Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Die Kraft der Überhitzung

Mit dem negativ besetzten Ausdruck „Überhitzung" wird der einzig richtige Weg zur Markteinführung diskreditiert von Wolf von Fabeck

RWE ist unbesorgt

Vor wenigen Wochen erklärte Dr. Otto, zuständig für Erneuerbare Energien beim RWE, wir alle würden es nicht mehr erleben, dass die Photovoltaik mehr als 1 % Anteil an der Stromversorgung haben würde. Offensichtlich orientiert sich Dr. Otto am gegenwärtigen Tempo der Markteinführung. Bei Beibehaltung des Tempos wird es bis Ende 2004 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 350 Megawatt in Deutschland geben. Wir kämen dann auf weniger als 0,1 % des deutschen Strombedarfs.

Aber wir brauchen Photovoltaik

Wir alle wissen, dass die Photovoltaik erstens in der zukünftigen Energieversorgung Mitteleuropas einen wesentlichen Beitrag erbringen kann und dass sie zweitens für den zukünftigen Strombedarf in den netzfernen Gebieten des Sonnengürtels der Erde die weitaus am besten geeignete CO2-sparende Technik sein wird. Drittens winken erhebliche Exportmöglichkeiten, wenn es gelingt, die Technik erheblich zu verbilligen. Die Markteinführung für die Photovoltaik muss deshalb aus vielen Gründen wesentlich beschleunigt werden.

Produktionsstätten fehlen

Und warum geht es bisher so langsam voran? Der Grund ist höchst simpel: Es kann nicht schneller voran gehen, weil es zu wenige Fabriken gibt, in denen Solarsilizium erzeugt wird und weil es zu wenige Fabriken gibt, in denen Solarmodule hergestellt werden. Kurz gesagt, es fehlen Produktionsstätten.

Überhitzung vermeiden?

Was hilft in dieser Lage ein Förderprogramm, welches die Fördermittel immer gerade so sparsam dosiert, dass eine „Überhitzung" des Marktes vermieden wird? Wenn immer nur so viele Solarmodule gekauft werden, wie die Produktionsstätten liefern können, gibt es keinen Anreiz, neue Produktionsstätten zu errichten.

Der Vorwurf richtet sich nicht - wie manche Leser jetzt vermuten könnten - alleine gegen das HTDP. Er trifft genausogut die unzureichende Höhe der Mindestvergütung von 99 Pf/kWh im EEG. Damit kein Missverständnis aufkommt, das EEG ist strukturell ein hervorragend gutes Gesetz; aber die Höhe der Mindestvergütung für Photovoltaik ist unzureichend.

Ohne Steigerung der Nachfrage entstehen keine Produktionsstätten

Es fehlen also Produktionsstätten... Ein staatliches Förderprogramm darf sich deshalb nicht darauf beschränken, die Verkaufszahlen der bereits bestehenden Solarmodulfabriken zu sichern, d.h. den Status Quo aufrecht zu erhalten. Der Erfolg eines modernen Solar-Förderprogramms muss vielmehr daran gemessen werden, ob es zum Bau neuer Produktionsstätten führt. Dies ist nicht nur zur Steigerung des Ausbautempos notwendig. Der Bau neuer Produktionsstätten eröffnet auch endlich die Möglichkeit, die vielfältigen Ergebnisse jahrelanger Forschung in die Produktion einzuführen und somit - neben quantitativem Wachstum - auch qualitative Verbesserungen zu erzielen. Der Bau größerer(!) Produktionsstätten nutzt außerdem die Möglichkeiten der Automatisierung der Modulfertigung (Massenproduktion!), was eine wesentliche Verminderung der Herstellungskosten zur Folge hat. Der Bau neuer Produktionsstätten ist somit aus vielen Gründen dringend erforderlich!

Produktionsstätten werden allerdings nur dann entstehen, wenn die Nachfrage nach Solarmodulen ständig und verlässlich steigt, und das nicht nur 4 Jahre lang.

Angst vor Preissteigerungen

Die Beamten im Wirtschaftsministerium bringen in diesem Zusammenhang den Einwand, dass bei steigender, unerfüllbarer Nachfrage auch die Preise in die Höhe klettern, und sie haben insoweit Recht; doch verschweigen sie die andere Hälfte der Wahrheit: Solche Preissteigerungen sind notwendig, denn steigende Preise signalisieren den Unternehmern, dass sich Investitionen in neue Produktionsanlagen lohnen.

Preise werden wieder fallen

Erst wenn mit einer Verzögerung von ein, zwei oder drei Jahren die Kapazität der Produktionsstätten die Nachfrage nach Solarmodulen wieder einholt, sie schließlich sogar überholt, werden die Preise sinken. Da sich dann aus den genannten Gründen die Produktionskosten gegenüber dem heutigen Stand erheblich verringert haben, können die Preise dann auch weit unter jede jetzt noch für möglich gehaltene Höhe fallen. Um so mehr muss es das Ziel eines Markteinführungsprogramms sein, so rasch wie möglich eine ständige Zunahme der Produktionsanlagen zu initiieren.

Reine Nervensache

Beim Start eines solchen Programms mag es zunächst irritieren, wenn in der Anfangsphase die Modulpreise deutlich steigen, anstatt zu fallen. Auch wird ein nicht unerheblicher Teil der auf deutschen Dächern installierten Solarmodule aus ausländischer Produktion stammen.

Doch wer die wirtschaftlichen Zusammenhänge kennt, wird deswegen keinesfalls die Nerven verlieren und das Programm beharrlich fortsetzen.

Es ist ähnlich wie beim Fahrrad. Wer Radfahren im Schleichtempo lernen will, wird nie auf Stützräder verzichten können.

Zurück zur Solarenergie: Wenn schließlich die Kapazität der Fabriken schneller steigt als die Nachfrage nach Solarmodulen, wird der Preis für wieder sinken, kontinuierlich und unaufhaltsam!

Überhitzung ist erforderlich!



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