Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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01.08.2007, Wolf von Fabeck:

Schluss mit den sinnlosen Appellen an die Idealisten!

Je dramatischer die Erkenntnisse über den Fortgang des Klimawandels werden, desto eindringlicher wird uns zugeredet, wir sollten doch bitte Energie sparen und den Stromanbieter wechseln und nicht mehr mit dem Auto zum Briefkasten fahren und keine Erdbeeren aus Spanien kaufen und unsere alte Waschmaschine und die dumme Standby-Schaltung abschaffen.

Sie sind so sinnlos, diese Appelle!

Erstens gibt es sehr viele Leute, denen alles egal ist. Denen sind aber auch Appelle egal. Auch 100 Appelle oder 1000! Sie tun, was bequem und billig ist.

Dann sind da viele Leute, die sich Sorgen machen, wie Sie und wir. Wir lesen die Appelle und sind noch mehr besorgt, aber trotzdem verhalten wir uns sehr oft wie rechte Umweltschweine. Wir fliegen mit dem Flugzeug nach Mallorca anstatt mit der Bahn in den Harz zu fahren, weil es billiger ist. Wir werfen hochwertige Gerät mit kleinen Defekten in den Müll, weil die Reparatur zu teuer ist. Und manchmal findet man ja bei allem guten Willen nicht einmal mehr einen Reparaturladen. Wo sind die Scherenschleifer, die Fernsehreparaturwerkstätten, die Schuhreparatur-Werkstätten geblieben? Viele würden sich gerne ein energiesparenderes Auto kaufen. Aber bei den niedrigen Spritpreisen dauert es für Wenigfahrer einfach zu lange, bis sich das sparsame Auto amortisiert hat.

Und schließlich sind da noch die armen Leute, die kaum finanziellen Spielraum haben. Die können sich eine bessere Wärmedämmung einfach nicht leisten.

Gegen diese harten Fakten haben moralisierende Appelle keine Chancen. Die Umweltorganisationen machen sich langsam lächerlich. Warum wenden sie sich nicht an die Politiker, deren Gesetze uns in den Klima-Schlamassel geführt haben und uns immer tiefer hineinziehen?

Ja, liebe Umweltorganisationen, nicht schöne Appelle, sondern gültige Gesetze bestimmen, was erlaubt und was verboten ist, was sich lohnt und was sich nicht lohnt! Das kann man an vielen Beispielen belegen:

  • Die Energiewirtschaft - im Besitz gesetzlicher Privilegien - kann auch heute noch zum Bau der Pipeline für russisches Erdgas Land enteignen trotz drohender Klimakatastrophe. Aber Bauern, die auf ihrem eigenen Land Windanlagen errichten wollen, dürfen das (meistens) nicht.
  • Nicht Appelle haben dazu geführt, dass Hunderttausende von Solarstromanlagen gebaut wurden, sondern das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das den Erzeugern von Solarstrom eine auskömmliche Vergütung garantiert.
  • Nicht Appelle haben dazu geführt, dass die Flüsse wieder sauberer wurden, sondern Gesetze mit strengen Auflagen für umweltverschmutzende Betriebe. Es funktioniert also!
  • Gesetze bestimmen auch, wie viel oder wie wenig etwas besteuert oder mit Abgaben belegt werden soll. So können Gesetze sogar den Preis einer Ware beeinflussen. Die Erhöhung der Tabaksteuer hat dazu geführt, dass Zigaretten teurer wurden. Die Zahl der Zigarettenraucher hat sich daraufhin vermindert. Auch hier wirkte ein Gesetz besser als jeder Rauchen-kann-tödlich-sein-Appell.

Also, fangen wir mit etwas ganz Wichtigem an: Wegen der Klimakatastrophe brauchen wir ein Gesetz gegen die Verschwendung von Energie! Richtig!!

Aber mit der mächtigen Energiewirtschaft will sich natürlich keiner so recht anlegen. Genügen hier nicht ausnahmsweise vielleicht doch Appelle, ganz, ganz liebe und überzeugende Appelle - verbunden mit solider Aufklärung??? Die Energiewirtschaft geht hier doch selber mit gutem Beispiel voran. Sie richtet sogar eigens Beratungsstellen für Energiesparen ein und stellt dafür auch noch das Personal. Ha, und sie weiß genau, dass dabei nichts herauskommt! Denn die überwiegende Mehrheit ihrer Kunden folgt nicht der intellektuellen Einsicht, dass wir Energie sparen müssen, sondern sie folgt der Bequemlichkeit und vielfach auch dem Diktat der Preise. Wir sagten es schon eingangs: Es ist meistens billiger, die Heizung weiterhin aufzudrehen, anstatt das Haus mit einer Wärmedämmung zu versehen und außerdem ist es bequemer.

Warum fahren denn Menschen mit dem Auto zum Briefkasten? Ganz einfach, weil es billig und bequem ist. Warum sind wir in die gegenwärtige Situation geraten? Weil Energie aus Kohle, Öl, Erdgas und Atom so billig ist. Ja, sie sind zu billig, sonst würden sie nicht dermaßen verschwendet! Und wir wollen jetzt endlich ein richtiges Gesetz haben.

