Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

vom 10.10.2016, aktualisiert am 21.10.2016, Wolf von Fabeck:

Eine schnelle Energiewende kann nicht billig sein - Nicht der Preis ist relevant, sondern das Tempo

Eine rasch wachsende Produktions-Infrastruktur benötigt Kapital

Wer die Bevölkerung für eine schnelle Energiewende gewinnen will, ist leicht geneigt, "billige" Erneuerbare Energien zu versprechen. Damit lässt er sich selbst und seine Gesprächspartner vom Wesentlichen ablenken. Die wesentliche Nachricht lautet: Wir brauchen die Erneuerbaren Energien jetzt, gleichgültig wie teuer sie sind, weil wir ohne sie verloren wären.

Wir brauchen sie jetzt sofort - oder aber wir werden sie überhaupt nicht mehr gebrauchen. Es gibt das Wort "zu spät". Das ist bitter ernst gemeint, wie Dr. Gerrit Hansen in einem aufsehen erregenden Beitrag unter dem Titel "Denn sie wissen nicht was sie tun - Das 1.5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens fordert Politik und Umweltbewegung heraus, ihre bisherigen Ansätze radikal zu überdenken" deutlich macht.

Es ist ein wohlfeiler Ausweg, sich angesichts solcher Warnungen über Alarmismus und Panikmache lustig zu machen. Der Spruch: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, bekommt einen unheilvollen Hintersinn, wenn man selbst und seine Familie und seine Freunde zum "Kochgut" gehört.

Als verantwortlich handelnde Menschen mit naturwissenschaftlichem Grundwissen können wir uns ein klares Bild der Lage verschaffen. Dazu sollten wir uns in einer nüchternen Analyse über folgende Fakten Gewissheit verschaffen:

  • Welche Gefahren gehen von [link;http://www.sfv.de/artikel/treibhauseffekt_und_kipppunkte.htm, positiven Rückkopplunge im Klimageschehen] aus. Wie groß ist die Gefahr, wie drückend die Zeitnot?
  • Welche Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung? Die Antwort: Umstellung der Energiebereitstellung auf Erneuerbare und Stromspeicher zunächst im nationalen Alleingang.
  • Was fehlt dafür an technischen Voraussetzungen? Die Antwort: Es fehlt dafür die Produktions-Infrastruktur. Eine rasche Wiederaufnahme des Solarausbaus im notwendigen rasch zunehmenden Tempo des Jahres 2010 benötigt eine entsprechend schnell wachsende Zahl von Solarmodul-Fabriken, Windanlagen-Fabriken und Stromspeicherfabriken.
  • Was fehlt dafür an wirtschaftlichen Voraussetzungen? Die Antwort: Es fehlt dafür das notwendige Investitions-Kapital

Die Produktion und Installation einer rasch wachsenden Produktions-Infrastruktur verlangt erheblich mehr Kapital als die bloße Aufrechterhaltung einer statischen Produktions-Infrastruktur. Bekannt ist der Spruch: Kapital fließt dorthin, wo die höchsten Renditen winken.

Hohe Renditen und wachsender Kapitalbedarf sind notwendig und können in einem wohlhabenden Staat wie Deutschland auch schadlos aufgebracht werden. Doch das ist es nicht, was der Normalbürger unter billiger Erneuerbarer Energie versteht. Wenn wir als Vorkämpfer für eine sehr schnelle Energiewende auftreten, dann sollten wir auch unserer Aufklärungspflicht nachkommen und die Bevölkerung über die wirtschaftlichen Zusammenhänge informieren, anstatt sie um eines kurzfristigen Effekts willen mit wirtschaftlichem Unfug zu verwirren.

Andeutungen, es könne einen preiswerten Umstieg geben, blenden die notwendigen Aufgaben aus Alle Gegner der Energiewende haben erfolgreich das Argument benutzt, die Energiewende dürfe nicht so teuer werden. Darin waren sie sich einig:RWE-Professor Helmut Alt, Peter Altmaier, Sigmar Gabriel. Alle stießen sie in dieses Horn. Sie jammerten gemeinsam: "Die hohen Kosten! Die hohen Kosten!!!" Wir sollten ihnen ihr Verwirrspiel nicht noch erleichtern, indem wir niedrige Kosten als wünschenswert darstellen.

Etwas ganz anders sieht die Angelegenheit in volks- oder weltwirtschaftlicher Sicht aus.: Eine schnelle Umsetzung der Energiewende ist in dieser Sicht natürlich bei weitem die billigste Lösung, wenn man sie mit den galoppierenden Klimaschäden vergleicht.

Sir Nicholas Stern als Leiter des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung hat bereits im Oktober 2006 darauf aufmerksam gemacht, dass Vorsorge gegen den Klimawandel volkswirtschaftlich erheblicher günstiger sei als passives Abwarten.

Wir plädieren für Ehrlichkeit in der Diskussion. Eine schnelle Energiewende wird gleich zu Beginn zu einem erheblichen Kapitalbedarf führen.

Und noch einmal: Kapital fließt dort hin, wo die hohen Gewinne winken. Deshalb müssen große Gewinne zugelassen, ja sogar angeboten werden. Zur schnellstmöglichen Umsetzung der Energiewende ohne Rücksicht auf die Kosten gibt es keine Alternative!



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....