Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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21.06.2007, Wolf von Fabeck:

Was tun, wenn die Sonne nicht scheint
und der Wind nicht weht?

Diese Frage gehört zu den häufigsten Fragen in der Diskussion um 100% Erneuerbare Energien und verlangt deshalb eine geduldige Antwort

Ein sonniger Frühlingstag, der Wind weht frisch. Alle Dächer, Fassaden und Lärmschutzwände sind mit Solarzellen versehen und abseits der Siedlungen und der Naturschutzgebiete drehen sich überall moderne Windräder. Solar- und Windstrom sind im Überfluss vorhanden - etwa zehnmal so viel wie aktuell verbraucht werden kann. Unsere heutigen starren Energiestrukturen sehen auch diesen Überschuss im Angebot als ein Problem an.

Doch es gibt eine intelligente Lösung, die sowohl mit Überschuss- als auch mit Mangelproblemen fertig werden kann, die Marktwirtschaft. Wenn eine Ware knapp wird, steigt der Preis, wenn sie im Überfluss vorhanden ist, sinkt der Preis, geht schließlich auf Null zurück. Die Ware wird verschenkt, und unter Umständen gibt es sogar noch eine Prämie für denjenigen, der sie abnimmt.
Was würden Sie denn machen, wenn es immer wieder mal Strom umsonst gibt, und wenn an anderen Tagen viel Geld für Strom bezahlt werden muss? Na klar, Sie würden sich einen Stromspeicher in den Keller stellen. Wenn Strom billig ist, würden Sie den Speicher füllen und wenn Strom teuer ist, würden Sie Strom aus Ihrem Speicher mit hohem Gewinn verkaufen.

Sagen Sie nicht, so etwas ginge nicht. So etwas hat es bereits 1949 im Jahr der Berliner Blockade gegeben. Da wurde in Westberlin der Ausgleich zwischen Stromüberschuss und Strommangel durch Bleiakkumulatoren durchgeführt, die der Energieversorger (die BEWAG) in großen Mengen an verschiedenen Stellen der Stadt aufgestellt hatte. (Nachtrag 30.08.07: Teile der Stadt wurden damals noch mit Gleichstrom versorgt. Nach Auskunft eines Mitarbeiters des Berliner Energie-Museums soll es sich um Akkumulatoren mit einer Leistung von 80 MW gehandelt haben.)
Heute gibt es effektivere Speicher als Bleibatterien.

Man kann das ganze Verfahren voll automatisieren. Dazu braucht man eine intelligente Steuerung. Die entscheidet aufgrund der im Internet abrufbaren öffentlichen Ertragsvorhersage und des jeweils geltenden Strompreises, ob Ihr Speicher aufgeladen werden soll oder ob Strom aus dem Speicher ins Netz abgegeben wird.

Und wenn Sie nicht selber einen Speicher betreiben wollen, dann beteiligen Sie sich finanziell an einer Großspeicher AG. Die Speichertechnik wird einen ungeahnten Aufschwung nehmen.
Die häufig gestellte Frage nach der Stromversorgung in den seltenen Tagen, an denen weder die Sonne scheint noch der Wind weht, beantworten wir also so:

Erstens gibt es dann eine Grundversorgung aus Wasserkraft, Geothermie und Biogas. Auch Solarzellen liefern - selbst an trüben Tagen - tagsüber einen kleinen Anteil. Zusätzlich können noch die Kraftwerke mit speicherbarer Biomasse eingesetzt werden. Schließlich wird aus Millionen dezentraler privater und öffentlicher Speicher Strom ins Netz eingespeist.

Um das erreichen zu können, brauchen wir allerdings eine Strukturänderung: Das System der starren Strompreise ist überholt. Der Strompreis muss bis auf die Verbraucherebene jederzeit von Angebot und Nachfrage bestimmt werden.

PS: Auch auf den Stromverbrauch wird sich die Preisregelung auswirken. An windigen Wintertagen, wenn Strom nahezu "verschenkt" wird, lohnt es sich sogar, den häuslichen Warmwasserspeicher elektrisch aufzuheizen. Oder an sonnigen Sommertagen zur Mittagszeit - wenn Photovoltaikstrom im Überfluss vorhanden sein wird, wird man die Tiefkühltruhe ganz bewusst auf die kältest zulässige Tieftemperatur herunterkühlen, um in den nächsten Stunden auf Strom zur Kühlung verzichten zu können. Und Elektroautofahrer, die nicht täglich fahren müssen, werden ihre Autobatterien bewusst an Tagen des Stromüberangebots aufladen.



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