Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 26.06.2018, aktualisiert am 02.08.2018, Susanne Jung:

PV-Altanlagen: Sicherung des Weiterbetriebs nach Ablauf der Vergütung

Diskussionsvorschlag


 
 

Ausgangslage

Zum 1. Januar 2021 werden die ersten Photovoltaikanlagen aus der EEG-Förderung herausfallen. Dies betrifft zunächst die Anlagen, die bis zum 31.12.2000 in Betrieb gesetzt wurden. In den Folgejahren kommen sukzessive weitere Anlagen hinzu.

Inbetriebsetzung betroffene Anlagenleistung in MW Ende der EEG-Vergütung
bis 31.12.2000 114 31.12.2020
1.1. - 31.12.2001 62 31.12.2021
1.1. - 31.12.2002 120 31.12.2022
1.1. - 31.12.2003 139 31.12.2023
1.1. - 31.12.2004 670 31.12.2024
1.1. - 31.12.2005 951 31.12.2025
usw.

 
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Entwicklung der PV-Leistung bis 2017
Grafik: SFV, Datenquelle: https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren-energien-in-deutschland-1990-2017.pdf;jsessionid=F9BF785102105E941F90A12DF74ADE14?__blob=publicationFile&v=15

PV-Altanlage
Diese Anlage einmal größte private PV-Anlage in NRW: 6 kW-Anlage in Krefeld, vollständige Inbetriebnahme 1991 Foto: H.-C. Mittag
 

Viele dieser ersten Anlagen wurden von Energiewende-Pionieren auf die Dächer gebracht. Sie entschlossen sich, trotz teilweiser hoher finanzieller Risiken und trotz mangelnder Langzeiterfahrungen auf dem Gebiet der Photovoltaik zu investieren. Durch ihr Engagement erhielt eine junge Technik die Chance, zur Marktreife zu gelangen. Förderprogramme wie das 1.000-Dächer-Programm, das 100.000-Dächer-Programm und die in mehr als 20 Städten gewährte kostendeckende Vergütung unterstützten die Freunde der Solarenergie und trugen dazu bei, dass die Zahl der Anlagen in den Anfangsjahren stetig zunahm. Bis zum 1.1.2000 entstanden ca. 70 MW Anlagenleistung. Dabei handelte es sich in aller Regel um Volleinspeiseanlagen, deren Größe durch die Detailbestimmungen der jeweiligen Förderprogramme gelenkt wurde. Damit überwogen Kleinanlagen bis 5 kW deutlich.

Im Jahr 2000 - also im Geburtsjahr des Erneuerbaren-Energien-Gesetz - führten bundesweit einheitliche Einspeisevergütungen (50,62 Ct/kWh - ehemals 99 Pfennige/kWh unabhängig von der Anlagengröße) dazu, dass ca. 44 MW PV-Volleinspeiseanlagen hinzugebaut wurden.

Zum 31.12.2020 werden demnach zunächst ca. 114 MW PV-Anlagenleistung aus der EEG-Förderung herausfallen. In den jeweiligen Folgejahren kommen sukzessive immer mehr Anlagen hinzu.

Auch andere Erneuerbare-Energien-Techniken sind von der auslaufenden EEG-Förderung betroffen. So werden 2021 ca. 6.000 Windanlagen mit 4.500 MW und 2022 – 2026 jährlich 1.600 Anlagen mit 2.500 MW keine EEG-Förderung mehr beanspruchen können. (Quellen:[BNetzA, Fachagentur Windenergie z.B. link: https://www.fachagentur-windenergie.de/aktuell/detail/rueckmeldezeitraum-verlaengert.html ])

Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es hier nicht um Peanuts geht Es geht um eine drohende Rolle rückwärts bei der Energiewende!
 

