Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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13.12.2006, Wolf von Fabeck:

Die Klimakatastrophe - ein unabänderliches Schicksal?

Anfangs wurde von politischer Seite die Gefahr, die von der Klimakatastrophe ausgeht, schlichtweg geleugnet. Das haben wir glücklicherweise hinter uns; inzwischen wird auch von der Politik die Gefahr gesehen. Doch die Welt vergeudet noch mit ungeeigneten, Maßnahmen Zeit, Geld und viel guten Willen. Wie es weitergeht, hängt von uns selber ab.

Werden wir weiter Zeit, Geld und guten Willen vergeuden, dann wird in der Klimakatastrophe letztlich die Zivilisation und die Menschlichkeit untergehen. Maßnahmen zur Milderung des Klimawandels lassen sich - wenn es erst einmal so weit ist - nicht mehr durchsetzen. Alle Anstrengungen werden sich auf das Überleben konzentrieren. Jedes Mittel wird recht sein, wie bei einem Schiffsuntergang, bei dem die Ertrinkenden im Kampf aller gegen alle auch noch die letzten, völlig überfüllten Rettungsboote zum Sinken bringen.

Diese Entwicklung wollen wir ändern; dazu brauchen wir wirkungsvolle Maßnahmen. Solche Maßnahmen gibt es, doch unseren Politikern werden von ihren Beratern andere, unwirksame Maßnahmen vorgeschlagen. Wie kann es dazu kommen, was können wir dagegen tun?

Unsere Politiker wählen sich als Berater zu Fragen der Klimakatastrophe die besten Fachleute. Weil die Klimakatastrophe vom sorglosen Umgang mit Energie verursacht wird, hören sie auf die „Fachleute“ der Energiewirtschaft, die bei den Politikern jederzeit ein offenes Ohr finden.

Doch es ist ein verhängnisvoller Fehler, bei der Bekämpfung der Klimakatastrophe ausgerechnet auf diejenigen zu hören, die sie verursacht haben und die mit der gewinnträchtigen Fortsetzung ihrer Geschäfte den Fortgang der Klimakatastrophe noch beschleunigen. Am besten können wohl Psychologen abschätzen, wie schwer es fällt, die Fehlerhaftigkeit des bisherigen Tuns einzusehen und umzusteuern. Ein Gorbatschow ist da die große und seltene Ausnahme. Und an der Spitze der Energiewirtschaft ist leider kein „Gorbatschow“ in Sicht.

Wir sehen es deshalb als unsere vornehmste Aufgabe an, die meteorologisch-physikalisch-technisch-wirtschaftlichen Zusammenhänge beharrlich in die Öffentlichkeit zu tragen. Die Öffentlichkeit, aus deren Kreisen die Entscheidungsträger stammen, muss selber erkennen, welches der richtige Weg ist. Wir bitten deshalb unsere Leserinnen und Leser um Nachsicht, wenn wir die vier Punkte immer wieder ins Gespräch bringen. Die gewinnbringende Einspeisevergütung für Strom aus Erneuerbaren Energien, die Baupflicht für Solaranlagen, das Verbot weiterer fossiler Kraftwerke und eine Energiesteuer zur Erhöhung der Energieeffizienz mit Ausgleich durch Auszahlung eines Energiegeldes an Jeden.

Als beeindruckendes Beispiel für das tragische Auseinanderklaffen von Diagnose und Therapie empfehlen wir Ihnen die Lektüre der folgenden Rede von Margaret Beckett, der englischen Außenministerin. Achten Sie bitte besonders auf die Dürftigkeit der von ihr am Ende ihrer Rede gemachten Vorschläge.

Auszüge aus der Grundsatzrede zum Klimaschutz der britischen Außenministerin Margaret Beckett am 24. Oktober 2006 in Berlin

„(...) Die grundlegende wissenschaftliche Erkenntnis, dass sich das Klima verändert, wird nicht mehr bestritten. Doch in den letzten Wochen und Monaten haben wir erfahren, dass Ausmaß und Dringlichkeit der Herausforderung, vor der wir stehen, noch schlimmer sind als befürchtet.

Im vergangenen Monat haben sowohl das Institut „British Antarctic Survey“ und das „National Snow and Ice Data Center“ in den USA berichtet, dass die Polarkappen schneller schmelzen, als die Glaziologen es für möglich gehalten hatten. Und Wissenschaftler der NASA haben davor gewarnt, dass katastrophale Folgen des Klimawandels wahrscheinlich nicht mehr abwendbar sein werden, wenn ein weiteres Jahrzehnt verstreicht, ohne dass die Emissionen reduziert werden.

