Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Solarwerbung jenseits aller Seriosität

vom 18.7.2001
Verschiedene Firmen versuchen uninformierte Bürger zu Investitionen in Photovoltaik- Groß-Anlagen oder zum Kauf von Solaraktien zu verleiten. Sie versprechen Renditen, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Ein SPIEGEL -Artikel vom Juli 2001 fasst viele dieser Angebote - leider völlig kritiklos - in einem euphorischen Bericht zusammen. Dort sind unter anderem folgende Sätze zu lesen:

Vom Himmel in die Steckdose

Beim Geschäft mit der Sonne herrscht Goldgräberstimmung: Dank staatlicher Förderung und besserer Energieausbeute wird Solarstrom erstmals rentabel. (...)

In Deutschland rechnet sich selbst für kostenbewusste Häuslebauer schon heute die Installation einer Solaranlage: 15 000 Mark Anschaffungskosten reichen aus, um dauerhaft über 60 Prozent des Energiebedarfs einer vierköpfigen Familie zu decken. Mehr als drei Viertel der Investitionssumme bekommt der Hausbesitzer zudem aus dem so genannten 100.000-Dächer-Förderungsprogramm als äußerst zinsgünstigen Kredit.

"In drei bis vier Jahren hat man das investierte Geld wieder eingefahren", (...) "Danach kann man sich faul in die Sonne setzen und die Hände reiben, während oben auf dem Dach der Solarpfennig rollt." So wird ein bekannter Unternehmer der PV-Branche zitiert.

Die vom SPIEGEL gebotene Darstellung ist in mehrfacher Hinsicht falsch

1. Mit 15.000 DM Anschaffungskosten kann eine kleine PV-Anlage von 1 kW errichtet werden, die im Jahr etwas weniger Strom erzeugt, als ein einziger Durchschnittsbürger (nicht eine vierköpfige Familie) für seinen privaten Strombedarf (nicht Energiebedarf, wozu ja auch Heizung und Auto gehören) jährlich benötigt.

2. In drei bis vier Jahren hat man das investierte Geld keineswegs "eingefahren", sondern man steht gerade zu diesem Zeitpunkt vor dem Problem, wie man die Rückzahlungsraten für den 100.000 Dächerkredit aufbringen soll. Dieser muss nämlich innerhalb von 10 Jahren zurückgezahlt sein, wozu die Einnahmen aus der Einspeisevergütung keinesfalls ausreichen. Man muss erheblich in die eigene Tasche greifen. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, z.B. unter dem Titel Schuldenfalle HTDP.

3. Man kann trotz der Einspeisevergütung von 99 Pf/kWh und trotz des 100.000 Dächer-Kredits froh sein, wenn man nach 20 Jahren wenigstens einen großen Teil des zur Kredit-Tilgung eingesetzen Eigenkapitals zurück bekommen hat. Von einer Verzinsung des eingesetzten Eigenkapitals kann überhaupt nicht die Rede sein.

Soweit eine Richtigstellung zu den schlimmsten Fehlinformationen.

Die Wirkung in der Öffentlichkeit ist vorhersehbar

- Tausende von SPIEGEL-Lesern werden sich um eine PV-Anlage bemühen. Natürlich freuen wir uns über jeden neuen PV-Anlagenbetreiber. Doch wer mit der Aussicht auf finanziellen Gewinn geködert wurde, wird sich hinterher zu Recht getäuscht fühlen.

- Dutzende von Politikern werden sich Gednken darüber machen, ob die Einspeisevergütung für Solarstrom nicht doch zu hoch gewählt wurde.

- Die Gegner der Energiewende werden genüsslich auf die Unseriosität der "grünen Spinner" hinweisen.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf von Fabeck

 


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