Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Steuerfragen und Gewerbeanmeldung

vom 18.08.01


Sehr geehrte Solarfreunde,

da immer wieder Anfragen zur steuerlichen Berücksichtigung von Solaranlagen auftauchen, haben wir Rechtsanwalt Dr. Schweisthal befragt. Hier das Ergebnis unserer Recherche in Kurzform:


Vorsteuerabzugsberechtigung


Wer regelmäßige Einnahmen aus seiner Solaranlage erzielt, (gleichgültig ob er eine Gewinnerzielungsabsicht hat), unterliegt als Unternehmer der Umsatzsteuer.
Zwar besteht die Möglichkeit, sich als "Kleinunternehmer" von der Umsatzsteuer befreien zu lassen, doch ist dies für PV-Anlagenbefreier zumeist nicht sinnvoll.
Der PV-Anlagenbetreiber kann vom Finanzamt auf Antrag die Vorsteuerabzugsberechtigung erlangen. Er zählt dann als Unternehmer. In diesem Fall erhält er die gezahlte Umsatzsteuer auf den Erwerb und die Wartung seiner Anlage zurück.

Auf die Einspeisevergütung muss er nun seinerseits die Umsatzsteuer erheben und diese an das Finanzamt abführen.

Anmeldung als Gewerbe

Wer eine Gewinnerzielungsabsicht hat, muss in der Einkommensteuer seine Einnahmen und Ausgaben unter dem Stichwort "gewerblich" angeben. Deshalb glauben viele PV-Anlagenbetreiber, sie müssten ein Gewerbe anmelden.
Das Gewerbeamt sieht dies zumeist anders: Die Anmeldung eines Gewerbes ist bei Anlagen der üblichen Größen - unabhängig von der Gewinnsituation - nicht erforderlich. Bei größeren Anlagen, mit denen Sie aufgrund besonders günstiger Förderbedingungen einen Gewinn erzielen, sollten Sie trotzdem sicherheitshalber beim Gewerbeamt nachfragen.

Berücksichtigung in der Einkommensteuer

Hier geht es um die Gewinnerzielungsabsicht. "Gewinn" wird in diesem Zusammenhang als Totalgewinn verstanden, d.h.
im Laufe der 20 Jahre Betriebsdauer muss die Summe der Einnahmen höher sein als die Summe der Ausgaben. (Anmerkung: Diese Gewinndefinition ist nicht zu verwechseln mit Gewinn im betriebswirtschaftlichen Sinn.)

Zu den Einnahmen zählt die Einspeisevergütung.

Zu den Ausgaben zählen Planungskosten, Anschaffungskosten, Reparaturkosten, Wartungskosten, Kosten für den Abbau der Anlage, Versicherungskosten, und Kreditzinsen.
Kalkulatorische Zinsen (Zinsverzicht bei Verwendung von Eigenkapital) dürfen nicht berücksichtigt werden, sondern nur tatsächlich anfallende Kosten, (für die man im Zweifelsfall eine Rechnung oder Zahlungsbeleg vorlegen könnte).

Wer seine Solaranlage gewerblich, d.h. mit Gewinnerzielungsabsicht, betreibt, MUSS in seiner Einkommensteuererklärung eine Gewinnermittlung durchführen.

Wer keine Gewinnerzielungsabsicht hat, d.h. wer keinen Totalgewinn erwirtschaften kann, braucht die mit der Solaranlage zusammenhängenden Einnahmen und Ausgaben nicht in der Einkommensteuererklärung aufzuführen, es sei denn, er wird vom Finanzamt ausdrücklich dazu aufgefordert.

Mögliche Vorgehensweise

1. Überschlägig ausrechnen, ob Totalgewinn in 20 Jahren zu erwarten ist.

2. Finanzierung planen

In geringem Maße kann man durch die Art der Finanzierung beeinflussen, ob sich ein Totalgewinn ergibt oder nicht. Auch die Höhe eines evtl. Totalgewinns kann man in geringem Maße beeinflussen.
So verringert z.B. eine Fremdfinanzierung (infolge der Sollzinsen) den Totalgewinn oder verhindert ihn sogar.

Umgekehrt können Zuschüsse zu einem Totalgewinn führen oder ihn noch erhöhen.

Man sollte sich deshalb vor Aufstellung der Finanzierung überlegen, ob ein Totalgewinn überhaupt erwünscht ist, ob es also vorteilhaft ist, wenn die Einnahmen und Ausgaben im Zusammenhang mit der Solaranlage in der Einkommensteuer berücksichtigt werden müssen.

Vor- oder Nachteile hängen von den persönlichen Einkommensverhältnissen ab und können nur von einem Steuerfachmann zuverlässig abgeschätzt werden.

3. Beim Finanzamt die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und die Originalrechnungen vorlegen zur Erstattung der Vorsteuer

4. Dem Netzbetreiber mitteilen, daß Vorsteuerabzugsberechtigung vorliegt, damit er die Vergütung einschließlich MwSt. zahlt.

5. Wenn Totalgewinn zu erwarten ist, und es sich um eine außergewöhnlich große Anlage handelt, beim gemeindlichen Gewerbeamt nachfragen, ob eine Gewerbeanmeldung erforderlich ist.

6. Die in der Einspeisevergütung erhaltende MwSt. an das Finanzamt abführen.

7. Wenn Totalgewinn zu erwarten ist, in der Einkommensteuererklärung die Einnahmen und Ausgaben des Jahres [ohne Anschaffungskosten, aber einschließlich Absetzung für Abnutzung (AfA)] angeben.

Die Abschreibung einer PV-Anlage erfolgt über 20 Jahre (dagegen beträgt die Abschreibungsdauer für eine Warmwasser-Solar-Anlage nur 10 Jahre).

Weitere Informationen

Im Solarbrief 3/00 (Erscheinungsdatum 14. Juli 00) beantwortet der mit Steuerfragen befaßte Rechtsanwalt Dr. Patrick Schweisthal weitere Fragen zum Thema.
In konkreten Einzelfällen oder bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder an das zuständige Finanzamt.

Mit freundlichen Grüßen
Wolf von Fabeck

 


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