Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Buchbesprechung


"Windkraft: Eine Alternative, die keine ist"

Hrsg. Otfried Wolfrum. Frankfurt/M.: Zweitausendeins 1997.

Zwei kritische Stellungnahmen

In einer Zeitschrift wie dem „Solarbrief" zwei Rezensionen zu einem einzigen Buchtitel zu veröffentlichen, ist ungewöhnlich, zumal dann, wenn eine Streitschrift rezensiert wird, die gegen das Projekt einer vernünftigen und verantwortlichen Energiepolitik zu Felde zieht. Bei der von Otfried Wolfrum herausgegebenen Textsammlung handelt es sich um eine Philippika wider Geist und Vernunft, die sich mehr durch ihren aufreißerischen und polemischen Tonfall als durch ihren argumentativen und politischen Ertrag im Leserbewußtsein festbeißt. Nicht weil es zweier Kritiken bedürfte, um das, was das Buch aussagt, zu entkräften, gehen wir in zwei Besprechungen darauf ein. Aber weil wir in den unseriösen und demagogischen Mitteln, mit denen hier gegen die Windenergie Propaganda betrieben wird, eine Methode erkennen, die die regenerativen Energien insgesamt in Mißkredit bringen könnte, halten wir es für angebracht, uns nicht nur mit dem sachlichen, sondern ebenso auch mit dem argumentativ-rhetorischen Nährwert des Buches auseinanderzusetzen. Böse Geister vertreibt man bekanntlich am wirkungsvollsten dadurch, daß man sie beim Namen nennt. In diesem Sinne möchten wir der Dämonisierung der Windenergie, der die Textsammlung zuarbeitet, Einhalt gebieten.



Barbara Lersch-Schumacher


Verzerrte Sicht: Hier stimmen die Größenverhältnisse nicht!
Windpark am Heinrich Lübke-Koog, Foto H.G. Oed (Teleobjektiv) aus dem Buch, "Windkraft: eine Alternative, die keine ist"

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Schon auf der dritten Seite erschreckt mit gigantischen Abmessungen und bedrückender Häßlichkeit der Windpark am Heinrich-Lübke-Koog (Nähe von Sylt) den Leser, nimmt ihm die Luft zum Atmen und raubt ihm jegliche Sympathie für Windanlagen; ein Alptraum! Allein aufgrund seiner bildersprachlichen Qualität spricht ein solches Foto für sich. Es läßt die ins Überdimensionale vergrößerten Windräder als Produkte einer hochspezialisierten Anlagentechnik erscheinen, von der für Mensch und Natur kaum Gutes zu erwarten ist. Wenn er davon spricht, daß „die sich lustig drehenden `Windmühlen' weithin sichtbar signalisieren, daß die Zukunft gesichert sei", während „die Tendenz zur Energieverschwendung mit steigender Tendenz weitergeht", bezieht der Herausgeber die symbolische Bedeutung, die sich über die äußere Gestalt von Windkraftanlagen vermittelt, ausdrücklich in seine Argumentation ein. Insofern nimmt man Otfried Wolfrum nur beim Wort, wenn man das, was die Zeichensprache des Fotos verrät, als programmatische Vorwegnahme des Sammelbandes versteht. Weil sie „die Beziehung der Menschen zu der sie umgebenden Natur tiefgreifend störe" (S. 222), wird die Windenergietechnik als tückisches Teufelsding beschrieben, das sich zu Unrecht auf Motive des Umwelt- und Naturschutzes berufe und in Wirklichkeit ein verantwortungsloses Machwerk profitorientierter und machtbesessener Interessengruppen sei.

Zwei Einwände bestimmen den Grundtenor der Kritik. Der erste betrifft die Leistungsfähigkeit und Umweltverträglichkeit der gegenwärtig in Deutschland betriebenen Windkraftanlagen. Dabei kommen die Autoren zu dem Schluß, daß sich die Windenergie weder technisch noch ökonomisch lohne und außerdem ökologische Schäden (Bebauung von Natur- und Agrarlandschaft, Störung der Tier- und Pflanzenwelt) verursache, deren Ausmaß in keinem Verhältnis zu ihrer energiewirtschaftlichen Effizienz stehe. Der zweite Einwand betrifft die politisch-ethische Berechtigung einer alternativen Energieversorgung überhaupt und verneint diese, weil sie die Gesellschaft in dem falschen Glauben lasse, auch auf naturfreundliche Weise ließe sich eine Energieversorgung im gewohnten Umfang künftig sicherstellen. Beide Einwände verdienten es, sorgfältig und genau geprüft zu werden. Doch dies erfolgt keineswegs, vielmehr wird der energietechnisch nicht vorgebildete Leser durch unwahre und absurde Darstellungen irritiert.

