Auf die Plätze - fertig - Schöpfung bewahren! Solare Bildung passt in 
jedes Unterrichtsfach, auch in den Religionsunterricht.

Das pädagogische Problem ist immer: jedes Kind sollte eigentlich wissen, wie wichtig es ist, alles noch Menschenmögliche für den Klimaschutz zu tun. Doch dieses Bildungsziel ist notwendig verbunden mit dem Wissen um die Katastrophen, die entstehen, wenn die Erderwärmung weiter anhält. Und eine solche Katastrophenschau ist eben für Kinderseelen pädagogisch ziemlich daneben, rabenschwarze Pädagogik.


Aus Wuppertal gibt es von einem Projekt zu berichten, das es anders versucht hat.  Dort, im Westen Wuppertals, findet ungefähr alle zwei Jahre ein ökumenischer Kirchentag statt, an dem sich viele Gruppen und Initiativen des Stadtteils Vohwinkel beteiligen, auch die Grundschulen. Alljährlich wird überlegt, wie man die Schulkinder dann vom Religionsunterricht aus in das aktuelle Thema einbinden kann. In diesem Jahr hieß das Motto des Kirchentages: „Im Westen geht die Sonne auf“.


Man muss kein:e Solarteur:in sein, um ziemlich schnell auf die Idee zu kommen, dass man dieses Motto gut mit einem Projekt über Solarstrom füllen kann. Schließlich ist der Lehrplan Religion ausdrücklich voller Bezug auf die „Bewahrung der Schöpfung“, die den Menschen von Gott aufgetragen wird. Denn wer Erde bebauen will, muss sie auch umsichtig pflegen. Da ist das Thema Energiegewinnung und Energiesparen nicht weit. Wir haben uns in diesem Jahr entschlossen, statt mit dem Zeigefinger zu drohen einmal tief einzuatmen, 1000 Euro in die Hand zu nehmen und allen Kindern aus dem Religionsunterricht der größeren Grundschulklassen einen Bausatz zu schenken. Den Bausatz eines mit einem Solarpanel betriebenen Rennautos. Ziel der Sache: Die Relilehrerinnen würden das religionspädagogisch aufdröseln, die Kinder (mit ihren Eltern) das Auto zusammenbauen und wir würden von der Kirche aus beim Kirchentag aus Biertischen eine Rennbahn improvisieren und die Autos bei einem Autorennen antreten lassen. Gestalten sollten die Kinder die Autos nach Geschmack. Preise würde es nicht nur für die schnellsten Flitzer, sondern auch für die Schönheit der Karren geben. Wir würden dann solange schonmal für strahlenden Sonnenschein an dem Tag beten…

Abb 1 — Im Schatten warten die selbst gebastelten Solar-Rennautos auf ihre große Stunde: die Reli-Rally • 

Ganz ehrlich? Wir hätten nie erwartet, was die Idee auslöste. Kinder, Lehrer:innen, Gemeindemitarbeiter:innen und Bufdis schafften es allen Ernstes, die über hundert Autos zusammenzubasteln (die Autorin selbst kämpfte im Vorfeld mit einem Nervenzusammenbruch, als die Drähte falschrum verkabelt waren und der Rennwagen rückwärts fuhr). Schon Wochen vor dem Renntag entstanden immer tollere, bunte, chice Rennautos, die von schwarzem Lack über Vogelfedern bis hin zum kompletten Barbieoutfit schon ohne jeden Fahrtzentimeter preiswürdig waren und Genderfrohsinn verbreiteten.


Am Tag selbst: brüllend heißes Wetter, Himmel wolkenlos. Die Rennautos standen (im Schatten) auf der Bühne geparkt, Väter checkten, ob die Autos auch noch gut freigängig waren. Die Kinder groovten sich mit einem Umwelt-Song ein und beim Autorennen wurde es so voll, dass nur noch Handystangen in den hinteren Reihen was von dem Wettbewerb mitbekamen. Auf die Plätze….! Viel Lob für die Autos, ein paar geschmierte Flitzer mit einem Affenzahn, ein paar Autos, die sich eher als lahme Enten entpuppten.

Und am Ende? Am Ende haben sich Schülerinnen und Schüler wochenlang mit Theologie, Technik und Tünche beschäftigt. Wissen, dass die Sonne ganz schön viel kann. Dass man solche Zellen auch auf Hausdächer packen kann. Und auch die Eltern der Kinder fanden das interessant. Deshalb sind die Preise, die für die Kinder gestiftet wurden, nur ein winziger Teil des Renn-Erfolgs. Unterm Strich ist so viel besprochen, diskutiert, erklärt und gelernt worden, dass die nervenzerfetzende Bastelarbeit an den Bausätzen jede elterliche Überstunde wert war. Und: Solar-Pädagogik soll nicht schwarz sein, sondern möglichst hell ;). Und passt auch in andere Unterrichtsfächer als Reli.

Abb. 2 — Autos, die allein von der Sonne angetrieben werden? Die Spannung kurz vor dem Startschuss steigt. Auf die Plätze … fertig … •

Und am Ende? Am Ende haben sich Schülerinnen und Schüler wochenlang mit Theologie, Technik und Tünche beschäftigt. Wissen, dass die Sonne ganz schön viel kann. Dass man solche Zellen auch auf Hausdächer packen kann. Und auch die Eltern der Kinder fanden das interessant. Deshalb sind die Preise, die für die Kinder gestiftet wurden, nur ein winziger Teil des Renn-Erfolgs. Unterm Strich ist so viel besprochen, diskutiert, erklärt und gelernt worden, dass die nervenzerfetzende Bastelarbeit an den Bausätzen jede elterliche Überstunde wert war. Und: Solar-Pädagogik soll nicht schwarz sein, sondern möglichst hell ;). Und passt auch in andere Unterrichtsfächer als Reli.

 

Beate Haude
ist Schulreferentin beim Evangelischen Kirchenkreis Wuppertal, zuständig für die Weiterbildung von Religionslehrer:innen und für alle Fragen zwischen Schule, Kirche und städtischer Öffentlichkeit