Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

20.07.2001, Britta Marold:

Energiesparen? Ja, bitte!

Über die Kontraproduktivität von Energiesparapellen

Wir alle kennen die Appelle:
"Energie sparen? Ja, bitte!"
"Wesentlich für die erfolgreiche Energiewende ist das Energiesparen!"
"Wenn wir weiterhin so sorglos mit der Energie umgehen, ist die Erde dem Untergang geweiht!"

So oder ähnlich, mal mehr, mal weniger dramatisch, lauten die Aufrufe, die von Umweltorganisationen, Umweltschutzvereinen und Politikern immer wieder zu hören sind.
Und die Menschen haben ja Recht! Es ist in der Tat unumgänglich, dass der Verbrauch von Energie - ob Strom, Treibstoff oder Heizenergie - drastisch eingeschränkt wird. Soweit sind sich alle einig, die sich - aktiv oder nicht - für den Umweltschutz einsetzen. Fast jeder Mensch in Deutschland weiß um die Notwendigkeit des Energiesparens. Fast jeder Mensch in Deutschland hat ein schlechtes Gewissen, wenn er allzu sorglos mit der Energie umgeht (ausser, das Thema ist wegen eines eklatanten Gefühls der Hilflosigkeit oder schlichtem Desinteresse bereits erfolgreich verdrängt).

Warum also nützen diese Aufrufe, diese teils äußerst eindringlichen und überzeugenden Appelle so wenig? Wieso sinkt der Energieverbrauch nicht, warum haben die Energiesparlampen noch immer nicht die gute, alte Glühbirne vom Markt verdrängt?
Es wird sicher viele Gründe dafür geben, die mehr oder weniger nachvollziehbar sind. Menschliche Gründe - wie Gedankenlosigkeit, Unaufmerksamkeit, Verdrängung - und natürlich wirtschaftliche. Eine Energiesparlampe kostet heute immer noch leicht das vierfache einer simplen Glühbirne. Und dass man auf Dauer mit der Energiesparlampe nicht nur Energie sondern auch Geld spart, weil sie einfach wesentlich länger hält, ist für uninformierte Menschen schwer erkennbar.

Ein weiterer Grund ist sicher, dass mit "Energiesparen" meistens der Gedanke "Verzicht" verknüpft ist:
" Ich darf meine Wohnung nicht mehr so warm haben."
"Ich darf mein Auto nicht mehr so schnell fahren (oder muss die Bahn nehmen)."
"Darf ich noch einen Tiefkühlschrank haben?"
"Darf ich noch in den Urlaub fliegen?"
Es gibt in unserem Leben eine Unzahl von Beispielen, wo der Gedanke an das konsequente Energiesparen sehr unbequem und unerfreulich ist. Für jeden von uns.
Das Interesse, das wir am Energiesparen haben - der Erhalt der Umwelt, eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen, das Abwenden der Klimakatastrophe u.ä. - ist oft unfassbar und gegenüber den alltäglichen Gegebenheiten zu abwegig und weit entfernt, um wirkliche Verhaltensänderungen zu bewirken. Es ist hier wie bei der Glühbirne: Dass wir mit konsequentem Energiesparen auf Dauer alle gewinnen - sowohl an Lebensqualität als auch wirtschaftlich - ist für uninformierte Menschen schwer erkennbar. Der Misserfolg von Appellen ist absehbar; so absehbar, dass sich sogar die Stromversorger zu Energiesparappellen hinreissen lassen.

Es gibt eine einfache Möglichkeit, die Menschen ohne Appelle, ohne Aufrufe, ohne moralischen Zeigefinger zum Energiesparen zu bewegen. Diese Möglichkeit ist aber leider ziemlich unpopulär: Energie muss teuer gemacht werden. Dass das funktioniert, wissen wir alle:

  • Durch die Ökosteuer ist der Energiepreis erhöht worden. Viele achten jetzt gerade beim Treibstoff darauf, weniger zu verbrauchen. Weil's sonst halt zu teuer wird. Nach der Verteuerung des Benzins im Jahr 1999 nahm der Verbrauch im ersten Quartal 2000 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 6,1 % ab!
  • Als durch die Liberalisierung des Strommarktes die Preise für Strom gesunken sind, ist der Energieverbrauch proportional gestiegen. Viele Stromkunden hatten nach der Preissenkung fast die gleiche Rechnung wie davor zu zahlen (auch ohne Ökosteuer). Das Bewusstsein, dass der Strom jetzt billiger ist, hat psychologische Auswirkungen: Es hat dazu geführt, dass der Umgang mit Energie wieder sorgloser wurde.

Wollen wir also den Energieverbrauch senken, müssen die aberwitzig niedrigen Preise für Energie angehoben werden. Dies aber ist - wie bereits gesagt - äußerst unpopulär. Erinneren Sie sich an die Diskussion um den Benzinpreis von 5,-DM? Wann haben Sie das letze Mal einen Politiker darüber reden hören? Der Sturm des öffentlichen Protestes hat sie alle zum Schweigen gebracht. Dieser Ansatz aber ist der einzige, der erfolgversprechend erscheint. Die Ökosteuer muss schrittweise weiter angehoben werden. Energie - egal aus welcher Quelle sie stammt - ist viel zu billig! Wir erwarten von Politikern, aber ebenso von den Umweltverbänden, dass sie den Mut haben, das Richtige zu fordern. Wirkungslose Energiesparappelle müssen durch konkrete Forderungen zur Verteuerung der Energie ersetzt werden. Ein Umdenkprozess muss eingeleitet werden. Wir können uns die billige Energie auf Dauer nicht leisten!

