Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 10.11.2008, aktualisiert am 13.11.2008, Wolf von Fabeck:

Gegen die Hoffnungslosigkeit - Das neue Paradigma: 100 Prozent Erneuerbare Energien sind möglich, bezahlbar und notwendig

Vortrag vom 8.11.2008 in Leipzig

Die dazugehörigen Powerpoint-Folien finden Sie hier: Das neue Pradigma lautet - mehr als 100 Prozent.
Ersatzweise können Sie auch die folgende pdf herunterladen: Das neue Paradigma lautet - mehr als 100 Prozent.

Dazu gehört folgender Vortragstext

1.
Es ist an der Zeit, ein neues Paradigma in die Köpfe und Herzen der Menschen zu bringen:
Eine Energieversorgung mit 100 % Erneuerbare Energien (EE) ist möglich, ist bezahlbar und ist notwendig.
Gemeint sind 100 % der jeweils benötigten Energie, also alles!
Dahinter steht das Wissen, dass EE im Überfluss vorhanden sind, also sogar über 100 %.
Die Enquetekommission "Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung und der Liberalisierung" des 14. Deutschen Bundestages hat die Möglichkeit eines vollständigen Umstieges auf Erneuerbare Energien auf den Seiten 352 ff ihres Endberichts vom 7.7.2002 eingehend beschrieben.

2.
Wir sind in einem falschen Paradigma gefangen. Viele Umweltfreunde fürchten um ihre Seriosität, wenn sie 100 % EE fordern. Sie wagen es nicht, den „Experten“ der Stromwirtschaft offen zu widersprechen, die millionenmal gesagt haben, dass die EE niemals ausreichen werden.

3.
Doch sie bedenken eines nicht. Wer weniger als 100 % fordert ...
begeht einen argumentativen Fehler

4.
Wer weniger als 100% verlangt, provoziert die Frage, wie er die angebliche "Energielücke" bzw. "Stromlücke" füllen will.

5.
Er provoziert die Annahme, dass die an 100% fehlenden Prozente durch Atomenergie oder fossile Energien gedeckt werden müssen.

6.
Ihm bleibt dafür dann nur noch die Wahl zwischen „Pest und Cholera“.
Deshalb müssen wir 100% fordern.
Die Aussage: „100% EE sind möglich, bezahlbar und notwendig“, ist völlig korrekt. Weiter unten werden Sie sehen, dass die EE ein Potential haben, das die 100% sogar noch weit übersteigt! Diese Erkenntnis muss in der Öffentlichkeit verbreitet werden, bis sie zu einem Paradigma wird.
Ein Paradigma ist eine Grundüberzeugung, die niemand mehr in Frage stellen kann, wenn er sich nicht lächerlich machen will.

7.
Der folgende Beitrag soll helfen, das überholte falsche Paradigma zu entzaubern, indem er zeigt, wie es entstanden ist. Er wird zeigen, dass naturwissenschaftliche, technische und volkswirtschaftliche Notwendigkeiten für eine Vollversorgung mit EE sprechen. Er wird insbesondere zeigen, dass ausschließlich die Gewinnsucht der Energiewirtschaft gegen eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien spricht.

8.
Hier eine Solarvorführung 1989 in Halle (Saale), in der ehemaligen DDR kurz nach Öffnung der innerdeutschen Grenze.
Im Vordergrund rechts erkennt man mehrere Gestelle mit jeweils 6 Solarmodulen, eine Stichsäge, eine Küchenmaschine, ein großes Voltmeter für den Physikunterricht und ganz rechts am Bildrand einen Schlagbohrer. Es waren handelsübliche Haushaltsgeräte, die aufgrund ihrer Universalmotoren mit Kommutatoren nicht nur mit Wechselstrom, sondern auch mit Gleichstrom betrieben werden können. Alle Geräte wurden ohne Zwischenspeicher direkt mit Solarstrom angetrieben. Das Interesse war riesig. Nach zwei Vorführungen in Halle und Merseburg (im ZDF übertragen) erreichten den SFV weit über tausend zustimmende Zuschriften.

9.
Die Stromwirtschaft befürchtete offenbar den Verlust von Kunden und begann eine Entmutigungskampagne ohnegleichen. In Zeitungsanzeigen, in Leserbriefen und im redaktionellen Teil der Zeitungen und Zeitschriften wurden falsche technische und wirtschaftliche Informationen verbreitet.