Problemstellung

Nach Ablauf des Vergütungs- und Förderzeitraums sollten Anlagenbetreiber in aller Regel alle Kosten zum Bau und Betrieb der Solaranlage inklusive der Kapitalbeschaffungskosten abgedeckt haben. Die solare Investition soll sich amortisiert haben, die Technik umsatzsteuerlich abgeschrieben sein.

Aus Sicht der Anlageninvestoren gäbe es zunächst keinen Grund, die Anlagen weiter zu betreiben. Doch auch über den 20-jährigen Zeitrahmen sind Solarmodule normalerweise noch leistungsfähig. Sie sind robust und werden in aller Regel noch weitere 10 Jahre oder mehr Strom erzeugen können. Warum sollten die Altanlagen nach Ablauf der Vergütung von Dächern verschwinden? Konventionelle Kraftwerke werden auch nicht verschrottet. Wir verlangen wenigstens Gleichbehandlung!

Versäumt es der Gesetzgeber, finanzielle Absicherungen für den Weiterbetrieb der Anlagen zu definieren, sind die Folgen leicht abzuschätzen. Wenn die nach dem 31.12.2020 anfallenden Betriebskosten nicht mehr durch die Einnahmen aus der Solarstrom-Erzeugung gedeckt werden, droht die Anlage selbst nach dieser langen Zeit nachträglich zum Minusgeschäft zu werden. Der in den vorangegangenen 20 Jahren möglicherweise erzielte wirtschaftliche Gewinn wird nachträglich schwinden. Vielen PV-Anlagenbetreibern wäre damit aus finanzieller Sicht eher anzuraten, sich von einer noch funktionsfähigen Anlage zu trennen.

Um solche Entwicklungen zu vermeiden, diskutieren Vertreter der Solar- und Windbranche und Wissenschaftler schon länger darüber, welche gesetzlichen Regelungen und Anschlussförderungen notwendig wären, um die funktionsfähige Technik weiter zu betreiben.

Beim SFV wurden in einer Arbeitsgruppe unter https://www.sfv-forum.de verschiedene Argumente ausgetauscht. Darüber hinaus gab es zwei wissenschaftliche Einrichtungen, die in Umfragen untersucht hatten, welche Betriebskosten bei unterschiedlichen Nutzungsformen (Eigenversorgung, Direktvermarktung, Volleinspeisung) abgedeckt werden müssten und unter welchen Bedingungen Anlagenbetreiber motiviert wären, die Altanlagen noch weiter zu betreiben.

Um die Überlegungen weiter voranzutreiben und gesetzliche Anschlussregelungen auf den Weg zu bringen, möchten wir in diesem Beitrag einen Vorschlag des SFV zur Diskussion stellen. Vorab sollten jedoch noch grundsätzliche rechtliche Informationen und mögliche Optionen zum Weiterbetrieb erläutert werden.
 

Rechtliche Ansprüche nach Ablauf des Vergütungszeitraumes

Auch wenn der Vergütungszeitraum abgelaufen ist, handelt es sich nach Rechtsinformation der Clearingstelle EEG/KWKG (https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/beitrag/1551) weiterhin um eine Anlage im Sinne des EEG. Nach gegenwärtiger Rechtslage bleibt damit auch der Anspruch auf Netzanbindung der „EEG-Anlage“ erhalten (sog. kleiner Anwendungsbereich des EEG).

Als mögliche Einnahmen kommen dann folgende Optionen in Betracht:

  • (nicht gesetzlich vergüteter) Eigenverbrauch
  • Verkauf des Stroms an Dritte (sonstige Direktvermarktung)
  • Gegebenenfalls besteht ein Anspruch gegen den Netzbetreiber auf Erstattung vermiedener Netznutzungsentgelte nach § 18 StromNEV.

Ob weiterhin ein Einspeisevorrang für den netzeingespeisten EE-Strom besteht, ist rechtlich unklar.

