Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: 10.11.05

Mit Kompromissen gegen Hurrikane?

Wie entstehen Hurrikane? Was können Umweltverbände gegen Hurrikane tun?

von Wolf von Fabeck
Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein Deutschland

Kennen Sie den Unterschied zwischen Hurrikan, Taifun, Zyklon und Tornado? Hat ein Tornado ein "Auge"? Explodieren Häuser aufgrund der Druckunterschiede, wenn ein Tornado über sie hinwegzieht? Sind wir in Deutschland sicher? Mit solchen und ähnlichen Fragen werden wir uns in Zukunft häufiger befassen müssen.

Zunächst einmal eine Klärung der Begriffe: Hurrikane, Taifune und Zyklone gehören zu den tropischen Wirbelstürmen. In Amerika werden sie "Hurricans" und in Asien werden sie "Taifun" oder "Zyklon" genannt. Sie entstehen über dem Meer. Tornados hingegen können auch über dem Land und in unseren Breitengraden entstehen.

Tornados, Wind- und Wasserhosen

"Tornados" sind erkennbar an dem spektakulären "Wolkenrüssel", der sich bis zur Erde erstreckt. Sie können auf ihrem Weg über das Land begrenzte - mehrere hundert Meter breite - Schneisen der Verwüstung schlagen. Die Tornados entstehen an Gewitterfronten, auch an Land. Sie sind besonders häufig in Texas, aber sie können auch in Europa auftreten. Bei uns werden sie auch "Wind-" oder "Wasserhosen" genannt.
Die Tornados sind mehrere Größenordnungen kleiner und auch kurzlebiger als ein tropischer Wirbelsturm. Die Antriebsenergie der Tornados stammt aus den Temperaturunterschieden einer labilen Luftschichtung (oben kalt - unten warm). Infolge der Zentrifugalkraft der rotierenden Luftmassen entsteht im Inneren der Tornados ein Unterdruck, der die Luftfeuchtigkeit zum Kondensieren, d.h. zur Nebel- bzw. Wolkenbildung bringt. Im Inneren eines Tornados kann man also keinesfalls ein Loch in den Wolken (ein "Auge") sehen. Der infolge des Nebels sichtbar werdende Teil des Tornados (der Wolkenrüssel) ist nur der innerste Teil. Die weiter außen rotierenden Luftmassen, in denen das Wasser noch nicht kondensiert, bleiben unsichtbar.
Der im Inneren eines Tornados herrschende Unterdruck soll angeblich Häuser, über die der Tornado hinwegzieht, zum Explodieren bringen, weil die in ihnen befindliche Luft nicht schnell genug aus Fenstern und Türen entweichen kann. Doch dieser Effekt, falls er überhaupt auftritt, ist völlig nachrangig gegenüber dem gewaltigen Staudruck, mit dem die andrängenden Luftmassen das Gebäude schon vorher niederreißen. In Tornados können immerhin Luftgeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern auftreten, und das bedeutet eine unglaubliche Zerstörungskraft; der Staudruck nimmt mit der zweiten Potenz der Windgeschwindigkeit zu.

Tropische Wirbelstürme

Die ungleich größeren, landesweiten Verwüstungen, die von tropischen Wirbelstürmen verursacht werden können, sind nach dem Wirbelstürmen Katrina, Stan und Wilma besonders in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit geraten. Den Antriebsmotor solcher Wirbelstürme kann man sich wie folgt erklären: Wassermoleküle (H2O) haben ein geringeres Molekülgewicht als Moleküle von Stickstoff (N2) oder Sauerstoff (O2), aus denen die Atmosphäre im wesentlichen besteht. Verdunstetes Wasser (Wasserdampf) mischt sich mit Luft und dieses spezifisch leichtere Gemisch steigt in der Atmosphäre so lange nach oben, bis es kondensiert und Wolken oder Regen bildet. Aber erst über 26 Grad Celsius Meeresoberflächentemperatur reicht die Energie der verdunstenden Wassermenge aus, einen tropischen Wirbelsturm entstehen zu lassen:
Unter dem aufsteigenden Wasserdampf-Luftgemisch ist der Druck geringer (Tiefdruckgebiet). Luftmassen strömen deshalb von allen Seiten ins Zentrum, nehmen dabei auf ihrem Weg über das Meer weiteren Wasserdampf auf und werden schließlich vom aufsteigenden Wasserdampf nach oben mitgerissen.
Die Rotation des entstehenden tropischen Wirbelsturms wird durch die Erdrotation verursacht. Die von der Seite heranströmenden Luftmassen bringen den Drehimpuls der Erddrehung mit. Da die Massen zusammenströmen, kommt es wie bei einer Pirouetten-Tänzerin, die die Arme anzieht, zu höheren Winkelgeschwindigkeiten. Deshalb drehen sich die tropischen Wirbelstürme - (wie alle Tiefdruckgebiete) - im gleichen Drehsinn wie die Erde selber, nur mit höherer Winkelgeschwindigkeit (auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn von oben gesehen). In gößerer Nähe zum Äquator können solche Wirbelstürme nicht in Rotation geraten, da die heranströmenden Luftmassen keine relevante Drehimpulskomponente mitbringen.
Ein tropischer Wirbelsturm erstreckt sich über ein so weites Gebiet, dass er nur aus dem Weltraum zur Gänze überblickt werden kann. In seiner Mitte befindet sich das "Auge", eine wolkenfreie und fast windstille Region. Um das Auge herum tobt der Sturm mit mehreren hundert Stundenkilometern Windgeschwindigkeit, schiebt riesige Wassermassen vor sich her und richtet gewaltige Zersörungen an, wenn er auf das Festland trifft.

