Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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21.04.2007, Wolf von Fabeck:

Ist Biomasse wirklich CO2-neutral?

Ich habe meinen Golf-Diesel auf Pflanzenöl umrüsten lassen. Die Frage, die sich mir manchmal stellt, lautet: Nehme ich das Fahrrad oder fahre ich mit dem Pflanzenölauto. Ich entscheide mich meistens für das Fahrrad - sogar im Winter und bei Regen - weil mir das Radfahren Spaß macht und weil ich mit dem Rad in der Stadt beweglicher bin. Aber der Hauptgrund ist folgende ökologische Überlegung:

1. Erzeugt eine Fahrt im Pflanzenölauto CO2?
Wir kennen die Antwort, auch beim Verbrennen von Pflanzenöl entsteht CO2.

2. Nun die nächste Frage: Warum schädigt eine Fahrt im Pflanzenölauto das Klima trotzdem nicht?
Die übliche Antwort lautet: Weil die Verbrennung von Pflanzenöl CO2-neutral ist.
Doch diese Antwort befriedigt mich nicht!

3. Was bedeutet CO2-neutral?
CO2-neutral bedeutet: Obwohl CO2 ausgestoßen wird, erhöht sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre nicht.

4. Warum erhöht sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre nicht? Meinen wir das wirklich ernst? Gilt das auch, wenn jeder ein Pflanzenölauto fährt, wenn aus 80 Millionen Pflanzenöl-Auspuffen in Deutschland CO2 in die Atmosphäre geblasen wird und wenn überall Blockheizkraftwerke durch Verbrennung von Pflanzenöl oder Holzhackschnitzeln oder Mais Strom erzeugen? Und was ist, wenn das weltweit geschieht? Steigt dann immer noch nicht der CO2-Gehalt der Atmosphäre an? Wir können uns die Antwort selber geben.

5. Die Formulierung, die energetische Nutzung von Biomasse sei CO2-neutral, ist offensichtlich ungenau. CO2-Neutralität ist nicht eine Eigenschaft der Biomasse an sich, sondern ist eine Eigenschaft des Kreislaufs aus Pflanzen-Anbau unter Einbeziehung der Urbarmachung des Landes, der Biomasse-Aufbereitung und schließlich der energetischen Verwendung der Biomasse.

Letztlich reduzieren sich die Überlegungen auf folgende bilanzielle Abschätzung:
Nimmt die Biomasse auf der Erdoberfläche (und in den Ozeanen) - durch mein eigenes Verhalten - zu oder nimmt sie ab.

Alle Vorgänge, bei denen die Biomasse abnimmt, erhöhen den CO2-Gehalt der Atmosphäre. Dazu gehören völlig unterschiedliche Vorgänge, wie das Verheizen von Holz oder Mais, Brandrodung der Wälder, und sogar der Baum- und Heckenschnitt in unserem Garten mit anschließender beschleunigter Verrottung des klein geschnitzelten Holzes, und eben auch die Fahrt mit dem Pflanzenölauto.
Umgekehrt gilt: alle Vorgänge, bei denen die Biomasse zunimmt, vermindern den CO2-Gehalt der Atmosphäre, auch das Anpflanzen und Wachsenlassen von Bäumen oder Gebüsch im eigenen Garten. Oder auch, das Begrünen der Wüste und der Anbau von Ölpflanzen dort.

Bei der energetischen Nutzung der Biomasse aus Klimaschutzgründen ist deshalb die Gewinnung der Anbauflächen, die Art des Anbaus, die Ernte, die Aufbereitung der Biomasse genauso wichtig wie die letztlich erfolgende Energiegewinnung.

Etwas überspitzt gesagt: Die Fahrt mit dem Pflanzenölauto ist nur dann CO2-neutral, wenn im ursächlichem Zusammenhang eine entsprechende Menge von Biomasse auf Flächen nachwächst, auf denen ohne den Kauf des Pflanzenöls sonst keine Biomasse und auch keine anderen Pflanzen wachsen würden. Die Fahrt mit dem Pflanzenölauto ist deshalb - um das ganz klar zu sagen - nicht CO2-neutral, wenn zum Anbau der dazu notwendigen zusätzlichen Ölpflanzen andere Pflanzen weichen mussten, insbesondere, wenn dazu Ackerflächen durch Rodung von Urwald geschaffen werden.

Nur wenn wir gleichzeitig für ein ZUSÄTZLICHES Aufwachsen von Biomasse erzeugenden Pflanzen sorgen, dann ist energetische Biomassenutzung CO2-neutral.



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