Aus Gründen der Gleichberechtigung gegenüber anderen Stromerzeugern sollte es auch einen Rechtsanspruch auf Zahlung des Börsenstrompreises (Jahresmarktwert Solar (Wind etc) geben. Jahresmarktwert Solar (Wind etc)). Dieser besteht allerdings nach Rechtsauffassung der Clearingstelle EEG/KWKG nicht. Im Rechtshinweis liest man hierzu: „Nach gegenwärtiger Rechtslage besteht jedenfalls nach dem EEG kein Anspruch darauf, dass der Netzbetreiber nach Ablauf des Förderzeitraums den eingespeisten Strom mit dem Monatsmarktwert vergütet.“

EEG-Umlage: Sowohl für den Eigenverbrauch als auch dem Verkauf an Dritte muss nach derzeitiger Rechtslage - unabhängig von der Anlagengröße - die reduzierte EEG-Umlage (40 %) entrichtet werden.

Allerdings könnte es sein, dass diese Regelung in Teilen gekippt wird. Auf Beschluss der Europäischen Union ist in der in diesem Jahr reformierten Erneuerbaren-Energien-Richtlinie verankert, dass der Eigenverbrauch aus Anlagen bis 30 Kilowatt Leistung nicht zusätzlich belastet werden darf. Die deutsche EEG-Umlage ist eine eindeutige Belastung der Eigenversorgung.

Die Richtlinie muss von allen EU-Mitgliedsstaaten bis spätestens 2021 in geltendes Recht umgesetzt werden. Somit muss auch Deutschland die Regelungen zur EEG-Umlagepflicht aus Eigenversorgung neu formulieren. Ob die Umsetzung des EU-Rechts auch dazu führt, dass Betreiber von PV-Altanlagen keine EEG-Umlage entrichten müssen, kann momentan nur spekuliert werden.


 

Optionen zum Weiterbetrieb der Altanlagen

a) Umrüstung auf Eigenversorgung

Die ehemals in Volleinspeisung eingerichteten Anlagen könnten als Eigenversorgungs-Anlagen weiterbetrieben werden. Dadurch bestünde die Chance, die anfallenden Betriebskosten indirekt durch Reduzierung der sonst notwendigen Strombezugs-Ausgaben abzudecken. Um den Eigenverbrauch zu steigern oder Schwerpunkte zu setzen, gibt es Zusatzvarianten: Es böte sich an, in Stromspeicher zu investieren. Ebenso könnte man eine Wärmepumpe mit der PV-Anlage kombinieren, um überschüssigen Strom effizient für die Warmwasserbereitung oder für Heizzwecke zu nutzen. Wer ein Elektromobil besitzt, freut sich sicher darüber, den erzeugten Strom zum Autofahren zu verwenden. Und auch die Idee, eine netz-unabhängige Ersatzstromversorgung mit Speicher aufzubauen, könnte weiterverfolgt werden.


Voraussetzung für alle neuen Nutzungsformen ist allerdings die Umrüstung der Anlage inklusive Anschaffungen neuer technischer Komponenten.

Hier eine Auswahl der notwendigen Veränderungen und Investitionen:

