Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 12.03.2009, aktualisiert am 15.04.2009, Andreas Krone:

Bewahrung der Schöpfung - Energie-Erntedank - Predigten - Aktionen im kirchlichen Bereich - Pfingstpredigt

Anregungen aus Waldems

Erntedank als Energie-Erntedank - Planung

1. Schritt Feststellen, wer im Ort eine Anlage auf dem Dach hat, mit der Solarstrom oder Warmwasser erzeugt wird.
2. Schritt Die Betreffenden anschreiben mit der Bitte mitzuteilen, wie viel Energie sie innerhalb des letzten Jahres „ernten“ konnten. Zugleich wird zum Erntedankgottesdienst als Energie-Erntedankfest eingeladen.
3. Schritt Im Erntedankgottesdienst einen Sonnenkollektor aufstellen und damit den Blick über das traditionelle Erntedankfest hinaus weiten auf das, was an Energie von Wasser, Wind und Sonne vor Ort „geerntet“ werden konnte. Diejenigen, die schon entsprechende Anlagen haben, werden gewürdigt und erhalten zur Anerkennung ein Schreiben, in dem sie als Klimafreunde des Ortes bezeichnet werden.
4. Schritt Kurz darauf eine Podiumsdiskussion mit politischen Verantwortungsträgern, Umweltschützern und Kirchenvertretern zum Thema: „Klimafreundliche Energieerzeugung und -nutzung“ veranstalten.
Bei uns in Waldems waren es der Landrat, der Bürgermeister, ein Vertreter des örtlichen NABU sowie Dr. Meisinger als Referent für Umweltfragen im Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN. Zu der Veranstaltung haben alle Waldemser Kirchengemeinden gemeinsam eingeladen.
Ziel dabei ist es, auf der lokalen und regionalen Ebene eine verstärkte Nutzung der regenerativen Energien voranzubringen und zur Teilnahme an Initiativen wie der Solarbundesliga (www.Solarbundesliga.de) oder Solar-lokal (www.Solarlokal.de) zu bewegen. Zugleich soll das Bewusstsein dafür gefördert werden, dass wir auf unserem blauen Planeten mit Energie gesegnet sind, da wir von Sonne, Wind, Wasser und Biomasse reichlich Energie ernten können, ohne das Klima zu gefährden.

Anschreiben an alle, die eine Solaranlage auf dem Dach haben

Liebe
Sie nutzen die Sonne zur Warmwasserversorgung bzw. Stromerzeugung.
Dafür möchte ich Ihnen heute als Pfarrer der Ev. Kirchengemeinden Esch und Reinborn ausdrücklich danken.
In Zeiten, in denen alle über das Klima reden, haben Sie die Initiative ergriffen und sind mit gutem Beispiel vorangegangen.
Das, was Sie von der Sonne als Energie ernten, kommt nicht nur Ihnen zugute, sondern entlastet die Umwelt und kommt damit uns allen zugute.
Ich denke, die Zeit ist reif, solches Engagement zu würdigen. Das wollen wir als Ev. Kirchengemeinde dieses Jahr zu Erntedank tun, am Sonntag, dem 30. September um 10.30 Uhr in der Escher Kirche.
Erntedank ist meines Erachtens der beste Termin für all die Gaben zu danken, mit denen wir auf unserem schönen blauen Planeten gesegnet sind.
Traditionell richtet sich zu Erntedank der Blick auf das, was auf Feldern und in Gärten gewachsen ist. Aber ich denke, es ist heutzutage richtig, den Blick auch auf das zu richten, was wir von Wasser, Wind und Sonne an Energie ernten können.
Ich verbinde mein Dankschreiben an Sie daher mit der Bitte, mich wissen zu lassen, wie viel Energie Sie mit Ihrer Anlage in den letzten 12 Monaten schätzungsweise haben ernten können, da es dieses Jahr zu Erntedank vor allem um die Energieernte von Wasser, Wind und Sonne gehen wird, zu der sie mit Ihrer Anlage auf dem Dach beigetragen haben.
Dafür noch einmal herzlichen Dank und die Einladung, beim diesjährigen Energieerntedankfest mit dabei zu sein. Dort soll Ihnen eine Anerkennung als Waldemser Klimafreund zuteil werden.
Mit freundlichem Gruß

Andreas Krone, Pfr.

P.S.: Hinweisen möchte ich noch auf die Veranstaltung mit Landrat Burghard Albers, Bürgermeister Werner Scherf, Josef Hartmann als Vertreter des NABU und Dr. Hubert Meisinger, dem Umweltbeauftragten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum Thema „Klimafreundliche Energieerzeugung und Nutzung“.
Dazu laden alle Kirchengemeinden von Waldems gemeinsam ein:
Montag, den 1. Oktober 2008 um 20.00 Uhr im ev. Gemeindehaus in Esch.
Text, der im Energie-Erntedankgottesdienst denjenigen überreicht wird,
die eine entsprechende Anlage auf dem Dach haben

An die Fraktionsvorsitzenden von Waldems

Sehr geehrte

Das Klima ist in aller Munde!
Die Kirchengemeinden von Waldems laden daher gemeinsam zum Gespräch ein.
„Klimafreundliche Energieerzeugung und Nutzung“ lautet der Titel der Veranstaltung, die am Montag, den 1. Oktober 2008 um 20.00 Uhr im ev. Gemeindehaus in Esch stattfinden wird. Landrat Burghard Albers, Bürgermeister Werner Scherf, Josef Hartmann als Vertreter des NABU und Dr. Hubert Meisinger, der Umweltbeauftragte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werden daran teilnehmen.
An diesem Abend wird es auch um die Frage gehen, was vor Ort getan und auf den Weg gebracht werden kann.
Grundsätzlicher werde ich mich schon am Sonntag, dem 30. September in der Predigt zu Erntedank zum Thema Klima äußern.
Ich lade Sie und Ihre Fraktionskollegen hiermit ein zu hören, was seitens der Kirche zum Thema Klima in das Gespräch eingebracht wird, ein Thema, das inzwischen viele Menschen bewegt.
Im Gottesdienst in Esch werden am 1.10.08 um 10.30 Uhr zudem diejenigen, die eine Solaranlage auf dem Dach haben, als Klimafreunde von Waldems gewürdigt.
Das Engagement dieser Menschen könnten Sie durch Ihre Anwesenheit sowie Ihre weitere kommunale Tätigkeit fraktionsübergreifend unterstützen.
Mit freundlichem Gruß
Pfarrer Andreas Krone

