Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: 28.10.05

FAZ macht Stimmung gegen Photovoltaik


von Wolf von Fabeck
Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein Deutschland

"Vergeßt die Sonne!"

Nein, das ist kein Satz mit einem lustigen Rechtschreibfehler, sondern eine Überschrift in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung* vom 23.10.2005. So schrieb man das Wort "vergesst" bis Ende des vorigen Jahrhunderts in ganz Deutschland - und so schreibt die FAZ* noch heute. Jede Abkehr vom Althergebrachten fällt bekanntlich schwer. In diesem Fall trifft das auch auf den Inhalt des Beitrags zu; auch er scheint aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen.

Artikel aus der FAS* vom 23.10.2005
Vergeßt die Sonne!

Photovoltaik-Förderung wird zum Millionengrab

Frankfurt. Mit der Förderung der Photovoltaik werden jedes Jahr hohe Millionenbeträge verschwendet. Das ist das Ergebnis einer Studie des Forschungsinstitutes EEFA. Das Institut hat untersucht, wie der Anteil erneuerbarer Energien am effizientesten erhöht werden kann.
Das Ergebnis: Es geht viel günstiger ohne Solarstrom. Zur Zeit müssen die Energieversorger die saubere Energie zu gesetzlich vorgeschriebenen Preisen abnehmen. Die höchsten Preise bekommt die Sonnenenergie, für die es zwischen 45 und 62 Cent je Kilowattstunde gibt. Das ist mehr als zehnmal höher als die Produktionskosten für konventionellen Strom. Selbst wenn sich die Kosten in zehn Jahren halbieren, wäre die Photovoltaik in Deutschland nicht wettbewerbsfähig, so die Studie.
Im marktorientierten Fördermodell, das das EEFA für den Verband der Elektrizitätswirtschaft entworfen hat, würden vor allem Biogasanlagen und Windkraftwerke auf See die Photovoltaik ersetzen. Das Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien auf 20 Prozent bis 2020 zu steigern, würde deutlich billiger erreicht werden. Mehrere Milliarden Euro seien einzusparen. wvp

Die Frankfurter Allgemeine bezieht hier eindeutig Stellung in einem seit langem schwelenden Interessenkonflikt zwischen Stromwirtschaft und Erneuerbaren Energien. Sie stellt publizistisch die Position der Stromwirtschaft nicht in Frage, berichtet nicht über sie, sondern gibt sie als ihre eigene Position wieder.

In der Sache ist auf den Artikel Folgendes zu antworten

Möglicherweise hat die Frankfurter Allgemeine die weltweiten Probleme Klimawandel und schwindende Ölvorräten nicht in ihre Überlegungen einbezogen. Sie geht wohl davon aus, dass es genügen würde, den Anteil Erneuerbarer Energien im Strombereich in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen, damit die weltweiten Energie- und Klimaprobleme gelöst würden - und zwar endgültig!

Wenn die Lösung bei 20 Prozent endgültig erreicht wäre, dann wäre die Photovoltaik in der Tat für den genannten Zweck nicht unbedingt nötig.

Aber so einfach ist es eben nicht. Wenn wir - hoffentlich schon vor 2020 - 20% erneuerbare Energien im Strombereich erreicht haben, dann können wir wegen der eingangs genannten Probleme nicht aufhören, die konventionelle Energieversorgung weiter auf Erneuerbare Energien umzustellen. Im Endergebnis brauchen wir schließlich nicht 20 Prozent Erneuerbare Energien nur im Strombereich und nur in Deutschland, sondern 100 Prozent in der gesamten Energieversorgung weltweit. Ob das kurzfristig, mittelfristig oder auch langfristig erforderlich ist, darüber müssen wir jetzt nicht streiten. Allein in Deutschland wäre das etwa 15 mal so viel wie die angesprochenen 20 Prozent und lässt sich mit Biogas und Offshorewindanlagen alleine ganz sicher nicht mehr decken. Auf das Potential der Windenergie im Binnenland und auf die Photovoltaik können wir deshalb nicht verzichten.

In ihrer Argumentation nur mit den Kosten, den "Lasten" der PV, ignoriert die Frankfurter Allgemeine außerdem sämtliche positiven ökonomischen Effekte, die diese Investitionen in eine Zukunftstechnik an anderer Stelle bewirken; z.B. die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Schließlich ist Photovoltaik eine Technik, die sich zum Export in Länder ohne ausgebautes Stromnetz bestens eignet. Derzeit steht Deutschland mit an der Spitze der PV-Exporteure. Entwicklung und Einsatz der Photovoltaik in Deutschland ist deshalb auch Förderung eines Exportprodukts und Demonstration seiner massenhaften Nutzung.

Bezüglich der Preisentwicklung der Photovoltaik geht die Frankfurter Allgemeine im günstigsten Fall von einer Halbierung des Preises alle zehn Jahre aus. Derzeit liegt der Preis für die photovoltaisch erzeugte Kilowattstunde bei ca 50 Cent. In 10 Jahren läge der Preis dann bei 25 Cent. Warum aber "vergißt" die Frankfurter Allgemeine dann die nächsten 10 Jahre? Der Preis würde dann - gemäß der von ihr selbst gemachten Annahme - bei 12,5 Cent und nach weiteren 10 Jahren schon bei 6 Cent liegen. So ungenau natürlich solche Vorhersagen sind, die Tendenz stimmt. Während die Preise für konventionell erzeugten Strom immer weiter ansteigen, sinken die Preise für Strom aus PV immer weiter. Was wollen wir mehr!

Im übrigen, wer Solarstrompreise mit Erzeugungskosten von Kohlestrom aus abgeschriebenen Kraftwerken vergleicht, der vergleicht Äpfel mit Birnen.

  • Solarstrom wird dezentral erzeugt und in der Nachbarschaft verbraucht. So spart er Netzgebühren.
  • Solarstrom wird schwerpunktmäßig um die Mittagszeit erzeugt, zu dieser Zeit ist die Nachfrage nach Strom besonders hoch und der Marktwert von Strom ebenfalls.

*) Anmerkung: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ist ein redaktioneller Ableger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)


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