10.
Denn regenerative Energien, wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als
4 % unseres Strombedarfs decken. (…)
Der entscheidende Satz ist in roter Schrift hervorgehoben.

11.
Das Grundprinzip der Kampagne der Energiewrtschaft war immer gleich. „Wir sind die Fachleute und wir sagen euch, dass es nicht geht. „

Viele Stromversorger schmückten sich mit aufwendigen Solaranlagen, die in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckten, die Stromwirtschaft sei an dieser Technik sehr interessiert und bemühe sich intensiv um sie. Umso glaubwürdiger und vernichtender klangen dann ihre Kommentare. „Trotz unserer großen finanziellen Anstrengungen können wir mit dieser Technik nichts anfangen, denn sie ist vom Sonnenschein abhängig. Außerdem ist sie viel zu teuer.“
Sogar die Deutsche Physikalische Gesellschaft qualifizierte die Erneuerbaren Energien nach einer Anhörung des RWE-Professors Helmut Alt in dieser Weise ab.
Die Stromwirtschaft nahm und nimmt auch heute noch gezielt Einfluss auf die Lehre an den technischen Universitäten. So wurden durch E.ON an der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen mehrere Professorenstellen gesponsert, die sich mit der „Integration der EE in das öffentliche Netz“ befassen sollen.

12.
Wie wirksam die Entmutigungskampagne war, zeigt folgende Tatsache:
Angela Merkel wiederholte diese Aussage - Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken - als Umweltministerin im Kabinett Kohl in einer ihrer ersten Erklärungen.

13.
Her Masters Voice

14.
Besonders heimtückisch war der Vorwurf, Photovoltaik verbrauche zur Herstellung angeblich mehr Energie, als sie im Lauf ihrer Lebenszeit liefern könne.

15.
Immer wieder fanden sich willige Journalisten, die diese Falschbehauptung als „skandalöse Enthüllung“ ihrem Publikum unter die Nase rieben. Auch in Zeitungen, die gemeinhin als seriös gelten, wie die FAZ (z.B. am 20.09.04). Es gibt nur wenige Menschen in Deutschland, die diese Behauptung nicht schon irgendwo einmal gehört – und sich gemerkt - haben. Ein Beleg für die hohe Energie, mit der die Energiewirtschaft diese Falschmeldung verbreitet hat. Ein regelrechter Rufmord!

16.
Eine Richtigstellung war nur möglich durch eine gründliche Analyse des gesamten Fertigungsprozesses, einschließlich der Gewinnung des Rohmaterials. Nachfolgend die Quellenangaben:

  • Gerd Hagedorn et al. "Kumulierter Energieverbrauch für die Herstellung von Solarzellen und photovoltaischen Kraftwerken" Forschungsstelle für Energiewirtschaft, München Juli 1989
  • 1991 Palz und Zibetta "Energy pay-back time" Studie im Auftrag der Europäischen Kommission
  • "Ausbau der Photovoltaik in Hamburg - Technik, Wirtschaftlichkeit und Fördermodelle" Studie der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) gemeinsam mit dem Öko-Institut Freiburg im Auftrag der Hamburger Electricitätswerke im April 1995

Das Ergebnis der Richtigstellung: PV erzeugt in 20 Jahren ca. sieben mal so viel Energie, wie zu ihrer Herstellung benötigt wurde.

17.
Hier ein Beleg dafür, dass selbst kleinere Stromversorgungsunternehmen (hier die MEVAG) Personal einstellten mit dem Auftrag, Eigenerzeugungsanlagen (also zum Beispiel Solar- oder Windanlagen) zu verhindern.
Stellenangebot in der Märkischen Allgemeinen vom 29.03.1997

18.
"Der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit liegt zum einen in der Sicherung des Umsatzes durch Verhinderung von Stromeigenerzeu-gungsanlagen (z.B. Erkennen von Eigenerzeugungsgefahrenpotentialen) … Besonders die gestelzte Formulierung „Erkennen von Eigenerzeugungsgefahrenpotentialen“ hat es so manchem Kabarettisten angetan. Doch das Entscheidende bei dieser Formulierung ist die strategische Zielsetzung der Energieversorger: Die Gefahr für ihre Geschäfte erkennen, vorbeugend tätig werden.