Beginn des Gottesdienstes zum Energie- Erntedank

Band: Walking in fields of gold

Eröffnung:
In goldenen Feldern spazieren zu gehen, wenn das Getreide hoch gewachsen ist. Davon haben die Sängerinnen eben gesungen. Die goldenen Felder können auch als Energiefelder verstanden werden, in denen sich unser Leben vollzieht, äußere und innere Energiefelder.
Erntedank feiern wir heute und das heißt danke sagen für all das, was geerntet werden konnte. Traditionell richtet sich dabei der Blick auf das, was auf Feldern und in Gärten gewachsen ist. Aber ich denke heutzutage, wo alle vom Klima reden, ist es an der Zeit, den Blick auch auf das zu richten, was wir von Wasser, Wind und Sonne ernten können. Darum steht heute neben Obst und Gemüse auch ein Solarmodul.
Damit begrüße ich heute all diejenigen besonders, die als Vorreiter einer klimaverträglichen Energieversorgung sich hier eingefunden haben zu diesem Gottesdienst, den wir feiern im Namen Gottes….

Lassen Sie uns gleich passend beginnen mit dem bekannten Lied: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land“, wo es in der 4. Strophe heißt: „Er lässt die Sonn aufgehen,… er lässt die Winde wehen…“
Lied 508,1+4

Psalm 104 Nr 743 im Wechsel

Kyrie: Loben sollen wir Gott, aber wir haben auch zu klagen:
„So reich waren wir nie wie heute –
so habgierig aber waren wir auch nie wie heute.
So satt waren wir nie wie heute –
So unersättlich waren wir nie wie heute.
So hoch entwickelt waren wir noch nie wie heute –
So sehr am Ende waren wir noch nie wie heute“ (Wilhelm Willms, S. 33, Erntedank)
Ja, die Medien sind voll an Berichten, was auf unserem Planeten geschieht, über Wälder, die verschwinden, über das Wetter, das verrückt spielt.
„Wie lange, Herr, wie lange noch
hältst du deine Hand über den Haushalt der Natur?
Und wann bringst du uns Menschen zur Einsicht,
dass wir die Natur und uns selbst mehr schützen
und bewahren müssen?
Schick uns deinen Geist, Herr,
dass wir neue, andere Menschen werden,
dass wir das Antlitz deiner Erde nicht ganz zerstören,
sondern behutsam bewahren.“ (131)
Darum bitten wir und rufen: Herr, erbarme dich!... (178.11)
Gloria: Die Erde bebauen und zugleich bewahren,
das hat eine Zukunft,
so soll es laufen auf diesem Planeten,
den uns Gott zugedacht hat. (638)
Gebet: Gott, Du bist Fülle, unendliche Fülle.
Vom Reichtum Deiner Gaben schenkst Du großzügig,
Saat und Ernte, Sonne, Wind und Wasser, alles kommt von dir.
Lass uns Deine Gaben gut gebrauchen, gerecht teilen und lernen, die Erde als Ort des Lebens in diesem Universum zu bewahren.
Durch …
Lesung: 5. Mose 8,6-10,11a,14b
Glaubensbekenntnis
Lied 432 Gott gab uns Atem

