Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 03.11.2013, aktualisiert am 07.11.2013, Wolf von Fabeck:

Beurteilung der Lage - Das solare Desaster

Zusammenfassung

Dank dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist in Deutschland die Stromerzeugung von knapp 4 auf mittlerweile etwa 25 Prozent Erneuerbare Energien ausgebaut worden. Eine weitere Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte wurde jedoch durch die Lobby der etablierten fossil- nuklearen Energiewirtschaft verhindert. Sie verbreitete erfolgreich zwei irreführende Botschaften:

  • die Warnung vor ausufernden Strompreisen
  • die Warnung vor einem drohenden Blackout, wenn nicht in Kohlekraftwerke investiert würde .

Maßgebliche Politiker aller im Bundestag vertretenen Parteien (mit Ausnahme der Linkspartei) übernahmen die falsche These, die Erneuerbaren Energien seien die Verursacher des Strompreisanstiegs. Statt die wirklichen Ursachen zu analysieren, für mehr Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen und unnötige Risiken und Belastungen (z.B. Offshore-Abgabe) von den Stromkunden fernzuhalten, haben die beiden vergangenen Bundesregierungen (schwarz-rot und schwarz-gelb) für eine scharfe Abbremsung des Ausbaus der Erneuerbaren, insbesondere der Solarenergie gesorgt. Führende Politiker von Union und SPD setzen sich inzwischen sogar offen für die Fortsetzung der Braunkohleverstromung ein. Die Befürworter der Erneuerbaren Energien haben in Union und SPD nur einen schwachen Stand.

Die Grünen haben zur Enttäuschung ihrer Mitglieder und Anhänger weder in der Zeit der Opposition noch im Bundestags- Wahlkampf die Klima- und Energiethemen engagiert vertreten. Der Widerspruch zwischen ihren (berechtigten) Klimaschutz-Appellen, und andererseits ihren Vorschlägen, den Ausbau der Solarenergie durch den sogenannten atmenden Deckel zu verlangsamen hat ihrer Glaubwürdigkeit erheblich geschadet. Es ist zu hoffen, dass sie unter der neuen Führungsspitze zu einer fachlich stimmigen und konsequenten Stützung der Erneuerbaren Energien finden.

Die Bundestagsfraktion der Linkspartei hat sich in der Zeit der Opposition fachlich stimmig und konsequent für den weiteren schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien eingesetzt. Jedoch im Wahlkampf haben die Linken das Thema Energiewende völlig vernachlässigt. Offenbar fehlte es den Wahlkämpfern an den nötigen fachlichen Informationen. Die Energieversorgung der Zukunft spielte bei den Wahlforen mit den Kandidaten nur eine nachgeordnete Rolle.
Es ist zu hoffen, dass die Führung der Linkspartei erkennt, welche Chancen sich ihr bieten, wenn sie ihr Eintreten für die Erneuerbaren Energien öffentlichkeitswirksam macht. Zwei Drittel der Wahlberechtigten wollen den Umstieg auf die Erneuerbaren Energien. Für die Linkspartei gilt deshalb der Spruch Tu Gutes und SPRICH DARÜBER. Nicht nur der Kampf um die Produktionsmittel der Stromerzeugung, sondern auch die Tatsache, dass der Klimawandel in erster Linie die sozial Benachteiligten trifft, bietet eine überreichliche Fülle von Argumenten.

Die Erkenntnis, dass selbst in den politischen Parteien, die dem Klimaschutz positiv gegenüberstehen, die energiepolitischen Notwendigkeiten nur spärlich bekannt sind, ist Grund und Anlass dafür, unser Konzept 100 Prozent Erneuerbare Energien weiter in die Öffentlichkeit zu tragen.

Es folgt eine ausführlichere Darstellung der Zusammenhänge:

 

Rückblick

Die Zeit der schwarz-gelben Koalition 2009 - 2013 war gekennzeichnet durch schwere Schläge gegen die Erneuerbaren Energien, insbesondere gegen die Sonnenenergie. Die Einspeisevergütungen für Solarstrom wurden um zwei Drittel abgesenkt. Mit drei überraschenden zusätzlichen Solarstrom-Vergütungssenkungen und seit 1. Mai 2012 sogar mit regelmäßigen monatlichen Vergütungsabsenkungen und mit fantasiereichen bürokratischen Schikanen wurde der schnelle Ausbau der Solarenergie gestoppt.
Mit unseren wiederholten Warnungen (seit 2007) vor zusätzlichen Absenkungen der Solarvergütungen hat der SFV leider Recht behalten. Aus dem Umweltministerium ließ Minister Peter Altmaier am 8.7.2013 als Erfolgsmeldung(!) verlauten, die Ausbauzahlen für PV-Anlagen seien um 40 bis 50 Prozent gesunken.

