Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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10.02.2008, Wolf von Fabeck:

Solarstrom selbst erzeugen

Mein Thema lautet: Solarstrom selbst erzeugen.

Unser Verein setzt sich für einen Mix aller Erneuerbaren Energien ein. Ich will deshalb das Thema so verstehen, dass es sich auf Strom aus allen Erneuerbaren Energien bezieht, den man selbst einzeln oder gemeinschaftlich erzeugen kann.
Das betrifft Solarenergie, heimische Bioenergien und Windenergie im Binnenland. Ich will zeigen, welchen Einfluss private Initiative auf die weltweite Energiewende haben kann.
In dem mitgebrachten Faltblatt finden Sie das Thema etwas ausführlicher dargestellt.
Meinen Kurzvortrag gliedere ich in drei Abschnitte

  • Welchen Anteil könnten private Investoren leisten
  • Welche globale Auswirkungen hätte ihr Engagement
  • Wie müssen dazu die Rahmenbedingungen geändert werden

Welchen Anteil könnten private Investoren leisten

Wenn private Investoren nach und nach auf einem Drittel der deutschen Acker- und Weideflächen Windparks mit modernen 6 MW Windrädern, z.B.Enercon E 112, bauen würden - in Süddeutschland mit extra hohen Türmen, wie zB. SeeBa sie herstellt - dann wäre Landwirtschaft darunter noch immer möglich und man könnte zusätzlich das Doppelte des jetzigen deutschen Strombedarfs bereitstellen.
Wenn Privatleute nach und nach alle Dachflächen und Fassaden in Deutschland mit Solarmodulen bestücken würden, dann würde damit ohne jeden Flächenverbrauch die Hälfte des jetzigen deutschen Strombedarfs aus Solarenergie bereitgestellt.
Uns stünden dann alleine aus Binnenland-Windenergie und Gebäude-Solarstrom das Zweieinhalbfache des jetzigen Strombedarfs zur Verfügung. Hinzu kommt dann noch der Strom aus den geplanten Offshore-Windparks, aus den Biomasse- und den Geothermiekraftwerken.
Es gäbe riesige Stromüberschüsse und wir könnten endlich anfangen, den Straßenverkehr vom Erdöl auf Elektrofahrzeuge mit aufladbaren Batterien oder Brennstoffzellen umzustellen.
Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass Sonne und Wind sich gegenseitig ergänzen. Wenn der Wind nicht weht, scheint oft die Sonne. Wichtig ist deshalb, dass der Anteil des Solarstroms nicht viel kleiner ist als der des Windstroms.
Die Kontinuität der Stromversorgung ließe sich sichern, indem alle Biomassekraftwerke und alle geothermischen Kraftwerke von vornherein auf intermittierenden Betrieb ausgelegt und Wasserkraftwerke an Talsperren nachträglich umgerüstet würden. Sie alle könnten dann an wind- und sonnenschwachen Tagen vermehrt Leistung abgeben.
Dafür sind marktwirtschaftliche Anreizmaßnahmen notwendig. Der Strompreis muss zu jeder Zeit und auf allen Spannungsebenen das Verhältnis von Angebot und Nachfrage widerspiegeln.
Das ergibt auch einen Anreiz zum dezentralen Bau von Millionen privater Stromspeicher. Wenn Strom billig ist, wird er gespeichert, wenn er teuer wird, wird er genutzt oder ins Netz zurückgespeist.
100% heimische Erneuerbare Energien könnten dann erreicht werden. Eine solche Vorreiterrolle Deutschlands hätte globale Auswirkungen.

Welche globale Auswirkungen hätte eine solche Vorreiterrolle?

Deutsche Solar- und Windanlagenhersteller könnten die steigende Nachfrage nach Solaranlagen und Windanlagen gar nicht mehr alleine befriedigen. Die Globalisierung würde dazu führen, dass chinesische und indische Fabriken billige Solarmodule und Windräder nach Deutschland liefern würden. Für Menschen mit einem engen nationalen Horizont wäre das ein Gräuel. Doch global und umweltpolitisch gesehen ist dies die wirkungsvollste und vernünftigste Entwicklungshilfe, die sich denken lässt. Es käme nämlich weltweit zur kostensenkenden Massenproduktion von Solar- und Windanlagen.
Schon jetzt dämpft kostengünstiger Windstrom den Strompreisanstieg an der deutschen Strombörse infolge des Merit-Order-Effekts, und die Herstellungskosten für Solarstrom haben sich in den letzten 10 Jahren halbiert.
Die Kosten für konventionelle Energie steigen dagegen weltweit an. Die Herstellungskosten für Strom aus Erneuerbaren Energien könnten international dann bald unter die Herstellungskosten von Strom aus Kohlekraft oder Dieselgeneratoren sinken. Sonne und Wind würden sich dann schon aus Preisgründen gegen die fossilen Energien und die Atomkraft durchsetzen, nicht nur bei uns, sondern weltweit.
So würde die Wende zum globalen Umstieg auf die Erneuerbare Energien durch nationales privates Engagement eingeläutet und - meine Damen und Herren: - das alles ohne internationale Klimakonferenzen und Verhandlungen.
Aufgabe der Politik ist es, hierfür die Rahmenbedingungen vorzubereiten.

Wie müssen dazu die Rahmenbedingungen geändert werden

Das Wichtigste und Aktuellste: Die Einspeisevergütungen müssen verbessert werden.
Wie abhängig die Nachfrage nach Solaranlagen von der Einspeisevergütung ist, wurde in der Zeit nach 2005 und 2006 demonstriert. Bis zum Jahr 2005 hatte sich noch die Zahl der Neuinstallationen in Deutschland jährlich fast verdoppelt. Eine Absenkung der Einspeisevergütung um 5 Prozent zum Ende der Jahre 2005 und 2006 hat dieses Wachstum dann leider auf Null oder sogar unter Null gedrückt. Wir brauchen hier nicht über Statistiken zu streiten. Der Rückgang ist für jeden Menschen, der mit offenen Augen die Dächer seiner Heimat beobachtet, erkennbar. Selten nur noch sieht man eine neue Solaranlage.
So wurde wegen 5 Prozent erhoffter Einsparung das rasante Wachstum der Solarenergie abgeblockt und eine große Chance verspielt.
Was haben wir eigentlich erwartet? Eine wirtschaftliche Neuentwicklung gibt es nicht umsonst. Wer Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom ablösen will, darf mit den Einspeisevergütungen für die Erneuerbaren Energien nicht knausern. Und er muss auch wissen: Nicht alles Geld wird bei den deutschen Solarinstallateuren und Montagetrupps und den deutschen Solarmodulfabriken, Anlage und Geräteherstellern bleiben. Ein Teil wird selbstverständlich in den Ausbau chinesischer und indischer Hersteller fließen. Das ist aktive Hilfe zur Selbsthilfe! Wer Entwicklungshilfe ernst nimmt, wird das begrüßen. Wir leben in einer einzigen Welt. Den Klimawandel können wir nur bremsen, wenn wir ohne Vorbedingungen Aufbauhilfe auch für chinesische und indische Solarmodulfabriken leisten. Entweder wir schaffen es gemeinsam oder wir handeln uns unabsehbare ökologische, soziale und politische Krisen ein und gehen schließlich gemeinsam in der Klimakatastrophe unter.
Helfen Sie deshalb mit, dass es sich für Privatleute wieder lohnt, Solarstrom, Windstrom und Biomassestrom selbst zu erzeugen!



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