Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: 06.09.04

Angst ist kein guter Ratgeber

Mit ihrer Blockade gegen die Photovoltaik schadet sich die Stromwirtschaft

von Wolf von Fabeck

Nach wie vor belegen Umfragen die ungebrochen hohe Wertschätzung der Bevölkerung für die Solarenergie, doch immer wieder verweigern die Betreiber der Stromnetze den Anschluss von Solaranlagen und die Einspeisung von Solarstrom ins Netz und immer wieder finden sich in der Presse Beiträge, in denen die Erzeugung von Solarstrom mit fadenscheinigen Argumenten angegriffen wird. Was steckt hinter diesen Angriffen auf die Wunschenergie der Deutschen?

Über 120.000 Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) speisen in Deutschland Strom vom Hausdach ins öffentliche Netz ein und ihre Zahl wächst von Tag zu Tag. Möglicherweise sind es schon über 150.000; in wenigen Jahrzehnten können es Millionen sein und die Massenproduktion wird die Solarstrompreise immer weiter sinken lassen. Solarstromeinspeiser werden dann den Strom so günstig anbieten, dass im Vergleich dazu die Betreiber der großen konventionellen Kraftwerke beim Verkauf an die privaten Haushaltskunden keine Chance mehr haben. Die Großkraftwerke werden schon deshalb nicht mehr mithalten können, weil sie ihren Strom erst über das Höchstspannungsnetz, das Hochspannungs-, Mittelspannungs- und Niederspannungnetz anliefern und dafür die Netzgebühren entrichten müssen, während die Solarstromeinspeiser direkt ins Niederspannungsnetz einspeisen, aus dem die privaten Kunden versorgt werden.

Die naheliegende Strategie, unerwünschte neue Techniken aufzukaufen und selber zu betreiben, will bei Solarstrom nicht so recht klappen, denn die Stromerzeuger haben keinen Zugriff auf die Hausdächer. Allenfalls könnten sie große Flächen auf der grünen Wiese pachten und dort Solarmodule in Freiflächenanlagen aufstellen.

Doch Freiflächenanlagen haben keine Zukunft. RWE und Bayernwerk haben bereits im April 1993 eine Studie anfertigen lassen, die der Frage auf den Grund ging, ob PV-Anlagen auf der grünen Wiese oder auf Gebäuden den Strom billiger erzeugen können. Die Studie stellte schon damals fest, dass die Hauseigentümer den Strom billiger liefern konnten. Sie brauchen für ihre eigene Dachfläche keine Pacht zu zahlen. Sie verfügen bereits über eine Einfriedung, die Fundamente, die Aufständerung, und den Netzanschluss. . Diese Einsparungen werden umso mehr ins Gewicht fallen, je geringer die Modulpreise werden.

Ein weiterer wichtiger Grund für die Überlegenheit zukünftiger Gebäudeanlagen ist noch hinzugekommen; die mögliche Mehrfachnutzung von photovoltaischen Bauelementen, die gleichzeitig abdeckende (Witterungsschutz-) und sogar selbsttragende Funktionen als Dach- und Fassadenelemente erfüllen können. Energiehungrige Menschen werden bei zunehmender Energieknappheit ein Haus aus Photovoltaikelementen zu schätzen wissen.

Keine Chance also für die Stromwirtschaft, mit Solarstromanlagen konkurrenzfähig zu werden. Hauseigentümer haben die besseren Karten.

Bei weiterem Fortschritt der Speichertechnik könnten Bauherren sogar auf die Idee kommen, die teure Errichtung eines Stromanschlusses einzusparen und stattdessen die Sonne des Sommers für das ganze Jahr im Keller zu speichern. So etwa sehen wohl die Angstträume einiger Strom-Manager aus.

Doch Angst ist kein guter Ratgeber. Wenn die Netzbetreiber, wie sie es an etlichen Orten tun, den Anschluss von PV-Anlagen behindern, anstatt ihn zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, dann bereiten sie die Stimmung in der Bevölkerung genau für solche Insellösungen vor. Außerdem verspielen die Netzbetreiber die großen Vorteile, die die Integration von Photovoltaikanlagen und kleinen Pflanzenöl-Blockheizkraftwerken in die Niederspannungsnetze bieten können:

Wenn Stromverbraucher und Stromeinspeiser in einem Netzabschnitt zusammenwirken, braucht das Netz nur noch den Ausgleich für überschüssigen Stromverbrauch heranzuführen oder für überschüssige Einspeisung abzuführen. Das Netz kann deswegen ohne weiteren Ausbau eine größere Versorgungsleistung bewältigen.

Anstatt auf einvernehmliche Lösungen zu setzen und die Chancen zu nutzen, die die Einspeisung von Solarstrom ins Niederspannungsnetz bietet, zerstört die Stromwirtschaft jedoch ihre Glaubwürdigkeit, indem sie in dreister Verdrehung der Tatsachen die Solarstromnutzung schlecht redet. Noch finden sich gläubige Zuhörer und Leser, doch deren Zahl nimmt weiter ab. Jede weitere Verweigerung einer Einspeisung von Solarstrom beweist, dass es der Stromwirtschaft gar nicht um den Klimaschutz geht, sondern nur um ihren Gewinn.

 


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