Predigt zu Energie-Erntedank

Von Sonne, Wind und Wasser ernten und dafür danken

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. 1. Mose 8,22
Saat und Ernte, Sommer und Winter, solange die Erde steht.
Eigentlich sind das Selbstverständlichkeiten für uns.
Aber Sommer hatten wir dieses Jahr schon im April, Überschwemmungen gab es in der Wüste, wo sonst kaum ein Tropen Regen fällt, Dürre dagegen in den Regenwäldern.
Das zeigt: Die Rhythmen der Natur sind nicht mehr selbstverständlich. Wir rütteln mit unserer komfortabeln Lebensweise an den Selbstverständlichkeiten, ja an den Grundfesten der Erde.
Zunehmende Wetterkapriolen, Wirbelstürme, abschmelzende Polkappen, aufgeheizte Meere, Haie im Mittelmeer, Malariamücken im Rheintal, die Zeitungen sind dieser Tage voll an Beispielen, was uns in der Zukunft droht.
Die Zeichen der Zeit weisen darauf, dass der Traum vom zivilisierten Leben umschlagen kann ins Gegenteil. Der Traum vom guten Leben droht zum Albtraum zu werden.
Wenn nicht für unsere Generation, so für die nächste und die kommenden Generationen. Wollen, dürfen wir so ein Erbe hinterlassen?
Manche sagen immer noch: Halb so schlimm. Klimaschwankungen hat es auch in der Vergangenheit gegeben. Was soll schon werden, wenn sich die Erde um ein paar Grad weiter erwärmt?
Ehrlich gesagt: Ich habe bis vor kurzem selber so gedacht.
Die 2, 4 oder 5 Grand Celsius mehr auf der Erde, die werden schon nicht so schlimm sein. Dann gibt es ein paar heiße Sommertage mehr und im Winter braucht man nicht mehr so viel zu heizen. In der Skala von 0 bis 100 sind 2, 4 oder auch 6 Grad ein im Grunde vernachlässigbarer Faktor.
Aber genau das ist der Denkfehler, ja, das ist grundlegend verkehrt gedacht. Ich will es an einem Beispiel deutlich machen.
Die Durchschnittstemperatur von uns Menschen beträgt 36 Grad. 2 oder 4 Grad mehr bedeuten Fieber und bei 6 Grad mehr ist der Mensch akut gefährdet.
Die Durchschnittstemperatur der Erde beträgt aber nur 15 Grad. Eine Erwärmung um 2 Grad bedeutet einen Temperaturanstieg von über 13%, bei4 Grad wären es schon über 26%.
Wir würden bei einem Menschen, dessen Temperatur um 20% von 36 auf über 43 Grad steigt schon längst den Notarzt gerufen haben.
Die Erde hat schon heute erhöhte Temperatur und wenn die Fieberkurve weiter ansteigt, dann kriegen wir die Folgen drastisch zu spüren.
Lange wurden jene belächelt, die sich um die Bewahrung der Erde bemühen. Die Erde ist doch strapazierbar heißt es. Ja, das ist sie auch. Aber auch das hat seine Grenzen.
Wissen Sie wer inzwischen umdenkt?
In der Wirtschaft ist es eine Branche, von der es die allermeisten nicht annehmen, weil dort ganz kühle Rechner sitzen. Die Finanz- und vor allem die Versicherungsbranche denkt um. Die mögliche Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen hat unbezahlbare Dimensionen, auch finanziell.
Ein kleines Beispiel zur Veranschaulichung. Vor einigen Monaten hat in der Londoner City eine Anleihe für Aufsehen gesorgt. Herausgegeben wurde sie vom Allianzkonzern. Die Käufer dieser Anleihe bekommen eine gute, eine überdurchschnittliche Rendite – unter einer Bedingung.
Dass die Londoner City, wo all die Banken und Finanzinstitute sitzen, in der nächsten Zeit nicht durch eine Flutkatastrophe überschwemmt wird. Denn das wäre selbst für einen Konzern wie die Allianz unbezahlbar.
Man mag darüber staunen, dass für so einen hypothetischen Fall eine überdurchschnittliche Rendite gezahlt wird.
Aber es zeigt: Bei denen, die rechnen können, vor allem bei denen, die über Quartalsergebnisse hinaus rechnen können, ist die Gefährdung durch Klimaveränderung schon längst angekommen.
Der frühere Vizepräsident der Weltbank Sir Nicholas Stern hat im Auftrag der englischen Regierung ausgerechnet: Klimazerstörung kostet zehnmal mehr als Klimaschutz.
Es ist Zeit, dass immer mehr Menschen begreifen: Wenn wir so weiterleben wie bisher gehen wir dem globalen Klimakollaps entgegen.
Neulich war zu lesen: Das Klima ist eine wütende Bestie und wir reizen sie mit dem Stock. Wir müssen umsteuern, um auf dieser Welt als Gattung Mensch auf Dauer existieren zu können.
Umsteuern im großen und hier vor Ort bei uns.
Darum habe ich dieses Jahr all diejenigen besonders eingeladen, die aus eigener Initiative angefangen haben, einen Beitrag zu leisten, Energie umweltfreundlich zu gewinnen, Menschen, die eine Anlage auf ihrem Hausdach haben, um Strom oder Warmwasser von der Sonne zu gewinnen.
Manch einer mag fragen:
Was hat das aber mit Erntedank zu tun? Nun, traditionell richtet sich der Blick auf das, was auf Feldern und Gärten gewachsen ist.
Aber es ist m. E. höchste Zeit, den Blick auch auf das zu richten, was wir von Wasser, Wind und Sonne an Energie ernten können und dies auch als Segen zu begreifen. Wir dürfen an diesen Möglichkeiten nicht länger blind vorübergehen.
Zur Veranschaulichung habe ich dieses Solarmodul ausgeliehen, mit dem Strom erzeugt werden kann.
In der Größe von knapp einem halben Quadratmeter kann innerhalb eines Jahres der Strombedarf einer Person für einen halben Monat gedeckt werden, hier in Deutschland. Mit 12qm² Fläche der ganze Jahresbedarf.
Ein Hausbesitzer hat mir von seinen Schwierigkeiten erzählt, eine Anlage für Warmwasser aufs Dach setzen zu lassen.
Vor 5 Jahren bekam er von seiner Heizungsfirma noch zu hören: Das lohnt sich nicht, machen Sie das nicht. Statt aufzugeben, hat sich der Hausbesitzer einen anderen Installateur gesucht und ist seit 5 Jahren mit seiner Anlage sehr zufrieden.
Heute will ich all die ermutigen und Ihnen meine Anerkennung aussprechen, die schon frühzeitig gegen alle Bedenken und Widerstände ein Beispiel gegeben haben und damit richtungweisend geworden sind.
Natürlich weiß ich, dass eine einzelne Solaranlage mit 5 oder 10 qm auf dem Dach das Weltklima nicht rettet.
Aber immerhin gibt es inzwischen 23 Anlagen in Esch und 14 in Niederems/Reinborn. Der Anteil an Solarstrom beträgt in Deutschland zurzeit 0,3 %.
Wenn alle in Betracht kommenden Dachflächen in Deutschland genutzt werden, könnten die etwa 20-25% des benötigten Stroms liefern.
Das lohnt sich aber finanziell nicht, hört man dann immer wieder. Ich habe einen Steuerberater befragt, der sagte auch: Das lohnt sich nicht. Woanders kriegt man mehr Rendite, lautete die Begründung.
Kurzfristig gedacht hat er da wohl Recht. Aber derselbe Steuerberater sagte einen Moment später: „Wenn die Chinesen und alle anderen auf der Welt anfangen wie wir zu leben, dann werden wir in spätestens 50 Jahren alle hops sein.“
Nun, da lohnt es doch noch einmal neu zu rechnen, was sich eigentlich lohnt.
Die Finanzprofis von den großen Versicherungskonzernen haben wie gesagt inzwischen umgedacht und haben sich für eine langfristige Perspektive entschieden. Alles andere lohnt sich eben auf Dauer nicht. Es lohnt wirklich darüber nachzudenken, was sich wirklich lohnt.
Dürfen wir aus kurzfristigen Erwägungen heraus die Fieberkurve der Erde weiter ansteigen lassen?
Nein, wir müssen dem wehren. Dazu ist jeder kleine Schritt gut.
Denn uns Menschen ist ein einzigartiger Planet anvertraut, ein Planet angefüllt mit allem, was es zum Leben braucht.
Seit 400 Generationen, so sagen die Klimaforscher, leben wir in einem Klima des ewigen Frühlings. Uns umgeben Witterungsbedingungen, die menschliches Leben in der uns vertrauten Form überhaupt erst möglich sein lassen, mit Sommer und Winter, Saat und Ernte.
Wenn wir die natürlichen Rhythmen der Erde durcheinander bringen, dann werden wir nicht mehr wie bisher säen und ernten können.
Wussten Sie wie viel Grad es zur letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren kälter war als heute? Nur 4 Grad! Aber die Gletscher aus Skandinavien reichten bis nach Hamburg!
Das zeigt: Das Klima ist eine ganz sensible Angelegenheit. 4 Grad weniger bedeutet Eiszeit, 4 Grad mehr als heute bedeutet Überhitzung.
Wenn die Erde Fieber bekommt, werden wir Erntedank nicht mehr in der uns vertrauten Form feiern können.
Wir werden stattdessen ernten, was wir in unserer Unvernunft gesät haben: Missernten und Unwetter, Dürre und Überflutung.
Statt Erntedank werden wir dann wenig zu danken und nicht genug zu beißen haben.
So weit darf es nicht kommen. Darum habe ich dieses Jahr zu Erntedank diejenigen eingeladen, die angefangen haben dem entgegenwirken, die eine Anlage auf dem Dach haben, um Energie zu ernten.
Darum will ich Sie als Klimafreunde von Waldems auszeichnen. Und ich hoffe, dass die Zahl der Freunde für das Klima in den nächsten Jahren immer größer wird.
Die Erde zu bewahren, das lohnt sich allemal - schon für diese Generation und für die, die nach uns kommen, erst recht.
Denn das Klima darf nicht aus den Fugen geraten. Damit auch in Zukunft noch gilt: Solange die Erde steht - Sommer und Winter, Saat und Ernte!!!