Zusammenbruch d. PV-Zubaus

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Wegen der verheerenden Auswirkung auf den Klimaschutz sollte man die absichtliche Verminderung des solaren Zubaus daraufhin prüfen lassen, ob sie einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit darstellt.
Auch die Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze dürfen nicht verschwiegen werden: Ein Rückgang der jährlich installierten Neuanlagen auf die Hälfte bedeutet zwangsläufig einen entsprechenden Rückgang der Arbeitsplätze.

Halbierung d. Aufträge

 
Sigmar Gabriel und Hannelore Kraft, die auf den Erhalt von Arbeitsplätzen bei der Braunkohle verweisen, werden mit dem Abbremsen der Solarenergie unglaubwürdig. Es geht ihnen anscheinend nicht um den Erhalt von Arbeitsplätzen, sondern eher um die Erhaltung der bisherigen Strukturen.

Die möglicherweise gravierendste Folge für die zukünftige Entwicklung aber wird bisher kaum wahrgenommen: die Fähigkeit zum schnellen Wachstum geht der Solartechnik verloren. Die Planer des atmenden Deckels gehen davon aus, dass man im gleichen Maße, wie man das solare Wachstum verringert, es auch wieder beschleunigen könne. Das ist ein Irrtum! Der Aufbau der globalen Produktionskette von der Siliziumgewinnung bis zur fertigen Solaranlage brauchte mehr als zwei Jahrzehnte und eine große Menge Kapital.
Produktionskette synbolisch

Spanien und Deutschland als die weitaus größten Abnehmer gaben weltweit das Tempo des Aufbaus vor. Diese Produktionskette wurde weltweit in den letzten drei Jahren durch das Ausbleiben der erwarteten Nachfrage und den sich daraus ergebenden Folgen wie Kapitalmangel, Stilllegungen, Versäumnisse bei der regelmäßigen Wartung der Produktionsanlagen und ihrer Modernisierung sowie durch Insolvenzen erheblich beschädigt. Zerstören geht zumeist schneller als Aufbauen!
Das hineingesteckte Kapital und die ausgebildeten Mitarbeiter gingen der Solartechnik weitgehend verloren. Wollte man die Produktionskette wieder aufbauen, so wird dies erneut Jahre dauern und erneuten Kapitalbedarf verursachen. Wie der gedeckt werden soll, ist schwer vorstellbar, denn bei den Investoren kam es zu einem kaum wieder gut zu machenden Vertrauensverlust. Solange die Markteinführung der Solarenergie von der jeweiligen Regierungskoalition abhängt, gibt es für die Investoren keine Planungssicherheit mehr.

Produktionskette Geldfluss
Dieses Bild erklärt, wie die Absenkung der Einspeisevergütung für die nächsten 20 Jahren sich unmittelbar und sofort auf die einzelnen Betriebe der vorgelagerten Produktionskette auswirkt.


Bis eine große Solarfabrik errichtet worden ist und die ersten Einnahmen erzielt, ist eine Legislaturperiode schon zu drei Viertel herum. Die Investoren wissen nicht, ob sie ihr Produkt jemals mit Gewinn verkaufen können, denn schon seit der Rücknahme der Solarförderung in Spanien ("Real Decreto 14/2010") vor 3 Jahren wird ein Überangebot auf dem weltweiten Solarmarkt beklagt. Den chinesischen Produzenten wird scheinheilig Preisdumping vorgeworfen. Ursachengerechter wäre es, man beklagte nicht ein "Überangebot", sondern man beklagte den absichtlich herbeigeführten Zusammenbruch der Nachfrage in Spanien und Deutschland.