  • Veränderung des Anschlusses: Da der Strom nicht mehr vollständig in das öffentliche Netz sondern zunächst durch das Hausnetz fließen soll, müssen elektrotechnische Veränderungen an der Anlage getroffen werden.
  • Zähleinrichtungen: Der selbstverbrauchte Strom muss messtechnisch erfasst werden, da nach § 61 a Nr. 4 EEG 2017 für alle Anlagen nach Ablauf des Vergütungszeitraums die verminderte EEG-Umlage in Höhe von 40 % entrichtet werden muss. Somit muss nach derzeitigem Rechtsstand ein Eigenverbrauchszähler installiert werden. Sollte bei Anlagen bis 7 kW der bestehende Einrichtungszähler noch nicht in eine moderne Messeinrichtung (Zähler mit digitalem Display) überführt sein, steht auch hier eine Umrüstung an. Schlussendlich können die neuen Zähler dazu führen, dass sich die Abrechnungs- und Zählergebühren erhöhen und die Betriebskosten der Anlage steigen.
  • Neuer Zählerschrank? Eigenverbrauchs- und Einspeisezähler müssen in einen Zählerschrank, der den aktuellen Normen entspricht. Sollte eine Umrüstung auf moderne Messeinrichtungen / intelligente Messsysteme nach geltendem Messstellenbetriebsgesetz notwendig werden, muss ebenfalls geprüft werden, ob der vorhandene Zählerschrank der VDE AR-N 4101 entspricht. Wird ein Austausch des Zählerschranks notwendig, könnte dies teuer werden. Möglicherweise reicht nicht einmal der vorherige Platz.
  • Technische Einrichtungen: Änderungen am Anlagenkonzept oder an Teilen der Anlage können zu einer technischen Überprüfung des Netz- und Anlagenschutzes (NA-Schutz) führen. Gegebenenfalls muss nachgerüstet werden. Ähnlich könnte es sich auch beim Blitz- und Überspannungsschutz verhalten.
  • Wechselrichter: Ob vorhandene Wechselrichter ausgetauscht werden müssen, um nach VDE AR-N 4105 (neu) auch Netz-Systemdienstleistungen zu übernehmen, ist offen.

Ebenso ist zu empfehlen, die Anlage einer sicherheitstechnischen Überprüfung zu unterziehen, um Schäden an stromführenden Leitungen und Solarmodul-Befestigungen auszuschließen.

Alle technischen Änderungen an der PV-Anlage müssen dem Netzbetreiber gemeldet werden. Darüber hinaus könnte es notwendig werden, den Eintrag im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zu aktualisieren, wenn die Anlage als Eigenversorgungsanlage betrieben wird.

Sollte der Strom auf dem Gebäude nicht vom Anlagenbetreiber selbst sondern von Dritten (z.B. Mietern) verbraucht werden, muss ein gesondertes Messkonzept eingerichtet und Stromlieferverträge abgeschlossen werden. Außerdem wird nach dem jetzigen Stand der Dinge die volle EEG-Umlage auf die Solarstrombelieferung fällig.

Nicht zu vergessen: Ausgaben für Wartung, Versicherung und Netzeinspeisezähler müssen ebenso in den Aufstellungen zu den Betriebskosten enthalten sein. (siehe unten, Punkt c) )

b) Direktvermarkung

Einige Anbieter werben schon jetzt darum, dass Strom aus PV-Anlagen auch über den Weg der „Sonstigen Direktvermarktung“ abgerechnet werden könnte. Der Solarstrom an Dritte könnte vom Anlagenbetreiber selbst oder gebündelt in regionalen Erzeugergemeinschaften weiter vermarktet werden.

Dabei gilt auch hier, dass jede technische Änderung an der Anlage gegenüber dem Netzbetreiber anzeigepflichtig ist und ggf. neue technische Regeln und Normen eingehalten werden müssen.

Um alle Stromnebenkosten inkl. EEG-Umlage exakt abzurechnen, einen exakten Strombilanzkreis zwischen Erzeuger und Verbraucher zu fahren und bei Netzüberlastungen zu interagieren, sind zusätzliche technische Einrichtungen notwendig. Neben einer Fernwirkeinrichtung zur Steuerung der Anlage ist auch eine 1/4h-Messung der erzeugten Kilowattstunden zwingend. Das verursacht Kosten und erhöht das wirtschaftliche Risiko des Anlagenbetreibers.

Solche Überlegungen zur Umrüstung dürften aus Kostengründen - wenn überhaupt - erst bei größeren Anlagen interessant sein. Schon heute werben einige Direktvermarktungsunternehmen dafür, sich ab einer Anlagengröße von 30 kW in Erzeugergemeinschaften zu verbinden und den erzeugten Strom gemeinsam zu vermarkten.

