Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Info 155, Stand 27.4.95

Solarstrom verlagert Arbeitsplätze in den Mittelstand

Würde eine Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien Zahl und Struktur der Arbeitsplätze beeinflussen? Die Beantwortung dieser Frage ist von überragender Bedeutung für die Zukunft unserer Industriegesellschaft. Eine eingehendere Beschäftigung mit dem Thema ist deshalb dringend geboten.

Von Wolf von Fabeck

Lassen Sie mich von drei alltäglichen Beobachtungen ausgehen, die scheinbar im Widerspruch zueinander stehen.

  • Die Sonne schickt uns keine Rechnung,
  • Quarzsand (Rohstoff für Solarmodule ist billig),
  • Solarstrom dagegen ist z.Zt. ausgesprochen teuer.

Wie könne wir diesen Widerspruch erklären, wohin geht denn das Geld, das für Solarstrom bezahlt werden muß? Bei der Beantwortung dieser Frage kommt uns die Volkswirtschaft zu Hilfe. Sie benennt die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital. Die Herstellungskosten einer Ware ergeben sich dementsprechend auf Arbeitslöhnen und Gehältern, sowie aus Zinsen und Dividenden.
Wir interessieren uns hier für den Anteil der Arbeitslöhne am Preis einer Kilowattstunde, denn dieser Anteil ist ein Indikator für die zur Verfügung gestellten Arbeitsplätze.

Geld fließt in Arbeitslöhne

Lassen Sie mich die Zusammenhänge anhand von Beispielen ausführlicher darstellen. Nehmen wir den Quarzsand, aus dem die Solarzellen hergestellt werden:
Syand gibt es wie Sand am Meer. Er kostet dort wo er liegt eigentlich nichts, und jeder Badegast darf davon umsonst mitnehmen, soviel er will. Aber der Sand muß zur Fabrik transportiert werden. Dazu müssen Arbeiter ihn auf einen LKW laden. Ein Fahrer muß den LKW zur Fabrik fahren. Zwischendurch muß ein Tankwart den LKW betanken, ein Tankzugfahrer die Tankstelle auffüllen, eine Raffinerie muß Rohöl zu Dieseltreibstoff umwandeln, Tankschiffe müssen das Rohöl aus Saudi-Arabien nach Hamburg bringen... Der Matrose an Bord des Öltankers ahnt mit Sicherheit nichts davon, daß er einen winzigen Beitrag zur Herstellung von Solarmodulen leistet...

Auf dem Weg von der Sandgrube zur Fabrik steigt der Wert des Sandes ständig. Wenn er dann schließlich in der Fabrik abgeladen worden ist, muß bezahlt werden, und Geld fließt zurück - oder ist bereits geflossen - in immer feineren Verästelungen zum Arbeiter in der Raffinerie, bis schließlich auch zu dem erwähnten Matrosen auf dem Tankschiff, der wiederum nicht ahnt, daß der Käufer des Quarzsandes einen winzigen Anteil zu seiner Heuer beigetragen hat.

Auch Energiekosten sind im wesentlichen Arbeitsentgelte

Nehmen wir z.B. den Energieaufwand für die Umwandlung von Quarzsand in Solarsizilium. Die Herstellungskosten für Energie enthalten ebenfalls Arbeitentgelt: Gehalt für den Direktor des Kraftwerks, Lohn für den Mann, der den Stromzähler abliest, zur Zeit noch Lohn für den Kumpel, der die Kohle fördert, Gehalt für den Ingenieur, der den Preßlufthammer für den Kumpel konstruiert hat... Später wird es Lohn für die Erbauer von Wind- und Solaranlagen sein, Auch die anfallende Mehrwertsteuer fließt in Arbeitsentgelte, z.B. die der Staatsdiener.

Der Herstellungspreis ist ein Indikator für die Beteiligung von Arbeitskräften

Das Prinzip ist leicht zu verstehen. Der Tankwart, der Matrose, der Zählerableser, sie alle wissen zwar nichts davon, daß auch sie einen Beitrag für die Herstellung von Solarstrom geliefert haben, aber sie wollen für ihre Arbeit bezahlt werden. Jeder, der auch nur einen Handschlag für die Herstellung der Solarmodule tut oder getan hat, hält anschließend die Hand auf und kassiert seinen Anteil.

Teurer Solarstrom darf nicht die Lösung sein.

Der hohe Herstellungspreis für den Solarstrom von 1,89 DM/kWh (seit dem 01.01.99 von 1,76 DM/kWh) ist nach dem bisher Gesagten ein Hinweis auf hohe Arbeitsintensität, doch verbieten gewichtige Gründe, den hohen Preis als Vorteil zu sehen. Im Gegenteil, Solarstrom muß weltweit gegenüber den fossilen und nuklearen Technologien konkurrenzfähig werden. Dazu sind alle Preissenkungsmöglichkeiten auszunutzen, andernfalls kann das ökologische Ziel nicht erreicht werden.

Preissenkungsmöglichkeiten und wie wirken sie sich aus?

Die Frage, wie billig Solarstrom, bei Einsetzen der Massenproduktion werden wird, läßt sich nicht auf den Pfennig genau beantworten, doch gibt die Forderung nach internationaler Konkurrenzfähigkeit gegenüber den herkömmlichen Energien einen Anhalt. Erreichbar ist dieser Wert auf jeden Fall, denn erfahrungsgemäß bringt jede Verzehnfachung der Produktionskapazitäten eine Halbierung der Preise. Die Grenze nach unten ergibt sich erst durch den Rohstoffpreis, und dieser ist sehr niedrig, denn Rohstoff ist Sand!

Preisreduktion wird durch Automatisierung in der Fertigung erreicht werden

Preisreduzierungen sind im wesentlichen bei der Fertigung der Komponenten möglich, bei den Solarmodulen, Wechselrichtern, Anschlußkästen, Halterungselementen usw. Hier muß und hier wird durch Automatisierung die Arbeitsintensität abnehmen.

Das Installationshandwerk wird die meisten Arbeitsplätze stellen

Ein Bereich der Solartechnik allerdings wird trotz Automatisierung arbeitsintensiv bleiben, die Dachmontage. Denken Sie an die Millionen von Dächern allein in Deutschland! Für die Dachmontage sind mindestens ein Kranbediener, ein Monteur und ein Helfer vonnöten.
Die nächste Frage ist, was geschehen wird, wenn die Anlagen der erneuerbaren Energien alle aufgebaut sein werden. Werden dann die Solarinstallateure nicht wieder arbeitslos? Hier ist die Lebensdauer der Anlagen zu berücksichtigen. Nach 25 Jahren etwa müssen die Solarinstallateure mit dem Ersatz der alten Solaranlagen durch neue beginnen...

Mehr Arbeitsplätze in der Übergangszeit

Die Umstellung auf Sonnenenergie erfolgt natürlich nicht in der Weise, daß erst alle konventionellen Kraftwerke abgeschaltet und dann die Solar-, Wind-, Wasser-, Biomasse-Anlagen aufgebaut werden. Tatsächlich muß und wird es umgekehrt gehen, sonst würde eine Unterbrechung der Energieversorgung auftreten.
Während also noch die alten Anlagen Strom produzieren (die Bergleute Kohle fördern usw.) werden bereits neue Anlagen errichtet. Neue Arbeitsplätze werden geschaffen, bevor die alten Arbeitsplätze abgebaut werden.
Es entsteht somit in der Übergangszeit auf jeden Fall zusätzliche Arbeitsplätze.

Die Umstellung der Stromwirtschaft auf erneuerbare Energien beschäftigt hauptsächlich mittelständische Unternehmen.



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