Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Nachtrag vom 16.03.2016 - Der SFV lehnt die Energetische Nutzung von Biomasse ab

 

Nachtrag vom 16.03.2016 - Der SFV lehnt die Energetische Nutzung von Biomasse ab

 

 
 
Datum der letzten Überarbeitung: 14.10.05

Mein Pflanzenölauto


Diverse Berichte und Anmerkungen von Wolf von Fabeck, Geschäftsführer im Solarenergie-Förderverein Deutschland

Oktober 2002 - Der erste Bericht

Liebe Umweltfreunde,
meine Begeisterung will ich gerne mit Ihnen teilen: Ich habe jetzt ein Auto, das mit reinem Pflanzenöl fährt!

Nein, nicht mit Biodiesel, der durch chemische Behandlung aus Pflanzenöl entsteht und der ungenießbar ist! Nein...

Mein roter Golf 2 - Erstzulassung 15.05.92 - fährt seit Juli mit reinem, kaltgepressten Pflanzenöl, wie es jeder Landwirt von seinem Acker ernten und - wenn er eine Presse besitzt, selber pressen kann.

Da Pflanzenöl zähflüssiger ist als Diesel, musste der Wagen umgerüstet werden. Dies geschah bei der Firma Unicar in Aachen nach den Vorgaben der Firma Elsbett. Im wesentlichen wurden dickere Kraftstoffleitungen eingebaut und eine Vorrichtung, mit der das Öl vor der Einspritzpumpe auf 60 Grad erwärmt wird, damit es dünnflüssiger wird.

Aus dem Auspuff stinkt es nicht mehr nach Diesel, sondern es riecht dezent und ganz schwach nach leckeren Pommes-Frites, genauer gesagt, nach erhitztem Speiseöl.

Übrigens muss es nicht Rapsöl aus Monokulturen sein. Biologischer Anbau von Ölpflanzen ist durchaus möglich. Leindotter (eine andere Ölpflanze, aus der besonders hochwertiges Öl gewonnen wird) kann mit Gerste, Weizen oder Hülsenfrüchten gemeinsam ausgesät und geerntet werden. Der Unkrautbefall nimmt dabei ab. Teilweise steigt(!) dabei sogar noch der Ertrag, z.B. bei Hülsenfrüchten. Deshalb vermindert diese Art des Ölpflanzenanbaus die Flächen nicht, welche zum Nahrungsmittelanbau zur Verfügung stehen.

Die ersten 5000 km liegen jetzt hinter meinem umgerüsteten Golf. Der Verbrauch betrug bei drei Insassen mit Urlaubsgepäck 5,5 Liter pro 100 km.
Eine Änderung der Fahrleistung ist mir nicht aufgefallen.

In Norddeutschland haben wir einmal, als wir keine Tankstelle mit reinem Pflanzenöl finden konnten, bei Aldi 4 Kästen mit feinem Speiseöl zu 69 Cent pro Liter gekauft. Das gab einiges Aufsehen. Die Verkäuferin an der Kasse wollte uns das Öl nicht aushändigen, weil wir - wie sie argwöhnte - eine Steuerhinterziehung planten. Erst der Hinweis auf das kürzlich in Kraft getretene Gesetz zur Befreiung aller Biokraftstoffe von der Mineralölsteuer konnte sie beruhigen.

Wir hätten auch an einer "normalen" Tankstelle "normalen" Diesel tanken können, denn das Auto ist weiterhin auch dieseltauglich. Aber Diesel wollten wir nicht!

Für uns ist "normaler" Diesel jetzt nicht mehr normal.

Verbrennen von Diesel erhöht den CO2-Gehalt der Atmosphäre und vergrößert die Klimagefahren. Verbrennen von Pflanzenöl erzeugt zwar auch CO2, doch die gleiche Menge von CO2 wurde vorher durch das Wachsen der Ölpflanze der Atmosphäre entzogen. Unser Auto fährt deshalb CO2-neutral.

Und unser Fahrgeld kommt jetzt nicht mehr den Ölscheichs zugute, sondern geht in die heimische Landwirtschaft.

Die Zeit des Erdöls geht zu Ende!


Antworten auf häufig gestellte Fragen

Kurzer Rückblick im Herbst 2005

Mein Golf 2 wurde am 15.05.1992 erstmals zugelassen und am 22.07.02 bei km-Stand 148993 auf Pflanzenöl (Ein-Tank-System) umgerüstet. Danach ist der Wagen nur noch ein einziges Mal mit Diesel betankt worden (weil spät abends in Hannover kein Pflanzenöl mehr erhältlich war). Heute, am 16.10.05, ist der Kilometerstand 175085 km.
Meine Frau und ich sind in den vergangenen drei Jahren also etwa 25 000 km Auto gefahren. Die täglichen 8 km zum Büro mache ich regelmäßig mit dem Fahrrad - auch im Winter, aber es gibt doch auch Strecken mit schlechter Busanbindung, bei der wir auf ein Auto nur ungern verzichten würden. Langstrecken fahren wir fast ausschließlich mit der Bahn.