19.
"Sicherung des Umsatzes durch Verhinderung von Stromeigenerzeugungsanlagen" Hier kommen wir zu des „Pudels Kern“. Es geht um das Geschäft, um den Gewinn!

20.
Die Erneuerbaren Energien werden dezentral gewonnen. Sie sind nicht kompatibel mit dem zentral strukturierten System der Stromwirtschaft.

21.
Der Text dieser Anzeige zeigte unverblümt, worum es geht, nämlich um das Eigentum an den Produktionsmitteln. Im Hintergrund taucht dieser Begriff wieder auf.

22.
Die Kapitalgesellschaften beanspruchen das Eigentum an den Produktionsmitteln. Doch die EE – insbesondere Sonne und Wind - sind abhängig von den Flächen, auf denen sie geerntet werden. Und diese Flächen gehören zumeist nicht den Kapitalgesellschaften …

23.
sondern den Bürgern!

24.
Wenn die Stromwirtschaft sich überhaupt auf eine Diskussion zu den EE einlässt, dann verfolgt sie Überlegungen mit Großkraftwerken im Europäisch-Afrikanischen Verbund.

25.
Es heißt dann: "Erntet Solar- und Windenergie dort, wo die Sonne scheint und der Wind weht – aber nicht bei uns."

26.
Solarthermischen Kraftwerke in Afrika und von Windparks an der Westküste Afrikas oder im Meer verbunden mit einem überdimensionalen Stromnetz, dem "Super-Grid" mit Hilfe von Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Die Produktionsmittel für ein solches Unterfangen können nur die großen Kapitalgesellschaften erstellen.

27.
Natürlich sind die ErzeugungsKosten geringer, wenn man Sonne dort erntet, wo die Sonne scheint und den Wind, wo er richtig weht.

28.
Doch dazu kommen die Kosten für die Erstellung der neuen Stromnetze. Es werden nicht nur neue Netze zur Überbrückung des Mittelmeeres benötigt, sondern auch neue Netze zum Weitertransport riesiger Strommengen über den Kontinent, z.B. von Italien bis Dänemark, denn die bisherigen Netze sind nur für die regionale Stromversorgung ausgelegt.

29.
Der Stromverbraucher hat keinen Vorteil von niedrigen Herstellungskosten des Stroms. Ihn drücken die Endkundenpreise – und die enthalten zusätzlich zu den Herstellungskosten die hohen Netzkosten und die Monopolgewinne der Netzbetreiber.

30.
Für die Stromwirtschaft von größter Wichtigkeit ist die Möglichkeit, die Zeitplanung beliebig zu verzögern, um die betriebswirtschaftlichen Vorteile der zentralen fossilen oder nuklearen Großkraftwerke möglichst lange nutzen zu können.

31.
in Deutschland sind 17 neue Kohlekraftwerke im Bau oder in der Planung. (Antwort der Bundesregierung vom 13.05.2008 auf eine Kleine Anfrage).
Ein Traum der Stromwirtschaft geht in Erfüllung: Den Warnungen der Stromwirtschaft vor der angeblichen Stromlücke ist es gelungen, die Regierungsmehrheit von der Notwendigkeit weiterer neuer Kohlekraftwerke zu überzeugen, obwohl vorhersehbar ist, dass diese über ihre zukünftige Lebensdauer von mindestens 40 Jahren weiteren CO2-Ausstoß zementieren. Auf Klimaschäden wird keine Rücksicht genommen.

32.
Hier zeigen sich die Folgen der Zögerlichkeit der Umweltfreunde, die nicht ausdrücklich 100 % EE gefordert haben.

33.
Die Bevölkerung hat teilweise bereits verstanden, welcher Wahnsinn sich hier abspielt. Der örtliche Widerstand gegen den Neubau von Kohlekraftwerken wächst.

34.
Verwunderlich ist, dass auch der Bundesumweltminister sich für den Neubau von Kohlekraftwerken einsetzt.
Einen gewissen Einblick in seine Denkungsweise erhielten wir bei einer Diskussionsveranstaltung zum Atomausstieg am 20.09.08 in Aachen.

35.
Auf die Frage, ob er sich für 100 Prozent Erneuerbare Energien einsetzen würde, wenn sie möglich wären, antwortete Gabriel sichtlich überrascht, das würde er natürlich tun. Doch leider seien 100 % EE nicht möglich.

36.
Dafür gäbe es wissenschaftliche Beweise, z.B. die Leitstudie des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) für das BMU.