„Die Autoren fühlen sich allein der Vernunft, der Wahrheit und dem Erhalt der Natur verpflichtet" (S. 11) erklärt sich, reichlich pathetisch, der Herausgeber in seinem Vorwort. Doch weder stimmen die von Wolfrum und seinen Autoren genannten Grundvoraussetzungen für den Betrieb von Windkraftanlagen (Energie-Amortisationszeit, Leistungsberechnung usw.), noch halten die von ihnen genannten Zahlenwerte einer sachlichen Prüfung stand. Weder überzeugt die energiepolitische Konsequenz, die sie aus ihrer Kritik an der Windkraft ziehen (nämlich: die weitere Ausschöpfung und Verstromung der heimischen Braunkohle), noch genügt die von ihnen vertretene Position den ökologischen Standards, die sie selbst gesetzt haben.

So wie das eingangs erwähnte Foto die Windkraftanlage durch ein starkes Teleobjektiv verzerrt widergibt, so bedient sich auch die textliche Darstellung der Verzerrung und Entstellung. Allgegenwärtig schiebt sich der militante Ton der Demagogie als verzerrender Störfaktor zwischen die Wirklichkeit und deren Darstellung. Weil das Buch einerseits an Grundüberzeugungen appelliert, denen keiner widersprechen wird, der den Schutz der Natur auch nur für irgendwie berechtigt und notwendig hält, und gleichzeitig detailbesessen mit einer Fülle von Zahlenbeispielen und Berechnungen aufwartet, denen ohne eingehende Beschäftigung mit dem Stoff niemand widersprechen kann, geht von dem Buch bei einer ersten flüchtigen Lektüre ein verführerischer Sog aus. Erst eine zweite genauere Lektüre offenbart - neben der Unhaltbarkeit von Sachaussagen - die argumentativen Schwachseiten der Textbeiträge. Diese entmündigen den Leser, indem sie ihn in eine Position versetzen, aus der heraus er im wesentlichen nur noch affektiv reagieren kann, weil er die Haltbarkeit der vorgetragenen Thesen als interessierter Laie schlecht überprüfen und die Voraussetzungen, auf denen sie beruhen, noch schlechter nachvollziehen kann. Indem sie an so etwas wie sein allgemeines Umweltgewissen appellieren, nötigen ihn die Texte zur unreflektierten Zustimmung. Und indem sie ihn mit Versatzstücken von Expertenwissen, Testdaten, Kostenberechnungen und Gesetzesparagraphen bombardieren, drängen sie ihn zur Übernahme der propagierten Sichtweise. In deren Fokus wird unterderhand jeglicher Mangel, jede unerwünschte Nebenwirkung, jedes noch ungelöste Folgeproblem zum Argument für die kategorische Ablehnung der Windkraftenergie. Zwischen prinzipiellen und graduellen Einwänden wird dabei nicht unterschieden.

