Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 02.09.2006, aktualisiert am 20.10.2006, Wolf von Fabeck:

Was kann der Staat gegen Massenarbeitslosigkeit tun

Kurzfassung des SFV-Vorschlages für Jugendliche

Verschiedene Unternehmenstypen

Wer wissen will, wo man neue Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen könnte, sollte dort suchen, wo menschliches Einfühlungsvermögen, schöpferische Begabung, Intelligenz und Findigkeit unabdingbar laufend neu benötigt werden, nicht jedoch dort, wo monotone Arbeit darauf wartet, immer besser und schneller durch Automaten erledigt zu werden. Er sollte kurz gesagt, auf den Unterschied zwischen personalintensiven und energieintensiven Unternehmen achten. Nun ist allerdings nicht jeder Betrieb, in dem intelligente Lösungen gesucht werden, ein personalintensiver Betrieb und nicht jeder Betrieb, in dem Computer die monotone Arbeit übernehmen, ein energieintensiver Betrieb. Der Übergang ist fließend und letztlich kommt es auf das Zahlenverhältnis zwischen eingesetztem Personal und eingesetzter Energie an.

Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann man einen Betrieb, in dem pro Person jährlich mehr als 100.000 Kilowattstunden verbraucht werden (nicht nur an Strom, sondern auch für Öl, Gas und andere Energieformen), zu den energieintensiven Betrieben zählen.

Personalintensive Unternehmen

Es gibt eine Menge wichtiger Unternehmen, in denen menschliche Arbeitskraft nicht durch Roboter ersetzt werden kann. Denken wir zum Beispiel an

  • Ausbildung, Betreuung und Erziehung von Jugendlichen und Kindern.
  • Instandsetzung von defekten Geräten
  • Neuentwicklung von Arzneien
  • Entwicklung besserer Verkehrssysteme
  • Entwicklung neuer Computerprogramme
  • individuelle Sonderanfertigungen im Handwerk
  • Verfolgung von Verbrechen
  • Versorgung von Kranken
Energieintensive Unternehmen

Wenn es um schwere körperliche Arbeit geht oder um schematische Arbeitsgänge, wie die Berechnung von Kontoständen, sind Arbeitsmaschinen, Industrieroboter und Computer dem Menschen überlegen. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:

  • Energie ist billig. Der elektrische Strom, den man braucht, um einen Sack Zement mit dem Aufzug in den zehnten Stock eines Neubaus zu heben, kostet z.B. nur einen Cent.
  • Energie ist produktionsmächtig. Der Einsatz von Strom im Lastenaufzug ersetzt leicht mehrere Hilfsarbeiter.

Unternehmen, in denen menschliche Arbeitskraft weitgehend durch Automaten ersetzt wird, bezeichnen wir als "energieintensiv".
Besonders energieintensiv ist die Herstellung der sogenannten "Grundstoffe" wie Stahl, Aluminium, Zement oder Kunstdünger in großen Industrieanlagen. Personal wird dort kaum noch beschäftigt.

Das Elend der personalintensiven Unternehmen - Abgaben und Steuern auf Personal sind vielfach höher als Energiesteuern

Die Beschäftigung von Menschen und der Kauf von Energie kosten Geld. Leicht vergisst man aber, dass die Unternehmen zusätzlich noch Steuern und Abgaben bezahlen müssen.

  • Personalintensive Unternehmen beklagen sich bitter über die hohen Steuern und Abgaben für das beschäftigte Personal.
  • Energieintensive Unternehmen jammern wegen der Steuern auf die Energie.

Nur wenige Menschen wissen, dass die Steuern und Abgaben für das Personal in Deutschland zusammengezählt mehr als fünfzehnmal so hoch sind wie die Steuern auf den Energieverbrauch aller Unternehmen.

Schlechte Lage der personalintensiven Unternehmen führt zur Massenarbeitslosigkeit

Die personalintensiven Unternehmen machen wegen der hohen Abgaben auf Personal kaum noch Gewinne. Viele von ihnen werden deshalb verkleinert oder sogar ersatzlos geschlossen. Das betrifft besonders das Handwerk. Ausbildungsplätze sind dort kaum noch zu bekommen.