Und was soll das Gesetz bewirken? Klar, es soll weniger Energie verbraucht werden! Also brauchen wir ein Gesetz, das die Energie für alle teurer macht! Das geht genauso wie bei der Tabaksteuer. Erhöhung
der Steuer vermindert den Verbrauch.

Aber die Konjunktur! und die Arbeitslosen! Und alles wird dann teurer! Und besonders die armen Leute werden dann getroffen! Sagen die Energiewirtschaft und ihre Verbündeten und der ADAC und die Bildzeitung.

Die Politiker trauen sich deshalb nicht. Ihnen fehlen die Argumente und die Zusammenhänge sind auch wirklich ziemlich kompliziert. Hier ist deshalb zunächst ein ganzer Berg von Vorurteilen wegzubaggern, und damit beginnt dann die notwendige Überzeugungsarbeit. Die kann nur von Menschen und Organisationen geleistet werden, die nicht die Interessen der Energiewirtschaft vertreten. Das wäre deshalb eine rechte Herausforderung und Aufgabe für die Umweltverbände - Überzeugungsarbeit für eine Erhöhung der Energiesteuern!

Sachlich könnte die Argumentation etwa so gehen:

Die Fortschritte in der Landtechnik, in der Automatisierungs- und Verfahrenstechnik sowie im Computerwesen führen dazu, dass immer weniger Personal für die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln, Verbrauchsgütern und Informationen erforderlich ist. Das ist der Grund für die derzeitige Arbeitslosigkeit.

Immer mehr Menschen könnten somit eigentlich für andere Wirtschaftsbereiche, in denen Personalmangel herrscht, ausgebildet und dort eingesetzt werden. Es gibt genügend wichtige Wirtschaftszweige, in denen Personal fehlt, z.B. für soziale Betreuungsaufgaben, für die Eingliederung von Einwanderern, in der Krankenversorgung, bei der Reparatur hochwertiger Geräte, die man sonst wegwerfen muss, in den Kindergärten, in Erziehung und Ausbildung, in Forschung und Lehre, in der Grundlagenforschung, im Rechtswesen, für den Schutz vor Verbrechen, im künstlerischen Bereich, beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs - kurz gesagt in den personalintensiven Wirtschaftszweigen - überall dort, wo eine Automatisierung der Tätigkeit kaum in Frage kommt.

Unglücklicher Weise werden dort bisher aber kaum neue Arbeitsplätze geschaffen. Bei den staatlichen Dienstleistungsunternehmen (z.B. Schule oder Polizei) fehlt das Geld, und Kapitalgeber und Unternehmer
interessieren sich nicht für personalintensive Betriebe. Hauptgrund sind hohe Sozialabgaben und Besteuerung der Löhne und Gehälter - die hohen Lohnnebenkosten eben.

Kapitalgeber bevorzugen derzeit Unternehmen, die sich automatisieren lassen - energieintensive Unternehmen. Der Grund: Die dafür benötigte Energie wird vergleichsweise sehr gering besteuert - entsprechend höher sind dort die Gewinne: Die Belastung aller deutschen Unternehmen mit
Energiesteuern ist 16 mal geringer als die Belastung aller deutscher Unternehmen mit Steuern und Abgaben für das Personal. So erhalten die automatisierbaren Wirtschaftszweige ein - von den Bedürfnissen der Gesellschaft her nicht begründbares - besonderes Gewicht, insbesondere
die Unternehmen zur Herstellung von Gütern für den Massenkonsum und der automatisierbare Teil des Dienstleistungsbereichs (Banken, Versicherungen, Kommunikation). Diese Teile der Wirtschaft wachsen
derzeit im Zeichen des Konjunkturaufschwungs, und nur das Aufwachsen dieser Wirtschaftsteile verursacht den fatalen - klimaschädlichen - Energiehunger.

Damit stattdessen der personalintensive Teil der Wirtschaft schneller wächst, der schwerpunktmäßig mit den wichtigen Aufgaben der Zukunftssicherung befasst ist, muss unser Steuer- und Abgabensystem
grundlegend geändert werden, damit es nicht länger die falschen Anreize gibt.

Wir schlagen vor, den derzeitigen Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung nicht mehr den Arbeitgebern aufzuerlegen, sondern ihn mit Hilfe einer höheren Energiesteuer durch den Staat zu finanzieren. So werden vornehmlich die personalintensiven Unternehmen entlastet und vornehmlich die energieintensiven Unternehmen an der Finanzierung der Sozialversicherung beteiligt.

Flankierend ist zur Entlastung der privaten Energieverbraucher ein für alle Personen gleiches monatliches "Energiegeld" auszuzahlen. Wer sich für diese Thematik näher interessiert, findet unter dem
Stichwort "Energiesteuer" auf unserer Internetseite eine Fülle von informativen Beiträgen.

Das ist dann interessante und geistig anspruchsvolle Arbeit statt Formulierung immer neuer jämmerlicher Energiespar-Appelle!



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