Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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03.12.2010, Susanne Jung:

Solarstrom-Eigenverbrauch im Mehrfamilienhaus

Lohnenswerte Alternative zur vollständigen Netzeinspeisung des erzeugten Solarstroms?

Immer wieder interessieren sich Investoren dafür, auf Mehrfamilienhäusern eine Solarstromanlage zu betreiben, um den Solarstrom von den verschiedenen Bewohnern des Hauses verbrauchen zu lassen und trotzdem die Solarstromvergütung des Netzbetreibers zu erhalten. Dies ist rechtlich möglich, denn in §33 (2) EEG 2009 wird festgeschrieben, dass der Solarstrom auch dann vom Netzbetreiber vergütet werden muss, wenn dieser nicht nur vom Anlagenbetreiber sondern auch von Dritten in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Anlage verbraucht wird.

Vermieter könnten also den Mietern den Solarstrom zum Festpreis anbieten und zusätzlich noch die im EEG festgeschriebene Einspeisevergütung für Solarstrom-Eigenverbrauch erhalten.

Ab 1.7.2010 enthalten die neuen Eigenverbrauchsvergütungsregelungen auch einen Investorenanreiz, so viel wie möglich des erzeugten Solarstroms selbst zu verbrauchen. Immer dann, wenn über 30 % des gesamt erzeugten Solarstroms selbst verbraucht wird, erhöht sich anteilig die Vergütung durch den Netzbetreiber (siehe Vergütungstabelle).

Nun liegt die Vermutung nahe, dass es in einem Mietshaus lohneswert sei, den Solarstrom von vielen Mietern verbrauchen zu lassen und damit auch den Eigenverbrauch zu steigern. Hier könnte neben dem höheren Gesamt-Stromverbrauch aller Mieter auch die über den Tag erzeugte Glättung des Strombedarfs zu Buche schlagen.

Doch lohnt es sich tatsächlich schon, den auf Mehrfamilienhäusern erzeugten Solarstrom durch mehrere Wohneinheiten verbrauchen zu lassen?

Anlagenkonzepte

Bei der Planung der Solarstromanlage ist zu beachten, dass die Stromkreise der Mieter keinesfalls miteinander verbunden werden dürfen, da ansonsten eine exakte Abrechnung des sonstigen Strombezugs der Wohneinheiten unmöglich wird. Die Solarstromanlage muss also elektrotechnisch in voneinander unabhängige Teilstücke aufgeteilt werden. Dies ist technisch unproblematisch, denn pro Mietpartei kann ein bestimmter Teil der Anlage zur Solarstromversorgung zugeordnet werden:

Möglichkeit 1: Die Solarstrom-Gesamtanlage wird in viele Einzelanlagen mit Einzelwechselrichtern aufgeteilt. Jede Wohneinheit erhält einen Anlagenteil mit einem dazugehörenden Wechselrichterkonzept (siehe nachfolgende Graphik ).

Schaltbild Eigenverbrauch Mehrfamilienhaus

Möglichkeit 2: Wenn man weiterhin mit wenigen Wechselrichtern auskommen möchte, dann wäre es möglich, bei z.B. einer dreiphasigen Einspeisung ins Hausnetz pro Einzelwechselrichter jeweils drei Mietwohnungen zu versorgen. Jede dieser drei Mietparteien wird dann nur auf dieser einzigen Stromphase mit Solarstrom versorgt. Die Folge: Nur dann, wenn z.B. die Waschmaschine der Mietpartei 1 tatsächlich an dieser „Solarstrom“phase angeschlossen ist, wird der zeitgleich auf dem Dach erzeugte Solarstrom auch physikalisch eigenverbraucht. Die anderen beiden Stromphasen in der Mietwohnung werden weiterhin mit Strom aus dem allgemeinen Stromnetz versorgt. Empfehlenswert wäre es dann, mit Hilfe eines elektronischen Zweirichtungszählers (Zählung des Strombezugs und der Solarstrom-Netzeinspeisung) den Stromverbrauch der drei Stromphasen in der Mietwohnung immer dann zeitgleich gegenzurechnen, wenn die Mietpartei anstatt auf der ihr zur Verfügung stehenden „Solarstrom“-Phase auf einer anderen Phase Strom verbraucht. Ein solches Zählverfahren mit Phasenausgleich wird in der Praxis bereits eingesetzt.

Beide hier genannten Möglichkeiten zum Anlagenkonzept ließen sich theoretisch auch miteinander verbinden.

Umfangreiches Abrechnungsverfahren

In Graphik 1 ist die umfängliche Zählergestaltung zur Abrechnung des Solarstrom-Eigenverbrauchs im Mehrfamilienhaus dargestellt. Pro Mieteinheit müssen 2 zusätzliche Zähler eingebaut werden - ein Solarstrom-Gesamtzähler und ein Netzeinspeisezähler. Nur so wird sichergestellt, dass der pro Mieteinheit verbrauchte Solarstrom erfasst werden kann. Dabei kann der Solarstrom-Gesamtzähler nach den Technischen Anschlussbedingungen (TAB) auf einer einfachen Hutschiene angebracht werden. Der Netzeinspeisezähler allerdings muss in einem Zählerschrank angebracht werden. Diese Anforderung könnte dazu führen, dass neben den Investitionen in weitere Zähler auch der Kauf neuer, in der Regel sehr kostenintensiver Zählerschränke zu Buche schlägt. Ist ein wie oben geschilderter Phasenausgleich gewünscht, muss ein elektronischer Zweirichtungszähler angeschafft werden, der Strombezug und Solarstrom-Netzeinspeisung zählt.