Anfang dieses Monats hat Großbritanniens höchste Autorität in Sachen Folgen des Klimawandels, das „Met Office Hadley Centre“, neue und beunruhigende Daten über das wahrscheinliche Ausmaß der durch Klimawandel ausgelösten Desertifizierung und extremen Dürreperioden veröffentlicht. Es ist jetzt klar, dass Klimaschutz keine Option ist, für die man sich entscheiden kann oder auch nicht, sondern ein zwingendes Gebot. Klimawandel ist ein Problem von heute, nicht von morgen.

Als ich Außenministerin wurde, habe ich es zu einer neuen internationalen strategischen Priorität britischer Außenpolitik gemacht, etwas gegen diese Bedrohung zu tun. Ich nenne es, Klimasicherheit herstellen. (...)

Die Außenpolitiker haben schon seit langem erkannt, dass die Stabilität von Nationen in nicht geringem Maße von der Sicherheit des Einzelnen abhängt. Wenn die Menschen den Belastungen von Überbevölkerung, knappen Ressourcen und schlechten Umweltbedingungen ausgesetzt werden, wenn sie spüren, wie ihre Sicherheit und die ihrer Familien zunehmend schwindet, dann werden wir erleben, wie Stabilität zur Instabilität wird.

Was uns als Außenpolitiker beunruhigen muss, ist, dass diese Spannungen, um deren Beseitigung wir uns bemühen, durch ein instabiles Klima noch zusätzlich verschärft werden. Unsere Probleme haben bereits die Belastungsgrenze erreicht, und der Klimawandel könnte die Spannungen noch weit darüber hinaus erhöhen.

Oder nehmen Sie die Sicherheit der Versorgung mit Lebensmitteln - die Sicherheit, dass die Menschen genug zu essen haben. Der Klimawandel wird ganz einfach zu häufigeren und länger andauernden Hungersnöten führen. Aus Studien geht hervor, dass eine Temperaturerhöhung um nur zwei bis drei Grad in Afrika, dem Nahen Osten und in Südasien zu Ernteausfällen zwischen 30 und 40 Prozent führen wird. Ähnliches gilt für China.

Auf der ganzen Welt ist der Zugang zu Süßwasser - die Sicherheit der Wasserversorgung - bereits ein Problem, das durch den Klimawandel noch verschärft werden wird. Eine Milliarde Menschen auf dem südasiatischen Subkontinent werden wahrscheinlich unter der Abnahme des Schmelzwasserzuflusses von den Himalaja-Gletschern sowie unter den Veränderungen im Monsun-System zu leiden haben. Im Nahen Osten und in Zentralasien wird bedeutend weniger Regen fallen.

Und dann haben wir noch die Sicherheit der Energieversorgung - sie ist lebenswichtig, nicht nur um die Volkswirtschaften der entwickelten Welt am Laufen zu halten, sondern auch um den Entwicklungsländern ein Mittel in die Hand zugeben, sich aus der Armut zu befreien. Auch das wird durch den Klimawandel bedroht. (...)

Und es sind nicht nur Stürme, über die wir uns Sorgen machen müssen. Das Auftauen der Dauerfrostböden wird die Infrastruktur der Energieversorgung - die Pipelines - in Russland gefährden. Indiens Pläne, seine Wasserkraftkapazität auszubauen, geraten durch das Abschmelzen der Gletscher im Himalaja in Gefahr. Hinzu kommen die Gefahren aus der wachsenden Instabilität von Schlüsselregionen der Produktion von Energieträgern wie dem Nahen Osten.

Kein Wunder, dass Kofi Annan in der vergangenen Woche - ich zitiere - erklärt hat: „Es ist dringend geboten, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, denn er wird schwere Auswirkungen auf praktisch jeden Aspekt des menschlichen Lebens haben, von den Arbeitsplätzen über die Gesundheit bis zum Wirtschaftswachstum und zur Sicherheit.“
Wir in Europa müssen uns im klaren darüber sein, dass es für uns ebenso wichtig ist wie für alle anderen, wie die Welt auf den Klimawandel reagiert.

Schauen Sie sich die Themen an, die auf der Agenda Europas ganz oben stehen: sichere Grenzen, Kampf gegen Armut, die Risiken von Konflikten und die Gefahren des Terrorismus, Sicherheit der Energieversorgung, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum. Wenn wir den Klimawandel richtig anpacken, werden wir all diese Probleme viel besser lösen können. Machen wir es falsch, ist auch der Erfolg unserer Bemühungen auf allen diesen Gebieten fraglich.

