diskussion auf die Frage, wie man die Photovoltaik rasch verbilligen könne. Diese Diskussion führt auf einen Irrweg. Es ist zwar richtig, dass die Photovoltaik sich von alleine nur dann in großem Maßstab ausbreiten kann, wenn sie billiger ist als die fossilen Konkurrenztechniken. Aber wie das zu erreichen ist, dazu werden Vorschläge gemacht, deren Befolgung keine nachhaltige Wirkung haben kann. Man solle die Einspeisevergütung rasch senken, heißt es. Warum dieses Rezept keinen nachhaltigen Erfolg haben kann, soll hier kurz erläutert werden.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man ein Produkt verbilligt.

  • Drosselung der Nachfrage
  • Ankurbelung der Massenproduktion

Drosselung der Nachfrage durch Senkung der Einspeisevergütung?

Die erste Möglichkeit - Drosselung der Nachfrage, z.B. durch Senkung der Einspeisevergütung - funktioniert schnell und mit spektakulärem Erfolg. Die Hersteller müssen ihr Produkt verbilligen, um es überhaupt noch loszuwerden. Zunächst müssen sie ihre Gewinne verkleinern. Wenn das nicht ausreicht, müssen sie weiter verbilligen und ggf vollständig auf den Gewinn verzichten. Reicht auch das nicht aus, so verkaufen sie das Produkt unter den Herstellungskosten, entlassen Personal, schließen ganze Abteilungen und bei noch weiterer Preissenkung beginnen sie mit dem Ausverkauf und schließlich gehen sie in den Konkurs. Nur die stärksten, die am besten aufgestellten, Betriebe bleiben übrig. "Marktbereinigung" ist das beschönigende Stichwort. Auf diese Weise werden die Voraussetzungen für das Entstehen eines zukünftigen Monopols geschaffen. Im Sinne der Verbraucher ist dies keinesfalls, denn Monopole können später die Verkaufspreise diktieren. Die hier angesprochene Möglichkeit ist somit nicht nachhaltig.

Senkung der Herstellungskosten durch Ankurbelung der Massenproduktion!

Die zweite Möglichkeit - Senkung der Herstellungskosten, z.B. durch Ankurbelung der Massenproduktion - wirkt erst auf längere Sicht und kostet zunächst Geld. Doch es ist die einzige nachhaltige Möglichkeit.
Die Wirtschaftswissenschaften haben aus den Erfahrungen von Generationen sogar empirisch ein Gesetz hergeleitet, die Lernkurve.

Die Lernkurve
Jede Verdoppelung der weltweit insgesamt hergestellten - der kumulierten - Menge führt zu einem Rückgang der Stückkosten um einen produktspezifischen festen Prozentsatz.
(Anmerkung: Für den produktspezifischen festen Prozentsatz wird in der Literatur ein Wert zwischen 15 und 20 Prozent angegeben.)

Diese Regel wird leicht missverstanden. Der Rückgang der Stückkosten um den produktspezifischen festen Prozentsatz ergibt sich nicht etwa nach einer Verdoppelung der Herstellungskapazitäten (der Fabriken), sondern erst dann, wenn genau noch einmal insgesamt so viel Solarmodule hergestellt worden sind wie bisher weltweit in all den vergangenen Jahren seit Herstellung des ersten Solarmoduls. Darüber können viele Jahre vergehen. Und noch etwas: Je mehr Solarmodule weltweit bisher hergestellt worden sind, desto länger muss man tendenziell warten, bis wieder die gleiche Menge noch einmal produziert worden ist. Die Kosten sinken also nur bei exponentiellem Wachstum der Produktion jedes Jahr um die gleiche Prozentzahl, ansonsten (im Regelfall) sinken sie von Jahr zu Jahr weniger schnell.
Wer durch eine schnellere Senkung der Einspeisevergütung einen schnelleren Rückgang der Kosten erzwingen will als die Lernkurve vorgibt, der ruiniert die Herstellerfirmen, wie weiter oben geschildert. Wie schon das Sprichwort sagt: "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

Wenn Solarmodule dauerhaft billiger werden sollen, dann hilft also nur eines: Produzieren und dabei lernen - und immer mehr produzieren und immer mehr lernen!

Aber warum braucht man zum Lernen neue Produktionsstätten?

An bereits bestehenden Produktionsstätten lässt sich nur noch schwer etwas verbessern. Nur der Aufbau neuer Produktionsstätten eröffnet die Chance, die bisher gemachten Fehler zu vermeiden und dabei neue Erfahrungen zu sammeln. Nur die Ausweitung der Produktion, der Bau neuer Fabriken bietet die Chance, dass neue Erkenntnisse, Forschungsergebnisse und Erfindungen in die Praxis umgesetzt werden. Gerade in der Anfangszeit einer neuen Technik ist es wichtig, dass viele verschiedene Wege beschritten werden, bis sich nach längerer Entwicklungszeit die effektivsten Produktionsverfahren herauskristallisieren. Eine vorzeitige "Marktbereinigung" würde die Entwicklung der Technik auf wenige oder gar nur einen einzigen Entwicklungspfad verengen und das forschende Vorangehen auf mehreren alternativen - möglicherweise noch erfolgversprechenderen - Wegen verhindern.

Massenproduktion ist bekanntlich nur durch steigende Nachfrage zu erreichen. Steigende Nachfrage setzt voraus, dass man in der Zeit des Wachstums auch bereit ist, Geld für die neue Technik auszugeben.

Der Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist nicht umsonst zu haben. Er benötigt Kapital. Kapital fließt dorthin, wo die größten Gewinne winken. Solar- und Windenergie brauchen deshalb eine gewinnbringende Vergütung. Überlegungen, dass man durch sparsamere Einspeisevergütungen den Ausbau der Photovoltaik beschleunigen würde, werden von den Erfahrungen der Wirtschaftswissenschaften keinesfalls gestützt. Wir haben noch nie gehört, dass eine neue Technik dadurch eingeführt wurde, dass man ihr den Geldhahn zugedreht hat, bevor sie konkurrenzfähig war. Das wäre ähnlich unsinnig, als würde man intelligente Schüler ab der zweiten Grundschulklasse zwingen, sich ihren Lebensunterhalt selber zu verdienen.

Wenn wir auf Atom- und fossilen Energien verzichten wollen, muss sich die Politik endlich für eine mutige Verbesserung der Anreize im EEG einsetzen.



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