Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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09.04.2008, Wolf von Fabeck:

Investitionen in Solarstrom-Kleinanlagen zurückgegangen

EEG-Förderung muss dort verstärkt werden

Der Zubau an Kleinanlagen ist zurückgegangen - der Trend geht zur Großanlage. Solarinstallateure suchen deutschlandweit nach großen Dächern, obwohl erst ein Bruchteil der Einfamilien- und Reihenhäuser eine Solaranlage trägt und das nicht genutzte Potential auch bei den kleinen Dächern gewaltig ist. Für die kleinen Dächer kommen Solaranlagen etwa um 5 kW in Frage. Zu Beginn des PV-Booms hatten solche „Kleinanlagen“ noch den Hauptteil des jährlichen Zuwachses getragen. Die Statistik bestätigt diesen Eindruck. Siehe dazu den dunkelblauen unteren Teil der Säulen in der beigefügte Graphik. Das Datenmaterial für diese Statistik stammt aus den gesetzlich vorgeschriebenen Internetveröffentlichungen der regelverantwortlichen Übertragungsnetzbetreiber.

Zubau an Solaranlagen - sortiert nach Anlagengröße

Verteilung Anlagengröße 2000-2006 nach installierter Leistung, in Anlagenleistung pro Gesamtleistung

Das nachlassende Interesse der Eigenheimbesitzer geht einher mit der Absenkung der Einspeisevergütung. Den Installateuren gelingt es offenbar nicht mehr, den Preis für Kleinanlagen genauso stark zu verringern. Bei Kleinanlagen bestehen nun einmal weniger Rationalisierungsmöglichkeiten als bei Großanlagen. Und auch bei Neubauten können die Installateure kein attraktives Angebot mehr machen, weil sich Dach- und Fassadenabdeckungen mit aktiver PV-Beschichtung als Normteile noch nicht durchgesetzt haben.

Wir halten den Rückgang der Kleinanlagen aus vielen Gründen für alarmierend.

  • Die wichtigste Eigenschaft der Photovoltaik, dass sie nämlich in der Lage ist, auch auf kleinsten - ohnehin versiegelten - Flächen Strom zu liefern, wird zunehmend weniger genutzt. Bei konsequenter Nutzung von Dächern und Fassaden könnte eine Strommenge geerntet werden, die fast der Hälfte des jetzigen deutschen Strombedarf entspricht, doch dazu braucht man eben auch die vielen hunderttausend kleinen Dächer.
  • Der Rückgang an Kleinanlagen erschwert das Entstehen neuer Solarinstallationsbetriebe. Ein neugegründeter Installationsbetrieb muss zunächst eigene Erfahrungen und eigenes Renommee gewinnen. Die kann er leichter mit kleineren Aufträgen sammeln - z.B. aus dem Bekanntenkreis im Ort. Doch bei den hohen Solarmodulpreisen wird es ihm kaum gelingen, einen Dacheigentümer zur Bestellung eines Solardachs zu bewegen. Eine Ausschreibung um eine Großanlage wird er andererseits wegen fehlenden Renommees, fehlendem Kapitalhintergrund und fehlenden Solarmodullieferbeziehungen schwerlich gewinnen können.
  • Gerade die kleinen Installateursbetriebe bieten vielen Handwerkern Ausbildung und Beschäftigung. Der Rückgang der kleinen Installateursbetriebe sollte auch aus Arbeitsplatzgründen vermieden werden.
  • Ein weiterer Grund, warum wir den Rückgang der Kleinanlagen bedauern, ist die Tatsache, dass gerade über die Kleinanlagen auf Eigenheimen viele urteilsfähige Menschen für Fragen der Energieversorgung interessiert werden konnten - ein wichtiger Beitrag zur Demokratisierung und Dezentralisierung der Energiewirtschaft.

Wir regen aus den vorstehenden Gründen an, für „Kleinanlagen“ die Einspeisevergütung anzuheben und für Dachintegration einen zusätzlichen Zuschlag - ähnlich dem bisherigen Fassadenzuschlag vorzusehen.



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