Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 21.12.2016, aktualisiert am 26.12.2016, Wolf von Fabeck sowie Karikatur von Gerhard Mester:

Stellungnahme zum Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung

Ein Dokument der Realistätsferne

Am 14. November 2016 veröffentlichte das Bundesministerium für Umwelt, Bau- und Reaktorsicherheit im Auftrag der Bundesregierung

unter http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/klimaschutzplan_2050_kurzf_bf.pdf
den

"Klimaschutzplan 2050 - Eine Zusammenfassung der klimaschutzpolitischen Grundsätze und Ziele der Bundesregierung"

Zum Ergebnis des Pariser Klimagipfels heißt es dort:

"Das im Dezember 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris beschlossene Übereinkommen, das am 4.11.2016 in Kraft getreten ist, ist das erste Klimaschutzabkommen, das alle Länder gemeinsam in die Pflicht nimmt. Mit ihm bekennt sich die Weltgemeinschaft völkerrechtlich verbindlich zu dem Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das Übereinkommen gibt allen Vertragsstaaten den klaren Auftrag, notwendigen Klimaschutz konsequent umzusetzen."

Dem ist voll zuzustimmen!

Bei den im Text folgenden nationalen Beschlüssen zu den "klimaschutzpolitischen Grundsätzen und Zielen" begnügt sich allerdings die Bundesregierung mit der Ankündigung sinnloser Maßnahmen, mit denen das angestrebte Ziel niemals erreicht werden kann, weil sie 13 Jahre zu spät kämen. Wörtlich verkündigt sie: "Gemäß dem Zwischenziel für 2030 müssen die gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands um mindestens 55 Prozent bis spätestens 2030 gegenüber 1990 gemindert werden."

Wieso eigentlich erst in 13 Jahren und warum nur zu 55%? Und wie steht die Bundesregierungen zu den dringenden Warnungen der Klimaforscher, wonach das Klima durch die massiven anthropogenen Treibhausgasemissionen bereits jetzt schon ins "Kippen" geraten ist?

Mit dem Wort "Kippen" ist gemeint, dass die destabilisierenden Kräfte das Übergewicht über die stabilisierenden Kräfte erlangen, etwa wenn ein Fahrzeug zu schnell durch eine Kurve fährt, oder wenn dauerhaft mehr Klimagase in die Atmosphäre emittiert werden, als auf natürlichem Weg wieder herausgeholt werden. Typisch für Kippvorgänge ist, dass nach Überschreiten eines gewissen "Kipppunktes" der weitere Ablauf des Kippens sehr schnell erfolgt, sich selbst beschleunigt und kaum noch aufzuhalten ist. Man spricht hier von einem sich selbst verstärkenden Vorgang, einer "positiven Rückkopplung". Und hinzu kommt, dass der ursprünglich Zustand ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen nicht wieder hergestellt werden kann. Das gekippte Fahrzeug kann nicht durch Einlegen des Rückwärtsganges wieder aufgerichtet werden.

Ein konkretes Beispiel: Es tauen bereits wegen der fortschreitenden Erwärmung der Permafrostböden in Sibirien und Kanda in einigen Regionen die dort eingefrorenen Sümpfe auf und geben das darin bisher festgehaltene Klimagas Methan frei, das dann aufsteigt. Dessen Zunahme in der Atmosphäre bewirkt eine noch schnellere Erwärmung der Erdoberfläche, die dann zum Auftauen weiterer Permafrost-Regionen führt usw.

Weitere 12 Beispiele erläutert das Umweltbundesamt unter https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3283.pdf

Wer glaubt, dies alles sei unbewiesene Theorie, dem sei gesagt, es handelt sich hier nicht nur um theoretische Überlegungen. Die NASA bestätigt diese Warnungen durch konkrete Temperaturmessungen: "Der Temperaturanstieg setzt sich nicht nur fort, er hat sich laut Halbjahresdaten sogar beschleunigt". http://www.shz.de/deutschland-welt/nasa-2016-bricht-bislang-alle-temperatur-rekorde-id14324941.html

Je mehr Kipppunkte überschritten werden, desto mehr Klimagase werden zusätzlich auch aus natürlichen Quellen ausströmen und desto schneller wird sich der Temperaturanstieg fortsetzen, selbst wenn die Menschheit in plötzlicher Erkenntnis der Gefahr ihre Klimagas-Emissionen völlig einstellen würde. Ob es dann überhaupt noch möglich sein wird, mit technischen Maßnahmen das weiterhin aus natürlichen Quellen zusätzlich ausströmende Methan und CO2 schneller aus der Atmosphäre zurückzuholen als es dorthin entweicht und es dann chemisch dauerhaft zu binden, ist durchaus fraglich.

Alarmierende Realität im Fall des Klimawandels ist: Nur noch ein rascher massiver weltweiter Ersatz der CO2- und radioaktivitäts-emittierenden Techniken durch die längst bekannten und erprobten Energietechniken wie Solar- und Windenergie und der dazugehörigen Energiespeicher kann das Klima stabilisieren.

Pflicht der Bundesregierung wäre es gewesen, die Forschungsergebnisse ihrer wissenschaftlichen Berater nutzend, bereits in Paris und dann in Marrakesch auf höchstes Tempo zu setzen und im Inland mit mutigen Maßnahmen voranzugehen.

Doch die Bundesregierung erwähnt den bedrohlichen Begriff "Kipppunkte" an keiner Stelle ihres Kurzberichts und nicht einmal in ihrem 134-seitigen vollständigen Klimaschutzbericht http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/klimaschutzbericht_2016_bf.pdf

Sie negiert entschlossen die entscheidenden Warnungen und Fachinformationen aus dem Bundesumweltamt und aus dem Potsdam-Institut für Klimafolgenabschätzung!

Wir sind entsetzt!

Verabschiedet sich doch gerade die Bundesregierung in das postfaktische Zeitalter!

Gerhard Mester zum Klimaschutzplan

Mester weiter so

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