Energiesparappelle sind also sinnlos, da sie nur geringe Konsequenzen nach sich ziehen. Sie sind außerdem überflüssig, da durch eine konsequente Verteuerung von Energie die Einsparung derselben automatisch folgen wird. Zusätzlich langweilen sie uns inzwischen. Oder haben Sie unserem Umweltminister bei seinem letzlich erfolgten Aufruf voller Begeisterung zugehört? Und: Erwarten wir von einem hochrangigen Poilitiker nicht eher, dass er konsequent die politischen Rahmenbedingungen zum Energiesparen setzt?

Warum aber sollen diese Aufrufe kontraproduktiv sein? Man kann doch die Energie teurer machen und trotzdem zum Sparen auffordern?

Zunächst stellt sich hier die ökologische Frage: Ist es sinnvoll, Berge von Papier zu bedrucken, zu versenden, zu verteilen und wegzuwerfen - also eine Unmenge an Energie zu verbrauchen und einen riesigen Papiermüllhaufen zu produzieren - um Sparappelle zu vervielfältigen, die nichts nützen?

Sodann kommt der oben angesprochene Effekt der Verknüpfung zum Tragen: "Energiesparen = Verzicht". Diese unbewusste Verknüpfung findet in den Köpfen vieler Menschen statt. Aber sie macht hier nicht halt. Es geht weiter:
"Energiesparen soll ich wegen der drohenden Klimakatastrophe. Schuld an der ist die Kohleverstromung und der Autoverkehr. Um dem entgegenzuwirken gibt es diese erneuerbaren Energien.
Also: Erneuerbare Energien = Verzicht."
Viele Menschen, die sich mit den erneuerbaren Energien nicht gut auskennen, haben bei diesem Thema ein bestimmtes Bild vor Augen (Sie kennen das vielleicht aus Diskussionen?!): Da sitzt ein langhaariger Müsliman mit Frau und Kindern im ungeheizten Blockhaus (im Winter scheint halt die Sonne nicht) betreibt mit seinem quietschenden Windrad eine klägliche Funzel, kocht auf offenem Feuer und zieht dann aus, das Mammut zu töten. Mit anderen Worten: Zurück in die Steinzeit, nur nicht so ganz.

Dabei ist dieses Bild - auch wenn man nicht schamlos übertreibt - völlig schief. Die Erneuerbaren Energien werden mithelfen, unseren Lebensstandard zu verbessern! Schon heute geht der Trend deutlich zu energiesparenden Geräten und Technologien. Und erfreulicherweise ist jede Energiesparmaßnahme eine Maßnahme zur Verbesserung der Umweltfreundlichkeit und damit unserer Lebensqualität. Wir müssen auf gar nichts verzichten, außer auf sinnlose Verschwendung.

Als Vertreter und Verfechter der Erneuerbaren Energien finden wir uns oft unversehens in eine Verteidigungshaltung gedrängt. Wir erklären, warum die Energiewende notwendig sei. Sprechen über Umweltschutz, Klimakatastrophe, Verantwortung für kommende Generationen, moralische Verpflichtungen. Und fühlen uns nie richtig wohl dabei. Wer ist schon gern Moralprediger?

Dabei hat die Medaille "Umweltschutz" ja auch eine zweite Seite: Fortschritt, Verbesserung der Lebensqualität (und zwar ab sofort!), neue Arbeitsplätze, Wandlung der gesellschaftlichen Denkweise, mehr Miteinander, gemeinsame Zukunftsstrategien usw.
Wir dürfen Aufbruchsstimmung verbreiten! Weg von alten, starren Strukturen, in denen die Menschen aus Angst vor Veränderung verharren, hin zu einer lebendigen, selbstbewussten und selbstbestimmten Gesellschaft, in der die erneuerbaren Energien ein Baustein zu einem erneuerten menschlichen Selbstbild sind. Das konstruktive Miteinander der Staatengemeinschaften wird greifbarer, wenn der Kampf um die Energie überflüssig wird. Es ist an der Zeit, dass die Vertreter der erneuerbaren Energien ihre vorsichtige Verteidigungshaltung aufgeben und stattdessen offensiv und optimistisch ihre Sache vertreten.

Dazu gehört als wesentlicher Baustein die Ökosteuer zur Verteuerung der Energie. Und das bedeutet auch, dass Parteien und Umweltschützer aufgerufen sind, die Notwendigkeit der Verteuerung von Energie mit der selben Beharrlichkeit zu erklären und zu begründen, mit der sie bisher zum Energiesparen aufgerufen haben.

Es ist unsere Aufgabe, dabei positive Verknüpfungen herzustellen, weg von den destruktiven Gedanken an Verzicht und Mangel. Damit die Energiewende nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung vorangetrieben wird. Das geht dann nämlich schneller.



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....