Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 18.04.2016, aktualisiert am 15.07.2016, Wolf von Fabeck:

Wer hat schon Angst vor 2 Grad Celsius?

EEG 2017 - Warum erkennen Regierung und große Koalition nicht die drohende Klimagefahr?

Am 1.1.2017 soll das EEG 2016 (jetzt heißt es EEG 2017) in Kraft treten. Sein Hauptzweck ist die Verlangsamung der Energiewende durch Einführung von Ausschreibungen für Anlagen der Erneuerbaren Energien.

  • Kurzzeitig noch ausgenommen von der Ausschreibungspflicht sind PV Anlagen < 750 kW (aber nur noch bis insgesamt 52 GW installiert worden sind)
  • Ausgenommen von der Ausschreibungspflicht sind Kleinwindanlagen < 750 kW
  • Ausgenommen sind Biomasse-Anlagen < 150 kW

Daneben gibt es eine Fülle weiterer Schikanen, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll. Dieses Gesetz dient jedenfalls nicht der Energiewende, es blockiert sie. Die Bundesregierung und die große Koalition (schwarz-rot) stehen damit im klaren Widerspruch zu den Pariser Beschlüssen!

Die nächste Bundestagswahl wird auch darüber abstimmen müssen.

Allerdings, wenn wir eine Trendwende wollen, müssen wir, die Umwelt- und Klimaschutzorganisationen, noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Die Medien vermitteln nicht verständlich genug, welche Gefahren uns drohen. Die langsam ansteigende globale Jahresdurchschnittstemperatur ist offenbar ein psychologisch unzureichendes Alarmsignal. Es scheint so, als hätten wir noch viele Jahre Zeit, doch das ist ein tragischer Irrtum. Es sind die sich häufenden Ausreißer aus dem statistischen Mittel, die uns schon morgen treffen können!

Eine Nacht im Juni mit minus 2°C würde ganze Ernten vernichten. Ein paar Tage im Juli mit plus 43° C am Tag und plus 35° C in der Nacht würden zu Zehntausenden zusätzlicher Todesfälle führen. 2003 gab es in Westeuropa einen Temperaturausreißer, der nach Einschätzung der World Health Organization (WHO) etwa 70.000 zusätzliche Todesfälle verursachte. Die Ausreißer häufen sich inzwischen. 2010 ließ im westlichen Russland eine Hitzewelle die Temperaturen in vielen Städten über 40 °C , d.h. um 10 °C über das Mittel der bisherigen Sommertemperaturen ansteigen. In Queensland wurde 2014 eine Temperatur von 49,3 °C gemessen. Probieren Sie einmal aus, wie heiß sich Wasser von 49 °C anfühlt. Für die Todesfälle sind übrigens weniger die hohen Tageswerte verantwortlich als die Tatsache, dass es nachts nicht mehr richtig abkühlt. Die erhitzten Wohnungen können dann nicht mehr durch Querlüften gekühlt werden; eine Katastrophe für Menschen, die sich keine Klimaanlage leisten können.

Die plötzlichen Extremtemperaturen - die statistischen Ausreißer - können uns genau so plötzlich und ohne Vorwarnung treffen wie der GAU eines Atomkraftwerks.


Die größte Gefahr im Klimawandel liegt bekanntlich darin, dass die Temperaturerhöhungen Effekte auslösen, die ihrerseits zu weiteren Temperaturerhöhungen führen. Diese Selbstverstärkung kann schließlich dazu führen, dass das Klima von alleine weiter „kippt“, selbst dann, wenn überhaupt keine fossilen Energieträger mehr genutzt würden. Beispiele für solche<i> „Kipppunkte"</i> sind viel zu wenig bekannt:

  • Die weißglänzende Eisschicht über dem Polarmeer hat bis vor wenigen Jahren die Strahlen der Sommersonne in den Weltraum zurückgespiegelt und damit eine Erwärmung des Polarmeeres verlangsamt. Bei immer weiter abnehmender Eisdecke werden die Sonnenstrahlen jedoch nicht mehr zurückgeworfen, sondern erwärmen das Meerwasser (die "Albedo", das Rückstrahlvermögen nimmt ab).
  • Die Erwärmung der Ozeane vermindert ihre Fähigkeit zur CO2-Aufnahme und Entlastung der Atmosphäre. Damit steigt der CO2-Gehalt der Atmosphäre schneller an und damit die Erwärmung der Erdoberfläche.
  • Die Erwärmung führt zum Austrocknen ganzer Wälder und Steppenlandschaften, die dann leicht in Brand geraten, wodurch der CO2-Ausstoß und damit die Erderwärmung zunehmen. Dies geschieht inzwischen weltweit, z.B. in Westrussland im Hitzesommer 2010 und bereits mehrfach in Kalifornien oder Mittelmeerraum ebenso wie in Australien, oder zuletzt im kanadischen Alberta. Es geht auch nicht nur um die leichtere Spontanentflammung z.B. durch Blitzschlag, sondern auch darum, dass im Falle von Brandstiftung oder Brandrodung Waldfeuer viel leichter außer Kontrolle geraten und viel größere Flächen vernichtet werden.
  • Vermehrte Waldbrände vermindern die Menge des grünen Laubes, die eigentlich durch Photosynthese CO2 aus der Atmosphäre zurückholen und zu Biomasse verwandeln sollen.
  • Beim Auftauen des Permafrostbodens in Sibirien blubbern die bisher unter einer Eisschicht festgehaltenen Klimagase (Methan) hoch und steigen in die Atmosphäre auf, wodurch die Globaltemperatur weiter zunimmt.

Wegen all dieser Effekte muss rasch gehandelt werden, weil es sonst zu spät ist.

Panikmache? Genau das Gegenteil ist richtig. Nur wer eine Gefahr kennt, kann ihr entschlossen entgegentreten. Es gibt einen Ausweg: Schnellstmögliche Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien und Speicher!

Abschließend ein Appell an unsere Leser: Beteiligen Sie sich an der dringenden Aufgabe, die Warnungen der Klimawissenschaft in der Öffentlichkeit anschaulicher darzustellen. Besonders gut gelungene Beiträge werden wir gerne veröffentlichen.



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