Neben den Zusatzkosten für neue technische Einrichtungen und Zähler sind ggf. (wie bereits unter a) geschildert) Investitionen in einen neuen Zählerschrank und Wechselrichter nach aktueller VDE-Norm notwendig. Außerdem fallen die allgemeinen Betriebskosten für Wartung und Versicherung an. Häufig vergessen wird auch das Ansparen für den Anlagen-Rückbau.

c) Volleinspeisung: Weiterbetrieb der Anlage ohne Änderungen am Anlagenkonzept

Wer nach Ablauf der gesetzlichen Einspeisevergütung keine Umrüstung an der Anlage vornehmen möchte, kann nach den derzeitigen gesetzlichen Rahmenbedingungen nur mit einem geringen finanziellen Ausgleich für jährliche Betriebskosten rechnen. Nach § 18 StromNEV können Anlagenbetreiber nach heutiger Gesetzeslage ein Entgelt verlangen, dass dem durch die jeweilige Einspeisung vermiedenen Netzentgelten gegenüber den vorgelagerten Netz- oder Umspannebenen entspricht. Die Höhe schwankt derzeit zwischen 0,5 und 2 Ct/kWh.

Anlagenbetreiber haben nach EEG derzeit keinen Anspruch darauf, für Netzeinspeisung den Börsenpreis für Solarstrom zu erhalten (Jahresmarktwert Solar von 3 - 4 Ct/kWh; genaue Werte unter https://www.netztransparenz.de/EEG/Marktpraemie/Marktwerte) .

Die Einnahmen aus den vermiedenen Netzentgelten jedenfalls werden kaum reichen, die jährlichen Betriebskosten zu begleichen. Diese Betriebskosten (für Wartung, Versicherung, Zähler und technische Vorgaben) fallen selbstverständlich auch bei den "Umstellung auf Eigenversorgung" und "Direktvermarktung" an.

Wartung: Es ist dringend zu empfehlen, die Anlage nach Ablauf der Vergütung technisch überprüfen zu lassen. In erster Linie sollten Leitungen, und Befestigungen, die mehr als 20 Jahre Witterungseinflüssen ausgesetzt waren, untersucht werden, um Brand-, Korrosions- und Witterungsgefahren auszuschließen. Aber auch die Funktionskontrolle des Wechselrichters und der Solarmodule (inkl. eventuell notwendiger Reinigung) sind wichtig, um in den letzten Lebensjahren der Anlage noch den höchstmöglichen Ertrag sicherzustellen (Preis: ca. 150 - 200 € zzgl. Reparaturen und ggf. notwendiger Reinigung). Diese Kontrollen sollten bei alternden Anlagen in den Folgejahren wiederholt werden. Sollten Module defekt sein, könnte man diese ggf. durch gleichwertige und in den Abmessungen passende Gebrauchtmodule ersetzen.

Versicherung: Die Sach- und Ertragsversicherung für die PV-Anlage kann ungeändert fortlaufen. Zahlreiche Versicherungsgesellschaften schließen allerdings keine Neuverträge mehr ab. Sollte bereits ein Vertrag vorliegen, kann nach Auslauf der Einspeisevergütung ggf. über eine Reduzierung des Versicherungsbetrages verhandelt werden.
Wenn die PV-Anlage nicht in die Gebäude-Haftpflichtversicherung eingebunden ist, sollte über eine entsprechende Versicherung nachgedacht werden.

Zähler: Zur Erfassung des netzeingespeisten Stroms ist eine Messeinrichtung notwendig. Sollte bereits eine moderne Messeinrichtung genutzt werden, dürfen jährlich 20 € brutto in Rechnung gestellt werden. Eventuell noch vorhandene private Zähleinrichtungen dürfen nach Messstellenbetriebsgesetz nicht mehr oder nur mit Einschränkungen genutzt werden (unter vollständiger Erfüllung der Anforderungen des Messstellenbetriebsgesetzes insbesondere der Messwertaufbereitung und form- und fristgerechten Datenübertragung - siehe § 3 MsbG).

