Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 03.01.2016, aktualisiert am 13.01.2017, Wolf von Fabeck:

Stromspeicher – Engpass der Energiewende

SOLL die Energiewende am Fehlen von Stromspeichern scheitern?


Unter "Energiewende" verstehen wir den vollständigen Ersatz von Atom- und Fossilkraftwerken - im Wesentlichen durch Solar- und Windkraftanlagen mit den dazugehörigen Stromspeichern. Aus Klimaschutzgründen fordern wir eine drastische Beschleunigung der Energiewende.


Zuständig für die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi). Doch gerade von dort kommen Planungsansätze, die den notwendigen Ausbau der Solar- und Windenergie sowie insbesondere den Ausbau der Stromspeicher massiv vernachlässigen. Wir beschränken uns im vorliegenden Beitrag auf die Vernachlässigung des Stromspeicherausbaus, weil dieser Planungsfehler so schwerwiegend ist, dass alleine schon deshalb das ganze BMWi-Energiewende-Konzept von Grund auf umgestellt werden muss. Außerdem ist er durch eine einfache Worst Case Überschlagsrechnung leicht nachzuweisen:

Der maximale Leistungsbedarf aller Stromverbraucher in Deutschland liegt derzeit bei etwa 80 GW. Wer es genau wissen will, der sei verwiesen auf http://www.amprion.net/sites/default/files/Leistungsbilanbericht%202015.pdf dort Seite 37. Für unsere Überschlagsrechnung genügt die Angabe der export-import-bereinigten Jahreshöchstlast, die irgendwann am Abend eines Werktages zwischen Ende Dezember und Mitte Januar auftritt.
Bei einer Umstellung der Verkehrs- und Wärmeversorgung auf elektrische Energie wird der Leistungsbedarf voraussichtlich sogar noch sehr weit über 80 GW ansteigen. Prof. Quaschning, (HTW Berlin) rechnet mit einer Verdoppelung.

Wenn zum Zeitpunkt der Jahreshöchstlast zufällig eine Dunkelflaute auftritt und alle Fossil- und Atomkraftwerke endgültig abgeschaltet sind, dann wäre das der Worst Case, für den die Stromspeicher dimensioniert werden müssen.

Eine Dunkelflaute ergibt sich, wenn bei Dunkelheit der Wind im gesamten Bereich des deutschen Stromnetzes einschläft. Im Jahr 2016 ist das zweiundfünfzig mal geschehen - drei mal sogar zur Zeit der Jahreshöchstlast! Siehe dazu http://www.sfv.de/artikel/naechte_ohne_ausreichende_windenergie_im_deutschen_stromnetz.htm. Nicht betrachtet werden hier die zahlreichen Stunden, in denen Solar-und Wind-Energie zwar angeboten werden, aber nicht zur Bedarfsdeckung ausreichen

An Erneuerbaren Energien stehen - im "Worst Case Dunkelflaute" - dann nur noch Wasserkraft, Geothermie und Bioenergie zur Verügung, die gemeinsam nicht viel mehr als 10 GW Leistung liefern können.

Die Hoffnung auf eine mögliche Lastverlagerung als "Flexibilisierungsoption" trügt leider. Wenn im Winter bei -15°C eine längere Dunkelflaute aufritt und dann alle Wärmepumpen bei Volllast laufen und die Menschen auf ihr Elektroauto angewiesen sind, dessen Strombedarf bei Kälte deutlich ansteigt, was soll dann noch groß verlagert werden?

Somit bleibt zur Stunde der Höchstlast abzüglich der anderen Erneuerbaren dann immer noch ein Leistungsfehlbetrag von weit über 80 GW - 10 GW = 70 GW abzudecken. Die Deckung dieser fehlenden elektrischen Leistung wäre dann Aufgabe der Stromspeicher.

Daraus ergibt sich zwingend folgende Planungsregel:

Für jedes fossile oder atomare Kraftwerk, das endgültig stillgelegt werden soll, müssen vorher Stromspeicher bereit stehen, die in ihrer Summe die gleiche Leistung wie das stillzulegende Kraftwerk erbringen können.

Der Aufbau von Stromspeichern mit einer Gesamtleistung im mehrfachen 10-GW-Bereich erfolgt sicherlich nicht von alleine und schon gar nicht in der notwendigen Eile. Es ist unverständlich, dass vom BMWi keine ernsthaften Markteinführungs-Anreize gesetzt werden. Die Stromspeicher sind in der Tat der Engpass der Energiewende!




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