Angesichts der fundamentalen Sorge um den „Erhalt von lebender Natur" (S. 29), auf die sich die Autoren des Bandes berufen, bedarf die Vehemenz, mit der sie die lebensbedrohlichen Tendenzen spätindustrieller Gesellschaften ausgerechnet durch Windkraftanlagen verkörpert sehen, der Erklärung. Dabei wird die Windenergie nicht nur aufgrund angeblicher Fehlfunktionen oder Nebenwirkungen abgewertet, sondern schon im Ansatz als verfehlter energiepolitischer Weg abgelehnt. Als Alternative zur Windenergietechnik machen sich die Autoren für ein großes Energiesparprogramm stark. Daß sie zu dessen Durchsetzung im wesentlichen an das Verbot von Standby-Schaltungen, Privatflugzeugen, Klassenfahrten nach Hongkong oder des privaten Paketdienstes (S. 221) denken, das naheliegende Thema der Ökosteuerreform aber aussparen, verfehlt den selbstformulierten Anspruch eines globalen energiepolitischen Programms. Daß sie zur Durchsetzung ihres Sparprogramms darüber hinaus im wesentlichen auf „ordnungspolitische Maßnahmen" setzen, nährt den Verdacht, daß die Windenergiegegner, mit denen wir es hier zu tun haben, zu autoritären Lösungen neigen. So oder so frappiert die relative Sorglosigkeit und Gelassenheit, mit der die Autoren andere Energietechniken beurteilen. Während sie die Windenergietechnik als Symbol der „Desorientierung" (S. 29) und „trügerischen Hoffnung" (S. 13) kategorisch ablehnen, bewerten sie so unterschiedliche Konzeptionen wie Solarenergie, Fusionstechnik und Vakuumfeldtechnologie erstaunlich indifferent und vage. Wen wundert es da noch, daß in einer zusätzlichen argumentativen Volte zwischen regenerativen und nuklearen Energietechniken - als unverhoffte Dritte - die „Primärenergieträger der Stromerzeugung, Braun- und Steinkohle" das Rennen um die Gunst der Autoren machen! Die seien, wie es heißt, hinreichend erforscht, sicher beherrschbar und „reichten noch für mehrere Jahrhunderte" (S. 222). Ohne die Konkurrenz alternativer Energieprojekte bestünde „nicht einmal - auch nicht längerfristig - das Erfordernis, sie zu subventionieren" (S. 222). So geriert sich das Autorenteam um Wolfrum als Kernkraftgegner und verleiht damit dem Kreuzzug gegen die Windkraft den Anschein einer zusätzlichen ökologischen Legitimierung. Wem hierzu etwa noch weitere ökologische Fragen aufstoßen, wird lapidar beschieden, daß „auch die Gefahr einer Klimakatastrophe infolge von CO2- Emissionen ungeklärter denn je" (ebd.) sei. - Haben Sie nun verstanden, warum wir darauf verzichten sollten, durch die Betreibung von Windparks Mensch, Umwelt und Volkswirtschaft weiter zu belasten?


Nichtfachleute werden mit Falschinformationen irregeführt

Wolf von Fabeck

Mit einem schier endlosen Katalog abschreckender Beispiele, Berechnungen und Vergleiche zieht ein Autorenteam um Herausgeber Otfried Wolfrum auf 240 Seiten gegen die Windkraftnutzung zu Felde. Zwischen Amortisationsvergleichen, Offshore-Analysen, Nutzen-Kosten-Rechnungen, Klimadaten, Emissionsstatistiken, Subventionslisten, landschaftsarchitektonischen Wertungen und Flora-Fauna-Entwicklungs-Prognosen läßt das aufgebotene Argumentationsregister keine Ebene aus, um die negativen Auswirkungen der Windkraftanlagen auf das ökologische Gleichgewicht Deutschlands an den Pranger zu stellen. Wer dieses Buch unkritisch liest, wird unweigerlich zum Windkraftgegner. Doch einige Leser überkommt hoffentlich leiser Zweifel angesichts des vorliegenden Horror-Szenarios. Erste Voraussetzung für ein Buch dieser Brisanz: Die Leser sollten sich auf die Sachaussagen verlassen können. Doch schade, diese Anforderung ist nicht erfüllt, im Gegenteil! Der energiewirtschaftlich interessierte Leser stößt immer wieder auf grobe Ungenauigkeiten - sämtliche zu Lasten der Windenergie frisiert - und sogar auf krasse Unwahrheiten. Einige Beispiele:

Energetische Amortisation

Seite 54: Die „energetische Amortisationszeit" - gemeint ist damit die Zeit, die ein Kraftwerk arbeiten muß, um die gleiche Menge an Energie zu erzeugen, die für seine eigene Installation erforderlich war - diese energetische Amortisationszeit sei bei Windanlagen um ein Mehrfaches länger als bei konventionellen Kraftwerken, schreibt der Herausgeber. Das ist schlichter Nonsens, denn ein konventionelles Kraftwerk amortisiert sich - energetisch gesehen - überhaupt nicht. Ein Windrad verbraucht nur Energie zur Herstellung; später gewinnt es die verbrauchte Energie zurück und liefert darüber hinaus erheblich mehr Energie als man hineingesteckt hat. Beim Kohle- oder Atomkraftwerk ist das völlig anders. Dort wird nicht nur beim Bau Energie verbraucht, sondern auch später, beim anschließenden Betrieb. Wegen der unvermeidlichen Energieverluste bei der Stromherstellung wird immer mehr Primärenergie hineingesteckt, als wieder an elektrischer Energie herausgeholt wird. Die Energie des erzeugten Stromes ist z.B. immer geringer als die Energie der hineingesteckten Kohle. Von einer energetischen Amortisation kann deshalb nie und nimmer die Rede sein. Im Gegenteil, je länger das Kraftwerk läuft, desto negativer wird seine Energiebilanz. Sollen in einer so entscheidenden Frage die Leser für dumm verkauft werden?

Reservehaltung

Zweites Beispiel: Ebenfalls auf Seite 54 geht es um den Parallelbetrieb von Windanlagen mit dem öffentlichen Netz, d.h. um die Einspeisung von Windstrom in das öffentliche Netz. Dem Leser wird folgende Aussage zugemutet: Weil das Windangebot unsicher sei, müßten konventionelle Kraftwerke (vorgeheizt) betriebsbereit sein, um dann, wenn der Wind nachläßt oder ausbleibt, sofort `einspringen' zu können. Der Energieverbrauch für das Vorheizen müßte deshalb der Windenergienutzung zugerechnet wer den. Doch auch das ist Unsinn. Nicht die Windanlagen sind Schuld, wenn konventionelle Kraftwerke (vorgeheizt) bereitstehen müssen. Mit Windenergie hat das überhaupt nichts zu tun, und schon immer, lange vor dem Bau der ersten Windkonverter, mußten konventionelle Kraftwerke (vorgeheizt) bereitstehen. Der Grund: Jederzeit können Schwankungen im Strombedarf auftreten und müssen durch Zuschalten oder Wegschalten von Kraftwerken ausgeglichen werden. Bekannt ist z.B. die Mittags-Last-Spitze, die dadurch entsteht, daß während der Hauptarbeitszeit von Industrie und Gewerbe gleichzeitig auch noch in Millionen von Haushalten die elektrische Zubereitung des Mittagessens erfolgt. Doch die alltägliche Mittagsspitze ist relativ harmlos, denn sie ist vorhersehbar. Es gibt aber auch unvorhersehbare Fälle, in denen nicht der Stromverbrauch schwankt, sondern die Stromerzeugung, so daß andere Kraftwerke bereitstehen müssen, um dann `einspringen' zu können. Gefürchtet sind in der Stromwirtschaft extreme Fälle, z.B. wenn ein ganzes Atomkraftwerk aufgrund eines technischen Defekts vom Netz gehen muß (vielleicht hat ein Unwetter die Hochspannungsleitungen zerstört). In einem solchen Fall muß innerhalb von wenigen Sekunden elektrische Leistung der Größenordnung mehrerer Gigawatt aus den in Reserve stehenden Kraftwerken eingeschaltet werden können, sonst gehen die Lichter aus. Dagegen ist der Ausfall einzelner Windräder oder eines ganzen Windparks ein harmloses Ereignis. Und selbst wenn in ganz Norddeutschland Windstille sich ausbreitet, dann bleiben nicht alle Windräder auf einmal stehen, sondern es vergehen darüber mehrere Stunden. Die Stromwirtschaft hat Zeit, auf diese Mindererzeugung zu reagieren und ggf. weitere Kraftwerke anzuheizen. Und schließlich kann die Energiewirtschaft sich bereits aufgrund des Wetterberichts auf Mindererzeugung einstellen!

Wer sich eingehender mit der Materie befaßt, wird feststellen: Sogar das Gegenteil von Wolfrums Behauptung ist der Fall. Die Nutzung der Windenergie - wie übrigens jede Dezentralisierung - bringt durch die große Zahl der Einzelanlagen eine größere Verläßlichkeit ins Spiel.

Energiemix?