Der Wagen wurde vorwiegend für Kurzstrecken (Streckenlänge um die 10 km) im Vorortverkehr eingesetzt. Auch im Winter und ohne jede Beimischung von Diesel springt der Motor sehr gut an, vorausgesetzt, die Batterie ist in Ordnung. In den ersten beiden Wintern gab es allerdings Probleme mit der Batterie, weil noch mehrere Minuten nach dem Start der eingebaute Wärmetauscher und die Glühkerzen Strom verbrauchen, um das kalte Pflanzenöl durch Erwärmung dünnflüssiger zu machen. Später übernimmt dann das erwärmte Kühlerwasser diese Aufgabe. Die kurzen Fahrtstrecken reichten dann aber nicht mehr aus, die Batterie wieder aufzuladen, so dass sie nach dem halben Winter ausgewechselt bzw. nachgeladen werden musste. Deshalb habe ich schließlich eine stärkere Lichtmaschine einbauen lassen. Im Winter verwende ich Leindotteröl, weil dies auch noch bei tieferen Temperaturen flüssig bleibt. Leindotteröl ist derzeit noch nicht so gut erhältlich wie das üblicherweise verwendete Rapsöl. Im Winter 2005 habe ich deshalb alte Leindotterölvorräte der Ernte 2003 aufgebraucht, ohne dass es Probleme wegen der langen Lagerzeit gegeben hätte.

Unterschied zwischen Pflanzenöl und Biodiesel

Pflanzenöl und Biodiesel werden häufig verwechselt.

Beide sind für den Antrieb von Dieselfahrzeugen geeignet. Bei beiden muss das Fahrzeug aber umgerüstet werden.

Bei Pflanzenöl besteht die Umrüstung in einer Anpassung des Motors an die höhere Zähigkeit des Pfanzenöls

Bei Biodiesel besteht die Umrüstung in einer Anpassung der Kraftstoffleitungen und -dichtungen an die weichmachende und auflösende chemische Wirkung des Biodiesels. Viele Neufahrzeuge sind inzwischen bereits so ausgestattet.

Sowohl Fahrzeuge, die auf Pflanzenöl umgerüstet wurden, als auch Fahrzeuge, die auf Biodiesel umgerüstet wurden, lassen sich weiterhin mit konventionellen Diesel fahren, wenn man das dann noch möchte.

Aber ein Pflanzenölauto darf nicht mit Biodiesel fahren.

Und ein Biodieselauto kann nicht mit Pflanzenöl fahren.

Der große Vorteil des Pflanzenöls gegenüber allen anderen Treibstoffen liegt in seiner einfacheren Herstellung, seiner Speicherfähigkeit und Transportfähigkeit ohne jede Sicherheitsbestimmung und in seinem billigeren Preis

Pflanzenöl kostet etwa 70 Cent/Liter
Biodiesel kostet etwa 90 Cent/Liter
Diesel kostet mehr als 100 Cent/Liter und wird immer teurer.

In der Garage habe ich mehrere Reservekaniste mit je 20 Liter Pflanzenöl stehen, einfache Gebinde aus Kunststoff mit Schraubverschluss. Die Kanister bekam ich sogar geschenkt (sie enthielten vorher Motorenöl). 25 Liter-Kanister für Reinigungsflüssigkeit von Autowaschanlagen sind noch besser geeignet. In beiden Fällen empfiehlt sich eine gründliche Reinigung. Mit dem Tankinhalt und 4 dieser Kanister komme ich mit meinem umgerüsteten Golf fast 2000 km weit. Und wenn ich nicht fahre, kann ich den Inhalt auch jahrelang aufbewahren. Vergleichen Sie das mal mit dem Aufwand bei einem Wasserstoff-Auto.

Andere Kraftstoffe?

Auch für den Startvorgang benutze ich reines Pflanzenöl. Siehe auch das Kapitel Winterbetrieb

Vor Frittierfett wird gewarnt, weil es zu viele Fremdstoffe enthält, z.B. Salz und Eiweiß. Das verstopft leicht den Filter oder die Düsen.

Im "Notfall" kann man weiterhin mit Diesel fahren, aber NICHT mit Biodiesel.