Osterpredigt: Epheser 5,14b

Die Sonne - Symbol des Glaubens und des anbrechenden Solarzeitalters

Aufwachen und den Schlaf abschütteln, statt zu verschlafen und im Bett liegen zu bleiben – das gilt in der Osternacht jedes Jahr aufs Neue, zu der wir uns hier heute Morgen versammelt haben.
Aufstehen heißt auch zu neuen Horizonten aufzubrechen, jeden Morgen neu und am Ostermorgen erst recht.
Es gibt eine sehr schöne Geschichte, in der mit kurzen Worten erzählt wird, worum es zu Ostern geht. Eine Frau stand ganz früh am Morgen auf, um frisches Wasser an einer Quelle zu holen. Am Horizont sah sie die aufgehende Sonne und wunderte sich sehr. Denn die Sonne erschien am Horizont anders als an allen übrigen Tagen. Am Ostermorgen kam die Sonne nicht langsam hervor, sondern sie tanzte. Die Frau sprach die Sonne an und fragte, was denn los sei. Die Sonne gab der Frau zur Antwort: „Ich tanze, weil Christus auferstanden ist!“ Eine am Ostermorgen tanzende Sonne, das ist ein schönes Bild für das Fest, das wir heute Morgen feiern.
„Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten“, heißt es schon im Epheserbrief. Es geht darum, dass allen die Sonne aufgeht, innen und außen, im Herzen und in der Welt.
Nicht zufällig wird der auferstandene Christus mit der Sonne verglichen, ja als aufgehende Morgensonne dargestellt. Die aufgehende Sonne gilt seit Jahrhunderten als Symbol und Metapher für die geistliche Kraft, die in der Auferstehung am Werke ist.
Die Sonne ist der Motor allen Lebens auf unserem Planeten. In der Nacht ruht alles, mit dem Sonnenlicht erwacht die ganze Welt zu neuem Leben. Ohne Sonne kein Leben, ohne Christus kein Leben in Verbundenheit mit Gottvater. Das wussten die Menschen in den bäuerlichen Gesellschaften besser als wir, die wir uns daran gewöhnt haben, jederzeit elektrisches Licht anknipsen zu können.
„Wach auf, der du schläfst“, heißt es in dem biblischen Text und es ist an der Zeit genau hinzuschauen, wo wir und unsere Welt schlafen. Das Leben und Klima, wie wir es seit Jahrtausenden auf diesem Planeten kennen, stehen in Gefahr Schaden zu nehmen. Wir müssen aufpassen, unsere Stunde und Aufgabe nicht zu verschlafen.
„Wach auf, der du schläfst“, mahnt uns der biblische Text und gleich darauf heißt es noch eindringlicher: „Steh auf von den Toten!“ Wir sollten uns aus dem Dunstkreis des Todes erheben und den Mief und Geruch des Todes hinter uns lassen, tagtäglich ausgestoßen von unzähligen Verursachern und auch von Kraftwerken.
„Wach auf, der du schläfst“, muss man auch jenen zurufen, die in den Rheinauen bei Ingelheim ein neues Kohlekraftwerk planen, mit Türmen höher als die Wiesbadener Marktkirche und dies gilt auch all jenen, die über 500 weitere Kohlekraftwerke in China und über 200 in Indien planen.
Jeden Tag lässt Gott die Sonne über uns aufgehen, innerlich und äußerlich, im Herzen und am Himmel. Wir müssen allerdings die Gabe auch ergreifen und davon Gebrauch machen, statt die Atmosphäre mit immer mehr Schadstoffen zu belasten.
„Steh auf von den Toten!“ Es kann doch nicht sein, dass uns immer wieder gesagt wird, eine umweltfreundliche Energieversorgung mit Sonne, Wind und Wasser können wir uns nicht leisten, das sei zu teuer. Angesichts der Gefahr, dass in 30 - 40 Jahren unser Planet abgewirtschaftet ist, gleichen solche Rechnungen einer Buchhaltung des Todes, führen zu einer Bilanz des Todes. Unsere Enkel werden uns angesichts solcher Ignoranz noch verfluchen. Da müssen wir vorher aufwachen, da muss uns vorher ein Licht aufgehen.
„Steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.“ Lassen wir uns Herz und Verstand erleuchten, dann werden wir die Sonne auch auf unseren Dächern tanzen lassen und als Energie nutzen.
Ostern feiern heißt endlich aufzuwachen, das Fenster unserer Seele weit zu öffnen, die Sonne als Kraft in unsere Herzen einzulassen und als Kraft am Himmel zu achten und zu nutzen.
Schwestern und Brüder, wir werden die anstehenden Fragen und Probleme unserer Zeit ohne ein neues geistliches Selbstverständnis kaum lösen können.
„Ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn“, heißt es im Epheserbrief anschaulich und schön und darauf folgt die Ermutigung: „Lebt als Kinder des Lichts“!
Die Erde hat genug für alle, aber die Erde hat nicht genug für jedermanns Gier und Maßlosigkeit.
Gestalten wir unser Leben also so, dass unser Leben Bestand hat – in den Augen unserer Nachkommen und auch vor Gott. Nur so wird die Menschheit auf diesem Planeten in Zukunft eine Chance haben. Der Schlüssel dazu ist ein neues geistliches Selbstverständnis mit einem entsprechenden Lebensstil. „Lebt als Kinder des Lichts“.
Aufwachen, aufstehen und mit dem Himmelslicht im Herzen leben. Das leuchtet ein und so wird Christus uns erleuchten.
Begreifen wir die Sonne also als Zeichen für den auferstandenen Christus – eine Sonne, die da tanzt, in unseren Herzen und auf unseren Dächern.
Es gibt viele Möglichkeiten, die Sonne zu nutzen. Die wichtigste und entscheidendste ist aber vor allem, das Licht des Auferstandenen in unseren Herzen wirken zu lassen und in der Welt leuchten zu lassen.
Friede und die Strahlkraft des auferstandenen Christus sei mit Euch!

