Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 31.01.2018, aktualisiert am 08.02.2018, Susanne Jung:

E.ON-Solarcloud: Nebelkerze für die Energiewende?

E.ON wirbt derzeit mit einem verlockenden Angebot: Immer dann, wenn Solarstrom aus eigener Produktion gerade mal nicht selbst verbraucht werden kann und möglicherweise sogar ein Stromspeicher voll ist, kann der überschüssige netzeingespeiste Strom in einer Solar-Cloud zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt abgerufen werden. Das Unternehmen wirbt damit, dass auf diese 100 Prozent des erzeugten Solarstroms nutzbar würde und die private Vollversorgung immer näher rücke. All dies ging kundenfreundlich und überwiegend virtuell.

Den Zugang zur Cloud knüpft der Energieriese an die Bedingung, vorab eine PV-Anlage, optional gern mit Stromspeicher, von E.ON erwerben zu müssen. Auch dies soll ganz einfach funktionieren: Über die Internetseite des Unternehmens prüft ein Solarrechner zunächst online, wie groß die Solaranlage am eingetragenen Standortes bemessen sein kann und mit welchen Ertrag zu rechnen ist. Bei Interesse wird ein Kundenberater eingeschaltet, der sich rasch darum kümmern soll, ein maßgeschneidertes Produkt vor Ort auf den Weg zu bringen.

Nun ist der letzte Schritt zur Solar-Cloud nicht mehr groß. Vorausgesetzt, alle Bauteile inklusive Controller stammen aus dem Hause E.ON, braucht nur ein Zusatzvertrag abgeschlossen werden. Schon dann kann der Kunde den überzähligen Solarstrom jederzeit und allerorts abgerufen. Es lebe die virtuelle Solar-Cloud! Selbst Elektroautos sollen nun überall problemlos mit dem Strom vom eigenen Dach betankt werden können (vorausgesetzt, man fährt eine E.ON-Stromtankstelle an!).

Eine perfekte Marketing-Strategie! Dass Kunden mit dem Slogan "100 % Versorgung mit EIGENEM Solarstrom" kräftig an der Nase herumgeführt werden, wird leider oft unentdeckt bleiben. Deshalb hier in aller Deutlichkeit: Wenn Solarstrom in das öffentliche Netz eingespeist wird, vermischt er sich mit Strom aus Fossil und Atom. Über das Stromnetz wird der Strom allenfalls räumlich verschoben. Eine zeitliche Verschiebung in Zeiten ohne Solarstrom findet nicht statt. Der Strom, den E.ON liefert, wenn die Sonne gerade nicht scheint, stammt ganz überwiegend NICHT aus gespeichertem Solarstrom.

Der Energieriese verkauft allenfalls E.ON-eigene Solartechnik inklusive Stromlieferverträge! Zwar wird Ökostrom angeboten, aber auch E,ON wird den überwiegend Anteil des verkauften Stroms aus norwegischer und österreichischer Wasserkraft zukaufen. Nur so kann das Unternehmen sein Ökostrom-Versprechen einhalten, denn in Deutschland gibt es noch lange nicht zu jeder Tages und Nachtzeit genügend Strom aus Erneuerbaren Energien.

Leider sind derzeit auch Norwegen und Österreich noch nicht in der Lage, sich vollständig mit Erneuerbaren Energien zu versorgen. Sie decken ihren Strombedarf zwar überwiegend aus Erneuerbaren Energien (Norwegen: 98 %, Österreich ca. 75 %), von einer Vollversorgung im Verkehrs- und Wärmebereich sind sie jedoch noch weit entfernt. Darüber hinaus muss die durch das Ökostromgeschäft mit Deutschland erzeugte Stromlücke kaufmännisch wieder gefüllt werden. Die Vermutung, dass dann vor allem auf Fossil- und Atomstromangebote -auch aus anderen europäischen Ländern - zurückgegriffen wird, liegt nahe.

Lohnt sich das Solarcloud- Angebot von E.ON?