37.
Wir haben uns diese Leitstudie angesehen.
(Ihr Titel: „Leitstudie 2008“ Weiterentwicklung der „Ausbaustrategie Erneuerbare Energien“ vor dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzziele Deutschlands und Europas - Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Oktober 2008 - Dr. Joachim Nitsch Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Abteilung „Systemanalyse und Technikbewertung“ des DLR –Instituts für Technische Thermodynamik)

38.
Eine Studie kann üblicherweise nur die Fragen beantworten, die vom Auftraggeber gestellt wurden. Der Studienauftrag wird in den „Vorbemerkungen“ erläutert.

39.
Hier der entscheidende Satz: "Gleichzeitig werden in diesem Leitszenario die Zwischenziele der Bundesregierung für den Beitrag der erneuerbaren Energien für das Jahr 2020, wie sie in den Beschlüssen der Bundesregierung festgelegt sind, abgebildet."

40.
Nun können wir uns die Entstehungsgeschichte der Studie vor Augen führen.
Am Anfang stand ein Beschluss der Bundesregierung, der sich im übrigen nicht wesentlich von den vorangehenden Beschlüssen unterschied:
5.12.2007 (nach Meseberg) Erneuerbare Energien im Strombereich ausbauen: "Der Anteil der erneuerbaren Energien soll von derzeit rund 12 auf 25 bis 30 Prozent bis 2020 erhöht werden."

41.
Das Bundesministerium für Umwelt (BMU) wurde mit der Umsetzung betraut.
Es galt, eine sinnvolle Aufteilung der beschlossenen 30 Prozent EE auf die verschiedenen Technologien Sonne, Wind, Wasserkraft, Geothermie, Biomasse vorzunehmen.

42.
Das BMU seinerseits beauftragte mit der Durchführung Dr. Joachim Nitsch und das DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt)

43.
Erhellend ist diese Graphik auf Seite 77, die den jährlichen Zubau der verschiedenen Sparten (Technologien) der EE in den Jahren bis 2020 darstellt, unter der Nebenbedingung, dass bis dahin insgesamt 30 % des Strombedarfs aus EE gedeckt werden soll.

44.
Wir betrachten zunächst die geplante Entwicklung der Offshore-Windenergie ab 2008: Von Jahr zu Jahr sollen mehr Offshore-Anlagen erbaut werden. Ständiges Wachstum ist vorgesehen.
Anders sieht es bei den dezentralen Energien Sonne und Wind aus.
Wie wenig ambitioniert das 30 % Ziel für die weitere Zukunft ist, erkennt man daran, dass der jährliche Zubau der Windenergie 4 Jahre lang sogar noch abnehmen soll, obwohl erst ein kleiner Bruchteil der geeigneten Acker- und Wiesenflächen eine Windanlage trägt. Man sieht auch, dass für die Errichtung der Photovoltaik kein jährliches Wachstum vorgesehen ist, obwohl die PV in den Jahren zwischen 2002 und 2006 bewiesen hat, wie schnell sie wachsen kann, wenn nur die Einspeisevergütung einen Gewinn für die Anlagenbetreiber ermöglicht.

45.
Auftragsgemäß ergibt das Leitszenario 30 % Strom aus EE bis zum Jahr 2020.

46.
His Masters Voice

47.
Hieraus einen „wissenschaftlichen Beweis“ herzuleiten, dass mehr als 30 % EE nicht möglich seien, ist nicht korrekt. Zumindest sollte Sigmar Gabriel bedenken, dass im EEG 2009 „mindestens 30 Prozent“ als Ziel genannt werden (§ 1).

48.
Wie könnte eine Stromversorgung mit EE unter Beteiligung der Bürger aussehen?

49.
In den Jahren zwischen 2004 und 2006 zeigte das Deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz, welche Möglichkeiten eine Bürgerbeteiligung mit kostendeckender Einspeisevergütung bietet.
Ende 2003 betrug die gesamte installierte PV-Leistung 450 MWp. Nach Verbesserung der Einspeisevergütung im EEG 2004 wurden allein im Jahr 2004 genau so viele PV-Anlagen errichtet, wie in der gesamten Zeit vorher.

50.
Nicht nur auf dem Dach, sondern auch als Beschattungselemente mit der Funktion einer Sonnenmarkise sind hier Solarmodule installiert.

