Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 15.03.2011, aktualisiert am 18.03.2011, Wolf von Fabeck:

Abschalten alleine genügt nicht - Die Forderungen des SFV

Bundesweit wird gefordert: "Abschalten, Abschalten, Abschalten".

Diese Forderung ist richtig - und wir müssen sie stellen, bis auch das letzte AKW stillgelegt und unbrauchbar gemacht worden ist.

Doch die Forderung "Abschalten" alleine zeigt lediglich, welche Maßnahme ergriffen werden muss, um Atomenergie, die unerwünschte Alternative, los zu werden.

Aber ist dann alles in Ordnung?

Wir müssen deutlich benennen, welche politischen Maßnahmen ergriffen werden müssen, damit wir die von uns gewünschte Alternative - 100 Prozent Erneuerbare Energien - konkret, zuverlässig und rasch erreichen.

  • Einspeisevergütung für Solarstrom wieder deutlich erhöhen [1],
  • Administrative Hemmnisse (im Baugesetzbuch) gegen die Windenergie im Binnenland beseitigen [2].
  • Gesetzliche Anreize zum massiven Ausbau dezentraler Stromspeicher bei den Endverbrauchern schaffen [3]
  • Verringerung des Netzausbaus - durch Errichtung von Windkraftanlagen in der Nähe der Stromverbraucher und durch Bau dezentraler Stromspeicher [4].

Erst diese konkreten Forderungen, die alle sofort umgesetzt werden sollen, machen aus einem frommen Wunsch ein realitätsnahes Programm. Und von entscheidender Wichtigkeit ist, dass dieses Programm keiner internationaler Absprachen bedarf. Nicht nur beim Atomausstieg, sondern auch bei der Einführung der Erneuerbaren Energien könnte Deutschland wieder eine Vorreiterrolle einnehmen.

Hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, nicht nur gegen etwas zu sein, sondern sich für ein positives Ziel einzusetzen. So hat es der SFV schon seit 1986 gehalten. Wir wollen die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien.

Wenn wir nicht konkret fordern, was notwendig ist, wird nur das getan, was die Energiewirtschaft schon immer vorschlägt:

  • Neue Erdgas-Kraftwerke, ja sogar Kohlekraftwerke bauen,
  • Staatliche Photovoltaik-Forschung verstärken [5],
  • Desertec Solarkraftwerke in Afrika bauen [6],
  • Offshore-Windparks errichten [7].
  • Ein Supergrid über Europa ausspannen [8].

Alles Maßnahmen, die die Umstellung auf Erneuerbare Energien nicht voranbringen, sie teilweise sogar verzögern.

Anmerkungen:

[1] Die Einspeisevergütungen für Solarstrom wurden seit Januar 2009 bisher 5 mal abgesenkt, insgesamt um etwa 40 Prozent. Das offizielle Ziel war die Verminderung des PV-Wachstums von etwa 8 Gigawatt pro Jahr auf etwa 3,5 Gigawatt. Der damit angerichtete Schaden im Solarinstallationsgewerbe wird zu Tausenden von Konkursen führen, wenn nicht umgehend die Einspeisevergütung wieder angehoben wird. Firmen, die einmal in Konkurs gegangen sind, lassen sich kaum noch reaktivieren. Deshalb ist hier größte Dringlichkeit angesagt! Ein PV-Vorschaltgesetz ist hier zu empfehlen. Aus energietechnischen Gründen ist unbehinderter Ausbau der Photovoltaik notwendig, bis durch Verknappung der Gebäude- und Lärmschutzflächen der PV-Boom von selbst abflaut. Deshalb keine zusätzlichen Vergütungsabsenkungen mehr! 5 % Vergütungsdegression jährlich (zum 15. Dezember) ist genug! Besonders die Kleinanlagen bis 5 kW benötigen eine bessere Einspeisevergütung.

[2] Zur Zeit führt jede Ausweisung eines Windvorrangsgebietes gleichzeitig zu einer Sperrung aller überigen Gebiete im Planungsbereich (§ 35, Absatz 3 Bundesbaugesetz). Dadurch wurde bundesweit, insbesondere in den südlichen Bundesländern und in Hessen, der Neubau von Windanlagen zum Erliegen gebracht. Hier ist eine schnelle Gesetzesänderung zum Thema Privilegierung von Windkraft im Außenbereich im Bundesbaugesetzbuch erforderlich.

[3] Der Bau dezentraler Stromspeicher bei den Endverbrauchern soll durch folgende Maßnahmen angeregt werden:

  • Teilnahme auch von Kleinspeicherern am Börsenhandel
  • Befreiung von den Netzgebühren für Strom zur Befüllung von Speichern. Die diesbezüglichen Bestimmungen in § 118 Abs. 7 EnWG sollten eine Verlängerung erfahren.
  • Zusätzliche kostendeckende Vergütung für Strom, der gespeichert wird.

[4] Ein großer Teil des derzeit geplanten Netzausbaus kann eingespart werden,

  • wenn Windanlagen bewusst im Umland der großen Städte errichtet werden
  • wenn regional und dezentral die Langzeit-Stromspeicher ausgebaut werden.
  • wenn Netzausbau vorwiegend darauf beschränkt wird, Windanlagen in netzfernen Regionen an das vorhandene öffentliche Netz anzuschließen.

Wenn Netze ausgebaut werden, sollten sie aus Natur- und Landschaftsschutzgründen und zur Erhöhung der Katastrophensicherheit unterirdisch geführt werden.

[5] Staatliche Förderung der Photovoltaik-Forschung ist zur Beschleunigung des PV-Ausbaus nicht mehr notwendig, da die Technik bereits millionenfach erprobt wurde und im Wettbewerb der Hersteller ständig weiter verbessert wird. Die Situation der PV ähnelt der Situation im Computerwesen zur Zeit von MS-DOS oder Windows 3.11. Auch zur Verbesserung der Computersysteme war keine STAATLICHE Forschung erforderlich.

[6] Desertec-Solaranlagen sollen Afrika mit Solarstrom versorgen. Wir in Deutschland haben genügend Potential im eigenen Land und sollten unser eigenes Potential nutzen. Die riesigen Stromleitungen und die Abhängigkeit von politisch instabilen Regierungen können wir sparen.

[7] Offshore-Windanlagen benötigen einen riesigen Aufwand für den Netzausbau. Außerdem ist der von ihnen erzeugte Strom etwa um 60 Prozent teurer als der Strom aus Binnenlandanlagen. Und ihr Potential ist gering. Siehe dazu den Energiewenderechner

[8] Ein Supergrid (ein Höchstspannungs-Gleichstrom-Stromnetz mit hoher Übertragunskapazität von Portugal bis Estland) ist störanfällig und kann entfallen, wenn regional und lokal Stromspeicher vorgesehen werden.





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