Die Komplettangebote zum Verkauf von Solarstromanlagen mit und ohne Speicher stehen in Konkurrenz zu anderen Angeboten regionaler und überregionaler Verkäufer. Das ist normal. Schlussendlich überzeugt das Produkt mit dem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Ob Technik, Installation und Beratung vor Ort qualitativ hochwertig ist und die Mitnahme regionaler Handwerksunternehmen fair und kostendeckend vonstatten gehen, können wir nicht beurteilen. Zumindest sind diejenigen Investoren immer am besten beraten, die für ein geplantes Projekt mehrere Angebote einholen und vergleichen, anstatt sich gleich auf ein Produkt einzulassen.

Wer zur Solar- und Speichertechnik von E.ON zusätzlich noch die Solar-Cloud bucht, muss einen ordentlichen monatlichen Grundpreis (z.B. 21,99 € mit E.ON-Speicher / 30,99 €/Monat ohne E.ON-Speicher bei einem Gesamtstromverbrauch von 3000 kWh/Jahr, https://www.eon-solar.de/eon-solarcloud zahlen. Dieser soll - so E.ON - sowohl den Zugang zur Cloud als auch zusätzliche "anteilige" Grundkosten decken. Je nach Dachgröße, Investitionsvolumen und Strompaket erhöht sich der monatliche Grundpreis. Wer mehr Strom benötigt, als virtuell in der gebuchten Cloud gespeichert werden kann, muss jede zusätzliche Kilowattstunde zum Ökostrom-Arbeitspreis von mindestens 26,67 Ct/kWh zahlen. Ein zusätzlicher Grundpreis soll dann entfallen.

Vergleicht man dieses Angebot mit dem Ökostromangebot von E.ON, besticht die Stromlieferung über die Cloud nicht unbedingt:

Vergleich der Angebote, Stand Febr. 2018 E.ON-Cloud mit Speicher (1) E.ON Ökostromtarif "Solarstrom" (2)
bei Jahresstrombedarf 3000 kWh 3000 kWh
Rest-Strombedarf (bei 70 % Eigenversorgung) 900 kWh 900 kWh
Preisbestandteile (Brutto) Grundpreis: 21,99 € / Monat Arbeitspreis: 27,61 Ct/kWh, Grundpreis: 119 €/Jahr, zusätzl. Boni
Gesamtpreis - Brutto 263,88 €/Jahr 249,49 €/Jahr

Wer einen Preisvergleich für die Reststromlieferung durchführt, kommt zu dem Schluss, dass man (zumindest im ersten Jahr unter Zurechnung der Boni) mit dem E-ON-Ökostrom-Angebot finanziell besser beraten ist als mit der Solar-Cloud des Unternehmens. Auch die zusätzliche Offerte, dass das "eigene" Solarstrom-Budget auch an E.ON-Tankstellen für Elektrofahrzeuge genutzt werden kann, muss nicht zwingend preisgünstiger sein. Schließt man andere Anbieter in den Preisvergleich ein, verschlechtert sich das Angebot der Solar-Cloud zunehmend.

Fazit:

Wer glaubt, die virtuelle Solar-Cloud von E.ON bringt uns der Energiewende kleine Schritte näher, der übersieht die Vernebelungstaktik des Energieriesen. Mal wieder wird der Energiewirtschaft und der Politik beim Ausbremsen von Investitionen in echte Kurz-, Mittel- und Langzeitspeichern kräftig auf die Schulter geklopft. Stromspeicher sind unnötig - es lebe der Stromhandel und die Digitalisierung.

Auch die komplexen, in Teilen für Kunden undurchschaubaren Vertriebsstrukturen und die zusätzlichen Kosten zur Deckung der Stromlücke zwischen Gesamtstromverbrauch und Eigenversorgung sollten Verbraucherschützer genau unter die Lupe nehmen.

Wir hoffen, dass die meisten Energiewende-geschulten Solarstromer dieses Öko-Fake-Angebot problemlos einordnen können.




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