Weihnachtspredigt zu Johannes 1,1-5,9-14

Die Welt - Gottes Eigentum darf nicht länger zerstört werden

I
m Jahr 2007 bekam ein Mann den Friedensnobelpreis, der vor Jahren fast amerikanischer Präsident geworden wäre. Er hat einen Film gedreht, der um die Welt ging. „An inconvenient truth“, eine unbequeme Wahrheit, lautet der Titel, der auch gleich mit zwei Oscars preisgekrönt wurde.
In dem Film wird geschildert, was mit der Erde passiert, wenn sich das Klima verändert. Der Titel des Films lautet wie gesagt: „eine unbequeme Wahrheit“. Denn eine bequeme Wahrheit ist das nicht, was da auf uns zukommen kann.
Wie ist das nun mit Weihnachten, dem Fest, das wir heute feiern? Ist Weihnachten eine bequeme Wahrheit oder eher eine unbequeme Wahrheit? Um es von vornherein gleich zu sagen: Weihnachten ist eine angenehme, zutiefst angenehme Wahrheit für uns! Denn wie wären die Menschen sonst darauf gekommen, seit vielen Jahrhunderten dieses Fest großartig zu feiern.
Aber ist Weihnachten damit gleichbedeutend mit einer ganz bequemen Wahrheit? Darüber sollten wir nachdenken mit Hilfe der bekannten Worte zu Anfang des Johannesevangeliums: Joh 1,1-5,10-13
Vor Jahren war ich als Pfarrer im Kindergarten und wollte mit den Kleinen über die Welt als Gottes Schöpfung sprechen. Zu Beginn habe ich den Kindern die Frage gestellt: „Wer hat die Welt gemacht?“ Und wissen Sie was die Drei- Vierjährigen mir geantwortet haben? Sie werden kaum darauf kommen. „Die Bauarbeiter“ lautete die Antwort. Das ist zwar ungewöhnlich aber auch nahe liegend in einer Zeit, wo wir mit Maschinen so viel auf der Welt bewegen. In der Vorstellungswelt von kleinen Kindern scheint es selbstverständlich zu sein, die Entstehung der Welt dem Handeln von uns Menschen in Form von Bauarbeitern zuzuschreiben.
Schon die ersten Christen haben sich Gedanken gemacht wie und durch wen die Welt entstanden ist. Sie sind damals auf eine ganz andere Antwort gekommen. Von allem Anfang an ist einer bei und mit Gott gewesen. „Die Welt ist durch ihn gemacht“ sagten sie - durch den, dessen Geburt wir heute zu Weihachten feiern.
Über Jesu Kommen in unsere Welt wird gesagt:
„Er kam in sein Eigentum.“ Das sollte uns hellhörig machen. Die Welt hat zwar viele Herren und auch viele Eigentümer. Jährlich listet das amerikanische Magazin „Forbes“ auf, wer die Reichen und Reichsten der Welt sind. Da kann man sehen, wem von der Welt wie viel gehört. Auch mancher von uns freut sich, ein Stückchen Land sein eigen zu nennen. Aber unser Besitz ist nur vorläufig. Letztlich gehört die Erde keinem von uns, auch nicht Bill Gates oder arabischen Ölmilliardären.
„Die Erde ist des Herrn“ heißt es schon in der Bibel. Und das ist auch gut so. Die Erde ist eine Leihgabe an uns, und das nur auf Zeit. Es ist an der Zeit, diese grundlegenden Eigentumsverhältnisse zu begreifen. Daran erinnert die Weihnachtsgeschichte, wo die Geburt Jesu mit den Worten kommentiert wird: „Er kam in sein Eigentum“.
Wenn das so ist und wenn das wahr ist, kann diese Wahrheit durchaus auch unbequem sein. Wie gehe ich denn mit all dem um, was ich mein eigen nenne, uns aber nur auf Zeit geliehen ist? Und wie gehen wir als Menschheit insgesamt mit all dem um, was uns nur ein Leben lang anvertraut ist?
Brennende Regenwälder, abschmelzende Pole und vieles mehr sind so gesehen nicht nur bedauerliche Vorfälle, sondern es sind Eigentumsdelikte, eklatante Sachbeschädigungen an dem, was uns im Grunde gar nicht gehört sondern uns nur auf Zeit anvertraut und von Gott geliehen worden ist.
So gesehen enthalten die biblischen Worte: „Er kam in sein Eigentum“ eine Sprengkraft, die mindestens so groß ist wie der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore.
Was für ein Erbe hinterlassen wir Menschen heute eigentlich, wenn die klimatischen Bedingungen für menschliches Leben, so wie es seit 400 Generationen auf dieser Erde möglich ist, innerhalb von zwei bis drei Generationen derart durcheinander gewirbelt werden, dass das Klima aus den Fugen gerät, wenn menschliches Leben auf diesem Planeten in der uns vertrauten Form in Frage steht?
„Er kommt in sein Eigentum“, Schwestern und Brüder, noch nie passte dieser Satz aus dem Johannesevangelium zu Weihnachten so gut wie in dieses Jahr, da alle Welt sich über die Zukunft unseres blauen Planeten Sorge macht.
„Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf.“ So geht der Satz leider schon in der Bibel weiter. Das ist eine recht genaue Beschreibung dessen, was in der Welt derzeit geschieht, die einfach so weiter machen will wie bisher.
Aber wir sind letztlich nicht die Herren der Erde. Das ist nur Einer. Die Erde ist des Herrn. Wir sind nur Gast auf Erden. Das wussten schon unsere Vorfahren. Die uns zugedachte Aufgabe ist es, hier auf der Erde gute Haushalter Gottes zu sein.
„Er kommt in sein Eigentum“, diesen Satz aus der weihnachtlichen Botschaft müssen wir uns zu Herzen nehmen und endlich Ernst damit machen. Dazu gehört, unseren Lebensstil, besonders unseren Umgang mit Energie zu überdenken, damit wir die Welt als Gottes Eigentum bewahren statt sie zu ruinieren. Jeder trage seinen Teil dazu bei, sich als Gast auf Erden angemessen zu verhalten.
Das ist vielleicht eine zunächst höchst unbequeme Wahrheit – ausgerechnet zu Weihnachten einer Änderung unserer Lebensgewohnheiten ins Auge zu blicken – wo wir es doch gerade zu Weihnachten gerne angenehm und recht bequem haben wollen.
Die Wahrheit von Weihnachten hat aber auch und vor allem etwas unerhört Angenehmes und Entlastendes. Der, dem die Welt gemäß unserem Glauben jenseits jeder Grundbucheintragung letztlich gehört, will uns hier auf der Erde zu Menschen werden lassen, die aus Gottes Kraft und Licht leben.
Licht lautet dabei das Zauberwort – und das nicht nur zu Weihnachten. In der neueren Forschung hat man in der Biologie herausgefunden, dass in jeder Zelle unseres Körpers Licht enthalten ist. Jede Zelle ist somit ein Abbild des Lichtglanzes Gottes. Wir sind Geschöpfe, in denen Gottes Licht aufscheinen will, in jeder Zelle unseres Körpers und in unserem Bewusstsein erst recht. Denn Gott ist Licht und Jesus ist das Licht der Menschen. Das Licht erstrahlt inmitten aller Finsternis und es kann von der Finsternis nicht verschluckt werden.
Aber unser Drama besteht darin, dass wir dieses geistige Licht nicht ergreifen, sondern uns stattdessen immer mehr an der Schöpfung vergreifen. „Das Licht scheint in der Finsternis, aber die Finsternis hat’s nicht ergriffen“, klagte schon Johannes. Ergreifen, begreifen. Es wird Zeit, dass wir die grundlegenden Eigentumsverhältnisse, ja uns selber neu begreifen und verstehen lernen.
„Gott kommt in sein Eigentum mit seinem Licht“, so lautet die weihnachtliche Botschaft. Das ist eine für uns höchst angenehme Wahrheit. Aber es ist keine bequeme Wahrheit, auf der man sich ausruhen kann. Denn Gott will alle, die sich ihm öffnen und ihn aufnehmen, ja er will uns alle zu Menschen machen, die nicht gegen, sondern mit der Schöpfung leben. Das ist eine Einladung, sich gemeinsam mit dem Herrn dieser Welt für diese Welt zu engagieren.
Vertrauen wir darauf gerade jetzt zu Weihnachten. Gott will uns die Kraft geben, diese großartige Erde als lebenswerten Ort inmitten dieses Universums zu erhalten.
Dafür ist das Kind aus dem Stall zu Bethlehem geboren und jedes neugeborene Kind ist dafür ein gutes Zeichen.
Bewahren wir die Erde – um der Neugeborenen willen und um Gottes Willen!!!