Ich selber nehme im "Notfall" lieber "Feines Speiseöl" von Aldi. Auch das ist noch deutlich billiger als Diesel. Außerdem erregt man werbewirksames Aufsehen, wenn man gleich drei Paletten mit Speiseöl kauft und die Flaschen auf dem Parkplatz einzeln in den Tank kippt.

Pflanzentreibstoffe sind seit 2002 von der Mineralölsteuer befreit (übrigens in dem gleichen Gesetz, welches den 350 MW-Deckel für die PV auf 1000 MW angehoben hat).

Abgasfragen

Die Zahl der Rußpartikel bei Pflanzenölbetrieb soll sich nach Auskunft von Unicar gegenüber dem Dieselbetrieb etwa halbieren.

Auch das giftige Kohlenmonoxid nimmt auf die Hälfte ab.

Für den menschlichen "Genuss" sind die Abgase also viel "gesünder".

SO2 fällt ganz weg.

NOx ist etwas höher.

Die CO2-Neutralität ist bekannt: Wer Pflanzenöl benutzt, führt dem Kohlenstoff-Kreislauf keinen weiteren Kohlenstoff bzw. Kohlendioxid zu.

Winterbetrieb

Im Winter soll es Anlassprobleme geben, wenn das Öl zählflüssig wird.
Ich habe bisher nur Erfahrungen bis -11°C Wageninnentemperatur nach einer langen Nacht mit -12°C, in der mein Auto im Freien stand. Da dauerte der Startvorgang dann etwas länger wegen Verlängerung der Vorglühzeit auf etwa 20 Sekunden. Das ist nur etwas für gesunde Batterien. Meine (drei Jahre alt) musste ich vor einiger Zeit durch eine Neue ersetzen. Dieselkraftstoff habe ich nicht beigemischt; stattdessen einen hohen Anteil Leindotteröl.

Eine Grenze ergibt sich, wenn das Öl im Tank und in der Kraftstoffleitung gefriert. Dabei bilden sich keine Eisschollen oben, wie beim Wasser, sondern die Erstarrung setzt unten ein (dort wo das Öl aus dem Tank herausfließen soll. Es kann dann nicht mehr durch die Treibstoffpumpe zum Motor gebracht werden.

Da gibt es drei Abhilfsmöglichkeiten:
- Beimischen von Diesel (kommt für mich nicht in Frage!!)
- Parken in einer beheizten Garage (die ist bei mir nicht beheizt, und außerdem stehen die Fahrräder und Reservekanister mit Leindotteröl darin)
- Verwendung von Öl aus Leindotter (schwer zu erhalten).

Leindotteröl soll erst bei -18 Grad Celsius fest werden, (Rapsöl dagegen schon bei -8 Grad. Berichtigung: am 8.1.03 fand ich eine Flasche Rapsöl, die die ganze Nacht bei -11 Grad im Wagen gelegen hatte, noch flüssig vor.) Vorsichtshalber tanke ich jetzt aber nur noch Leindotteröl. Ich werde weiter darüber berichten.

Unterschiedliche Umbautechniken

  1. Kompromisslosen Umbau nach Elsbett (kein zusätzlicher Tank für mineralischen Diesel)
  2. Ein Tank für Pflanzenöl ; Zusätzlicher Tank mit mineralischem Diesel für den Start oder im kalten Winter

Ich habe mich für den erstgenannten Umbau entschieden. Die Umrüstung geschah nach einer Lizenz von Elsbett. Elsbett ist ein Erfinder und betreibt eine gleichnamige Firma in Thalmässig.

Dort würde ich auch nach Firmen fragen, die einen Umbau in Lizenz vornehmen.

Umbaukosten

Die Umbaukosten richten sich nach dem Typ des Fahrzeuges. Sie liegen bei Unicar in Aachen zwischen 2000 und 4000 EUR.

Ein Motor mit Direkteinspritzung (tdi) ist deutlich aufwändiger in der Umrüstung als ein Vorkammermotor. Unicar-Preisliste

Ich hatte Glück. Bei meinem Auto lagen die Kosten etwas über 2000 EUR.

Nach etwa 100.000 km hat man die Kosten durch den billigeren Treibstoff wieder heraus. Falls der Dieselpreis (wg Irak und so) weiter steigt, geht es auch schneller.

Mein Auto hatte 150.000 km drauf, war aber noch sehr gut erhalten. Unicar hatte vorher gründlich geprüft, ob sich ein Umbau noch lohnt.

Firma Unicar warnt davor, Dieselfahrzeuge umzurüsten, die vorher bereits mit Biodiesel betrieben wurden, weil dieser die Dichtungen weich mache. Es sei dann zweifelhaft, ob die Dichtungen in der Einspritzpumpe noch den verstärkten Drücken beim sehr viel viskoseren (zäheren) reinen Pflanzenöl standhalten.

