Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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"... und hinter dem Rücken halten sie die Finger überkreuzt"

Auszüge aus einem Interview der Wiener "Presse" mit Buchautor und EU-Politiker Hans Kronberger.

DIE PRESSE: Bei erneuerbaren Energien peilt die EU eine Verdoppelung der Energieproduktion bis 2010 an. Ist das für Österreich erreichbar?

Kronberger: Technisch ist das überhaupt kein Problem - die politischen Rahmenbedingungen vorausgesetzt. In der Vergangenheit hat sich bei den Erneuerbaren immer gezeigt, daß dort, wo man die Bevölkerung eingebunden hat, alle gesteckten, fast utopischen Ziele problemlos zu erreichen waren. [...]

Die Politiker setzen sich verbal massiv für die erneuerbare Energie ein, hinter dem Rücken halten sie aber die Finger überkreuzt und tun praktisch genau das Gegenteil.

DIE PRESSE: Der Club of Rome hat prognostiziert, daß Kohle und Erdöl ausgehen werde. Nun werden ständig neue Lagerstätten gefunden; Rohstoffe sind billiger denn je. Ist es da überhaupt nötig, die erneuerbaren Energien zu forcieren?

Kronberger: Wenn das Prognostizierte 20 Jahre später passiert, ist die Malaise kaum geringer. Das erinnert mich an die Denkweise einer Eintagsfliege. Es ist egal, ob Vorräte ein paar Jahre länger halten oder nicht. Es ist eine primitive Steinzeit-Technologie, Löcher in die Erde zu bohren, dort Kohle, Öl und Erdgas herauszuholen und das auf Nimmerwiedersehen anzuzünden. Das ist der Intelligenz des homo sapiens unwürdig.

DIE PRESSE: Die "Steinzeit-Technologie" ist offenbar der einfachste Weg ...

Kronberger: ... weil es keine Kostenwahrheit gibt. Wir arbeiten ja mit der "Zwei-Taschen-Theorie". Der Steuerzahler zahlt die Folgekosten - sowohl die ökologischen als auch die militärischen [...] Selbst wenn bei den ökologischen Folgekosten jene recht behalten, die einen relativ geringen Betrag annehmen, wären heute die erneuerbaren Energien längst die kostengünstigsten - zumindest volkswirtschaftlich. Nur mittelfristig werden all jene Energieträger, deren Primärenergieeinsatz kostenlos ist - Wind, Wasser, Sonne - oder aufgrund der regionalen Verfügbarkeit stabil kalkulierbar wie bei Biomasse, auch betriebswirtschaftlich die günstigsten sein.

DIE PRESSE: Warum ist erneuerbare Energie [...] noch nicht konkurrenzfähig?

Kronberger: Man muß davon ausgehen, daß alle anderen Energieträger gigantisch subventioniert werden und nirgendwo wird so gelogen wie bei den Energiekosten.

DIE PRESSE: Windkraft ist knapp an der Wirtschaftlichkeit, Photovoltaik dagegen davon weit entfernt. Warum?

Kronberger: Wir haben die fossilen Energien seit 150 Jahren, die atomaren seit etwa 40 Jahren. Erneuerbare gibt es hingegen erst kurz. Sie sind in einer Startphase. Es bedarf einer Gesamtkalkulation. Man muß auch die Beschäftigungseffekte mit einbeziehen und berechnen, daß die Wertschöpfung in der Region bleibt und nicht abfließt in Erdölländer.

Jede Form staatlicher Unterstützung für Erneuerbare ist weder Subvention noch Förderung, sondern volkswirtschaftlich sinnvolle Investition. Wenn das Geld in der Region zirkuliert, schaut es nach jedem fünften Wechsel wieder beim Finanzminister vorbei - durch die Mehrwertsteuer.[...]

Wer heute in die Entwicklung dieser Technologie einsteigt, die eine der größten Marktfaktoren des kommenden Jahrhunderts sein wird, wird auch den größten Nutzen daraus ziehen. Zwei Milliarden Menschen müssen ohne Strom leben. Dieser Hunger nach Energie will irgendwann gestillt werden.[...]



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