Weihnachtspredigt zu Kolosser 1,15-20

Gott kommt die Schöpfung zu erneuern – ein Fest für die ganze Schöpfung

Weihnachten – da haben wir recht genaue Vorstellungen, um was es geht. Wir denken zuerst an das Kind in der Krippe. Aber denken wir auch an all das, was damit verbunden ist?
Die neutestamentlichen Texte erzählen von Weihnachten aus sehr unterschiedlicher Perspektive. Im Johannesevangelium findet sich z. B. gar keine Erzählung über die Geburt Jesu. Im Kolosserbrief gibt es einen Abschnitt, der uns helfen kann, Weihnachten in seinem großen Zusammenhang zu verstehen. Es ist einer der Zusatztexte für Weihnachten in der Kirche von Kurhessen-Waldeck.
Diesen Hymnus aus dem Kolosserbrief möchte ich jetzt vorlesen:
Kol 1,15-20
Von einem Kind ist auch hier nicht die Rede. Manch einer könnte daraus folgern, da gehe es um eine ganz andere Person und sagen: Mit Weihnachten hat das nichts zu tun. Das aber wäre ein Irrtum, dem die Kirchen seit Jahrhunderten allerdings Vorschub geleistet haben.
Denn das Kind, dessen Geburt wir heute feiern, ist zugleich „das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ wie wir eben hörten.
Jörg Zink, der bekannte chr. Schriftsteller übersetzt den biblischen Passus mit den Worten:
„In dir, Christus, schaue ich Gott.
Du bist der Erste, der vor aller Schöpfung war,
der älteste Bruder aller Geschöpfe.
In dir liegt das Geheimnis der Dinge.“ (Wie wir feiern können, S. 163
Bezogen auf den heutigen Tag heißt das:
Wir brauchen Weihnachten nicht auf ein kleines süßes Kind in Windeln gewickelt reduzieren – und wir dürfen es auch nicht. Dazu steht heutzutage zu viel auf dem Spiel.
Bezogen auf das gängige Verständnis von Weihnachten klingen die Worte paradox: Du bist „der älteste Bruder aller Geschöpfe“.
Wie soll das möglich sein? Ein Neugeborenes älter als wir alle? Das ruft unseren Widerspruch hervor – logisch!
Zumal es im Folgenden auch noch heißt:
„In dir wurde alles geschaffen. In dir lebt alles Lebendige.
In dir besteht alles, was ist.“
Da wird vom Anfang gesprochen, unserem menschlichem Anfang und auch vom Anfang der ganzen Schöpfung.
„In deiner Hand ruhen die Welten der Sterne. Alles, was groß ist oder klein auf unserer Erde, ist dein Reich“ so übersetzt Jörg Zink im folgenden (163).
Bezogen auf Weihnachten heißt das: Das Kind in der Krippe ist nicht nur wie alle Neugeborenen schön anzuschauen, sondern in diesem Kind schauen wir auch Gott den Schöpfer.
Damit niemand meine, ich habe mir das mal eben so zurecht gelegt, werfen wir einen Blick in das Gesangbuch. Das Weihnachtslied 27 „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“, stammt aus dem 16. Jahrhundert. Da heißt es in der 3. Strophe: „ Er … wird niedrig und gering… der Schöpfer aller Ding.“ Und ob das nicht genug wäre, wird das gleich noch einmal wiederholt: „der Schöpfer aller Ding.“
Weihnachten hat in der Tradition der Kirche offenbar weit mehr mit dem Schöpfer und mit der gesamten Schöpfung zu tun als wir heute wissen, ja überhaupt noch ahnen.
Aber wer sollte uns denn erlösen und unser Leben schließlich vollenden, wenn nicht der Schöpfer selber? Genau darin wurzelt doch der weihnachtliche Zuspruch und Trost.
Dies gilt um so mehr in einer Zeit, in der sich alles so rasch und unkontrolliert entwickelt, wo Menschen angesichts einer globalen Finanzkrise und einer heraufziehenden Wirtschaftsflaute den Boden unter den Füßen verlieren, in einer Welt, die aus den Fugen zu geraten droht, ist es gut die weihnachtliche Botschaft zu hören:
„Die ganze Fülle Gottes nahm Wohnung in ihm, damit das All durch ihn zurückfände in Gott hinein“ (Übersetzung Jörg Zink, Kostbare Erde, S. 82).
Eine Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist, die sich aus ihrer Verankerung in Gott gelöst hat, soll wieder zur Balance in Gott finden. Mit den Worten des Kolosserbriefes gesprochen: „damit das All durch ihn zurückfände in Gott hinein.“
Ich hoffe Sie beginnen zu begreifen, dass Weihnachten einen weit größeren Horizont hat als wir uns darunter üblicher Weise vorstellen.
Weihnachten als das Ereignis, wo der Schöpfer höchst persönlich zu uns kommt, um uns wieder in die richtige Spur zu bringen.
Nicht nur wir sondern die ganze Schöpfung soll erneuert werden. Dazu heißt es am Ende des Kolosserhymnus:
„Alles was auf Erden und im Himmel ist, fand Frieden durch ihn.“
Wir aber reduzieren die weihnachtliche Botschaft samt dem weihnachtlichen Frieden auf unsere Menschenwelt und wünschen uns, dass die Waffen zumindest zu Weihnachten schweigen.