Technische Vorgaben: Da keine technischen Änderungen an der Anlage durchgeführt wurden, sind nach unserer Rechtsauffassung keine über die Regelungen des Erstinbetriebnahmejahres hinausgehenden Betriebsanforderungen zum Lastmanagement (Reduzierung der max. Wirkleistung auf 70%, Fernsteuerbarkeit) und zur Messung (1/4h-Messung bei Anlagen über 30 kW) notwendig. Hier dürften keine Zusatzkosten anfallen.
 

Hinweis zu Abbau- und Recyclingkosten:

Die Kosten für den Abbau von Solaranlagen inklusive Befestigungen und nachträglicher Dachüberprüfung wurden in Wirtschaftlichkeitsberechnungen zwar häufig vergessen. Dies ist nicht verwunderlich, denn vorauseilend daran zu denken, wie hoch die Abbau- und Recyclingkosten am Ende der Lebenszeit von 20 Jahren und mehr betragen, ist schwer zu kalkulieren. Trotz dieser Problematik gehören Abbau- und Recyclingkosten genauso zu den Betriebskosten einer Anlage wie Wartung und Versicherung und alle Betriebskosten sollten nach Willen des Gesetzgebers durch die ausgezahlten Vergütungen abgegolten sein. (siehe Begründung EEG 2000, "Grundlage für die Ermittlung der Vergütung sind insbesondere die Investitions-, Betriebs-, Mess- und Kapitalkosten eines bestimmten Anlagentyps bezogen auf die durchschnittliche Lebensdauer sowie eine marktübliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals." Um den fachgerechten Abbau finanziell abzusichern, sind Anlagenbetreiber somit angehalten, noch vor Ablauf der Einspeisevergütung Rücklagen zu bilden. Informationen zum Recycling finden Sie unter http://www.sfv.de/stichwor/Recyclin.htm.
 

Vorschlag des SFV

Es ist aus ökologischer und energiewirtschaftlicher Sicht dringend geboten, den Weiterbetrieb von PV-Altanlagen nach Ablauf der gesetzlichen Vergütungspflichten zu stützen. Intakte und funktionsfähige Solaranlagen zu demontieren, zu recyceln oder ungenutzt auf den Dächern zu belassen muss vermieden werden. Versäumt der Gesetzgeber, Folgeregeln zu definieren, die den Weiterbetrieb der betriebswirtschaftlich abgeschriebenen Anlagen sicherstellen, könnten sich Anlagenbetreiber ansonsten zum Rückbau der Anlage entscheiden, um finanzielle Verluste zu vermeiden.

Deutschland hinkt bei der Energiewende seit Jahren hinterher. Ob die Einhaltung des Pariser Klimaschutzvertrages und des 1,5°-Zieles noch gelingt, ist bei dem heutigen Ausbautempo mehr als fraglich. Mit dem drohenden sukzessiven Rückbau von zahlreichen Altanlagen droht die dringend notwendige Umstellung auf 100% Erneuerbare Energien zusätzlich aufgehalten zu werden. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal an die im Jahr 2021 abgeschriebenen 4,5 GW Windenergieanlagen erinnert, deren Weiterbetrieb ebenso gefährdet ist.

Es geht um die gesamtgesellschaftliche Aufgabe, unsere Energieversorgung ressourcenschonend auf 100 % Erneuerbare umzustellen. Dafür müssen alle funktionstüchtigen Anlagen und alle geeigneten Flächen zur Produktion von EE-Strom genutzt werden. Jeder Abbau ist ein Rückschritt. Außerdem müssen Anstrengungen unternommen werden, freigewordene Flächen wieder für die EE-Erzeugung zu nutzen.

Allen Anlagenbetreibern muss ein sicherer Anreiz geboten werden, die Technik - sofern funktionstüchtig an und auf Dächern, Fassaden und Flächen weiterzubetreiben.

