Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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10.12.2008, Kurt Kreß:

Rezension des Schulbuches "Globaler Klimawandel"

Das durch Mitarbeiter von Germanwatch verfasste Buch "Globaler Klimawandel" will zum Verständnis der mit diesem Thema zusammenhängenden komplexen Phänomene beitragen und nicht zuletzt Verhaltensänderungen in Politik, der Zivilgesellschaft und bei jedem Einzelnen bewirken.
Im Internet stellt sich Germanwatch wie folgt vor: "Germanwatch engagiert sich für Nord-Süd-Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen. Dabei konzentrieren wir uns auf die Politik und Wirtschaft des Nordens mit ihren weltweiten Auswirkungen. Die Lage der besonders benachteiligten Menschen im Süden bildet den Ausgangspunkt unserer Arbeit..."

Themen wie "Klimaschutz" oder "Nord-Süd-Gerechtigkeit" spielen in den Lehrplänen unserer Schulen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass hier von kompetenter Seite der Versuch unternommen wird, auf die realen Interessen vieler Schülerinnen und Schüler eingehend, diese Wissenslücke zu schließen, - und das ist mit dem vorliegenden Buch in hervorragender Weise gelungen.

In einer gut verständlichen Sprache wird der Klimawandel und die sich aus ihm ergebenden Probleme und Gefahren behandelt. Die Autoren zeigen, wie der Mensch das Klimageschehen beeinflusst und in Zukunft beeinflussen sollte. Dabei wird stets auf die besondere Aufgabe der Industrienationen gegenüber den armen Ländern des Südens verwiesen. Der Leser erfährt den Klimaschutz nicht nur als Aufgabe der Politik, sondern als individuelle Entscheidungshilfe bei dem eigenen Konsumverhalten. Der Klimaschutz gilt auch als Kriterium für die Wahl einer Partei bei Landtags- und Bundestagswahlen. Die gewissenhafte und anschauliche Darstellung von Fakten und Entwicklungen des Klimawandels, ergänzt durch mehrfarbige Grafiken, Statistiken, Quellentexte und Internetadressen, ermöglichen es dem Leser, auch eigenen weiterführenden Fragen nachzugehen. Daten aus der Klimageschichte werden nicht einfach mitgeteilt, sondern die Methoden ihrer Erforschung erklärt.

Einleuchtend schildern die Autoren die gegensätzlichen Interessen zwischen Industrie und Klimaschutz. Sie zeigen, wie die durch zunehmende Emissionen langfristig enstehenden Kosten auf der volkswirtschaftlichen Ebene durch das eher kurzfristige Denken auf der betriebswirtschaftlichen Ebene nicht erfasst werden. Damit die "Preise die ökologische Wahrheit sagen" (E. U. von Weizsäcker), gehen die Autoren u.a. auch auf die Bedeutung der Ökosteuer ein.

Natürlich bleiben bei einem derart umfangreichen Thema noch Fragen offen.

So führt zwar der offensichtliche Widerspruch zwischen den weltweit kontinuierlich - bzw. seit 2000 beschleunigt (!) - steigenden CO2 - Emissionen einerseits und den Beschlüssen internationaler Kommissionen zur Reduktion dieser Emisssionen andererseits zur Frage nach dem Sinn derartig aufwendiger internationaler Veranstaltungen. Viele, vor allem jüngere Menschen, sehen als Alternative zu diesem "Klimaschutz von oben" vielfältige, von einzelnen Kommunen, Stadtwerken, Bürgerinitiativen oder Privatpersonen ausgehende Aktivitäten zur Realisierung eines "Klimaschutz von unten". Sie glauben, dass die von energieautarken Siedlungsformen, von Bürgerbeteiligungen an Solar- und Windparks und von Dörfern wie z.B. Jühnde in NRW, die sich selbst mit Strom und Wärme aus eigenen Biogasanlagen und einem Holzhackschnitzel-Heizwerk versorgen, oder von den Europäischen Kooperativen (z.B. Longo mai) Signalwirkungen ausgehen, die eher den Klimaschutz voranbringen, als dies internationale Klimakonferenzen vermögen, die gegensätzliche Interessen von über 180 Nationen berücksichtigen müssen.

Eine weitere, gerade für Jugendliche wichtige Frage: Wie weit kann man bei der realistischen Schilderung der Gefahren einer Klimakatastrophe und der heute schon einsetzenden irreversiblen Folgen unserer Klimapolitik bei dem Leser Resignation vermeiden und so Raum für Hoffnung und sinnvolle Aktivitäten geben? Hier scheint mir die Beschreibung des für den Klimschutz schon Erreichten und des Erreichbaren durch belegbare Zahlen und Fakten hilfreich. So zeigen z.B. die Statistiken des BMU (AGEE-Stat) eindeutig, dass man weder Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken, noch den Bau neuer Kohlekraftwerke (mit oder ohne CO2-Abscheidung) benötigt, um eine Stromlücke zu vermeiden. Man erkennt an diesen Statistiken, dass keine Energietechnik schneller zu realisieren ist als der Bau von Anlagen zur dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien. Eine nicht nur gesellschaftspolitische, sondern auch technisch-physikalische Behandlung des Themas in Verbindung mit der Veranschaulichung der enormen Energiebeträge, die durch Sonne und Wind der Menschheit zur Verfügung stehen und - zum Ärger der Großindustrie - sinnvoller Weise nur dezentral genutzt werden sollten, macht den vollständigen Ersatz fossiler Brennstoffe und Uran durch erneuerbare Energien vorstellbarer.

Das Buch "Globaler Klimawandel" ist aufgrund seiner gut belegten vielfältigen Informationen und der zahlreichen, zu eigenem Fragen und Denken anregenden Arbeitsaufträgen, trotz der genannten Ergänzungsvorschläge, für den Gebrauch im Oberstufenunterricht uneingeschänkt zu empfehlen. Es bleibt zu hoffen, dass Mitglieder von Lehrplankommissionen dieses Buch nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern sich von der Bedeutung der behandelten Themen überzeugen lassen.


Autor der Rezension:
Kurt Kreß ist Physiker. Er bildete Physiklehrer aus und ist Mitautor von Physikbüchern der Verlage Diesterweg und Westermann

Bestellung des Schulbuchs "Globaler Klimawandel":
Diercke Spezial - Sekundarstufe II, Westermann Verlag, Geeignet für alle Bundesländer, Sekundarstufe II und Hochschule, Sven Harmeling, Germanwatch
Erschienen im August 2008 in der Reihe "2005"
128 Seiten, 12,50 Euro,
ISBN: 978-3-14-151053-9



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