Zudem muss der Besitzer der Solaranlage eine umfangreichere Abrechnung mit dem Netzbetreiber auf den Weg bringen (siehe Abrechnung zu Graphik 1) und mit jedem einzelnen Mieter in Sonderverträgen die Bedingungen der Solarstromlieferung und -abrechnung festlegen.

Abrechnung Solarstrom

1. Gesamtabrechnung des Solarstrom-Eigenverbrauchs
(Zs1 + Zs2 + Zs3) -- (ZE1 + ZE2 + ZE3) = Eigenverbrauch der Mieter

Diese Abrechnung erhält der Netzbetreiber.

2. Gesamtabrechnung der Solarstrom-Netzeinspeisung
ZE1 + ZE2 + ZE3 = Netzeinspeisung des nicht eigenverbrauchten Solarstroms

Diese Abrechnung erhält der Netzbetreiber.

3. Inrechnungstellung des vom Mieter verbrauchten Solarstroms

Der Besitzer der Solarstromanlage stellt jedem Mieter eine Einzelrechnung für den jeweils verbrauchten
Solarstrom (ZSN - ZEN). Als Preis pro Kilowattstunde könnte der Vermieter mindestens die Differenz zwischen Netzeinspeise- und Eigenverbrauchsvergütung ansetzen.

Erhöhung des Eigenverbrauchs möglich?

Es gilt die Regel: Je geringer die Solarstromerzeugung im Verhältnis zum Stromverbrauch der Mietpartei ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Anteil des erzeugten Stroms verbraucht wird. Theoretisch denkbar wäre also, dass bei mehrstöckigen Mehrfamilienhäusern mit mehreren Mietparteien die Teilung der Gesamtanlage in viele kleine Anlagen mit geringster Solarstromerzeugung zur Erhöhung des Solarstrom-Eigenverbrauchs führen könnte. Aber macht das Sinn? Der Investitionsaufwand ist weitaus höher und das damit verbundene Wechselrichter-Konzept wahrscheinlich nicht mehr leistungs- und kostenoptimiert.

Bei Miethäusern mit wenigen Mietparteien wäre auf Grund dieser oben genannten Regel leider auch der Anreiz gesetzt, die Gesamtanlage unnötig klein zu bauen. Im anderen Fall sollte der Solaranlagenbetreiber damit rechnen, dass auch im Mehrfamilienhaus selten mehr als 30 % des erzeugten Solarstroms zeitgleich selbst verbraucht werden kann.

Finanzielle Anreize zum Eigenverbrauch durch den Mieter?

Wenn der Besitzer der Solarstromanlage seine Mieter motivieren möchte, ihr Verbrauchsverhalten den Solarstromlieferzeiten anzupassen, muss er einen finanziellen Anreiz setzen. Denn Mieter werden kaum anstelle des eventuell günstigeren Netzstroms nunmehr freiwillig Solarstrom zum vielleicht höheren Festpreis beziehen wollen. Doch aus welchem Topf kann dieser finanzielle Anreiz geschöpft werden.

Unter http://www.sfv.de/eigenverbrauch-rechner/eigenverbrauch-rechner.html finden Sie ein Rechenprogramm, mit dem nach nur wenigen Eingaben schnell und unkompliziert aufgezeigt wird, ob sich der Solarstrom-Eigenverbrauch finanziell lohnt. Das Ergebnis: Bei den derzeitigen Strombezugspreisen sind die Zusatzeinnahmen durch den Eigenverbrauch des Solarstroms äußerst gering. Der Besitzer der Anlage wird es also schwer haben, den Mietern einen zusätzlichen finanziellen Anreiz anbieten zu können. Er muss ja auch noch die Zusatzkosten für das umfangreiche Zähl- und Abrechnungsverfahren umlegen. Und auch das veränderte Anlagenkonzept, die Solarstrom-Gesamtanlage in mehrere Einzelanlagen mit vielen Wechselrichtern aufzuteilen anstelle kosten- und leistungsoptimierte Wechselrichtersysteme zu nutzen, wird zu Buche schlagen.

Nur dann, wenn sich die allgemeinen Strombezugspreise erhöhen, könnte es für die Mieter zunehmend lukrativer werden, den dann günstigeren Solarstrom zu nutzen und damit den Eigenverbrauchsanteil zu steigern.

Verändertes Stromverbrauchsverhalten erhöht Bedarf an Spitzenlaststrom

Je kleiner der pro Mieteinheit zur Verfügung stehende Anlagenteil ist, desto höher könnten auch die negativen netztechnischen Rückkopplungen sein.

Wenn Mieter ihren Strombedarf in die Mittagszeiten verlegen, wird die Menge des vom begrenzten Anlagenteil gelieferten Solarstroms schnell ausgeschöpft sein. Die Waschmaschine wird in einem solchen Fall nicht einfach abgeschaltet, sondern läuft weiter. Die Folge: Die Stromnachfrage in den Zeiten des höchsten Strombedarfs und des teuersten Spitzenlaststroms steigt an. Je mehr Strombezugskunden sich an solchen Eigenverbrauchssystemen beteiligen, umso so gravierender wird dieses Problem.

Fazit

Der Eigenverbrauch von Solarstrom im Mehrfamilienhaus führt nicht zu gesicherten Mehreinnahmen. Bei der derzeitigen Höhe der Strombezugskosten wird eine Umstellung auf Solarstrom-Eigenverbrauch im Mehrfamilienhaus in aller Regel wirtschaftlich schwer abbildbar sein. Dies könnte sich allerdings in den nächsten Jahren ändern, wenn der Preis pro Kilowattstunde Netzstrom steigt.

Auch die Erwartungen des Gesetzgebers, auf Grund der Förderung des Eigenverbrauchs netztechnische Entlastungen auf den Weg zu bringen, werden verfehlt.



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