Auch die Dienstleistungsunternehmen des Staates sind betroffen. Der Staat stellt wegen der hohen Personalkosten in seinen eigenen Unternehmen viel zu wenig Personal ein. So fehlen z.B. Lehrer: Die Schüler werden in Schulklassen unterrichtet, die so groß sind, dass der Lehrer sich um den einzelnen Schüler kaum noch kümmern kann. Außerdem kommt es zu Unterrichtsausfällen.
Probleme mit fehlendem Personal haben auch die Polizei und viele andere öffentliche Einrichtungen, die fast alle zu den personalintensiven Unternehmen zählen.

Die zusätzliche Belastung mit Sozialabgaben bei Beschäftigung von Personal ist ein Fehler

Wenn personalintensive Unternehmen verkleinert oder geschlossen werden, verlieren viele Menschen ihren Arbeitsplatz. So entsteht Arbeitslosigkeit. Dass es den energieintensiven Unternehmen vergleichsweise gut geht, ändert nur wenig an der Arbeitslosigkeit, denn sie beschäftigen nur wenige Menschen. Der wichtigste Grund für die hohe Arbeitslosigkeit sind also die hohen Abgaben, die von den Unternehmern für das beschäftigte Personal bezahlt werden müssen. Die Abgaben werden als "Sozialabgaben" bezeichnet, weil mit ihnen die gesetzliche Krankenversicherung, die Rentenversicherung und die Arbeitslosenversicherung bezahlt werden. Diese Versicherungen werden als "Sozialversicherung" bezeichnet. Sie sind dringend notwendig, damit keiner verhungern muss und jeder bei Krankheit behandelt werden kann.

Aber es ist nicht gut, dass ausgerechnet die personalintensiven Unternehmen den größten Anteil für die Sozialversicherung bezahlen müssen. Hier ist eine Fehlentwicklung geradezu vorprogrammiert. Die Gewinne der personalintensiven Unternehmen verringern sich. Aber das ist noch nicht alles: Je schlechter es den personalintensiven Unternehmen geht, desto mehr Arbeitsplätze gehen verloren, desto höher steigt die Arbeitslosigkeit, desto mehr müssten eigentlich die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erhöht werden, desto schlechter geht es dann wieder den personalintensiven Unternehmen und so weiter und so weiter; ein richtiger Teufelskreis!

Energiesteuer zur Finanzierung der Sozialversicherung entlastet die personalintensiven Unternehmen

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland schlägt folgenden Ausweg aus dem aufgezeigten Teufelskreis vor:

Besser wäre es, wenn nicht die personalintensiven, sondern die energieintensiven Unternehmen den Löwenanteil für die Sozialversicherung zahlen. Das lässt sich auf einem Umweg erreichen:

  1. Der Staat erhöht die Energiesteuer. So bekommt er das notwendige Geld hauptsächlich von den energieintensiven Unternehmen.
  2. Mit dem eingenommenen Geld bezahlt der Staat selbst die Beiträge für die Sozialversicherung.

Die Folge dieser Umstellung wird sein, dass die personalintensiven Unternehmen endlich mehr Gewinne machen können. Unternehmer werden jetzt gerne neue personalintensive Unternehmen gründen oder vorhandene personalintensive Unternehmen vergrößern und mehr Personal einstellen. Es werden viele neue Arbeitsplätze geschaffen.

Die energieintensiven Unternehmen müssen endlich indirekt über die Energiesteuer einen Beitrag zur Sozialversicherung zahlen. Einige von ihnen werden schließen, andere werden sich verkleinern. Dabei gehen natürlich auch Arbeitsplätze verloren, aber viel weniger, als bei den personalintensiven Unternehmen neu entstehen.

Mehrbelastung von Privatleuten durch erhöhte Energiesteuern? - Das Energiegeld als Ausgleich

Aber was geschieht mit den privaten Energieverbrauchern, den Autofahrern, den Leuten, die ihre Wohnung mit Gas oder Öl beheizen und mit den vielen privaten Stromverbrauchern? Auch für sie gibt es eine Lösung: Für alle Einwohner Deutschlands - auch Babys und Rentner - wird aus der erhöhten Energiesteuer jeden Monat ein "Energiegeld" von 100 Euro abgezweigt. Damit können sie die erhöhten Energiesteuern auf ihren privaten Energieverbrauch gut bezahlen. Wer sparsam mit Energie umgeht, macht sogar einen privaten Gewinn; wer Energie verschwendet, zahlt drauf. Wir können uns leicht ausrechnen, dass die Leute dann sparsamer mit Energie umgehen werden. Das ist ein weiterer Vorteil der Neuregelung. Außerdem ist das ein Anreiz zur Entwicklung energiesparender Fahrzeuge und Geräte, die später auch exportiert werden können.



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