Zur sinkenden Nachfrage kommt auch noch der finanzielle Druck. Da die Solaranlagenbetreiber nur noch eine geringe Vergütung für den gelieferten Solarstrom erhalten, sind sie nicht bereit, die bisherigen Preise für die Solaranlagen zu zahlen. Die Installateure haben nur noch Verkaufschancen, wenn sie mit den Preisen heruntergehen. Die Qualität neu errichteter Solaranlagen lässt bereits nach übereinstimmender Auskunft von Sachverständigen wegen des finanziellen Drucks und Sparzwanges immer mehr zu wünschen übrig. Diese Beobachtung und die Frage, ob beim Sichtbarwerden der Schäden die Installationsfirma nicht bereits Konkurs angemeldet hat, lassen sogar diejenigen Hausbesitzer mit dem Bau einer Solaranlage zögern, die eigentlich bereit wären, auch ohne Gewinnerwartung eine PV-Anlage zu betreiben.

Zum solaren Desaster gehören auch die Verhinderung des Speicherausbaus.
Solarstrom und Windstrom können nur dann einen wesentlichen Anteil an der Energieversorgung einer Industrienation übernehmen, wenn sie vergleichmäßigt angeboten werden. Seit Jahren fordern Solar- und Windfreunde deshalb den Ausbau dezentraler Stromspeicher, die die solaren und windbedingten Leistungsüberschüsse aufnehmen und auf die sonnen- und windfreie Zeit verteilen können. Doch geschehen ist in dieser Richtung außer einer kleinen Alibi-Förderveranstaltung bei der KFW fast nichts. Je eher die notwendigen Speicher errichtet sind, desto schneller können die fossilen Kraftwerke stillgelegt werden. Doch die konventionelle Energiewirtschaft möchte das vermeiden. Die offizielle Begründung für das Nichtstun lautet, Speicher seien zu teuer und man könne sich noch auf Jahre hinaus mit billigeren Methoden helfen.

Doch Speicher werden durch tatenloses Abwarten nicht billiger. Anstatt durch eine energische Markteinführung Stromspeicher in die verbilligende Massenproduktion zu bringen, wozu eine Reihe von Jahren benötigt wird, lässt man wertvolle Zeit verstreichen, bis das Fehlen von preiswerten Speichern den weiteren Ausbau der Erneuerbare-Energieanlagen sinnlos machen wird, weil man dann die Solar- und Windstromüberschüsse nicht mehr speichern kann, um sie in den Pausen zwischen Wind und Sonne zu nutzen.
Die immer wieder vorgetragene Lösungsidee, man könne die Pausen zwischen den Solar- und Windangeboten durch den Zubau von steuerbaren Biomasse-Anlagen ausgleichen, geht von zwei unzutreffenden Vorstellungen aus. Erstens, es seien nur kurze Pausen zwischen Wind und Sonne zu überbrücken und zweitens, die Stromerzeugung aus Biomasse könne noch erheblich erweitert werden. Doch eine quantitative Analyse zeigt, dass erstens die Pausen zwischen Wind und Sonne Zeitspannen von mehreren Wochen erreichen und zweitens, dass an eine Steigerung der Biomasse-Stromproduktion keinesfalls zu denken ist. Schon jetzt wirft die Versorgung der bestehenden Biomasse-Kraftwerke mit dem "Brennstoff" Biomasse unlösbare praktische und ethische Probleme auf, - z.B. Konkurrenz zur stofflichen Nutzung der Biomasse, das Teller-oder-Tank-Problem, Urwaldrodungen usw..

Auch die Lösungsidee, man könne ein Überangebot von Solar- und Windanlagen installieren, die man bei starkem Wind oder starker Sonneneinstrahlung nur einfach abzuregeln brauche, führt zu keiner Lösung, denn selbst ein Überangebot von Solar- und Windanlagen kann keinen Strom erzeugen, wenn die Windräder sich wegen schwachen Windes nicht mehr drehen und die Sonne nachts oder bei stark bedecktem Himmel keinen Strom erzeugt.
Auch ein Ausbau der Fernübertragungsnetze kann die Aufgabe nicht lösen, denn Netzausbau kann die Nutzung einer elektrischen Leistung nur örtlich verschieben, nicht aber zeitlich.
Um eine Speicherung der Überschüsse an Solar- und Windstrom kommen wir also nicht herum.

 

Wie konnte es so weit kommen?

Die Gegner der Erneuerbaren hatten offenbar das bessere Gespür für grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge. So setzten sie bei ihrem Kampf gegen die neu aufwachsende Konkurrenz am wirksamsten Hebel an: Sie stoppten durch brutales Absenken der Einspeisevergütungen den Kapitalzufluss zu den Erneuerbaren Energien.
Ganz unverblümt hat dies z.B. das Arrhenius Institut für Energie empfohlen, indem es in einer Studie formulierte, die Solarstromvergütung sei das Gaspedal der Energiewende und es sei doch sehr die Frage, ob man wirklich so viel Gas geben müsse.