Weihnachten ist aber weit mehr. Der Gott, der die Welt erschaffen hat, stiftet in Jesus Christus nicht nur Frieden zwischen Gott und uns, sondern auch zwischen uns und der Schöpfung.
An diesem Punkt haben die westlichen Kirchen allerdings seit Jahrhunderten massiv versagt. Da die Kirchen ihre eigene Tradition vergessen haben und es anders nicht gelehrt haben, begrenzen wir Weihnachten auf unsere Menschenwelt.
Dabei wird in dem für Weihnachten vorgesehen Psalm 96, den wir im Wechsel gebetet haben, von fröhlichen Feldern und jauchenden Bäumen gesprochen und im Ps 98 ist die Rede von frohlockenden Wasserströmen. Und wir singen Weihnachtslieder von Martin Luther mit Texten wie: „Er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein.“
Was denkt man sich dabei eigentlich – wenn man überhaupt darüber nachdenkt?
Nur in Unkenntnis der Zusammenhänge kann behauptet werden, Weihnachten habe nichts mit der Schöpfung zu tun und der Pfarrer, die Kirche möge zu unserem Umgang mit der Schöpfung schweigen.
Wer Weihnachten ernst nimmt, hat auch den Schöpfer und seine Schöpfung zu achten. Dies gilt umso mehr in einer Zeit,
wo die Menschheit drauf und dran ist, sich um ihre eigenen Lebensgrundlagen zu bringen.
Es ist höchste Zeit sich wieder auf die eigenen Traditionen zu besinnen. Martin Luther formuliert in seinem beliebten Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ in der neunten und zehnten Strophe: „Ach Herr, du Schöpfer aller Ding, wie bist du worden so gering …Und wär die Welt vielmal so weit, … so wär sie doch dir viel zu klein, zu sein ein enges Wiegelein“.
Aber was machen wir? Schlagen wir dem Schöpfer aller Ding nicht fortlaufend ins Gesicht durch die Art, wie wir mit der Erde umgehen?...
Das ist m. E. die sichtbare Konsequenz einer geistlichen, einer spirituellen Krise.
Wir sehen nicht mehr Gott sondern uns Menschen im Mittelpunkt. Zu Pfingsten habe ich zwar Widerspruch erhalten auf meine Aussage, dass unsere Klimakrise letztlich eine geistliche, eine spirituelle Krise ist.
Jörg Zink gibt zu bedenken: „Ist unser Umgang mit unserer Welt nicht Ausdruck einer brutalen Verachtung der Schöpfung und des Schöpfers?“ (Kostbare Erde, Buchrückseite)
Diese geistige Blindheit, wir können auch von Ignoranz sprechen, kann uns teuer zu stehen kommen, kann uns Kopf und Kragen kosten.
Diese Einsicht formuliert der Kolosserbrief lapidar in den Worten: „alles hat seinen Bestand in ihm.“ Wo das vergessen wird, da wird keine Zivilisation Bestand haben- auch nicht eine Hightech Zivilisation wie die unsrige. So gesehen geht es zu Weihnachten um weit mehr als viele meinen. Unsere Zukunft auf diesem Planeten hängt auch von einem angemessenen Verständnis des Weihnachtsfestes ab. Schließlich feiern mehr als 2 Milliarden Menschen dieses Fest. Da ist schon wichtig wie man es feiert und was darunter verstanden wird.
Weihnachten kommt der Schöpfer selber damit die Welt zu ihm zurückfinde und wir in ihm fortbestehen.
Die Felder freuen sich schon, die Bäume jauchzen, die Wasserströme frohlocken. Denn „Er ist ein Kindlein worden klein, der alle Ding erhält allein“ wie Martin Luther treffend formuliert. Und in der vierten Strophe heißt es: „Das ewig Licht … gibt der Welt ein’ neuen Schein, es leucht’ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht.“ (23,4)
Das ist die Art von Erneuerung, die wir brauchen.
Dazu passt was sich der Papst zu Weihnachten hat schenken lassen. Auf dem Dach seiner Audienzhalle ist kurz vor Weihnachten eine riesige Solaranlage in Betrieb gegangen. Ebenso hat auch der örtliche NABU in diesen Tagen eine Solaranlage auf der Feldscheune in Reichenbach in Betrieb genommen.
Unsere alten Weihnachtslieder können uns dabei helfen, den Zusammenhang von Weihnachten mit der ganzen Schöpfung aufs Neue verstehen und schätzen zu lernen. So ruft uns Martin Luther in seinem Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her, ich bring euch gute neue Mähr“ in Strophe fünf zu: „So merket nun das Zeichen recht: die Krippe … da findet ihr das Kind gelegt, das alle Welt erhält und trägt.“
Um in diese große weihnachtliche Freude voll mit einzustimmen, um im Einklang mit dem Schöpfer zu leben, der „alle Welt erhält und trägt“ und mit seiner ganzen Schöpfung zu schwingen, brauchen wir mehr denn je die geistliche, spirituelle Erneuerung, aus der dann auch die praktische Erneuerung unserer Welt hervorgeht.
So lasst uns heute nun Gott loben und ihm singen – denn sein Kommen gilt uns und der ganzen Schöpfung.

