Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 31.05.2017, aktualisiert am 06.06.2017, Wolf von Fabeck:

Vertauschungssichere Stecker für Verbrauchsgeräte und Einspeisegeräte

Wie man den Einsatz von steckerfähigen Solarmodulen sicher machen könnte

Die Idee einer schnell zu installierenden und später erweiterbaren PV-Anlage macht den Hausbesitzer zum "PRO-SUMER", d.h. Produzent und Konsument von Strom in einer Person.

Die Idee, eine Photovoltaikanlage am Balkongeländer selbst zu befestigen, so einfach und problemlos, wie man auch Blumenkästen ohne Baugenehmigung am Geländer befestigen kann und bei ausreichendem Platz weitere Solarmodule dazu zu kaufen, soweit der Platz reicht, und sie selbst an der nächsten Steckdose anzuschließen, soll hier aus sicherheitstechnischer Sicht erörtert werden.


Es geht um drei Fragen:

 

Warum ist es gefährlich, an ein und demselben Leitungsstrang sowohl Einspeisegeräte als auch Verbraucher anzuschließen?

Bild 1: Gleichzeitige Einspeisung und Verbrauch in einem Leitungsstrang
Sicherung spricht nicht an

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Kein Elektrofachmann wird Einspeisung und Verbrauch in ein und demselben Leitungsstrang vornehmen, weil ihm die Gefahr bewusst ist:

Die 16 Ampere-Sicherung soll verhindern, dass in dem abgesicherten Leitungsstrang mehr als 16 Ampere fließen, weil er sich sonst übermäßig erwärmen könnte. Bei einer unglücklichen Kombination von Einspeisungs- und Verbrauchsgeräten kann es jedoch in Teilabschnitten des Leitungsstranges zu deutlich höheren Stromstärken kommen. Dem elektrotechnischen Laien ist das nicht bekannt. Er geht irrig davon aus, dass die Sicherung "rausfliegt", bevor es gefährlich wird.

 

Warum sind steckfertige Solarmodule mit Schukosteckern gefährlich?

Schukostecker sind typisch für Verbrauchsgeräte. Sie vermitteln den Eindruck, jeder Nichtfachmann könne dieses Gerät an einer üblichen Verbrauchssteckdose anschließen. Dieser Eindruck ist eine gefährliche Fehlinformation.

Wenn zu viele solcher "steckfähigen Solarmodule" angeschlossen werden, fliegt die Sicherung raus. Das ist kein Drama. Der Benutzer weiß, dass er zu viel Leistung eingespeist hat und wird zukünftig weniger steckfähige Solarmodule anschließen.

Probleme kann es allerdings geben, wenn mehrere steckfähige Solarmodule an einem Leitungsstrang angeschlossen werden, an dem gleichzeitig auch noch Stromverbraucher angeschlossen werden können.

Die folgende Skizze zeigt ein Beispiel. So lange nur Einspeisegeräte, z.B. steckfähige Solarmodule angeschlossen werden, fliegt die Sicherung nicht raus. Wenn dann, wie in der Skizze angedeutet, nachträglich um die Mittagszeit ein starker Verbraucher am selben Leitungsstrang angeschlossen wird, z.B. ein kräftiger Elektrogrill, spricht die Sicherung immer noch nicht an. aber die unter Putz installierte Leitung erhitzt sich - möglicherweise bis zu einem Brand.

Bild 2: Unzulässige Vermischung von Einspeise- und Verbrauchsgeräten an einem Leitungsstrang
13 Solarrebellen plus Elektrogrill

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Warum sind hier 13 "SolarRebell" Steckermodule dargestellt?

Es geht um eine Risikobewertung. Das Wesen einer Risikobewertung ist, dass man vom ungünstigsten Fall ausgeht. 13 Module mit 1,18 A sind der ungünstigste Fall. Mehr als 13 Stück würden beim nächsten sonnigen Wetter die Sicherung 16 Ampere zum Ansprechen bringen und damit den Versuch des Bastlers beenden. Aber 13 x 1,18 A ergeben 15,34 A und ließen sich dauerhaft auf einem langen Balkon oder einer Dachterasse betreiben.

Das Ergebnis der Risikobewertung lautet: Steckermodule mit Schukosteckern stellen eine Gefahr dar.

 

Mit welcher technischen Maßnahme lässt sich die Idee der Steckermodule gefahrlos umsetzen?


Die Idee der steckfertigen Module verspricht eine Beschleunigung des Solaranlagen-Zubaus. Besonders bei großen Dachterassen oder langen Balkonen kann der Wunsch auftauchen, weitere steckfähige Module dazu zu kaufen. Es ist wesentlich einfacher, "mal eben" ein paar Module im Baumarkt mit zu nehmen. Vorstellbar ist auch dass diese "Anlage" Stück für Stück wächst. Man fängt mit einem oder zwei Modulen an, bekommt noch eins zum Geburtstag geschenkt, und weil's so gut funktioniert noch weitere zu Weihnachten.

Um diese Möglichkeit von vornherein offen zu halten, könnte es eine einfache Lösung geben:

In Neubauten mit großen Balkonen oder Dachterassen wird auf Wunsch des Bauherren von vornherein am Balkon und der Dachterasse ein extra abgesicherter Einspeise-Stromzweig installiert, der ausschließlich mit den dazugehörigen Einspeisesteckdosen versehen ist. Dazu wird ein besonderer vertauschungssicherer Einspeisestecker eingeführt.

Die Einführung eines vertauschungssicheren Einspeisesteckers ermöglicht die massenhafte Einführung von steckfertigen Solarmodulen ohne Sicherheitsrisiko.

Der SFV hat bereits am 01.02.2013 einen entsprechenden Vorschlag gemacht. Wir würden uns über argumentative Unterstützung unseres Vorschlages freuen.



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