Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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26.12.2013, Wolf von Fabeck:

Xaver, der perfekte Sturm

Wolf von Fabeck widerspricht einem Beitrag von Frank-Thomas Wenzel in der Frankfurter Rundschau vom 07.12.2013

Die Geschichte der Menschheit ist voll von Beispielen, in denen die eingeübten Verhaltensweisen zu hilflosen und unsinnigen Reaktionen mit schlimmen Folgen geführt haben. Solche Vorgänge sind nicht nur auf Altertum und Mittelalter beschränkt.
In der Frankfurter Rundschau vom 07.12.2013 beschreibt Frank-Thomas Wenzel sehr eindrucksvoll die energietechnischen Vorgänge beim Wintersturm Xaver - und vergisst dann die naheliegende Schlussfolgerung. Lesen wir zunächst einmal seinen Beitrag. Die Kritik folgt anschließend.



FR vom 07.12.2013

Der perfekte Sturm

"Xaver" verhilft dem Windstrom zu einer neuen Rekordleistung

Von Frank-Thomas Wenzel

Das Orkantief "Xaver" hat Deutschland einen neuen Windstromrekord beschert. Am Donnerstagabend speisten die modernen Windmühlen erstmals Energie mit einer Leistung von mehr als 26 000 Megawatt in die Netze ein -- das entspricht fast 26 Atomkraftwerken. Zeitweise wurde auch noch in der Nacht zum Freitag 40 Prozent des gesamten Bedarfs mit Windstrom gedeckt. Das setzte sich am Freitag auf etwas geringerem Niveau fort. Den Daten der Strombörse EEX zufolge kam am Freitag die Öko-Energie über den gesamten Tag auf einen Anteil zwischen 30 und 35 Prozent -- das hat es in dieser Größenordnung zuvor nicht gegeben.

Für die Windmüller war "Xaver" ein nahezu perfekter Sturm; erstens wegen seiner Dauer. Es hat anderthalb Tage lang relativ heftig geblasen. Zweitens: Nicht nur an der Küste, sondern in weiten Teilen des Landes wurden hohe Windstärken verzeichnet. Aber zugleich waren die Böen nicht so kräftig, dass die Anlagen reihenweise abgeschaltet werden mussten, dies beschränkte sich weitgehend auf Windräder im hohen Norden.

Für das Stromnetz war "Xaver" einer der bislang härtesten Tests. "Die Belastungen waren enorm, aber wir haben die Aufgabe bislang bewältigt", sagte eine Sprecherin des größten Netzbetreibers Tennet. Die Unternehmen hatten die Besetzung der Schaltzentralen verstärkt und ihre Reparatur- und Servicetrupps in ständiger Bereitschaft, um schnell zur Stelle zu sein, wenn Bäume auf Stromleitungen fallen. Bis Freitagmittag waren bei den Netzbetreibern keine größeren Zwischenfälle bekannt.

Defizit im Süden

Um das hohe Aufkommen an Windstrom zu bewältigen, waren massive Eingriffe in die Erzeugung und Verteilung der Energie nötig. Es galt zu verhindern, dass sich große Leitungen wegen Überlastung automatisch abschalten. Das Grundproblem in Deutschland ist, dass es schon bei normalem Wetter ein Überangebot an Strom im Norden und ein Defizit vor allem in den Ballungsgebieten im Süden gibt. Durch den Sturm hat sich das Ungleichgewicht massiv verstärkt. Um elektrische Energie aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein, aber auch aus den ostdeutschen Bundesländern nach Bayern und Baden-Württemberg zu transportieren, wurde Strom auf Leitungen umgeleitet, die normalerweise weniger stark ausgelastet sind. Zugleich setzten die Netzbetreiber einen sogenannten Redispatch um. Das bedeutet, sie organisierten eine kurzfristige Neuverteilung der Energieerzeugung. Konventionelle Kraftwerke im Norden wurden angewiesen, ihre Leistung zu verringern. Kraftwerke im Süden mussten mehr erzeugen als gewöhnlich. Das entlastete die großen Stromautobahnen zusätzlich. Der Redispatch ist eine teure Angelegenheit. Denn die Anlagenbetreiber werden sowohl für das Abschalten als auch für den Mehraufwand entschädigt. Das Geld dafür holen sich die Netzbetreiber bei den Stromkunden zurück. Für Holger Krawinkel, Energieexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, zeigt "Xaver", wie notwendig ein zügiger Netzausbau ist: "Das würde Kosten für Redispatch-Aktionen deutlich senken."

 

Eine Kritik von Wolf von Fabeck

Hier geht es wieder einmal um das Kernproblem der Energiewende:

  • Soll Deutschland zukünftig vorrangig mit CO2-freiem Strom aus Wind- und Solarenergie versorgt werden, oder haben die Erzeuger von klimaschädlichem Kohlestrom das Recht, ihre vor Monaten geplanten Stromfahrpläne durchzuziehen?

Im letztgenannten Fall - also wenn wir bei den fossilen und nuklearen Brennstoffen bleiben wollen - brauchen wir zukünftig einen Ausbau der Fernübertragungsleitungen. Das ist keineswegs billig. Dann aber kann alles beim Alten bleiben - und der Klimawandel geht seinen Gang. Über dessen Kosten und dessen vorhersehbare Folgen spricht man nicht, die werden tabuisiert).

Im erstgenannten Fall dagegen - also bei Fortsetzung der Energiewende - benötigen wir deutlich mehr Stromspeicher. Das ist zwar momentan etwas teurer, aber macht den Weg frei für die weitere Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien. Dann muss Windstromüberschuss nicht von Schleswig Holstein nach Bayern transportiert werden, sondern wird vor Ort in Speichern aufgehoben, damit bei der nächsten Windflaute die Städte Kiel, Hamburg, Bremen und Oldenburg mit gespeichertem Windstrom versorgt werden können.

Diese wesentliche und zukunftsfähige Variante hat Frank-Thomas Wenzel übersehen. Deswegen hier die Ergänzung: Wer das Ziel im Auge behält - die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf CO2-freie und radioaktiv-freie Stromquellen - der muss daran denken, dass Sonne und Wind manchmal zwar im Überfluss, andererseits aber auch wochenlang nur spärlich zur Verfügung stehen. Der denkt dann auch daran, Überschüsse für Zeiten des Mangels zu speichern. Das Problem und seine Lösung sind so alt wie die zivilisierte Menschheit. Schon in der Bibel wird ein Beispiel berichtet - Der Traum des Pharao von den sieben mageren und den sieben fetten Kühen. Auf den Rat Josefs ließ der Pharao Getreidespeicher bauen und sein Volk überlebte die sieben Hungerjahre. Merkwürdig, dass dieser naheliegende Lösungsansatz immer wieder vergessen wird!



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