Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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11.02.2009, Wolf von Fabeck:

Stellungnahme des SFV zu einem Beitrag im SPIEGEL

In einem Beitrag von Anselm Waldermann im SPIEGEL vom 10.02.09 war unter dem Titel "Windräder bringen nichts für CO2-Ziel" folgendes zu lesen:
"Klimapolitik paradox: Trotz Solar- und Windenergie-Booms wird in Europa kein Gramm Kohlendioxid eingespart. Denn für jedes neue Windrad in Deutschland darf in Osteuropa mehr Kohle verfeuert werden.
(...)
" usw. usw.

Nach der Darstellung des SPIEGEL gibt es zwei Möglichkeiten, wie man den CO2-Anstieg in der Atmosphäre bremsen kann. Entweder durch den Bau von Windrädern, Solaranlagen und anderen Anlagen der Erneuerbaren Energien oder durch Emissionshandel.

Der SPIEGEL-Beitrag entscheidet sich für den Emissionshandel und gegen das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Wir sehen das anders - und unsere Entscheidung ist leicht zu begründen. Dazu wägen wir die Vor- und Nachteile beider Verfahren gegeneinander ab:

Durch die Erneuerbaren Energien wird die Energiegewinnung konsequent auf eine neue, nämlich CO2-freie Technik umgestellt. Jede kWh, die durch Wind und Sonnnenergie erzeugt wurde, verdrängt somit SOFORT fossilen und atomaren Strom.

Durch Emissionshandl hingegen sollen die Betreiber von fossilen Energieanlagen gezwungen werden, die wirtschaftlich billigste Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu vermindern, zu nutzen. Der Emissionshandel ist ein marktwirtschaftliches Instrument, mit dem eine vereinbarte Verminderung der CO2-Emissionen jeweils dort vorgenommen werden soll, wo es wirtschaftlich am billigsten ist. Die Reduktionsquoten stellen keinen Zwang dar, eine grundlegend neue und CO2-freie Technik zu nutzen. Die Reduktionsquoten sind vielmehr so bemessen, dass sie durch neue fossile Anlagen mit einem besseren Wirkungsgrad, d.h. einem geringeren CO2-Ausstoß pro bereitgestellter Kilowattstunde erfüllt werden können. Das ist ein Kardinalfehler! Die derzeit billigste Methode zur Verminderung der CO2-Emissionen ist somit leider der Ersatz alter Kohlekraftwerke am Ende ihrer Laufzeit durch effizientere moderne Kohlekraftwerke.

Der große Nachteil des Emissionshandelsverfahrens liegt auf der Hand: Die neu erstellten fossilen Kraftwerke haben eine Lebensdauer von etwa 40 Jahren. Jedes dieser neuen Kraftwerke würde also die Beibehaltung der fossilen Technik auf 4 weitere Jahrzehnte zementieren. Dieser Zeitraum ist angesichts des galoppierenden Klimawandels viel zu lang.

In erheblich kürzerer Zeit könnte die Wirtschaft mit Anlagen der Erneuerbaren Energien längst auf einen CO2-Ausstoß gekommen sein, der gegen Null geht. In erheblich kürzerer Zeit als 40 Jahre könnten durch
Massennachfrage und Massenproduktion von Solaranlagen und Windrädern diese Techniken längst so billig geworden, dass weltweit niemand mehr wirtschaftliches Interesse am Bau von fossilen Kraftwerken haben wird.

Emissionshandel verzögert somit die Energiewende um vier Jahrzehnte.

Marktwirtschaft ist wegen ihrer Gegenwartspräferenz grundsätzlich nicht in der Lage, Zukunftssicherung zu garantieren!

Der grundlegende Gedankenfehler beim Emissionshandel liegt darin, dass ein Handelssystem auf intelligente Art und Weise zwar immer nach der billigsten Ersatz-Möglichkeit sucht und sie auch findet. Wir brauchen aber nicht die derzeit billigste Lösung mit einigen Prozenten weniger CO2, sondern wir brauchen eine möglichst schnelle CO2-freie Lösung.

In der Sprache des Ingenieurs ausgedrückt: Wir brauchen keine stetige "Verbesserung" unseres gegenwärtigen Energiebereitstellungssystems, sondern wir brauchen eine neue, eine andere, nämlich eine CO2-freie Bereitstellung von Energie, wie sie derzeit nur die Erneuerbaren Energien (mit Ausnahme der Biomasse) gewährleisten können. Diese neue Technik ist zunächst einmal teurer als die herkömmliche bereits lange etablierte Technik, die ihren Betreibern immense Gewinne beschert hat.

Hier ist Ordnungspolitik gefragt, keine Marktwirtschaft! Verfahren und Maßnahmen, die vorhersehbar zum Tode von Millionen (wahrscheinlich sogar von Milliarden) von Menschen führen werden, gehören verboten. Und wenn man sie nicht verbieten kann, dann muss zumindest Abhilfe durch ein staatlich verordnetes und staatlich energisch gestütztes neues Energiebereitstellungssystem erfolgen.

Die Einführung einer CO2-freien Technik kann im Wettbewerb gegenüber einer etablierten und lang erprobten Technik natürlich im Anfangsstadium nicht billiger sein, sonst hätte sich die neue Technik schon von alleine eingeführt.

Glücklicherweise erfolgt die Markteinführung der Erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erheblich schneller, als die Fachleute vorher angenommen hatten. Das EEG hat sich besonders bewährt.

Windenergie im Binnenland senkt bereits seit 2006 aufgrund des Merit-Order-Effekts den Spotmarktpreis an der Leipziger Strombörse. Hier machen sich schon die finanziellen Vorleistungen aus den
Markteinführungsjahren seit 1990 finanziell bezahlt ( http://www.sfv.de/artikel/2008/windenergie_an_land_senkt_den_strompreis.htm). Mit weiterem Ausbau der Windenergie an Land wird sich dieser Effekt noch verstärken.

Auf die hier angesprochene Problematik des Emissionshandels ist vom SFV schon mehrfach hingewiesen worden. Unter dem Anreiz des Emissionshandels plant die deutsche Energiewirtschaft den Bau von 17 neuen Kohlekraftwerken. Der schlichte klimapolitische Wahnsinn! Da der Emissionshandel einen Anreiz zum Bau neuer fossiler Kraftwerke darstellt, sollte er so rasch wie möglich abgeschafft werden.

Unterschriften gegen den Emissionshandel können Sie auf unserer Internetseite einsehen und sich selber ebenfalls dort eintragen lassen.



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