Die tropischen Wirbelstürme brauchen also zur Entstehung

  • einen ausreichenden Abstand (etwa 500 km) zum Äquator,
  • eine ausreichend große Meeresfläche, auf der sie Energie "tanken" können,
  • eine Oberflächentemperatur des Wassers von mehr als 26 Grad Celsius.
Weitere Informationen zu Hurrikans finden Sie bei http://de.wikipedia.org/wiki/Hurrikan#Entstehungsweise_und_Lebenszyklus

Was haben Hurrikane mit der Klimakatastrophe zu tun?

Bekanntlich steigen aufgrund der Treibhausgasemissionen die Temperaturen und auch die Wassertemperaturen weltweit an. Bei höheren Meerestemperaturen können die tropischen Wirbelstürme noch höhere Zerstörungskräfte entfalten, weil die Wassertemperatur der Meeresoberfläche die Energie für den Wirbelsturm liefert. Wenn die Menschheit also Katastrophen noch schlimmerer Art als bei Katrina, Stan und Wilma nicht geradezu heraufbeschwören will, muss sie die weitere Erwärmung der Meeresoberfläche verhindern.

Die Gefahr rückt näher

Nach Aussage von Prof. Schönwiese (Uni Frankfurt) hat sich 2005 der erste Tropische Wirbelsturm in der Geschichte der Meteorologie vor der Küste Portugals gebildet, ist aber glücklicherweise nicht bis zum europäischen Festland gekommen.

Wie werden Politiker über die Handlungsnotwendigkeiten informiert?

Die Politik müsste also handeln, sofort und energisch. Doch was geschieht tatsächlich? Wie werden die Handlungsnotwendigkeiten den Politikern übermittelt? Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) forderte eine Reduktion der CO2-Emissionen um 80% in den nächsten 50 Jahren und erweckte so den falschen Eindruck, dass dies eine ausreichende Maßnahme sei, obwohl doch jede weitere Erwärmung der Meeresoberfläche die Zerstörungen noch verschlimmern würde. Die genannte Forderung ist also bereits ein Kompromiss zwischen dem naturwissenschaftlich Erforderlichem und der politischen Trägheit.

Und was machen Politiker aus dieser unzureichenden Forderung? Politiker sind gewöhnt, in Verhandlungen mit ihren Gegnern Kompromisse auszuhandeln. Dementsprechend sieht das Kyoto-Protokoll noch weniger stringente Maßnahmen vor: Die Industriestaaten sollen den Ausstoß von CO2, Methan, N2O und drei weiteren industriellen Treibhausgasen bis zur Verpflichtungsperiode 2008 – 2012 um durchschnittlich 5,2 % gegenüber 1990 verringern. Entwicklungsländer werden von diesen Verpflichtungen ausgenommen.

Wo bleiben die Umweltverbände?

Die Natur lässt sich natürlich nicht auf Kompromisse ein. Es ist deshalb sinnlos, wenn Umweltverbände sich die unzureichenden Kyoto-Forderungen zu Eigen machen. Auch die deutschen Verpflichtungen für den Emissionshandel reichen keineswegs aus. Politiker aber werden durch das Beharren der Umweltverbände auf diesen unzureichenden Forderungen zu dem Glauben verleitet, sie brauchten nicht mehr zu tun.

Umweltverbände müssen deshalb ohne Einschränkung ungekürzt das fordern, was notwendig ist, ihre Forderung allgemeinverständlich begründen und jedes Zurückbleiben der Politik gegenüber diesen Notwendigkeiten nachhaltig anprangern.

Notwendig ist:

  • Ein Verbot des Neubaus fossiler Kraftwerke
  • Der vollständige und schnellstmögliche Umstieg auf Erneuerbare Energien.

 


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