Solaranlagen auf Hausdächern sind das Symbol für eine erfolgreiche Energiewende? Absolut! Und trotzdem sorgen Solaranlagen bei Einigen für Missmut – z. B. wegen hohen Kosten durch die Einspeisevergütung. Wir antworten auf acht häufige Kritikpunkte.

PV-Strom ist wettbewerbsfähig – keine Förderung mehr nötig!

PV ist inzwischen tatsächlich weltweit die günstigste Energiequelle, doch auch wenn Materialkosten drastisch gesunken sind, ist damit noch lange keine PV-Anlage auf dem Dach montiert und angeschlossen – die Installationskosten bleiben. Das erhöht die Preise. Zudem müssen die Erneuerbaren mit jahrzehntelang subventionierten fossilen Kraftwerken konkurrieren, die zu jeder Tages- und Nachtzeit Stromliefern können. Um im Wettbewerb mithalten zu können, muss Wind- und Solarstrom daher immer gemeinsam mit Speichern gerechnet werden, was den Preis nochmals in die Höhe treibt – auch wenn das Kombisystem ebenfalls immer wirtschaftlicher wird! In jedem Fall: Günstige Hardware allein garantiert keine Wirtschaftlichkeit, wenn die Erlöse (z. B. am Markt) nicht gesichert sind. Planungssicherheit ist insbesondere für Bürger:innen, Genossenschaften und kleinere Unternehmen eine Entscheidungsgrundlage, um in PV-Anlagen zu investieren. Hier ist die Vergütung kein „Gewinnmaximierer“, sondern eine existenzielle Absicherung, ohne die auch Banken keine Kredite vergeben.

 

Solaranlagenbetreiber sind eigennützige Subventions­abgreifer!

Einer der häufigsten Gründe, in Solaranlagen zu investieren, ist, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Die Vergütung deckt oft nur die Gestehungskosten und eine kleine Risikoprämie. Ohne diese Sicherheit bleibt die Energiewende ein Hobby für Idealisten statt eine Massenbewegung. Was wir brauchen, ist eine schnelle Energiewende, und keine Verzögerungstaktik.

 

Die Einspeisevergütung kostet den Steuerzahler Milliarden!

Seit der Abschaffung der EEG-Umlage wird die Einspeise­vergütung in der Tat aus dem Bundeshaushalt – also aus Steuergeldern – finanziert. Die feste Einspeisevergütung gilt dabei nur für kleinere PV-Anlagen bis 100 kW (wobei auch die Förderung für größere Anlagen, die Marktprämie, aus dem EEG-Konto finanziert wird). Die aktuell hohen Ausgaben werden insbesondere durch die hohen Fördersätze der Altanlagen definiert – denn in den ersten 10 Jahren des EEG war Solartechnik noch richtig teuer und brauchte entsprechend hohe Vergütungen als Investitionsanreiz.1 Es sind jedoch gerade diese alten Anlagen, die die Solartechnik so erschwinglich gemacht haben.

Heute sind die Installationspreise sowie die Vergütung extrem gesunken, allerdings ist die Zahl der geförderten PV-Anlagen gestiegen.2 Künftig wird erwartet, dass immer mehr Anlagen an der Börse direkt vermarktet und nur mit einer geringeren Marktprämie finanziell unterstützt werden. Gleichzeitig könnte die gezielte Förderung von mehr Flexibilität (z. B. durch Speicher) die Zahl der negativen Stunden an der Börse und damit auch die Kosten der Energiewende reduzieren.

In jedem Fall: Vergleicht man jedoch diese Kosten mit denen fossiler Energieträger, wenn man Subventionen, Lager- und Rückbaukosten und Umweltschäden addiert, müsste die Kilowattstunde aus Atom, Gas und Kohle eigentlich 2 bis 3-fach teurer sein.3 Am Ende sind das auch Milliarden für die Steuerzahler:innen …

 

Solaranlagen verursachen nur negative Strompreise …

Ja, wie toll! Überlegt mal: Es gibt Zeiten, in denen wir so viel erneuerbaren Strom im Netz haben, dass die Strompreise nicht nur niedrig, sondern sogar negativ werden. Während niedrige Strompreise eigentlich fantastisch sind, gerät hier der Fördermechanismus an seine Grenzen – denn die Differenz zur Einspeisevergütung wird aktuell aus dem Bundeshaushalt beglichen. Für neue PV-Anlagen wird deshalb seit 2025 bei negativen Strompreisen die Vergütung ausgesetzt. Das Problem entsteht jedoch nicht allein durch die Solaranlagen, sondern auch durch träge Kohle- und Kernkraftwerke im In- und Ausland, die nicht schnell genug auf den Bedarf reagieren können, oder eine technische Mindesterzeugungsleistung haben. Grundsätzlich haben wir bei weitem noch nicht zu viel erneuerbaren Strom – sondern nur zu viel zur falschen Zeit. Wichtig ist deshalb Netz-Flexibilisierung und der Ausbau von Speichern – denn diese können die Preisdifferenz nutzen und gleichzeitig das Stromnetz stabilisieren.  