Pfingstpredigt: Apostelgeschichte 2,1-13

Mit Gottes Geist und frischem Wind die Klimakrise gemeinsam meistern

Erstmals in der menschlichen Geschichte muss die Menschheit eine globale Krise meistern. Alle früheren Krisen waren auf Regionen, auf Länder oder einzelne Kontinente beschränkt. Der Klimawandel ist die erste planetarische Krise, die die Menschheit zusammen lösen muss – oder daran gemeinsam scheitern wird. Wir werden diese globale Herausforderung nur miteinander lösen können, die Amerikaner nicht ohne die Chinesen, die Europäer nicht ohne die Inder, Russen und Araber, um nur ein paar wichtige Teilnehmer zu nennen.
In unserer schnelllebigen Zeit, wo sich der Aufstieg Chinas und Indiens zu wirtschaftlichen Großmächten so rasant vollzieht und Auswirkungen bis auf unseren Milch- und Brotpreis hat, gelten die Worte des Liedes „wind of change“ um so mehr: „Alles um mich her verändert sich so sehr. Herr, ich brauche den Wind des Lebens.“
Menschen aller Nationen wurden damals in Jerusalem vom Wind des Geistes geeint, jeder begriff worum es ging – ein jeder in seiner Sprache. Der Geistwind Gottes wehte so heftig, dass sich die Sache Jesu, die zunächst auf Galiläa lokal begrenzt war, über den ganzen damals bekannten Erdkreis verbreitete.
Daraus ging erstaunliches, ja weltbewegendes hervor. Der Wind des Geistes wehte derart stark, dass die antike Welt in wenigen Jahrhunderten christianisiert wurde. Ein weltweiter Vorgang nach damaligem Verständnis, eine unglaubliche Entwicklung auch aus heutiger Sicht.
Werden wir uns heute als Menschheit einen lassen und die gegenwärtige Situation als Herausforderung begreifen? Ich sehne mich nach diesem Geist, der Verständigung schafft, der uns eine Sprache sprechen lässt – trotz aller Sprachenvielfalt.
Ein großes Ereignis in diesem Jahr ist die amerikanische Präsidentenwahl. Wird der amerikanische Wähler jemanden ins Weiße Haus wählen, der neuen frischen Wind in das Land, ja in die ganze Welt bringt?
Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Obama sagt: „Yes, we can!“ Obama ist ein brillanter Redner und scheint auch ein frommer Mann zu sein.
Damals in Jerusalem erfasste der frische Wind des Geistes Menschen aller Nationen und ließ die Sache Jesu zu einem globalen Vorgang mutieren. Im Hebräischen bedeutet „ruach“ bekanntlich sowohl Geist als auch Wind. In Jerusalem begann ein neuer Geist zu wehen, ein ganz besonderer Geist, den wir Christen als Heiligen Geist bezeichnen.
Den brauchen wir heute nötiger denn je. Frühere Entwicklungen und Lernprozesse vollzogen sich langsam, in Jahrhunderten. In der heutigen Situation bleibt der Menschheit nach Aussage der Wissenschaftler nur ein Zeitraum von wenigen Jahren, um weltweit und grundlegend umzusteuern. Die Herausforderung war noch nie so groß. Erstmals haben wir als Menschheit gemeinsam eine derartig große Aufgabe und dazu noch in so kurzer Zeit zu meistern.
Der Geistwind Gottes fährt nicht wie ein Tornado vom Himmel herunter und fegt nicht wie ein Hurrikan durchs Land.
„Der Wind des Lebens weht in jedem Land der Welt, doch mitten unter uns geschieht, was für dich zählt. Drum öffne ihm dein Herz und lass den Wind hinein“, heißt es am Schluss des genannten Liedes.
Sich dem frischen Wind zu öffnen heißt auch, das zu nutzen, was Gott uns beständig zukommen lässt, etwa in Form von Sonne und Wind. Zu Pfingsten ist dabei vor allem an die Kraft des Windes zu denken, mit dem bei entsprechender Nutzung z. B. vor den Meeresküsten unglaubliche Mengen an Energie gewonnen werden können. Wir sollten uns dem nicht verschließen.
Nur mit frischem Wind in den Köpfen und Herzen werden wir auch die mentalen Blockaden überwinden, um als Menschheit erstmals eine planetarische Krise zu meistern.
Was wird die Kirche dazu beitragen?
Wird sie sich auf ihre Kraftquellen besinnen – sich von dem Wind des Lebens erfassen lassen? Den brauchen wir angesichts der globalen Herausforderungen mehr denn je, um unseren Planenten als einen lebensfreundlichen Ort inmitten des Universums zu bewahren. Wird es uns - vergleichbar den Menschen damals in Jerusalem - mit der Kraft des Geistes gelingen, etwas in Gang zu setzen, was den Lauf der Welt verändern wird?
Als Kirche stehen wir jetzt in der Pflicht dafür einzutreten, die natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten - damit uns und vor allem späteren Generationen nicht das Lob Gottes im Halse stecken bleibt, angesichts klimatischer Veränderungen in Form von verheerenden Stürmen und Unwettern. Wir brauchen den Wind des Geistes mehr denn je, damit auch weiterhin das Lob Gottes auf diesem Planeten angestimmt werden kann - und das nicht nur zu Pfingsten!...



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