Das große Täuschungsmanöver

Die eigentliche Kunst der Solargegner bestand darin, politische Mehrheiten für ihr Konzept der finanziellen Erdrosselung zu finden. Es gelang ihnen, den Solar-Befürwortern einzureden, die Umstellung auf Erneuerbare Energien würde extrem teuer und würde durch steigende Strompreise die Akzeptanz der Bevölkerung gefährden. Um die Kosten zu senken, müsse man das Ausbautempo vermindern. Dazu müsse man die Einspeisevergütungen so lange senken, bis der Ausbau langsam genug erfolge. Dies sei der sicherste Weg zur Energiewende.

Überraschend für uns war die Tatsache, dass viele ausgewiesene Solarfreunde - darunter sogar der Interessenverband der Solarfirmen, der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) dieser verqueren Argumentation folgten.
Den Anfang allerdings machte die Zeitschrift PHOTON, die bereits im Mai 2007 die Solaranlagenbetreiber mit den Panzerknackern von Entenhausen verglich. Das "150-Milliarden-Euro-Ding" hieß der schwungvoll geschriebene Beitrag von Christoph Podewils (PHOTON Mai 2007). Dem folgten dann noch viele PHOTON-Beiträge, in denen eine Senkung der Einspeisevergütung verlangt wurde.

PHOTON Panzerknacker
Ausschnitt aus einem PHOTON-Beitrag

 

Da diese Forderungen nach Senkung der Einspeisevergütung in einer angesehenen Solarzeitschrift erhoben wurden, konnte fortan jeder als Solarfreund gelten, der sich für eine Senkung der Solarstromvergütung einsetzte. Eine perfekte Tarnung!
Der solare Ausbau, die wichtigste Maßnahme zur Abwehr des unheilbringenden Klimawandels, wurde fortan nur noch unter dem Gesichtspunkt diskutiert, wie man verhindern könne, dass sich die Erbauer von Solaranlagen mit der Einspeisevergütung eine "goldene Nase" verdienten und wie man verhindern könne, dass die reichen Zahnärzte sich ihre geldbringenden Solaranlagen durch die Hartz 4 Empfänger bezahlen ließen.

Die naheliegende Möglichkeit, den Hartz 4 Empfängern nicht nur die Ausgaben für die Heizung, sondern auch für den elektrischen Strom zu erstatten, blieb ungenutzt.

Besonders enttäuschend war die Tatsache, dass bald auch die tonangebenden Politiker der Grünen auf Verminderung des solaren Ausbautempos drängten und sogar von sich aus ein scheinbar gut durchdachtes Verfahren dafür anboten, den sogenannten "atmenden Deckel". Auf das Wesentliche verkürzt besagt diese Regelung: Es gibt keine feste Obergrenze ("keinen Deckel") für den jährlichen Zubau an Solaranlagen, aber es gibt immer weniger Geld für den Solarstrom.
Die Einspeisevergütung für Neuanlagen (die ohnehin schon von Jahr zu Jahr um 5 Prozent abgesenkt wurde) wird zusätzlich noch umso stärker abgesenkt, je mehr der jährliche Zubau die willkürlich gesetzte Grenze von 3,5 GW übersteigt. Ein ausgefeiltes Entmutigungsprogramm, dessen Folgen wir weiter oben angedeutet haben!
Die schwarz-gelbe Koalition übernahm dieses Konzept weitgehend und wurde dafür sogar vom energiepolitischen Sprecher der Grünen (Hans-Josef Fell) gelobt. Im Plenarprotokoll des Deutschen Bundestags vom 24. Februar 2011 lesen wir dazu: Hans-Josef Fell (an die Adresse der schwarzgelben Koalition) "... Meine Damen und Herren, Sie haben mit der zusätzlichen Absenkung der Solarvergütung ... wenigstens einige Trippelschritte in die richtige Richtung gemacht. Das sehen wir ein. Wir werden deswegen Ihr Gesetz nicht ablehnen, sondern uns enthalten.
Im Gegensatz dazu äußerte sich Dorothee Menzner (energiepolitische Sprecherin der Linkspartei) in der selben Sitzung erheblich
klarsichtiger: "... nebenbei werden die Vergütungen für Photovoltaikstrom weiter abgesenkt ... Das ist allerdings das Gegenteil
von dem, was Ihr Umweltminister immer propagiert, nämlich Planungssicherheit für die Akteure. Gezielte Falschinformationen schüren Ängste bei der Bevölkerung, zum Beispiel davor, dass erneuerbare Energien den Strompreis verteuern würden...
"

Es lohnt sich sehr, die beiden gegensätzlichen Beiträge im Volltext zu lesen.