Wartung:

Ob die Wartung des Fahrzeuges wie bisher beim bisherigen Händler vorgenommen werden kann, weiß ich nicht. Ich gehe jetzt in allen Fragen zu Unicar. Insbesondere wegen Motorsachen würde ich immer zum Umrüster gehen.

Tankstellen

Bisher tankte ich bei der Firma Unicar, die auch das Auto umrüstete, Rapsöl zum Preis von 62 Cent/Liter.
Jetzt allerdings - zumindest in der kalten Jahreszeit - hole ich mir das kälteresistentere Leindotteröl direkt bei einem Landwirt in der Essener Gegend. Da er nur wenig ü:ber hat, gebe ich seine Anschrift hier nicht weiter.
Unicar befindet sich in der Liebigstraße 24 in 52070 Aachen. Die Telefonnummer ist 0241-9609860, die E-Mail-Anschrift unicar-@t-online.de

Es gibt im Internet Übersichten zu Pflanzenöl-Tankstellen. Z.B.
Biotankstellen
Fahren mit Salatöl

Auch wenn man die Anschrift einer Pflanzenöl-Tankstelle kennt, ist das Tanken doch meist recht zeitaufwändig, denn die meisten dieser Pflanzenöltankstellen liegen abseits der großen Verkehrswege und sind nicht rund um die Uhr besetzt. Ich habe mir deshalb für Langstreckenfahrten vier gebrauchte 20 Liter-Schmierölkanister (umsonst) besorgt und diese nach Reinigung innen und außen zu Reservekanistern ernannt. Da tanke ich nur einmal in der bekannten Pflanzenöltankstelle in Wohnungsnähe und komme zu jedem Ort in Deutschland hin und zurück. Die Lagerung von Pflanzenöl in der Garage oder gar in der Wohnung ist (anders als bei Diesel oder Benzin) unproblematisch, da Pflanzenöl ungiftig und schwer entzündlich ist.

Werbepsychologie oder Fachchinesisch

Manchmal hört man die Bezeichnung "PÖl" für Pflanzenöl. Diese Bezeichnung klingt leider fast wie ein Schimpfwort (Assoziationen: "Popel", "Pöbel").

Wer beide Stoffe nicht kennt, würde sich eher für das Produkt "Biodiesel" als für ein Produkt mit dem abstoßenden Namen "PÖl" entscheiden. Deshalb sollten wir uns die kleine Mühe machen, das Wort "Pflanzenöl" vollständig auszusprechen und auszuschreiben.

Aufwand und Ertrag beim Anbau von Pflanzenöl

Eine Auskunft von Prof. Dr. Ernst Schrimpff
  • Bei der Aussaat von Sommerweizen oder Gerste oder Hafer zusammen mit Leindotter im Mischfruchtanbau wird die normale Saatmenge an Getreide und zusätzlich 3-5 kg je Hektar an Leindotter ausgebracht. Das entsprechende gilt für Erbsen und Leindotter. Mehr Leindottersamen ist nicht erforderlich (4 kg/ha hat sich i.d.R. als zuverlässige Menge herausgestellt, um die Lücken des Bodens zu schließen und den Unkrautdruck auf ein vernachlässigbares Niveau herabzusetzen!).
  • Wenn darüberhinaus detaillierte Information gewünscht wird, empfehle ich die "Mischfruchtanbau-Interessensgemeinschaft" z.Hd. Frau Margret Stephan, Erlen-Str. 29b, D-85416 Langenbach, Tel. 08761-752135, Fax 08761-752134 oder margret.stephan@t-online.de Dort kann man sich auch zu Feldbesichtigungen von Mischfruchtanbau in Bayern (insbesondere Pfaffenhofen a.d.Ilm) anmelden.

Auskunft von Patric Bies, Saarbrücken, Bundesverband Pflanzenöle zur Frage des Anbauaufwandes:
Beim ökologischen Mischfruchtanbau von Gerste und Leindotter sind die Zahlen klar. Etwa 100 bis 120 Liter Treibstoff werden pro Hektar zur Bewirtschaftung benötigt.

Die Erträge pro Hektar in unseren Breiten:

Raps und Sonnenblumen machen so etwa 1.000 Liter.
Leindotter etwa 600 Liter.
Hanf etwa 300 Liter.

Oliven kommen auf etwa 2.000 Liter (Mediterane Zone)
Purgiernuss bis etwa 4.000 Liter (Wüstenzone/Savanne)
Palmöl bis etwa 10.000 Liter (Tropen)

 


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