Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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17.07.2015, Rüdiger Haude:

Eine solare Auto-Biographie

Besprechung des Buches von Wolfgang Schreiber: but the winner will be DIE SOLARENERGIE. Vom Auto zum Solarmobil – Phase 2

Titelbild: Wolfgang Schreiber, but the winner will be DIE SOLARENERGIE Ein Solarpionier packt und teilt aus – so könnte man diesen Band zusammenfassen. Wolfgang Schreiber hat sich Meriten vor allem auf dem Gebiet der solaren Mobilität erworben, und gemäß dem Buchtitel handelt das Büchlein auch davon. Doch der Autor öffnet einen viel weiteren Horizont, analysiert fossile, atomare und Erneuerbare Energiequellen, die Strategien der etablierten Player der Energiewirtschaft und manches mehr.

Er tut dies mit einer Lust nicht nur an seinem Thema, sondern auch an der Auseinandersetzung mit Sprache. Wenn er z.B. die Anmaßung dekonstruiert, mit der benzingetriebene Fahrzeuge begrifflich als „Auto“ verkleidet werden, als würden sie von „selbst“ fahren (S.17f), oder wenn er zum Thema Karosseriedesign „Auto-Physiognomien“ fordert, „die Freundlichkeit ausstrahlen und auslösen“, anstelle von „aggressiven Roboter-Visagen“ (19), dann ist dies erfrischend zu lesen.

Schreibers Freude an der Sprache zeigt sich bereits in dem schönen Wortspiel, das er ganz an den Anfang seines Textes gesetzt hat: „Weil ich mich so stark mit meinem Solarmobil identifiziere, möchte ich eine Auto-Biographie schreiben.“ (11) In doppeltem Sinne auto-biographisch sind dann auch die Anekdoten, die in Form von Kästchen in den Text eingestreut sind und von den Erfahrungen eines Solarmobilfahrers seit den 90er Jahren berichten. Diese Einschübe sind erhellend und amüsant.

Doch gerade aufgrund der Freude an Sprache, die das Buch ausstrahlt, fallen einige ‚Ausfälle‘ negativ auf. Nicht, wenn der frühere Bundesumweltminister Peter Altmeier als „das als Umweltminister getarnte Megaphon der Energiekonzerne“ bezeichnet wird, das „Kassandra-Botschaften hinaus ins Land“ „plärrt“ (52). Auch nicht die deftige Diagnose: „Die Konzerne können mit ihren fetten Hintern zwar auf den Ölquellen sitzen, aber den Schein der Sonne nicht verdecken.“ (21) Das ist prägnante Bildsprache. Aber das Abwürgen einer konzerngetragenen Elektroauto-Entwicklung als „Endlösung“ (16) zu titulieren, zeugt denn doch von etwas unzureichender Sensibilität. Ein gründlicheres Lektorat hätte dem Buch hier gut getan.

Ein weiterer Kritikpunkt sei angemerkt: Schreiber neigt dazu, alle möglichen Themen, die ihm wichtig erscheinen, auch noch in seinem Buch unterzubringen; nicht immer ist das zielführend. So scheint ihm Kirchenkritik ein Herzensanliegen zu sein. Mit dem Thema Elektromobilität hat das meines Erachtens nur so viel zu tun, dass man damit einige potenzielle Verbündete vergrätzt. – Auch seine ausführlichen Erwägungen zum Wesen „des“ Menschen erscheinen mir nicht wirklich zielführend. Diese Anthropologie ist gespickt mit Begriffen wie „Rudelverhalten“ (80), „Wir sind von Natur aus so geprägt“ (nämlich egoistisch) (79), oder der Verortung zivilisatorischen Fortschritts in physiologischen Veränderungen der „Hirnstruktur“ (91). Schreiber nennt selbst einige Beispiele, die diese fatalistisch-biologistische Sicht widerlegen; und sein Buch selbst wäre auch ein solcher Gegenbeleg.

Man muss dem Autor die Schwachstellen seiner Ausflüge in weit entfernte Themenbereiche verzeihen, denn in anderen Zusammenhängen kommen wichtige Einsichten dabei heraus. Z.B., dass man, wenn man etwas über die Stimmungslage in einer Firma erfahren will, nicht auf deren Repräsentanten, sondern auf die einfachen Mitarbeiter hören sollte (24). Oder seine auch politisch belehrte Skepsis gegenüber Desertec als einem waghalsigen Plan, die „energetische Zukunft auf dem Territorium fremder Völker zu planen“ (57).

Entscheidend bleiben jedoch Schreibers kompetente Überlegungen zur solaren Mobilität (auch wenn sie nur gut 20 Seiten seines Buches umfassen). Erwägungen zur Dezentralisierung des Antriebs (Nabenmotor) und zur Verlagerung der Federung zwischen Radnabe und Felge (67f), oder die Forderung nach einer allgemeinen Standardisierung der Batterien (65) geben spannende Impulse für Diskussionen auf diesem Feld.

Insgesamt ein in vielfacher Hinsicht erhellendes, anregendes und – bei aller Kritik im Detail – empfehlenswertes Büchlein.


Wolfgang Schreiber: but the winner will be DIE SOLARENERGIE. Vom Auto zum Solarmobil – Phase 2. Friedberg: Verlagshaus Schlosser 2014. 96 Seiten. € 9,90. ISBN 978-3-86937-628-8.



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