Oder nehmen Sie das Thema Zuwanderung. Wenn die Siedlungsgebiete mancher Menschen ständig überflutet werden, dann werden diese Menschen ihre Sachen packen und woanders hingehen müssen. So einfach ist das. Wenn die Meeresspiegel um nur 50 Zentimeter steigen - das ist die Hälfte dessen, was in den optimistischsten Voraussagen genannt wird -, so heißt es in einer Studie, werden zwei Millionen Menschen das Nil-Delta verlassen müssen. Ein Anstieg um einen Meter wird 25 Millionen Menschen aus Bangladesh vertreiben. Schon heute treibt die Zerstörung der Umwelt Wirtschaftsflüchtlinge aus dem subsaharischen Afrika an Europas Küsten. Wenn wir den Klimawandel in den Griff bekommen, können wir den Druck vermindern, der Menschen zum Auswandern treibt. Gelingt uns das nicht, müssen wir uns auf Migrationswellen in nie gekanntem Ausmaß gefasst machten.

Oder nehmen Sie Konflikte. Das Konzept, um begrenzte Ressourcen - Land, Süßwasser, Brennstoffe - Krieg zu führen, ist nicht neu. Aber durch die drastische Verringerung dieser Ressourcen in einigen der konfliktträchtigsten Regionen der Welt schafft der Klimawandel eine neue, potenziell katastrophale Dynamik.
Der Nahe Osten ist ein Beispiel par excellence. Fünf Prozent der Weltbevölkerung müssen sich bereits nur ein Prozent der Wasservorräte der Welt teilen. Durch den Klimawandel werden die Menschen mit noch weniger Wasser auskommen müssen. Aktuelle Klimamodelle besagen, dass - im globalen Maßstab - die Niederschläge am meisten in Saudi-Arabien, dem Iran und dem Irak zurückgehen werden. Ägypten, das für die regionale Stabilität eine Schlüsselrolle spielt, wird gleich doppelt betroffen sein. Eine drastische Abnahme des aus dem Süden kommenden Nilwassers und ein steigender Meeresspiegel an der Küste im Norden werden das Kerngebiet der Landwirtschaft im Delta zerstören. Ähnliche Muster findet man auch in anderen Regionen. Nehmen wir Südasien. Bereits jetzt führt die Zuwanderung von Menschen aus Bangladesh in den indischen Bundesstaat Assam zu Spannungen. Der Klimawandel wird sie noch verschärfen. Oder Zentralasien. Nationen, die sich in wachsendem Maße um Wasserrechte streiten.

Zusätzliche Belastungen durch den Klimawandel erhöhen die Gefahr, dass ohnehin schon schwache Staaten in Bürgerkrieg und Chaos versinken. Und jene Länder, die zurzeit nicht gefährdet sind, werden in die Gefahrenzone gestoßen.

Kurz gesagt: Versagt unser Klimasystem, wird es noch mehr scheiternde Staaten geben.
Und das wiederum wird sich auf alles auswirken, was wir erreichen wollen - in der Konfliktverhütung und im Konfliktmanagement bis hin zum Kampf gegen den Terrorismus. (...)

Was aber meine ich, wenn ich sage, wir müssen gegen den Klimawandel vorgehen?

Eines ist klar. Das Dilemma, das im Mittelpunkt der Debatte über den Klimawandel steht, betrifft uns alle. Dem müssen wir uns stellen. Wir alle haben ein Interesse an kontinuierlichem Wirtschaftswachstum. Und wir wollen auch alle, dass die Entwicklungsländer sich aus der Armut befreien. Aber im Moment werden Wachstum und Entwicklung durch das Verbrennen fossiler Energieträger angetrieben, und das verursacht die Klimaänderung.
Mit anderen Worten: Derselbe Prozess, der heute den Menschen überall auf der Welt ein besseres Leben ermöglicht, zerstört ihre Zukunft. Aber die These, wir müssten uns zwischen Wirtschaftswachstum und stabilen Klimaverhältnissen entscheiden, ist falsch. Wir brauchen beides. Und wir können auch beides haben. (...)

Wir sollten zum Beispiel danach streben,

  • das Emissionshandelssystem zu stärken, indem auch die Fluggesellschaften schon ab 2008 zur Kasse gebeten werden, und ab 2012 zunehmend knappere Obergrenzen für den CO2-Ausstoß festzusetzen,
  • intensivere und breiter angelegte Energie-Partnerschaften mit China, Indien und anderen Ländern einzugehen, um technologische Standards für eine globale CO2-arme Wirtschaft vorzugeben,
  • uns darauf zu verständigen, mehr Geld in erneuerbare Energien zu investieren,
  • die Vorschläge der Kommission zur Energieeffizienz in die Praxis umzusetzen,
  • innerhalb der EU zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf Kraftwerke umzustellen, die fossile Energieträger nutzen, aber Null CO2-Emmissionen haben,
  • die technische Demonstration und den praktischen Einsatz von CO2-Abscheidung und -Speicherung zu beschleunigen. (...)

Quelle:
http://www.britischebotschaft.de/de/news/items/061024.htm




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