Die Linkspartei identifizierte den entstehenden Konflikt nicht als Streit zwischen reichen Zahnärzten und armen Hartz 4 Empfängern, sondern zutreffend als Kampf zwischen den Großkonzernen und der aufwachsenden solaren Konkurrenz um die Produktionsmittel für die Energieversorgung.
Bei den Grünen überwog dagegen ein diffuses Gerechtigkeitsgefühl und die idealistische Vorstellung, gute Menschen würden für gute Taten keine finanziellen Anreize brauchen. Die Tatsache, dass der Aufbau einer neuen Energieversorgung nicht durch Idealismus alleine gelingen kann, sondern einen zuverlässigen Kapitalzufluss und Gewinnanreiz benötigt, wird sich hoffentlich bald unter der neuen Parteiführung durchsetzen.

Reaktionen auf die Reaktorkatastrophe in Fukushima

Die Reaktorkatastrophe in Japan führte zu einem partiellen Umdenken bei den Unionsparteien. Der Ausstieg aus der Atomenergie sollte nun doch wieder beschleunigt werden, nachdem er etwa ein Jahr zuvor verlangsamt worden war. Bezüglich der Öffentlichkeitswirkung war dies ein genialer Schachzug. Dass die Union und die FDP allerdings die Atomenergie durch Braunkohle ersetzen wollten, blieb lange Zeit unerwähnt und unerkannt.

Die Grünen versäumten es, die Chance für den Klimaschutz zu erkennen und zu nutzen. Sie versäumten insbesondere, das bis dahin erreichte unvermutet schnelle Wachstum der Solarenergie als positive Entwicklung argumentativ herauszustellen und in ihre Planungen mit einzubeziehen. Im Gegenteil zeigten sie sich entschlossen, das Ausbautempo der Solarenergie zu verlangsamen. Diese Ängstlichkeit, Unentschlossenheit und Konturlosigkeit im Führungsgremium der Grünen bezüglich der Energiewende mag mit zu ihrem desaströsen Wahlergebnis im September 2013 beigetragen haben.

Die Linkspartei, die bei Abstimmungen im Bundestag seit Jahren zuverlässig für den entschlossenen Ausbau der Erneuerbaren Energien gestimmt hatte, versäumte es hingegen, sowohl im Landtags-Wahlkampf in Baden Württemberg sowie später im Wahlkampf für den Bundestag im August/September 2013 ihren Einsatz für die Erneuerbaren Energien öffentlich herauszustellen. Es mag daran liegen, dass das Spitzenpersonal und die Wahlkreiskandidaten sowie die Wahlkampfmanager die im Parteiprogramm und im Bundestagswahlprogramm fixierte Zentralität der ökologischen Frage zwar objektiv anerkennen, aber die Bereitschaft der Bevölkerung zur Unterstützung des konsequenten Umstiegs zu EE vor allem über die soziale Argumentation fördern wollen, in der sie sich sicher fühlen.

Sozial Benachteiligte können dem Klimawandel weniger ausweichen
Überhitzung von Mansardenwohnungen

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaftschätzte: Hitzewelle 2003 -> 23.000 direkte Opfer durch Überhitzung.
Frankreich 14.800, Italien 4.000, Deutschland 3.500, Spanien 2.000, Portugal 1.300, Großbritannien 900, Niederlande 500.
(Quelle Wikipedia).

Dabei gelangten die ökologischen, wirtschaftlichen und energietechnischen Argumentationslinien in den Hintergrund.

Sowohl bei den Grünen als auch bei den Linken waren die Wahlkämpfer nicht über die Möglichkeiten einer Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien informiert worden. Bei dem Thema, in dem sie die größte Zustimmung in der Bevölkerung hätten erreichen können, wichen sie der Diskussion aus, weil sie die guten Argumente nicht kannten. Wo sie hätten angreifen können, da wichen sie zurück.

Was ist zu tun?