 

Die Solarbranche ist stabil genug für den freien Markt!

Wir erleben gerade eine gefährliche Parallele zu den politischen Entscheidungen von CDU / CSU und FDP der 2010er Jahre, als nach der massiven Kürzung der Einspeisevergütung ein Großteil der Solarindustrie abwanderte oder pleite ging. Schon jetzt zeichnen sich Insolvenzen und massive Umsatzrückgänge ab. Damals gingen über 100.000 Arbeitsplätze in der deutschen Solarbranche verloren. Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen, wenn wir unsere Klimaziele erreichen und in der Stromproduktion unabhängiger werden wollen. 

 

Die Streichung der Vergütung ab 2027 ist alternativlos für die Netzstabilität!

Die Netzstabilität scheitert nicht an der Solarenergie, sondern an einem starren Marktdesign, das fossile Großkraftwerke bevorzugt und den notwendigen Ausbau von Speichern vernachlässigt. Eine Streichung der Vergütung entzieht privaten Investoren die Planungssicherheit und ist ein Frontalangriff auf die dezentrale Bürgerenergie. Statt den PV-Ausbau auszubremsen, müssen wir endlich fossile Überkapazitäten abbauen, dezentrale Netze ausbauen und die Nutzung, Verteilung und Speicherung vor Ort verbessern. 

 

Die Haushalte können ihren Solarstrom doch einfach selbst vermarkten!

Bei der Direktvermarktung wird der Solarstrom an der Börse gehandelt und mit Hilfe der Marktprämie aus dem Bundeshaushalt abgesichert. Für alle PV-Anlagen ab 100 kWp ist dies heute bereits verpflichtend. Für Privatpersonen mit kleineren Anlagen ist der Aufwand jedoch enorm. IT-Schnittstellen, Smart Meter-Gebühren und Provisionen für Direktvermarkter und andere Unternehmen / Dienstleistungen fressen bei kleinen Anlagen die Rendite komplett auf. Die Einspeisevergütung ist deshalb so erfolgreich, weil sie einfach ist. Sie ermöglicht es Laien, Teil der Energiewende zu sein, ohne am komplexen Strommarktgeschehen teilnehmen zu müssen. Übrigens: Ohne Verfügbarkeiten von Smart Metern bleibt die Direktvermarktung für kleine Haushalte eh nur Theorie. 

 

Die Einspeisevergütung nützt nur Wohlhabenden!

Es stimmt, dass vor allem Eigentümer:innen von Häusern bzw. Dachflächen die Möglichkeit haben, in PV zu investieren und eine Vergütung zu erhalten. Der SFV arbeitet deshalb seit Jahren dafür, den Zugang zu Solarstrom zu erleichtern, z. B. durch PV-Anlagen auf Mehrparteienhäusern, Steckersolaranlagen oder Energy-Sharing. Es stimmt auch, dass dezentrale PV-Anlagen durch die Einspeisevergütung attraktiver werden.5 

Das Endergebnis nützt aber uns allen: Denn mit mehr Erneuerbaren im Netz sinkt nicht nur der Strompreis, sondern wir müssen auch für weniger Klimafolgeschäden aufkommen. Eine hohe Nachfrage nach PV-Anlagen senkt die Materialkosten, während eine größere Verfügbarkeit von Solarstrom unsere Abhängigkeit von Energieimporten reduziert. Zum Vergleich: Allein der Import fossiler Energieträger kostet Deutschland bereits heute jährlich rund 80 bis 81 Milliarden Euro.

Gleichzeitig profitieren Energiekonzerne weiterhin von staatlichen Subventionen in Milliardenhöhe und erzielen besonders in Krisenzeiten massive Gewinne, von denen letztlich nur wenige Akteure profitieren.7 Die langfristigen Folgekosten für Umwelt und Klima sowie für Atommüll oder den Rückbau von Förderanlagen werden dagegen überwiegend von der Gesellschaft getragen.