Drittes Beispiel: Auf Seite 20 finden wir die Aussage, das Zusammenwirken von Windenergie, Solarenergie, Biomasse und Geothermik sei ein rein additiver Sachverhalt und würde letztlich nichts bringen. Und auf Seite 220 heißt es darüber hinaus: „Der Energiebedarf in unserer Welt ist einfach zu groß, als daß mit Biomasse, Sonnenkollektoren oder Wärmepumpen entscheidende Prozentanteile erreicht werden könnten." Der Verfasser bekämpft also nicht nur die Nutzung derWindenergie, sondern er verbreitet Entmutigung gegenüber allen erneuerbaren Energien. Wer sich hier zutreffend informieren möchte, dem empfehlen wir die neueste Studie des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, in welcher detailliert vorgerechnet wird, daß bei entsprechendem politischen Willen und zu sozialverträglichen Preisen bis zum Jahr 2050 nicht nur die Stromerzeugung, sondern sogar die gesamte Energiebereitstellung zu 90 % auf einen Mix der erneuerbaren Energien umgestellt sein könnte. Noch deutlicher äußert sich die Enquete-Kommission „Schutz der Erdatmosphäre" des 11. Deutschen Bundestages: Sogar das Zwei- bis Dreifache des weltweit benötigten Primärenergiebedarfs könne man mit einem Mix aus Sonnenenergie und Windenergie decken.

Wolfrum hat anscheinend die Vorteile eines regenerativen Energiemixes noch überhaupt nicht erkannt: Wenn die Sonne nicht scheint (die Solaranlagen also nur wenig Leistung abgeben können) weht häufig der Wind. Wenn gleichzeitig auch noch Windstille herrscht, können Biomasse-Kraftwerke einspringen, denn Biomasse ist speicherbar. Nicht die Addition, sondern die zeitliche Ergänzung ist der Vorteil des regenerativen Energiemixes. (Übrigens, auf Seite 59 ganz unten räumt der Verfasser indirekt ein, daß Windstrom sogar Atomstrom ersetzt.)

Das Lokomotivsyndrom

Gründlich recherchiert und präzise gerechnet scheint zunächst die Aussage, daß 34 große Windanlagen im Binnenland notwendig seien, um eine einzige Lokomotive der Deutschen Bahn anzutreiben. Aber auch diese Aussage ist falsch; tatsächlich genügen zwei Windanlagen. Der Fehler kommt zustande, indem die Höchstleistung der Lokomotive, die sie nur wenige Stunden im Jahr benötigt, mit der jährlichen Durchschnittsleistung des Windrades bei Sturm und Windstille in Beziehung gesetzt wird.

Natürlich fragt sich der Leser, warum in den aufgezeigten und vielen weiteren Fällen derart gnadenlos die Fakten zu Ungunsten der Windenergie verfälscht werden. Und schließlich fragt er sich, ob möglicherweise andere Interessen hinter der Veröffentlichung stehen. Beim aufmerksamen Lesen wird er dann fündig: Einige verräterische Sätze - teilweise vom Rang echter Freud'scher Fehlleistungen - mögen für sich sprechen:

Ja, gibt es denn überhaupt ein CO2-Problem?

Seite 22: „Unsere Kraftwerke belasten die Atmosphäre fast ausschließlich mit CO2 (...). Nun ist jedoch in jüngster Zeit stark bezweifelt worden, ob CO2 überhaupt an der Temperaturerhöhung der Erdatmosphäre einen nennenswerten Anteil hat."

Seite 57: „Für den sogenannten Treibhauseffekt gibt es keine Beweise."

Seite 1: „In Deutschland ist die Stromerzeugung nur mit 23,3 Prozent am Treibhauseffekt beteiligt." (Für den es ja angeblich keine Beweise gibt.)

Seite 221 „Die Perspektiven für Primärenergieträger für die Stromerzeugung sind auch längerfristig gar nicht so schlecht: Neue Lagerstättenuntersuchungen haben ergeben, daß wirtschaftlich abbaubare Braunkohlevorräte mit Sicherheit noch für mindestens fünfhundert Jahre vorhanden sind."

Ja, und das ist dann wohl des Pudels Kern: Die Braunkohle wehrt sich gegen eine aufkommende Konkurrenz. Der Stromwirtschaft im Ökoschafspelz ist es gelungen, in den ökologisch orientierten 2001-Verlag einzubrechen.



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