Die Arbeit des SFV ist darauf angelegt, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so zu verändern, dass richtiges Verhalten der Bürger und der Unternehmen finanziell belohnt wird. Da die erforderlichen Gesetze im Bundestag beschlossen werden, muss der SFV daran interessiert sein, dass im Bundestag eine Mehrheit der Parteien das Konzept des SFV möglichst weitgehend vertritt.

Voraussetzung dafür ist, dass der SFV ein in sich stimmiges Konzept für den raschen Umstieg auf 100 Prozent Erneuerbare Energien hat. Das haben wir. Wir setzen auf nationale Initiativen zum verbrauchernahen Ausbau von Solarenergie und BinnenlandWind und dezentralen Stromspeichern. Wenn die Energiepreise sozial abgefedert werden, scheuen wir auch keine hohen Energiepreise, denn sie sind ein Anreiz zur Effizienzsteigerung. Eine höhere Besteuerung von Energie würden wir sogar begrüßen, wenn dafür die Besteuerung von menschlicher Arbeit vermindert würde und die persönlichen Mehrkosten durch ein monatliches voraussetzungsloses Energiegeld ausgeglichen würden.

Titelbild von Energie & Zukunft Weil DU nicht arbeitest...
In dieser Zeitschrift stellen wir die Notwendigkeit von Energiesteuer und Energiegeld vor.

 

In den 27 Jahren Bestand des SFV mussten wir unser Konzept nur in drei Punkten ändern. Nachdem uns mit dem www.Energiewenderechner.de ein Rechen- und Auslegungsprogramm mit konkreten quantitativen Zahlenwerten vorlag, haben wir uns entschlossen,

  • die energetischen Nutzung der Biomasse nicht weiter zu verfolgen, sondern die Nutzung der Biomasse auf stoffliche Nutzung zu beschränken,
  • nicht mehr die Biomasse als zeitlich verfügbare Erneuerbare Energie anzusehen, sondern stattdessen den beschleunigten Ausbau dezentraler Speicher zu fordern
  • und schließlich die Solarenergie auf Freiflächen ebenfalls zu akzeptieren, weil die Dach- und Fassadenflächen ersichtlich nicht

ausreichen.

Ein Konzept haben wir.

Der direkte Weg durch Lobbyarbeit im herkömmlichen Sinne ist uns verschlossen, weil die energiepolitischen Sprecher der Parteien und die Parteiführungen einer Fülle von Zwängen unterliegen, die durch gute Argumente allein nicht überwunden werden können. Auch der Weg über die Medien ist nur schwer begehbar, weil die meisten Medien durch ihre Anzeigenabteilung fest unter der Regie der großen Energiekonzerne stehen und sich wegen Personalknappheit kaum noch eigene Recherchen leisten können. Es bleibt uns deshalb nur die Möglichkeit, unter einer Minderheit nachdenklicher Bürger und Journalisten, die sich für Energiethemen interessieren, Verständnis und Zustimmung für unseren energiepolitischen Kurs zu gewinnen und damit "Multiplikatoren zu gewinnen. Es gilt deshalb qualitativ hochwertige Informations- und Analysearbeit zu leisten und diese verständlich darzustellen. Dazu sind all unsere Mitglieder aufgerufen.

Die Überwindung von Denkblockaden im Zusammenhang mit der Umstellung auf Erneuerbare Energien ist hier eine anspruchsvolle Herausforderung.

Es gilt insbesondere einige ärgerliche Vorurteile auszuräumen, z.B.:

  • Ausbau von Wind und Sonnenenergie erhöht angeblich die Strompreise
  • Die EEG-Umlage dient angeblich dem Ausbau der Solar- und Windenergie
  • Stromnetze seien angeblich billiger als Speicher und könnten diese ersetzen
  • Angeblich lässt sich der Klimawandel nur durch internationale Verträge verhindern
  • Kohlekraftwerke sind angeblich erforderlich, um das Stromnetz stabil zu erhalten
  • Verlangsamung des Ausbaus von Solar- und Windenergie verbilligt angeblich die Energiewende
  • Der Klimwandel sei laut IPCC-Bericht weniger schlimm als vermutet

Wichtig ist dabei auch, dass wir geduldig die Gefährdung der Zukunft durch den Klimawandel ins Bewusstsein rufen. Zwar kann die Durchführung unseres Konzepts den Klimawandel nicht mehr völlig verhindern, aber es kann ihn abmildern. Jedes Zehntelgrad weniger Erderwärmung zählt.



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