Wir stellen deshalb folgenden Vorschlag zu eine PV-Anschlussförderung zur Diskussion:

Der Vorschlag beruht auf der Grundannahme, dass die Solarstromanlage ohne technische Änderungen als Volleinspeiseanlage weiter betrieben werden kann.

  • Für die in das öffentliche Stromnetz eingespeisten Kilowattstunden soll eine Folge-Vergütung geltend gemacht werden können, die die jährlichen Betriebskosten zum Weiterbetrieb der Anlage deckt.
  • Die Höhe der Vergütung sollte für Anlagen bis 5 kW jeweils 5 Ct/kWh betragen. Für Anlagen über 5 kW sollte der Börsenstrompreis für Solarenergie gewährt werden. Begründung: Mit einer Folge-Vergütung von 5 Ct/kWh (bzw. Börsenstrompreis) können Altanlagen bei rationeller Betriebsführung ohne zusätzliche Gewinne bis zum Ende der Lebenszeit der Module kostendeckend betrieben werden.

Die Berechnung basieren auf der Grundannahme, dass die Anlage weitere 10 Jahre betrieben wird. Folgende Kosten flossen in die Berechnung der Betriebskosten ein:

• einmalige sicherheitstechnische Überprüfung
• regelmäßige Wartungskosten
• Zählerkosten
• Zinsen und
• Rückstellungen für den finalen Abbau der Solarstromanlage
• Versicherung

Da die Anlagen aus Sicht der Energiewende erhaltenswert sind, ist eine Folge-Vergütung von unter 10 % der ursprünglichen Vergütungshöhe (50,62 Ct/kWh) gerechtfertigt.

Berechnungen wurde mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie mit Hilfe der Wirtschaftlichkeits-Software pv@now durchgeführt.

 

  • Die Anlage behält den Status einer Bestandsanlage. Bürokratische Hürden wie z.B. Weiterbetriebsanträge, Messeinrichtungswechsel trotz vorhandener geeichter Zähler, aufgezwungene technische Prüfungen sind zu vermeiden. Der Anlagenbetreiber trägt weiterhin die vollumfängliche Verantwortung dafür, dass die Anlage den sicherheitstechnischen Anforderungen entspricht und gesetzliche Regeln eingehalten werden.
  • Sollten Anlagenbetreiber sich freiwillig dafür entscheiden, ihre Altanlage in die Eigenversorgung oder Direktvermarktung zu führen, kann die Anschlussvergütung nur für netzeingespeiste Kilowattstunden in Anspruch genommen werden. Alle technischen Änderungen (z.B. bei der Umstellung auf Eigenversorgung, bei Vorgaben zur Direktvermarktung, bei Investition in Speicher) gehen mit zusätzlich notwendigen Investitionen einher. Diese finanziellen Risiken sollten Anlagenbetreiber selbst tragen

Zusätzliche Option:
Wir regen an, dass Anlagenbetreiber zukünftig durch "Abwrackprämien" oder zinsgünstige Darlehen dazu ermutigt werden, die Anlage zu modernisieren oder zu erneuern, sollte die Ertragsfähigkeit der Anlage unter 70 % der Nennleistung fallen. Praxisfreundliche Finanzierungsangebote könnten sicherstellen, dass Solarstromanlagen, die nicht mehr hinreichend funktionstüchtig sind, von den Dächern entfernt und durch neue Technik ersetzt werden. So könnte der zusätzliche Anreiz gesetzt
werden, solare Dachflächen auch effektiver für Solaranlagen zu nutzen.

Wir sind gespannt auf Ihre Diskussionsbeiträge, Ihre Kritik und Verbesserungsvorschläge, die - sofern gewünscht - unter https://sfv-forum.de/forums/forum/pv-altanlagen/ veröffentlicht werden können.

Senden Sie Ihren Kommentar bitte an
jung@sfv.de




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