Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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14.07.2006, Susanne Jung :

Mit Fehlinformationen gegen Solarstrom

Finanzieren die deutschen Stromzahler über das Erneuerbare-Energien-Gesetz Arbeitsplätze im Ausland?

Kommentar zum Artikel "Auf der Sonnenseite der Bilanz", Tagesspiegel vom 21.05.06

Nicht wenige Leser werden nach der Lektüre des Artikels "Auf der Sonnenseite der Bilanz" von Anselm Waldermann geglaubt haben, einer weiteren großen Ungerechtigkeit auf der Spur zu sein. Im Wirtschaftsteil des Berliner Tagesspiegels vom 21.05.06 beklagte der Autor nämlich, dass die Nutznießer der "üppigen deutschen Solarstrom-Förderung" Firmen in Japan und China seien. Angesichts der massiven Arbeitslosigkeit könne es einfach nur schwer hinnehmbar sein, wenn deutsche Förderprogramme als Jobmotor im Ausland wirkten.

Nicht einmal die Hälfte der im letzten Jahr ans Netz gegangenen Solarmodule seien nach "aktuellen Produktionszahlen", so Waldermann, in deutschen Fabriken hergestellt worden. Im Ausland seien damit mindestens 10.000 neue Jobs entstanden - auf Kosten der deutschen Stromkunden, die über den Strompreis die Förderung der Erneuerbaren Energien finanzieren würden. Schuld - wie sollte es anders sein - seien die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegten Einspeisevergütungen.


Argumentation auf Grundlage unexakter Daten

Waldermann stützt seine Argumentation auf 870 Megawatt Solaranlagen, die angeblich im vergangenen Jahr nach dem Ergebnis einer Umfrage bei den Netzbetreibern in Deutschland ans Netz gegangen seien. Da inländische Hersteller nur 348 Megawatt produziert hätten, müsse die Differenz (870 - 348 = 522 Megawatt) aus dem Ausland stammen, folgerte Waldermann. Doch die von ihm angenommene installierte Leistung von 870 Megawatt scheint erheblich zu hoch gegriffen. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft und nach Angaben des Bundesministers für Umwelt sind im Jahr 2005 nur etwa 600 Megawatt installiert worden. Daraus ergäbe sich dann, dass nur 600 - 348 = 252 Megawatt (nicht etwa 522) aus dem Ausland stammen.


Arbeitsplätze bei Herstellung der Wechselrichter und der Installation vergessen

Doch schlimmer als diese grobe Ungenauigkeit ist die Tatsache, dass der Autor nur die Herstellung der Solarmodule im Auge hat. Die wesentlichen Arbeitsplätze der Solarbranche liegen aber nicht in den großen, weitgehend automatisierten Solarfabriken. Ohne die Arbeit zahlreicher deutscher Planungsbüros, deutscher Solarinstallateure, deutscher Hersteller von Wechselrichtern und anderer Solarkomponenten u.s.w. wäre hier kein einziges Solarmodul an das Stromnetz angeschlossen worden. Sollte der Autor diese Arbeitsplätze schlicht vergessen haben?

Nach bisher veröffentlichten Zwischenergebnissen der BMU-Studie "Wirkung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien auf den deutschen Arbeitsmarkt unter besonderer Berücksichtigung des Außenhandels" wurden in Deutschland im Jahr 2004 für die gesamte Erneuerbare-Energien-Branche 157.000 Arbeitsplätze (Solarwirtschaft 25.000 Beschäftigte) gemeldet. Im Jahr 2005 stieg diese Zahl nochmals um 13.000 auf 170.000 Arbeitsplätze.


Angriff auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Der Angriff im Tagesspiegel gegen die Solarstromförderung erklärt sich aus der Tatsache, dass im kommenden Jahr das Erneuerbare-Energien-Gesetz überarbeitet werden soll. Die Gegner der Erneuerbaren Energien machen mobil und streuen ihre Argumente ohne Rücksicht auf Stichhaltigkeit. Bezeichnend ist auch, dass Wolfgang Pfaffenberger, der sich 2003 durch ein handwerklich fragwürdiges Gutachten gegen die Erneuerbaren hervorgetan hat, als "Experte" benannt wird. Pfaffenberger hatte die von ihm geschätzten zukünftigen Kosten der Erneuerbaren Energien mit den von ihm geschätzten zukünftigen Kosten der konventionellen Energien verglichen. Er kam zu dem Schluss, dass die Bürger zukünftig mehr für die Erneuerbaren Energien bezahlen müssten und deshalb weniger Geld für andere Einkäufe übrig haben. Darunter würde die Konjunktur an anderer Stelle so stark leiden, dass die Zahl der Arbeitsplätze insgesamt sogar abnehmen würde. Die externen Kosten der konventionellen Energien, ihre Erschöpflichkeit und positive strukturelle Veränderungen beim Umstieg auf die Erneuerbaren hatte er dabei nicht berücksichtigt (Solarbrief 2/04 und unter http://www.sfv.de/lokal/mails/wvf/pfaffenb.htm).

Weitere Fakten übersehen

1. Der Verfasser des Tagesspiegel-Artikels stellte - wenn es um Solarenergie geht - die Legitimität von Importgeschäften in Frage. Wenn der Import von Solarmodulen abgelehnt wird, müsste man im gleichen Atemzug umgekehrt auch Exportgeschäfte deutscher Unternehmen an den Pranger stellen, was natürlich ebensolcher Unfug wäre. Konkurrenz "belebt das Geschäft" und muss als wesentliches Instrument der Qualitäts- und Preisentwicklung von Produkten anerkannt werden.

2. Waldermann stellt die These auf, dass asiatische Unternehmen vorrangig in Deutschland verkaufen würden, da es weltweit keinen einzigen Absatzmarkt gäbe, der so viele Solarzellen aufnimmt. Er übersieht, dass sich dieses Blatt in den nächsten Jahre massiv wenden wird:

  • In Kalifornien sollen bis 2017 eine Million Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 3000 Megawatt auf Dächern von privaten und öffentlichen Gebäuden installiert werden.
  • In Spanien wird die solare Baupflicht von Solaranlagen für Neubauten und renovierte Gebäude eingeführt. Ungeahnte Absatzmärkte werden sich entwickeln.
  • In China, Korea, Kroatien, Italien wurden Gesetze zur Förderung von Solarstrom in Anlehnung an das deutsche EEG beschlossen. Es ist abzusehen, dass auch hier in Kürze große Absatzmärkte für Solarzellen entstehen werden.

3. (Nicht) zuletzt sei darauf hingewiesen, dass sich das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) als weltweit fortschrittlichstes Markteinführungsprogramm etabliert hat. Es belegt eindrucksvoll, dass Investitionen in den Klimaschutz - entgegen der Herangehensweise im internationalen Emissionshandel - keineswegs als eine Last verstanden werden kann. Das EEG ist Wegbereiter für intensive Forschungstätigkeiten und milliardenschwere Investitionen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Nach Abschluss der Markteinführung kann auf diese Weise der marktwirtschaftliche "Kampf" mit fossilen Energieträgern ausgetragen werden. Wir zweifeln nicht daran, wer der Gewinner sein wird.



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