51.
Eine aufgeständerte Solaranlage auf einem Flachdach

52.
Aufdachanlage auf Satteldach

53.
Hier ist der Neigungswinkel der Solarmodule durch Aufständerung noch etwas vergrößert worden, um den Ertrag bei niedrig stehender Sonne zu verbessern

54.
Volle Ausnutzung eines Süddaches

55.
Solaranlage einer Studentengruppe an der Technischen Hochschule in Aachen. Angenehmer Nebeneffekt: Hier wird die hochstehende Sommersonne aus dem Hörsaal ferngehalten.

56.
Immer mehr Landwirte nutzen die großen Dächer ihres Betriebes für eine zusätzliche Solarstromernte.

57.
Wieviel Solarenergie ist in Deutschland möglich? Dies ist eine Frage der nutzbaren Flächen. In Mitteleuropa sind bereits allzuviele Bodenflächen mit technischen Anwendungen belegt. Der Solarenergie-Förderverein Deutschland setzt deswegen schwerpunktmäßig auf PV-Anlagen auf bereits versiegelten Flächen.

58.
Es gibt keine Statistik über alle deutschen Dachflächen, doch kann man ihre Größe grob abschätzen. Ausgangspunkt der Abschätzung sind die „Gebäude und Freiflächen“, die vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen sind. Sie betrugen im Jahr 2006 23.938 qkm.
Der vom statistischen Bundesamt verwendete Begriff „Freifläche“ hat nichts mit den „Freiflächen-PV-Anlagen“ auf Wiesen zu tun.
„Gebäude- und Freifläche“ setzen sich zusammen aus Flächen mit Gebäuden (Gebäudeflächen) und unbebauten Flächen (Freiflächen), die Zwecken der Gebäude untergeordnet sind. Zu den unterzuordnenden Flächen zählen insbesondere Vorgärten, Hausgärten, Spielplätze, Stellplätze usw., die mit der Bebauung in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Auf aktuellen Studien beruhende Schätzungen ergeben einen Versiegelungsgrad der Siedlungs- und Verkehrsfläche von 43 bis 50 %.

59.
Für solarthermische Anwendungen könnte man etwa 3 Prozent nutzen.

60.
10 Prozent könnte man für PV-Anlagen nutzen. Der SFV geht davon aus, dass bei weiterer Verbilligung der Solarmodule auch Nordfassaden und Norddächer nicht mehr durch Putz und Dachziegel, sondern durch pv-aktive Fassaden- oder Dachelemente vor der Witterung geschützt werden.

61.
Der jährliche Stromertrag an diesen Flächen ist natürlich erheblich geringer als der auf einem Süddach. Er liegt irgendwo zwischen 50 und 90 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. (Auf einem Süddach läge er bei etwa 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr). Es geht hier nur um Größenordnungen!

62.
Zwischen 120 TWh – 217 TWh könnte man alleine von Dächern und Fassaden ernten. Zum Vergleich: Der jährliche Strombedarf beträgt etwa 540 TWh.
(Terawatt bedeutet 10 hoch 12 Watt)

63.
Hinzu kommen PV-Anlagen an Lärmschutzwänden sowie Freiflächenanlagen

64.
Solarmodule auf Dächern, an Fassaden, Lärmschutzwänden und Freiflächenanlagen können eine Strommenge erzeugen, die der Hälfte des jetzigen deutschen Strombedarfs entspricht.

65.
Windanlagen sollten nicht zu eng nebeneinander aufgestellt werden, weil sie sich sonst durch Luftverwirbelung gegenseitig behindern. Man nimmt üblicherweise einen Abstand von 8 Rotordurchmessern in Hauptwindrichtung und 4 Rotordurchmessern quer zur Hauptwindrichtung. Da die Leistung einer Windanlage von dem Rotordurchmesser abhängt, kann man nach diesem Verfahren grob ermitteln, wie viel Windleistung auf einer vorgegebenen Fläche installiert werden kann. Ausführlicher: http://www.sfv.de/artikel/2007/Potenti2.htm

66.
Moderne Windräder auf einem Drittel der Acker- und Weideflächen können eine Strommenge erzeugen, die dem Doppelten des jetzigen deutschen Strombedarfs entspricht.

