Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

Datum: 10.11.05

Energiesteuern und das Zinsproblem


von Wolf von Fabeck
Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein Deutschland

Das "Zinsproblem" ist im Kreis von Wirtschafts- und Globalisierungskritikern weithin bekannt, doch wird es in der übrigen Bevölkerung kaum wahrgenommen. Es ergibt sich aus dem exponentiellen Wachstum großer Vermögen, die damit ein immer unverhältnismäßigeres und destabilisierenderes Übergewicht im Wirtschaftsleben erhalten. Viele nachdenkliche und engagierte Menschen widmen ihre Arbeitskraft der Bekämpfung dieses Problems, wobei sie nicht nur die theoretischen Grundlagen untersuchen und Forderungen aufstellen, sondern auch lokale Initiativen entwickeln.

Bisweilen werden wir um Veröffentlichungen von Lösungsvorschlägen auch zum Zinsproblem gebeten. Manche unserer Gesprächspartner sind sogar davon überzeugt, dass ohne Lösung des Zinsproblems alle unsere anderen guten Vorschläge zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Klimakatastrophe, Knappheit der Ressourcen usw. zum Scheitern verdammt seien.

Doch die Kompliziertheit der Welt zwingt uns, Probleme isoliert anzugehen, wenn wir uns nicht verzetteln wollen. Natürlich werfen wir trotzdem einen Blick über den Tellerrand. Wir haben uns einige Gedanken dazu gemacht, ob wir das Zinsproblem bei der Behandlung der Energiesteuer ohne Schaden ausblenden dürfen, und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass diese Selbstbeschränkung keine nachteiligen Folgen haben wird, weder für "unser" Problem, noch für die Lösung des Zinsproblems.

Es gibt viele Vorschläge, wie das Zinsproblem entschärft werden könne, zum Beispiel durch eine scharfe Progression der Einkommensteuersätze (auch für Kapitalerträge), durch eine Vermögens- und eine Erbschaftssteuer. Auch andere - weniger konventionelle - Vorschläge z.B. die Einführung einer Umlaufsicherungsgebühr, sind in der Diskussion. Dass wir hier nicht alle nennen, bedeutet nicht, dass wir durch Nichtnennung eine Wertung vornehmen wollen, sondern es liegt daran, dass wir nicht alle kennen. Die Bekämpfung oder Beseitigung des Zinsproblems gehört nicht zu den Satzungszielen des SFV.

Wir können nicht beurteilen, ob eine Lösung des Zinsproblems die Arbeitslosigkeit oder ihre sozialen Auswirkungen vermindern würde. Für uns ist aber wichtig, dass selbst eine vollständige Lösung des Zinsproblems die Arbeitslosigkeit nicht völlig beseitigen kann. Solange

  • Arbeit teuer ist und eine geringe Produktionsmächtigkeit hat,
  • die Energie dagegen billig ist und eine hohe Produktionsmächtigkeit hat,
besteht ein Anreiz für die Unternehmer, Arbeit durch Energie zu ersetzen, und damit den Unternehmensgewinn zu maximieren. Diesen Anreiz wollen wir vermindern.

Umgekehrt würde auch bei vollständiger Verwirklichung unserer Ziele das Zinsproblem noch weiter bestehen und gelöst werden müssen.

Beide Gruppen machen also keinen Fehler, wenn sie konsequent an der Lösung "ihres" Problems arbeiten - unabhängig von der Anstrengung jeweils der anderen Gruppe zur Lösung des anderen Problems.

 


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....