67.
Ein moderner Windpark in Sachsen Anhalt:
Enercon E 112 Nennleistung 6 MW, Rotordurchmesser 114 Metern, Turmhöhe 125 m. In Schwachwindgebieten Rotordurchmesser 128 Meter. Leistung ebenfalls 6 MW. Die im Bild dargestellten 12 Anlagen liefern in der Jahressumme so viel Strom, wie alle Haushalte einer Großstadt wie Aachen (250.000 Einwohner) verbrauchen und liefert einen Beitrag zur Senkung des Strompreises.

68.
Bei den bisherigen Abschätzungen wurden Windanlagen in Waldgebieten noch nicht einmal berücksichtigt.

69.
Windpark Nordschwarzwald mit 14 Anlagen je 2 MW. Stromerzeugung 64 Mio. kWh/a liefert in Jahressumme so viel Strom, wie rund 20.000 Haushalte verbrauchen.

70.
Besonders die Windenergie hat noch erheblich größere Potentialreserven als der hier ermittelte Wert.

71.
Windenergie dämpft nach Auskunft von Vattenfall bereits seit zwei Jahren wegen des Merit-Order-Effektes den Anstieg der Strompreise.

72.
Dazu kommen Wasserkraft-, OffshoreWind-, Biomasse- und Geothermiekraftwerke

73.
Es gäbe riesige Stromüberschüsse und wir können endlich anfangen, den Straßenverkehr vom Erdöl auf Elektrofahrzeuge mit aufladbaren Speicherbatterien umzustellen.
So brauchen wir auch keine Importe von Pflanzenöl oder Bioethanol für den Straßenverkehr.

74.
Was aber tun, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht?
Die Antwort: PV-Anlagen liefern Strom auch bei bedecktem Himmel, wenn die Wolkendecke nicht zu dunkel ist. Aber es gibt tatsächlich Tage, an denen die Wolkendecke so dunkel ist, dass selbst moderne Solarstromanlagen keinen Strom mehr liefern. Für diese Tage oder Stunden muss Vorsorge getroffen werden, die anschließend erläutert werden. Oft allerdings ergänzen Sonne und Wind sich gegenseitig: Wenn der Wind nicht weht, scheint oft die Sonne und umgekehrt. Dadurch entschärft sich das Problem. Wichtig ist deshalb, dass der Anteil des Solarstroms nicht viel kleiner ist als der des Windstroms.

75.
Die Kontinuität der Stromversorgung lässt sich sichern, indem alle Biomassekraftwerke und alle geothermischen Kraftwerke von vornherein auf intermittierenden Betrieb ausgelegt und Wasserkraftwerke an Talsperren nachträglich umgerüstet würden. Sie alle könnten dann an wind- und sonnenschwachen Tagen vermehrt Leistung abgeben.

76.
100 Prozent Erneuerbare Energien sind möglich

77.
Was haben wir eigentlich erwartet? Eine wirtschaftliche Neuentwicklung gibt es nicht umsonst. Wer Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom ablösen will (und aus Gründen der Selbsterhaltung ablösen muss), darf mit den Einspeisevergütungen für die Erneuerbaren Energien nicht knausern.

78.
Die Herstellungskosten für Solarstrom haben sich in den letzten 10 Jahren halbiert und sinken weiter.

79.
Schon jetzt dämpft kostengünstiger Windstrom den Strompreisanstieg an der deutschen Strombörse infolge des Merit-Order-Effekts. (Erklärung bei Wikipedia)

80.
Die Kosten für konventionelle Energie steigen dagegen weltweit an. Der Grund ist die weltweite Verknappung der Brennstoffe bei ständig steigender Nachfrage. Die Herstellungskosten für Strom aus Erneuerbaren Energien könnten international dann bald unter die Herstellungskosten von Strom aus Kohlekraft oder Dieselgeneratoren sinken. Sonne und Wind würden sich dann schon aus Preisgründen gegen die fossilen Energien und die Atomkraft durchsetzen, nicht nur bei uns, sondern weltweit.
So würde die Wende zum globalen Umstieg auf die Erneuerbare Energien durch eine nationale Initiative eingeläutet - ohne internationale Klimakonferenzen und Verhandlungen.
Aufgabe der Politik ist es, hierfür die Rahmenbedingungen vorzubereiten.

81.
Rufen Sie uns an
Fordern Sie Infomaterial an
Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten über das Thema
Fordern Sie Referenten an

82.
Halten Sie selber Vorträge zum Thema.
Sie dürfen die hier abgebildeten Folien ganz oder auch teilweise ohne Quellenangabe benutzen.



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